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Letzte Ausfahrt Free-to-play

Letzte Ausfahrt Free-to-play

Frontal 21 hat mal wieder einen kritischen Beitrag über Spiele gebracht. Dieses Mal geht es um die sogenannte Abzockfalle Free-to-play. Einzelfälle werden geschildert, Experten kommen zu Wort. Und nun ist die Aufregung unter Spielern erneut groß. Natürlich ist es von den Journalisten etwas grob gestrickt, wenn sie von zwei Beispielen (“League of Legends” und “Horse”) auf die ganze Branche schließen. Ich frage mich aber: Legt Frontal 21 den Finger nicht in eine Wunde, die uns allen nicht schon seit der Erfindung dieses Geschäftsmodells plagt?

Schon gewusst? Sie ist die Schwester vom Kriminologen Dr. Christian Pfeiffer. (Foto: ZDF.de)
Schon gewusst? Sie ist die Schwester vom Kriminologen Dr. Christian Pfeiffer. (Foto: ZDF.de)

Es ist Abzocke, wenn ein Hersteller eine 0900er Nummer angibt, um Micropayment zu ermöglichen. Punkt. Erst recht, wenn er offensichtlich keinen Alterscheck verlangt. Die im Film gezeigten Profis bleiben weitgehend sachlich (selbst die olle Pfeiffer) und sagen eigentlich nur das, was wir alle wissen, aber uns längst damit abgefunden haben: Kaum ein Spiel ist wirklich Free-to-play. Es sollte eher Pay-to-win heißen, und spontan fällt mir nur „Royal Revolt“ als ein Beispiel ein, das ich wirklich kostenlos zu Ende spielen konnte – übrigens Glückwunsch nach Karlsruhe für den deutschen Entwicklerpreis. Wer wartet aber an anderer Stelle ernsthaft mehrere Stunden, damit er ein zartes Pflänzchen pflücken kann?

Free-to-Play ist die biologische Uhr der Spielbranche, die langsam anfängt zu ticken. Die Gewinne scheinen momentan gut zu sein, aber glaubt jemand wirklich, dass dies das große Zukunftsmodell ist? Wenn sie nicht aufpasst, ist die Spielebranche bald da, wo die SMS-Abzocker in den 1990ern waren. Das Stichwort lautet Fairness. Ich will ein Spiel, das mich stundenlang motiviert, damit ich dafür Geld ausgebe. So war es schon immer – es ist die erste Voraussetzung für ein erfolgreiches Spiel. Ob ein “Hawken” oder die vollmundigen Sprüche der Yerli-Brüder mir dies erfüllen können?

Es bringt auf jeden Fall nichts, über einen Fernsehbeitrag zu meckern, in dem mehr als nur ein Körnchen Wahrheit steckt.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 13. Dezember 2012

12 Kommentare zu “Letzte Ausfahrt Free-to-play

  1. Robin schrieb am :

    Kritisiert wird Frontal 21 nicht wegen dem was sie zu Horse sagen, sondern zu deren Kommentaren zu League of Legends. Das ist nämlich schlicht und ergreifend falsch.

  2. ich finde sony macht das mit dem ps+ schon ganz gut, für schlappe 50€ im jahr bekommt man mittlerweile richtig was geboten an kostenlosen spielen und ich möchte nicht wissen was sony die sache kostet… und das sind eigentlich alle keine wirklichen free2play spiele.

  3. Alex schrieb am :

    Ich frage mich, wie lange ich es noch schaffe mich gegen F2P oder besser gesgt P2W zu wehren, mich abzuschotten, dem gallischen Dorf zu dienen, welches Deutschland weltweit noch darstellt, wenn es um F2P geht. Ich mein, ich gebs zu, ich bin dreimal bislang schwach geworden und wurde nur einmal entäuscht. Die da wären Herr der Ringe Online, The Old Republic und Planetside 2, entäuscht wurde ich nur von erstgenanntem, aber von Warner Brothers Games erwarte ich mittlerweile nix mehr (Ihr habt die FEAR Serie ermordet, ihr Schweine).
    Was Frontal 21 nicht erwähnt hat, ist die potentielle Selbstzerstörung von Electronic Arts ^^, ein Ereigniss auf das ich mich freue, denn dann sind wieder dutzende gute Entwickler frei.
    Ach ja, von Crytek soll ja auch was in der Richtung kommen, ohne P2W, bin mal gespannt.
    Was den Bericht angeht, gut geschrieben und sachlich, ich freu mich immer wieder auf neuen Input von euch.

  4. realBohd schrieb am :

    Ich weiss garnicht wo ich anfangen soll, mich hier aufzuregen.

    1. F2P ist kostenlos und jeder kann probieren und es ggf. sein lassen
    2. Es gibt genug sehr gute Spiele auf allen Platformen, die sofort bezahlt werden können und dann ohne F2P auskommen. (Scheinbar ist das aber ein Problem in unserer Kostenlos-Gesellschaft)
    3. Wer sich nur mal einen Moment damit auseinandersetzt, was notwendig ist um ein Spiel auf die Beine zu stellen, sollte sofort kapieren, das es nicht komplett kostenlos geht.

    Und jetzt Schluss mit dem Gejammer. Wer was schönen Spielen will, soll auch bezahlen dafür. Wenn ich ein schönes Auto will, muss ich auch den Preis bezahlen.

    So einfach ist das.

    • Xanija schrieb am :

      Ich weiß nicht, worüber Du Dich aufregst. Es hat schließlich keiner gefordert, dass man nur kostenlos spielen können soll. Und dass es Geld kostet, Spiele zu entwickeln und Entwickler auch von etwas leben wollen, ist auch nicht unbedingt eine bahnbrechende Erkenntnis. F2P ist ein Geschäftsmodell, das nicht weiter stört, wenn es richtig eingebaut wird. Ein Spiel, bei dem ich ähnlich wie in einen Arcade-Automaten regelmäßig Münzen nachschmeißen muss, um vernünftig spielen zu können, wird mich nie interessieren.

      Das Problem ist übrigens nicht die kostenlos-Mentalität, die unsere Gesellschaft angeblich befallen hat, sondern vielmehr das unglaublich große Angebot bei offenbar zu wenigen potentiellen Kunden. Man muss sich nur mal anschauen, wie viele Shooter es gibt. Wer soll das ganze Zeug denn alles spielen? Über MMORPG’s muss man gar nicht erst anfangen zu reden. Aber kostenlos-Mentalität? Das dürfte das geringste Problem der Branche sein.

      • Ich bezahle gerne für Spiele, die mich überzeugen. In der Regel hast du aber bei F2P keinen Überblick über die Kosten. Ich sage nicht, dass es immer so bleiben wird, aber in diesem “Genre” muss sich einiges tun, damit es seriöser wird. Meist bekommt man doch nur billigen Ramsch mit miesem Gamedesign (s. z. B. Zynga).

  5. Es ist natürlich wiedermal für frontal21 typisch, dass mit zwei Spielen und einer fragwürdigen Entwicklerkonferenz die ganze Branche diffamiert wird. Aber wie man es auch dreht, ein Funken Wahrheit ist trotzdem drin in dem Beitrag. Mich stört noch nichtmal die Bezahlung per 0900 Nummer, sondern der sorglose Umgang mit bezahlten Ingameitems. Wenn ich mir Gegenstände in einem Spiel kaufe, dann sind das für mich Wertgegenstände auf die mir der Zugang nicht verwert werden darf. Das ähnelt durchaus der Steamproblematik.

    Zudem würde mich interessieren, wie das bei einer Serverabschaltung läuft. Natürlich steht bei allen Anbietern irgendwo in den AGBs, dass man keinen Anspruch auf seine Items und das Spiel hat. Es würde mich aber nicht wundern, wenn das vielleicht mancher deutsche Richter anders sieht. Ich bezweifle stark, dass man bei 95% der 1click Ingamebestellungen ausreichend auf seine nicht vorhandenen Rechte hingewiesen wurde.

    • Ich habe wahrscheinlich schon F2P Titel gespielt, als noch keiner diesen Begriff kannte, namentlich u.a. Silkroad. Seither spiele ich gelegentlich immer wieder F2P Titel, und, das muss ich gestehen, ich habe noch nie einen Cent für bezahlt. Meist habe ich die Titel irgendwann nach ein paar Stunden ausgespielt und wechsel dann einfach zum Nächsten. Ich denke, wenn man wirklich intensiv einen Titel spielt, dann kann man auch dafür bezahlen.

      Das Problem mit den bezahlten Items, nunja, es ist klar, dass wenn die Server eines Onlinespiels abgeschaltet werden, alles weg ist. Das trifft aber jeden Onlinetitel und das ist den meisten Käufern auch klar. Ärgerlich ist da z.B. die Politik von EA, dass teilweise bereits nach zwei Jahren die Multiplayer-Server von Spielen abgeschaltet werden. Wer online zocken will, der soll sich gefälligst den aktuellen Nachfolger kaufen. Wenn es hingegen z.B. irgendwann Guild Wars nicht mehr gibt, dann trauere ich dem schon sehr nach, nur weiß ich, dass es keinen Sinn machen würde den Titel z.B. offline mit eigenem Server alleine zu zocken. Da bleibt halt nur die Erinnerung an eine schöne Zeit.

      Accountsperrungen, aus welchen Gründen auch immer, stehen auf einem ganz anderen Blatt. Das habe ich auch schon immer gesagt. Hier hinkt der Gesetzgeber hinterher und müsste klar definieren, dass bei einer Accountsperrung der Nutzer sein Geld zurückbekommt.

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