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LG Optimus 3D vs. Nintendo 3DS

Geschrieben von Sven
LG Optimus 3D vs. Nintendo 3DS

Sie beherrschen beide das stereoskopische 3D, sonst aber könnten sie unterschiedlicher kaum sein: das LG Optimus 3D und der Nintendo 3DS. Aber beide wollen im Rahmen des aktuellen Trends für Aufsehen und zufriedene Kunden sorgen. Nur kann hier ein Kandidat überhaupt das Rennen machen?

Aus Spielersicht neigte ich zu Beginn meines Vergleichs zum 3DS. Die Handheldkonsole von Nintendo besitzt schon eine kleine Anzahl an Exklusivspielen und kann dank DS-Abwärtskompatibilität auf ein reichhaltiges Sortiment an hochwertigen Titeln zurückgreifen. Aber: Neue Spiele kosten an die 40 Euro, der bereits integrierte eShop bietet zwar einige interessante Programme – die aber nicht günstig sind. Und: Der 3DS ist voll und ganz aufs Spielen ausgelegt, nennenswerte Dienste abseits der digitalen Unterhaltung und der Freundesverwaltung gibt es nicht. Den installierten Opera-Browser klammere ich mal aus, der ist wirklich nicht der Rede wert. Das Gerät kostet aktuell rund 170 Euro. Ein guter Preis, wie ich finde. Das LG Optimus 3D liegt bei zirka 400 Euro, ist dafür aber ein vollwertiges Smartphone auf Android-Basis. Telefonieren, mit Flash 10 recht flott im Internet surfen, Mailprogramm, Navigationssoftware und, und, und. Dazu gesellt sich der prall gefüllte Android Market mit an die 300.000 Apps, von denen vermutlich knapp die Hälfte Spiele sind. Für Toptitel verlangen Gameloft und Co. in der Regel 6 Euro, ältere Spitzenprodukte gibt’s in rauen Mengen für unter 1 Euro.

Größenvergleich: Nintendo 3DS vs. LG Optimus 3D
Größenvergleich: Nintendo 3DS vs. LG Optimus 3D

Schau ich mir die reinen Hardware-Daten hat, hab ich beim 3DS das Gefühl, ein Stück Nostalgie in den Händen zu halten.  Nintendo verbaut zwei ARM 11-Prozessoren mit 266 MHz sowie den Grafikchip Pica 200 mit 133 MHz. Dazu gesellen sich 4MB VRAM und 64MB RAM sowie 1,5GB Flash-Speicher.  Das Optimus 3D setzt ebenfalls auf eine ARM-CPU, hier kommt jedoch der OMPA4 Dualcore-Prozessor mit 1GHz zum Einsatz. Eine leistungsfähigere Form mit vier Kernen möchte Sony auch in die PlayStation Vita stecken. Unterstützung erhält der Zweikerner von dem 304 MHz getakteten PowerVR SGX540-Grafikchip. 512MB RAM und 8GB interner Speicher gehören auch dazu. Videos nehmen die zwei 5 Megapixel-Kameras in 3D (720p) und 2D (1080p) auf, der 3DS schafft nur Fotos in 3D. Was will ich schon von 3x 300.000 Pixeln erwarten? Wenigstens sind sich beide Konkurrenten beim 3D-Bildschirm einig: Das Optimus 3D verfügt über einen 4,3 Zoll-IPS-Display mit 800 x 480 Bildpunkten, der 3DS besitzt die gleiche Auflösung bei einer geringeren Bildschirmgröße von 3,5 Zoll. Dass sich diese Angaben auf 400 x 480 Pixel im 3D-Betrieb verringern, versteht sich aufgrund der verwendeten Technologien von selbst.

Beim ersten Ausprobieren fällt auf auf: Der 3DS stellt das 3D-Bild aufgrund des kleineren (Haupt-)Displays besser dar als das Optimus 3D dar. Denn beim Smartphone werden die eingefügten Linien sofort erkennbar, Objekte oder Icons verpixeln dadurch auf gewisse Weise. Hier hat Nintendos Kiste die Nase vorn – rein bezogen auf die Präsentation des räumlichen Effekts. Identisch sind wiederum die Schwächen: Bewegt ihr den 3DS oder das Optimus 3D ein wenig, verändert ihr den Betrachtungswinkel oder schiebt die Geräte etwas nach vorne bzw. hinten – der 3D-Effekt geht flöten. Nur unter perfekten Bedingungen kommt 3D zur Geltung, schmerzt aber dennoch nach 30 Minuten oder länger die Augen.

Das LG Optimus 3D besitzt wie der 3DS zwei Kameras auf der Rückseite - allerdings mit jeweils 5 Megapixel.
Das LG Optimus 3D besitzt wie der 3DS zwei Kameras auf der Rückseite - allerdings mit jeweils 5 Megapixel.

Kommen wir zur Software: Auf dem LG Optimus 3D sind die Gameloft-Spiele „N.O.V.A.“, „Lets Golf 2“ und „Asphalt 6“ vorinstalliert. Letztgenanntes Rennspiel gibt es in leicht veränderter Form auch für den 3DS. Dieses und „Dead or Alive Dimensions“, „Ocarina of Time“, “Resident Evil: The Mercenaries 3D”, “Rabbids 3D”, “Die Sims 3D” und “Pilotwings 3D” schnappte ich mir spontan als Vergleichsobjekte. Für das Optimus saugte ich mir „Assassin’s Creed 3D“ sowie zwei kleine Spielereien von LG. Und welch Überraschung: Vom Spielerlebnis nehmen sich beide Geräte nichts. Die Qualität des 3D-Bildes ist sehr ähnlich, auf dem 3DS wirkt das Bild minimal kontrastreicher. Sonst aber scheint es wie gewohnt an den Entwicklern zu liegen: Die räumliche Tiefe ist entweder gut („N.O.V.A.“, „DoA: Dimensions“, „Resident Evil“) oder überflüssig („Asphalt 6“, „Asphalt 3D“, „Assassin’s Creed“).

Der Knackpunkt ist zugleich die Stärke des 3DS: die Steuerung. Mittels Touchscreen ist es nun einmal keine Leichtigkeit, einen Ezio bei „Assassin’s Creed“ zu kontrollieren. Sehr wohl geht die Bedienung bei einem „Ocarina of Time“ oder einem „Pilotwings 3D“ dank Buttons und Analogstickscheibe viel flotter von der Hand. Wie bei Smartphone-Spielen typisch, ist das alles eine Frage der Gewöhnung. Der konservative Spieler dürfte allerdings seine Schwierigkeiten haben – auch auf lange Sicht. Apropos lange: Ich würde ja sagen, der 3DS besitzt einen Vorteil bei der Akkulaufzeit. Aber irgendwie wäre das gelogen. Maximal zwei Tage hält der Standby-Betrieb, beim intensiven Spielen bin ich froh, wenn nicht schon nach drei, vier Stunden Schluss ist. Das Optimus 3D hält eine Stunde bei 3D-Spielen, dafür aber knapp eine Woche im Ruhemodus.

Von links nach rechts: 3DS, LG Optimus 3D, iPhone 4
Von links nach rechts: 3DS, LG Optimus 3D, iPhone 4

Geht es ums reine Spieleangebot und den Wunsch, spontan einen kleinen Zeitvertreib für möglichst wenig Geld zu erhaschen, lässt das Optimus 3D dank des Android-Betriebssystems kaum Wünsche offen. Was es hier im Android Market für Spiele gibt – in dieser Menge! Hier kann ein Nintendo-Anhänger nur von träumen. Freilich stimmt oftmals die Qualität nicht, aber wir reden hier über Spiele für unter einen Euro oder als Gratis-Angebot. Gerade im Direktvergleich zwischen einem aktuellen Smartphone und dem 3DS kann Nintendos hübsche Maschine nur verlieren. Kein Wunder, dass der Preis der aktuellen Handheld-Konsole so schnell nach der Veröffentlichung sinken musste. Nur das ändert nichts an dem enormen Vorsprung aus dem mobilen Sektor, also iOS- und Android- Geräte.

Nach allerlei Tests mit 3D-Spielen auf beiden Plattformen bin ich unverändert wenig von Stereoskopie auf kleinstem Raum angetan. Sie belästigt auf Dauer die Augen, ist weitgehend unnütz oder keine spielerische Bereicherung. Geht’s ums ganz banale Zocken ist zwar der 3DS alles andere als eine schlechte Wahl, ich würde aber dennoch bei einem möglichen Kauf ein Smartphone wie das Optimus 3D favorisieren. Das ist von Haus aus vielseitiger und auf Dauer sogar günstiger. Sicher, ein „Zelda“ oder „Mario“ dürfte es so bald nicht auf ein Handy schaffen, aber Alternativen gibt es schon jetzt – und das nicht für 30-40 Euro.

Und noch ein Größenvergleich. Der 4,3 Zoll große Display des LG eignet sich gut zum Spielen.
Und noch ein Größenvergleich. Der 4,3 Zoll große Display des LG eignet sich gut zum Spielen.

Ich weiß, ich sage euch bestimmt nichts Neues. Einiges verdeutlichte mir der Vergleich zwischen dem Optimus 3D und dem 3DS schon: 3D ist kein ernsthaftes Kaufargument, sondern vorrangig eine Spielerei. Manchmal sogar eine anstrengende. Und die Verantwortlichen bei Nintendo bekommen massive Schwierigkeiten, wenn sie weiter die Macht der Apps ignorieren. Vielleicht liegt es ja an meinem mittlerweile veränderten Spielverhalten, aber ich habe sehr viel Freude mit Spielen für Smartphones. Ein „Mega Mall Story“ (iOS) und ein „Grand Prix Story“ (Android, gespielt in 2D auf dem Optimus 3D) haben mir zuletzt deutlich mehr Spaß bereitet als der ganze Quark, den ich mir für deutlich mehr Geld aus dem 3DS-eShop gezogen habe.

Mal so beiläufig erwähnt: Das LG Optimus 3D verfügt auch über USB- und HDMI- Anschlüsse, ist ein feines Navigationsgerät, intuitiv bedienbarer Multimediaplayer, eine prima Schnittstelle zu den sozialen Netzwerken und so weiter und so fort. Schon krass, wenn ich überlege, dass ein 3DS ohne 3G mit zehn aktuellen Spielen sehr viel teurer ist als das Optimus 3D, das viel mehr kann. Da muss sich niemand wundern, wenn auch die PlayStation Vita floppt. Sony, noch ist es nicht zu spät, dem PSP-Nachfolger das Telefonieren und günstige Apps beizubringen.

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 19. August 2011

7 Kommentare zu “LG Optimus 3D vs. Nintendo 3DS

  1. Hab jetzt keine Lust auf lange Texte :) aber einen Fan wird dein Argument bzw. Fazit kaum beeindrucken…..oder gibt es auf dem LG Smartphone Zelda, Mario und Co.? (jaja, die Spiele kommen noch, ich weiß) Nintendo vs LG…da gibt es für mich einen klaren Gewinner ;) Und Apps sind nun mal billiger. Und um Gottes Willen…Sony soll das ja nicht lesen. Ich will einen puren Handheld! Bist du auch so einer der alles in einem haben will? Pfui Teufel… :)

    • Ach, so viel Text war das doch gar nicht. :) Und klar, eine Vita mit Telefonie-Funktion fänd ich gut. Am besten, wenn das Teil noch auf Android-Basis wäre – dann könnte Sony knapp einem Flop entgehen. :)

  2. Kai schrieb am :

    Klar sind Apps günstiger, aber letztendlich würde ich mich schon für das Nintendo 3DS entscheiden, weil es da einfach viel mehr Spass macht mit zu spielen. Aber jeder das seine :-)

  3. mad schrieb am :

    Mal ehrlich, virales Marketing nenn ich das. Ich hatte schon nach dem ersten Absatz verstanden, dass du das LG-Gerät bevorzugst. Aber mal ehrlich, wer möchte eine Konsole zum telefonieren oder ein Telefon zum zocken. Was bringt ein überflüssiger Vergleich der Hardware, wenn beide Konfigurationen tadellos ihren Dienst verrichten. Wenn es funzt dann funzt! Im DS bedankt sich zudem noch der Akku. Ich gebe zu 3 Stunden sind zwar auch nicht die Welt, aber im Rahmen. Und ein Vergleich der Standby-Zeiten ist sowas von unnötig. Jetzt mal im Ernst! Wenn ich zocken möchte, dann mach die DS an. Bei einer Konsole hat man nämlich den Vorteil,dass man im ausgeschalteten Zustand keine Anrufe verpassen kann. Was kommt als nächstes? Ein Vergleich zwischen einem Trockner und einem Backofen. Beide haben ja ungefähr die gleiche Größe, ne Überlegung wäre es wert.Und als Fazit dann, dass zwar beide Wäsche trocknen können, der Backofen jedoch zu empfehlen ist, da er nämlich gleichzeitig noch die Pizza backen kann…

    • Virales Marketing? Unsinn! Und natürlich ist die Standby-Zeit beim 3DS wichtig. Denn diese braucht man schließlich für SpotPass oder das Empfangen von anderen Mii-Charakteren, wenn man unterwegs ist. Das sind eben elementare Mechanismen der Konsole, die Nintendo sehr wichtig sind. Wenn dann die Standby-Zeit außerordentlich gering ist, sinkt der Mehrwert dramatisch. Dann geh doch mal mit dem 3DS an einem Wochenende shoppen. Lange hält er das nicht aus – ist leider so.

      Ich denke, es im Artikel verdeutlicht zu haben: Nintendo hat mit dem 3DS vielleicht ne ordentliche Konsole abgeliefert, sehr wohl aber den Trend verschlafen. Spiele auf einem ähnlichen Niveau (eShop vs. Android Market z.B.) sind viel teurer und deswegen noch lange nicht besser. Und andererseits ist ein Handy kaum schlechter als Spielegerät zu gebrauchen als eine Handheld-Konsole. Klar macht hier ein Vergleich Sinn. Der 3DS wird auch bald mit der PS Vita verglichen, obwohl sie in vielerlei Hinsicht total unterschiedlich sind. Es geht schlussendlich ums mobile Spielen…

  4. „Sie belästigt auf Dauer die Augen, ist weitgehend unnütz oder keine spielerische Bereicherung.“

    Ok, das es manche Leute gibt die von 3D-Bildschirmen Kopfschmerzen oder Augenschmerzen bekommen ist klar, aber das betrifft nur etwa 15% der Bevölkerung. Das nach längeren Starren auf einen kleinen Bildschirm die Augen ermüden ist auch nichts Neues.

    3D Unnütz? Sorry aber das ist Unsinn es gibt schon viele 3DS-Spiele bei denen der 3D-Effekt eine kaum noch wegzudenkende Bereicherung ist. Endlich kann man z.B. bei Shootern und Jump&Run-Spielen wirklich die Abstände erkennen. Wer beim neuen Mario-Spiel für den 3DS mal den 3D-Effekt ausschaltet fühlt sich als ob einem eine Hand abgehackt wurde und so ist es mittlerweile bei vielen Spielen für den 3DS (obwohl man natürlich alle Spiele auch ohne 3D spielen kann wenn man will oder 3D nicht abkann).

    Klar gibt es im Android-Markt tausende von Spielen aber davon sind 99% Schrott und der Rest eher Pausenfüller. Natürlich gibt es für den 3DS auch minderwertige Spiele aber auch eine ganze Reihe hochklassiger aufwendiger Spiel-Epen, vom epischen Rollenspielepos über Ballerspiele und aufwendige Geschicklichkeitsspiele bis zum Denkspiel. Da kann weder der android- noch iPhone-Markt mithalten.

    • Der räumliche Effekt beim 3DS wird doch nur suggeriert. Dadurch werden beispielsweise Treppchenbildungen kaschiert und eine räumliche Tiefe vorgegaukelt. Einzig dann, wenn Objekte quasi vor dem Bildschirm schweben, kann man von einem 3D reden. Und das ist auf dem 3DS (und Optimus 3D) auf Dauer unangenehm und für die Augen anstrengend. Und woher hast Du die Zahlen mit den 15% der Bevölkerung?

      Und von welchen 3DS-Spielen redest Du bitteschön? Beispiele? Außer Mario 3D vielleicht….

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