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Metro – Last Light: Verlaufen

Geschrieben von Andreas
Metro – Last Light: Verlaufen

Die Moskauer Metro gilt mit ihrem über 300 Kilometer langen Schienennetz als eines der größten U-Bahn-Systeme der Welt. Glaubt man dem Autor Dmitry Glukhovsky und 4A Games, hat sich in rund 20 Jahren an diesen Dimensionen wenig geändert. Anno 2034 gibt es unter den verseuchten Trümmern Moskaus zahlreiche Abzweigungen, Irrwege und Sackgassen. Kein Wunder, dass man sich dabei schon mal verlaufen kann.

Das Ende. Glukhovskys "Metro"-Universum zeigt die Welt nach einem verheerenden Atomkrieg. (Bild: KochMedia)
Das Ende. Glukhovskys „Metro“-Universum zeigt die Welt nach einem verheerenden Atomkrieg. (Bild: KochMedia)

Metro 2033“ war vor ein paar Jahren ein kleiner Überraschungshit. Das unbekannte ukrainische Entwicklungsstudio 4A Games hatte auf Basis des gleichnamigen Romans von Glukhovsky einen stilvollen Endzeit-Shooter geschaffen, der aber spielerisch enttäuschte. Mittlerweile wurde das Spiel laut vgchartz.com rund 700.000 Mal verkauft, und das genügte dem damalige Publisher THQ für eine Fortsetzung. Inzwischen ist die Marke bei Koch Media gelandet und kürzlich erschienen. „Metro: Last Light“ setzt da an, wo der Vorgänger aufhörte – in vielerlei Hinsicht.

Am Ende von „Metro 2033“ war der junge Held Artjom gleichzeitig Retter und Volksvernichter. Einerseits hatte er die Metro geschützt, andererseits hatte er dafür die telepathisch begabten „Dark Ones“ ausgerottet. Diese Schuld plagt unseren Helden, doch nun keimt Hoffnung auf. Späher haben einen Überlebenden gesichtet und Artjom macht sich auf die Suche. Dabei entdeckt er nicht nur das Geheimnis der Dark Ones, sondern wird mitten in einen Bürgerkrieg der Metro hineingezogen. Am Ende, so die Moral der Geschichte, hat die Menschheit nichts aus dem Atomkrieg gelernt.

Ein zwiespältiges Abenteuer

Ballern und schleichen nach "Schema F". (Bild: Koch Media)
Ballern und schleichen nach „Schema F“. (Bild: Koch Media)

Ich muss gleich zugeben, dass ich ein zwiespältiges Verhältnis zum Vorgänger habe. Rein als Spiel betrachtet hat mich „Metro 2033“ angeödet. Simple Ballereinlagen wechselten mit Möchtegern-Stealth-Missionen ab, die ich trotz der kurzen Spieldauer von knapp sieben Stunden eher pflichtbewusst, als begeistert zu Ende gespielt habe. Die klaustrophobische Metro schrie geradezu nach gruseligem Survival-Horror, aber die Ukrainer mussten unbedingt einen Shooter daraus machen. Das war auch im Hinblick auf die Vorlage etwas verwunderlich, denn Held Artjom gibt dort kaum einen Schuss ab. Im Spiel wird er dagegen ratzfatz zum Ballerprofi. Zudem nahmen die langen Skriptsequenzen ständig das Tempo aus dem Spiel. Es schien fast so, als waren sich die Entwickler nie sicher, was sie aus dem Stoff machen wollten.

Die Fortsetzung konzentriert sich am Anfang auf das, was im Vorgänger halbwegs funktionierte: Die Stealth-Einlagen. Sie bringen mehr Spannung ins Spiel, obwohl sie mit einem „Deus Ex: Human Revolution“ oder „Hitman“ nicht mithalten können. Im Dunkeln anschleichen und Gegner erledigen – das ist alles. Ablenkungsmanöver bringen kaum etwas und die Gegner K.I. schwankt zwischen „dumm wie Brot“ und „dämlich“. Danach folgen wieder die unsäglichen Ballereinlagen, die schon im Vorgänger vermurkst waren. Eine Horde Monster stürmt auf dich zu, du ballerst und lädst einfach rechtzeitig nach. Peng, das war’s  – auch auf „Hard“. In diesen Momenten ist „Metro: Last Light“ ein typischer Ostblock-Shooter: Technisch am Limit, aber ohne jegliche spielerische Finesse.

Was bleibt: Die fantastische Atmosphäre und die visuelle Umsetzung. Damit meine ich nicht die „Details-per-Pixel“-Rate, sondern die überzeugende Gestaltung der Metro und ihrer Bewohner. Das liegt einerseits sicherlich an der Romanvorlage, andererseits muss ein Grafiker diese Trostlosigkeit erst einmal in Bildern fassen können. „Metro: Last Light“ ist insbesondere auf dem PC eine morbide Schönheit.

Dreck und Hoffnungslosigkeit wohin man sieht. (Bild: Koch Media)
Dreck und Hoffnungslosigkeit wohin man sieht. (Bild: Koch Media)

Auf diese Atmosphäre müsst ihr euch einlassen, um das Spiel zu genießen. Es ist unsinnig, wenn ihr jede Mission einfach abhakt und stur durch die lineare Handlung marschiert. Ähnlich wie in „Bioshock“ oder „Dark Souls“ ist es eine Art „peripheres Erzählen“, das euch bei Laune hält. Ihr solltet auf die Zwischentöne achten, den Dialogen zuhören und die komplexen gesellschaftspolitischen Zustände in der Metro beachten. Wie bei vielen guten Science-Fiction-Geschichten ist das Szenario besser, als die Handlung oder – wie in diesem Fall – das Spiel.

Was wäre aus „Metro: Last Light“ geworden, wenn sich die Macher dem Spiel genauso gewidmet hätten, wie der Hintergrundgeschichte? 4A hat sich in den Gängen der Metro ziemlich verlaufen. Die Ukrainer versuchen viel, machen aber spielerisch wenig richtig. Die Schleichmissionen packen am Anfang, werden aber schnell zur Pflichtübung. Und das Geballer? Nein, danke, so nicht. Der einzige „Kick“ kommt von der Rationierung der Patronen.

Selbstverständlich ist „Metro: Last Light“ besser als alle „CoDs“ dieser Welt. Weil es dreckiger ist, weil es düsterer ist, weil es eine der bedrückendsten Zukunftsvisionen der letzten Jahre entwirft. Allerdings fehlt auch hier die letzte Konsequenz. Sowohl das pathetische Ende als auch das kitschig-gute Ende wecken Hoffnung, wo keine sein kann. Als ob sich die Entwickler wieder einmal nicht entscheiden konnten, wohin ihre Reise gehen sollte. In vielem besser als sein Vorgänger, aber längst noch nicht da, wo ein „Bioshock“ oder zuletzt ein „Last of Us“ längst angekommen sind. „Metro: Last Light“ ist eine düstere Genre-Irrfahrt zwischen Massengeschmack und künstlerischem Anspruch.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 14. Juni 2013

4 Kommentare zu “Metro – Last Light: Verlaufen

  1. Dieses Spiel ist meine erstes Shooter-Highlight des Jahres. Die Atmosphäre ist fantastisch und auch stimmt mich zugleich auch sehr traurig. Ich war wirklich positiv überrascht, da mich der erste Teil nicht richtig mitgerissen hat. Last Light hat für mich auf jeden Fall „mehr Seele“ als das grafische Bombast-Werk Crysis 3.

    • Das stimmt, obwohl ich Crysis 3 noch für den besten Teil der Reihe halte. Bei „Metro:LL“ liegen aber das Szenario und das eigentliche Spiel qualitativ weit auseinander. Das ist zwar alles nicht so übel wie im ersten teil, aber dennoch für mich enttäuschend.

  2. Oguz-Khan schrieb am :

    Das die Menschen in „Metro-Last Night“ in der Moskauer U-Bahn einer hoffnungslosen Zukunft entegentreten müssen lässt sich kaum bestätitgen. Viel mehr sieht man Settings welche einem das realistische und glaubwürdige Gefühl vermitteln, dass hier Familien leben. Die große stärke des Titels ist seine auch stellenweise gruselige Atmosphähre, aber vor allem beeindrucken die liebevoll eingerichteten Lebenswelten der Postapokalyptiker. Eine hoffnungslose Stimmung vermittelt eher das von Rassismus und unbeugsamen Fanatismus durchsetzte Bioshock. Obwohl es ein sehr gutes Spiel ist erschiehn es mir immer äußerst unwahrscheinlich, dass eine Gesellschaft in welcher der eine dem anderen durch ein „Verbrennen per Fingeschnippen“ den Gar ausmachen kann, jemals Bestand haben könnte.

    • Stimmt schon, die Lebenswelten in der Metro sind sehr detailverliebt gestaltet. Nur kann das in meinen Augen die traurige Tatsache nicht verdecken, dass die Erde vollkommen verseucht ist. Um es platt auszudrücken: Auch Familien können sterben, wenn sie nix zu essen haben.

      Die gezeigte Gesellschaft in „Metro:LL“ ist zudem brutal, korrupt und krank. Insofern finde ich beide Enden verlogen, da sie aus dem Nichts ein Happyend herbeizaubern. Frei nach dem Motto: Alles nicht so schlimm, wird schon wieder. Die Tatsache ist aber, dass die Tage der Menschen in der Metro gezählt sind.

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