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Langer lästert über Indies (oder so ähnlich)

Geschrieben von Andreas
Langer lästert über Indies (oder so ähnlich)

Jörg Langer von gamersglobal.de lästert über Indies und hält den aktuellen Boom für ein Märchen. Teilweise hat er recht, oft verfehlt er das Thema und vieles unterschlägt er.

Langer wirft Hobbyprogrammierer mit Studios wie Team Meat in einen Topf und kommt zum Fazit: Indie-Entwickler sind unprofessionell, klauen alte Ideen und sind alles andere als unabhängig. Zur Untermauerung seiner Thesen nennt er die Modding-Beispiele “DayZ” und “Third Age”, lobt ein wenig “Minecraft” und haut auf “Dwarf Fortress” ein, das ihm wertvolle Stunden seines Lebens gekostet hat. Am Ende des Artikels weiß der Leser, dass sich Langer viele Gedanken über den Titel seiner Kolumne gemacht hat und der günstige Preis das Beste an einem Indie-Spiel ist. Sein gesamter Text findet sich auf GamersGlobal.de in der Rubrik “Langer lästert”.

Jörg Langer, Spielejournalist. (Quelle: joergspielt.de)

Es ist wahr, dass Indie-Spiele manchmal überbewertet werden. Oft sind es visuell aufgehübschte Umsetzungen altbekannter Ideen. Wie Langer richtig erwähnt, finden sich besonders für iOS zahlreiche Plagiate, die zudem voller Fehler sind. Ähnliches gilt für den PC-Markt. Beides liegt wohl daran, das es heute noch nie leichter war, Spiele zu entwickeln. Tools wir der RPG-Maker oder Entwicklungsplattformen wie XNA locken talentierte wie untalentierte Spieler an. Für mich ist das allerdings ein Ausdruck von Vielfalt und Meinungsfreiheit. Ich finde auch nicht alles toll, was sich auf diese Weise im Netz tummelt, aber ich muss mir ja auch nicht alles kaufen.

Wenn Langer nun behauptet: “Diese unsichtbare Masse macht den Hauptteil des Indie-Schaffens aus.” wird jeder vernünftige denkende Mensch ihm zustimmen, allein schon aufgrund der Größe des PC-Markts. Echte Perlen sind nun mal rar gesät. Allerdings kann ich Gleiches auch von den “Profis” behaupten. Gibt es jedes Jahr 10 Spiele, die ihr Geld wert sind? Die fehlerlos auf den Markt kommen? Hat da jemand “Fallout New Vegas” gesagt?

Minecraft. Wahrscheinlich einer der Gründe für den momentanen Indie-Boom.

Kein Mensch denkt bei irgendeinem Tower-Defense-Klon fürs iPad an den Indie-Boom. Unabhängige Entwickler sind “in”, wegen “Minecraft”, “Terraria” oder “Braid”. Warum er diese oder ähnliche Titel in seiner Kolumne kaum erwähnt, bleibt rätselhaft. Stattdessen werden die Professionalität und das Können großer Studios gelobt, die sowieso immer die besseren Spiele machen. Komischerweise kenne ich kaum Indie-Entwickler, die auf XBLA das nächste “Skyrim” erschaffen wollen. Wieso also der Vergleich zwischen Äpfel und Birnen? Wenn er halt keine Hobbyprogrammierer mag – gut, ok. Was hat das aber mit dem Indie-Märchen zu tun? Hat sich Langer peinlicherweise in den komplexen Begriffswelten von “Indie”, “Mods” und “Hobbyprogrammierer” verirrt, wie Konrad von Texturmatsch auf Twitter vermutet? Oder wollte der Autor nur mal über “DayZ” lästern und nebenbei mit ein paar dürftigen Argumenten über ein “brisantes” Thema fabulieren? Könnte sein, es ist ja ein Märchen.

Aus Märchen kann man aber lernen, vielleicht auch etwas über “Indie-Games”. Ähnlich wie oft im Film, in der Musik oder der Literatur sind Werke unabhängiger Entwickler mehr als nur ein Spiel. Sie sind bewusst als Gegenkultur zum aktuellen Spielmarkt angelegt: Im experimentellen, provokanten und vor allem unberechenbaren Umgang mit dem Medium Videospiel liegt die Daseinsberechtigung der “Indie-Games”. Weg von dem, was alle anderen machen, eine andere Perspektive wagen. Mal etwas RTS-Rundenstrategie versuchen, wie in “Frozen Synapse”? In einem Spiel die Alkoholkrankheit des Vaters verarbeiten, wie in “Papo&Yo”? Oder sich durch die 2D-Pixel-Endzeit wagen, wie in “Lone Survivor”? Bitte sehr, das ist in meinen Augen echt “Indie”. Deshalb muss man diese Spiele nicht alle kaufen und schon gar nicht lieben. Ein Spieleexperiment kann anstrengend sein, und ob es sich am Ende lohnt, ist nicht sicher. Aber das ist gerade das Spannende daran.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 18. September 2012

10 Kommentare zu “Langer lästert über Indies (oder so ähnlich)

  1. Hamrath schrieb am :

    Die einzige Botschaft, die ich aus seiner Kolumne herausgelesen habe, war ganz am Anfang: “Hähä, ich kann Xcom spielen und du nicht!”

    • Tja, nur der große Langer darf so etwas vor Release spielen. Eine Bemerkung, um sich quasi auf den Kritikerthron zu setzen. Dadurch sollte dem Leser wohl klar gemacht werden: Hier spricht ein Mann von Bedeutung, also hat er recht.

  2. An der Kolumne störte mich ein wenig das Zusammenwürfeln von Mods und eigenständigen Spielen. Mods sind nunmal in jedem Fall reine Hobbyprojekte, die auf dem geistigen Eigentum anderer Aufsetzen und auch das, zumeist Triple-A, Spiel voraussetzen.

    Bei Indie-Spielen habe ich persönlich eben das Problem, für 99 Prozent der Titel würde ich nicht im Traum daran denken Geld auszugeben. Weil ich entweder einen meist spielerisch viel besseren Klassiker im Schrank stehen habe, der sowieso, auch wenn uralt, insgesamt deutlich ausgereifter ist, immerhin war es ja vor Urzeiten mal ein “Triple-A” Titel.

    Spiele wie Braid, Fez, Limbo und Co können dennoch begeistern. Es sind einfach gute Spiele, wo die mangelnde Technik gelungen in Szene gesetzt wurde, bzw. zum Konzept passt, sodass ich darüber hinwegsehen kann. Mehr als fünf Euro würde ich für so einen Titel allerdings auch nicht ausgeben, eben weil ich genausogut auch einen 16 Bit Klassiker wieder ausgraben kann, der genausoviel Spaß macht.

    Der Vergleich Indie und Triple-A verbietet sich meiner Ansicht nach aber nicht nur wegen dem Preis. Ein Mega-Rollenspiel wie Skyrim kann mich für hunderte Stunden in seinen Bann ziehen, bietet sich für mehrstündige intensive Spielesessions die einen tief eintauchen lassen geradezu an.

    Die kleinen Indie-Titel sind entgegen eher ein Happen für zwischendurch, etwas, was ich mal fünf Minuten in der Mittagspause zocken möchte weil die Immersion nicht so wichtig ist.
    Ein bezeichnendes Beispiel für sowas ist das in WoW eingebaute Bejewelled, das man dort spielen kann, wann man gerade von A nach B fliegt (sofern man kein eigenes Flugmount hat).

    Zurück zu den Mods, Indie-Entwickler SIND kommerzielle Firmen die Geld verdienen wollen. Punkt! Mods sind reine Hobbyprojekte, sei es aus Spaß sei es in der Hoffnung, irgendwann richtiger (Indie-)Entwickler zu werden.
    Einige Mods sind wirklich genial – Stichwort Nehrim – andere sind ja auch nur kleine Addons. Ich liebte diese ganzen Mods für Oblivion, nicht nur Rüstungen und Waffen oder Gebäude sondern richtige kleine Questreihen. Aber das sind eben gerade keine kompletten Spiele sondern erweitern nur das Hauptspiel.

    Wo ich Jörg Langer recht gebe ist DayZ, was an dem Ding so begeistern kann, entzieht sich mir völlig! Man rennt durch die riesige und total leere Welt eines veralteten Shooters und flüchtet vor Zombies. Und? Dann doch lieber Left4Dead oder Fallout 3 oder sowas.

    Das gleiche gilt allerdings auch für Minecraft, dessen Grafik mir einfach Augenkrebs verursacht. Wenn die wenigstens ein bisschen vernünftig wäre, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass das eine tolle Sache ist. So aber – das würde ich mir keine zwei Minuten antun können! Völlig unabhängig davon, dass der Titel eben ein klassisches Experimentiergame ist (oder man im Internet nachschauen muss). Das Spielkonzept an sich finde ich interessant, halt ein offener Experimentierbaukasten. Die Umsetzung ist in meinen Augen aber eine Katastrophe und absolut Bäh. Und dann hilft das tolle Konzept auch nicht mehr … (weswegen ich den Erfolg auch absolut nicht verstehen kann).

    Wenn man gerne bastelt, warum nicht sowas wie Little Big Planet?

    • Ja, das mit Mods und Indie-Spielen hat der gute Herr Langer nicht kapiert. Mich stört halt, dass er einige Indie-Höhepunkte einfach unter den Tisch fallen lässt und die Alpha-Version von DayZ als Beispiel nimmt, um die Probleme der Indie-Spiele darzustellen. Ausserdem schreibt er, das ihm das Spiel nicht gefällt und deshalb ist es grundsätzlich Mist. Was sagen bloß die Tausende von Spielern, die bereits Wochen mit dem Spiel verbracht haben? Es ist ja nicht so, dass DayZ nur ein Fall für ein paar handverlesene Nerds ist.

      Aber verwechsle bitte nicht “Indie” mit “Casual”. Klar, viele Indie-Spiele sind sehr kurz, aber hast du mal Endless Space oder Mount&Blade gespielt? Der Indie-Markt ist sehr reichhaltig. Klar, das muss man nicht mögen, weil es oft auch anstrengend ist. Ein Beispiel Cell:Emergence. Ein tolles Spielkonzept – ein Voxel-RTS-Shooter im Szenario von “Fantastic Voyage” – aber nicht gut umgesetzt.

      • Dass ich Indie und Casual so ein wenig in einen Topf werfe mag daran liegen, dass Titel wie Mount 6 Blade Warband genauso viel kosten wie Triple-A Titel. Das 2010er Warband kostet jetzt noch 20 Euro. Von daher will M&B in meinen Augen bei den Großen mitspielen.

        Nur da bin ich eigen und will auch aktuelle Technik, und die kann M&B für 2010 halt nicht annähernd liefern.

        Also ist M&B für mich kein Indie-Spiel sondern einfach irgend ein Titel aus dem Mittelmaß, der halt ein paar Fans hat.

        Und ja ich weiß, gerade aus der Indie-Verfechter Ecke kommt immer: Grafik ist nicht wichtig, dass Spielkonzept ist es … nada nada mimimi

        Das ist BULLSHIT in meinen Augen! Grafik ist EXTREM wichtig. Je besser die Grafik, je höher der Staunfaktor desto mehr kann mich ein Spiel in seinen Bann ziehen. Wenn Grafik nicht so wichtig wäre, dann könnte ich heute auch noch Hexen 2, Drakan oder Gothic 2 zocken. Aber ich halte das einfach nicht länger als zehn Minuten aus, dann kriege ich das ko… obwohl ich die Titel DAMALS halt ganz toll fand.

        Aber in jedem neuen Jahr wächst auch mein Anspruch an das Spielvergnügen! Und die Technik macht einen großen Teil der Faszination an Computerspielen aus.

        Ich liebe meine Retrogames, zocke gerne mal den einen oder anderen Klassiker aus meiner Sammlung. Aber ich halte das nie lange aus. Es ist mehr ein kurzfristiges in Erinnerungen schwelgen als ein wirkliches spielen. Und ich kann mir vorstellen, dass es vielen langjährigen Zockern, die immer noch aktuelle Games spielen genauso geht.

      • Achso, Thema DayZ hatte ich vergessen. Wie du meinem Post entnehmen kannst halte ich DayZ auch für ziemlichen Müll, Alpha hin oder her! Es ist für mich einfach nur laaaangweeiiillliiig. Nur weil Tausende das Spielen kann ja jeder da eine andere Meinung zu haben.

        Das Problem, das Jörg da vielleicht mit ansprechen will ist, dass so ein Teil, weil es unter dem Label “Indie” daherkommt (was es nicht tut, ist ja eine Mod), mit einmal so riesig gehypt wird und alle das ganz toll finden “wollen”. Und wenn einer erst mal anfängt, dann kommen ganz viele und plappern das nach, weil das eben “in” ist.

      • Zum Thema DayZ: Mir geht es nicht darum, das Spiel zu verteidigen. Langer führt es aber an, um daraus eine allgemeingültige Aussage zu machen.

        Ok, das sind wir wieder bei der Frage: Was ist Indie? M&B, Endless Space kosten ca. 30 €, also rund 20 € weniger, als ein AAA-PC-Titel. Das Buedget dürfte bei beiden Spielen unter einer Million gelegen haben. Was das noch mit einem 30-Millionen-Dollar Titel (das ist so die untere Grenze für AAA) zu tun hat, der für weiß ich nicht.

        Zum Thema Grafik: Die visuelle Umsetzung ist sehr wohl wichtig. “Wenn ich aber Realismus will, gehe ich spazieren” (Zitat aus einem Forum, weiß aber leider nicht mehr wo). Für mich zählt nicht Fotorealismus, sondern Originalität und Kreativität. Ich finde die Grafik eines GW 2 viel einfallsreicher als z. B. eines BF3 oder Crysis auf max. Einstellungen. Das ist sicherlich Geschmackssache, aber den sollte man halt jedem einzelnen selbst überlassen.

      • M&B sind alleine von der Art der Spiele, egal ob Indie oder nicht, für mich eben keine Indie-Titel mehr. Wie gesagt, sie kosten relativ viel Geld (auch wenn das ein wenig weniger sein mag als bei Triple-A Neuerscheinungen) und sind von der Aufmachung her eben “große” Spiele. Und da können sie eben dann insbesondere technisch nicht mithalten.

        Es geht mir bei der Grafik mehr um den technischen Aspekt als den künstlerischen. Ich erwarte auch nicht, dass jedes Spiel wie Skyrim, Guild Wars 2, Battlefield 3 oder Crysis 2 aussieht. Aber ich möchte diesen Staunfaktor und das es einigermaßen auf der Höhe der Zeit ist. Sonst brauche ich eben nicht das neue Spiel mit schlechter Grafik kaufen, sondern kann entweder ein altes dann noch günstigeres Game mit ebensolcher Grafik nehmen oder gleich auf meinen riesigen Stapel nicht gespielter Titel, etwa von Zeitschriften-CDs zurückgreifen. Ein neues Spiel, das mich überzeugen will, MUSS mir einfach diesen Aspekt liefern.

        Von daher finde ich den Quatsch mit der Natur auch völlig daneben. Die Natur ist die Natur, eine Spielegrafik ist ein technisches Kunstwerk, dass ich bestaunen möchte. Ich sage ja auch nicht: Die Mona Lisa sieht aber schlecht aus, das ist ja gar nicht fotorealistisch.

      • Der Fotorealismus eines BF3 ist für mich keine Kunst, sondern nur Handwerk. Damit soll nur die Natur kopiert werden. Und wie gesagt: Indies sind nicht nur kleine Spiele, wobei keines natürlich den Umfang eines Skyrim erreicht.

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