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FPS: Lowbudget-Horror trifft auf Ego-Shooter

Geschrieben von Sven
FPS: Lowbudget-Horror trifft auf Ego-Shooter

Wie der Zufall es manchmal so will. Andreas stolperte über die Webseite von „FPS“ und meinte: „Sven, wäre das nicht was für dich? Du bist doch unser Interview-Experte für schräge Filme…“ Wie gemein. Aber nach dem Schauen des Trailers war das Interesse geweckt. Und das Team hinter dem First-Person-Shooter-Horrorfilm-Projekt stand gerne Rede und Antwort. Was uns „FPS“ servieren möchte?

Polygamia.de: Eure Webseite hat nicht viele Infos über die Filmemacher parat. Ist das euer erstes Projekt oder konntet ihr schon vorher Erfahrung im Filmbereich sammeln? Erzählt doch mal was über euch!

Andreas: Hinter „FPS“ steht ein Kern-Filmteam aus drei Geschwistern. Andreas, Achim und Atlanta. Ich liefere die Ideen, schreibe Drehbücher und übernehem Regie, sowie große Teile des Editings. Achim ist technischer Verantwortlicher im Bereich Licht sowie Ton, Mann für’s Grobe und Atlanta wiederum ist im Gebiet der Maske, des FX-Makeups und der Organisation daheim. Wie das bei Low-Budget so üblich ist, muss man auch schon mal selbst vor die Kamera stehen.

Das Team: Achim, Atlanta, Andreas (v.l.n.r.)
Das Team: Achim, Atlanta, Andreas (v.l.n.r.)

Schon während des Studiums der Medieninformatk habe ich mich auf den Bereich Film und Medienkonzeption spezialisiert und meine Fähigkeiten ausgebaut. Nach vielen Kurzfilmen haben wir gemeinsam vor zwei Jahren das erste größere Projekt gestemmt. Noch frisch auf der Found-Footage-Welle haben wir „Ghostfiles“ gedreht, welcher jedoch – aus verschiedenen Gründen – nie veröffentlicht wurde. „FPS“ ist quasi unser erstes, richtiges Debüt im Bereich Spielfilm, für den wir auch eine Veröffentlichung anstreben.

Polygamia.de: Welche Vorbilder im Bereich der Spiele und Filme habt ihr?

Andreas: Im Bereich der Spiele ganz klar das Team von ID Software und deren Pionierarbeit im Bereich der First Person Shooter – Carmack, Romero etc. Was Filme angeht, auf jeden Fall Sam Raimi und Rob Tapert, die Köpfe hinter „Evil Dead“, welcher ebenfalls Low Budget gewesen ist. Dann generell die härteren Filme der 1980er Jahre, Cronenbergs „The Fly“, Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“, Gordons „From Beyond“, um nur einige zu nennen. Als Vorbild im Bereich Regie bzw. Realisierung wäre da noch Robert Rodriguez zu erwähnen, dessen Buch „Rebel without a crew“ ich zu Weihnachten geschenkt bekam, was den entscheidenden Motivationsschub leistete.

Sicherlich sind heutige Spiele technisch besser als ältere, doch was uns einfach ein bisschen fehlt, sind die Ideen der Anfänge. Heutzutage macht man mit einer Combat-Sim („Battlefield“, „CoD“ etc.) eigentlich nichts falsch, aber wer würde sich noch trauen, ein Spiel im Stil von „Blood“ neu zu entwickeln? Die Spielewelt wird realistischer, schöner… verliert aber leider etwas an Phantasie und Einzigartigkeit.

Um mal einige Titel zu nennen, die für „FPS“ wichtig gewesen sind: „Blood“, „Doom“, „Quake“, „Duke Nukem“. Stellenweise auch der Survival-Shocker „Outlast“ (mein Lieblingsspiel derzeit).  Das sind alles Titel, die gar nicht so einfach zusammenzufassen sind, im Endeffekt aber doch harmonieren, wenn man das große Ganze betrachtet.

Polygamia.de: Ich nehme mal an, dass ihr selbst Egoshooter zockt. Was liegt denn bei euch so in der Konsole oder auf dem PC? Seid ihr eher die „CoD“- oder die „Half-Life“ – Spieler?

Andreas: Wie gesagt, das wohl beste Horrorspiel der letzten Jahre ist „Outlast“, neben „Amnesia“. Dann wären noch „Battlefield 3“, „Rage“, „Left 4 Dead“, „Duke“ zu nennen – ach quer durch die Bank eben. Alle zuvor aufgezählten ebenso. Wir sind aufgewachsen mit First-Person-Shootern und dieser Linie auch treu geblieben, egal ob es mal taktischer zugeht wie in „Rainbow Six“, phantasievoll wie in „Quake“ oder realistisch wie in „Battlefield“. Ein guter Shooter ist ein guter Shooter. Das trifft für „CoD“ und „Half-Life“ gleichermaßen zu. Auch wenn in Punkto Film ganz klar „Half-Life“ vorne liegt, allein auf Grund der Geschichte. Bei „Half-Life“ war es aber auch noch so, dass der Single-Player Anteil bedeutend mehr Gewicht hatte als der Multiplayer-Part.

Polygamia.de: Ihr wollt eine „neue Art des Geschichtenerzählens“ schaffen. Wie wollt ihr das machen? Nur First-Person-Perspektive wird doch irgendwann langweilig, oder? Fast jeder Shooter hat ja Script-Sequenzen oder Cut-Scenes, um die Story zu erzählen….

Egoshooter? Film!
Egoshooter? Film!

Andreas: Ganz genau! Und genau deshalb gibt es diese Sequenzen auch in „FPS“. Unser Film hält sich strikt an bewährte Muster des Spielgenres. Cutscenes gehören auf jeden Fall dazu. Der Anfang wird sogar eine Hommage an die Anfänge des Genres. Es wird gefilmte Cutscenes geben und solche, die aus dem Computer stammen. Wie man im Trailer bereits sehen kann, sind auch einige 8-Bit Passagen vorgesehen.

„Doom – der Film“ hätte anders sein sollen. Als damals die Verfilmung auftauchte, waren wir etwas enttäuscht. Da dreht man einen Film über das FPS-Spiel schlechthin und dann handelt es sich um eine nahezu vollkommen szenische Umsetzung, mit einem nur kleinen First-Person Anteil. Das kann es einfach nicht gewesen sein, haben wir gedacht. Der König des Genres und dann so etwas. Wir hoffen einfach, dass „FPS“ ein neues Stilmittel etablieren wird. Damit ist nicht nur das generelle Filmen aus der ersten Person gemeint, sondern das Nachahmen von Spielen mit einer Dramaturgie, passend für einen 90-Minuten Film. Das Genre ist Jahrzehnte alt, und bis heute gibt es nicht einen einzigen Film, der diese Art des Erzählen von Geschichten aufnimmt. Und hier kommt „FPS“ ins Spiel… ;)

Polygamia.de: Found Footage und Wackelkamera – beides ist ja eigentlich schon seit einigen Jahren in Hollywood sehr populär, gerade bei Horrorfilmen. Hart genommen wird hier doch auch die Ego-Perspektive serviert – wie unterscheidet ihr euch da?

Andreas: Found Footage bzw. Wackelkamera spielt ja quasi mit der Illusion, ein authentisches Kamerabild zu sein. Die Kamera fließt hier aktiv in den Film ein und wird zum alleinigen Erzähler bzw. zum Zeugen der Geschichte einer Gruppe von Menschen. Bei First-Person Shootern wird jedoch direkt aus „den Augen“ der Spielfigur bzw. des Darstellers gefilmt. Es gibt keine verschwundenen Speichermedien, die beschrieben wurden und nun wieder auftauchen. Es existiert eine Figur – und aus deren Augen wird die Story erzählt. Dabei bewegen wir uns gerne etwas weg von früheren Experimenten in dem Bereich, welche mit Actioncams arbeiten, und halten uns lieber strikt an die Vorgaben: FPS-Spiele. Ein Film mit einer Actioncam gedreht, würde über längere Dauer wohl Übelkeit auslösen. Wir möchten kein verwackeltes Bild, keine zu menschliche Sicht, sondern dem Genre Tribut zollen. „FPS“ muss sich anfühlen und aussehen wie ein First-Person-Shooter und nicht wie ein Mensch mit einer Kamera am Kopf – wie zum Beispiel in „S-VHS“.

Auch Ajas „Maniac“ ist aus der Egoperspektive und in der Tat näher an „FPS“, als Found Footage. „Maniac“ jedoch erzählt die Geschichte eines Psychopathen, aus den Augen eines Psychopathen. „FPS“ ist quasi ein Spiel zum Zuschauen. Die Dramaturgie eines Horrorfilms in dem optischen Korsett eines Shooters. Das klappt wunderbar.

Polygamia.de: So kleine Film(Fan?)-Projekte funktionieren am Markt ja ganz anders, als die „großen“ Filme. Wie wollt ihr die Kohle wieder reinholen?  Oder: Woher bekommt ihr das Geld überhaupt für eurer Projekt?

Andreas: „FPS“ wurde hauptsächlich selbst finanziert. Es hat eine Weile gedauert, bis wir alles beisammen hatten, aber dafür mussten wir bei der Qualität keine Abstriche machen. Was das Reinholen der Produktionskosten angeht, wird „FPS“ für sich selbst sprechen. Wir sind da sehr zuversichtlich. Wir planen, mit „FPS“ weltweit Horrorfestivals zu besuchen und hierbei einen geeigneten internationalen Vertrieb zu finden.

Schauriger Horror, der verstören möchte.
Schauriger Horror, der verstören möchte.

Polygamia.de: Könnt ihr schon etwas über die Handlung erzählen? Der Trailer sieht ja schon einmal ganz amüsant aus….

Andreas: Wie bei vielen apokalyptischen Zombiefilmen geht es auch bei „FPS“ um eine Seuche, um einen Virus. Der Film ist jedoch nicht post-apokalyptisch, sondern beginnt prä-apokalyptisch. Es ist bekannt, dass ein verheerendes Virus um sich geht. Niemand weiß genau, wer oder was dahinter steckt. Wir fokussieren uns in „FPS“ auf die Geschichte eines Mannes, der einfach seine Frau retten möchte, die in einer Klinik arbeitet. Diese Klinik liegt im Mittelpunkt der Quarantänezone. Es ist strengstens untersagt, dorthin zu gehen. Er nimmt das Risiko dennoch auf sich und begibt sich hierbei mitten in den Infektionsherd.

Polygamia.de: Es ist sicher purer Zufall, aber ich sah letztens „Frankensteins Army“. Nach dem Gucken eures Trailers fühlte ich mich an diesen doch sehr erinnert. Ihr habt schon eine Vorliebe für Horror-Trash, oder?

2014 geht der Film an den Start.
2014 geht der Film an den Start.

Andreas: Trash ist von Genrefilmen wie „Frankensteins Army“ oder „FPS“ ein Stück weit entfernt. Beim Trash ist es ja so, dass Dinge auf Teufel komm raus realisiert werden, auch wenn die Mittel fehlen, dies qualitativ hochwertig zu tun. Dazu kommen meistens derbe dramaturgische Schwächen und Improvisationen, welche die eigentliche Qualität herabstufen. Nichts an „FPS“ könnte man als Trash bezeichnen. Wenn wir bei „FPS“ die Möglichkeiten nicht hatten, gewisse Dinge bzw. Effekte zu verwenden, dann haben wir sie weggelassen, bevor wir auf Kosten der Qualität hätten improvisieren müssen. „FPS“ versteht sich als Horrorfilm im Sub-Genre Zombie. Dramaturgisch gesehen geht es um Rache und um Befreiung. Der Hauptdarsteller möchte seine Frau retten und den Verursacher bestrafen. Das Modell ist klassisch und findet in vielen Produktionen ein Zuhause. Nicht nur in Filmen wie „Taken“ oder „Hills have Eyes“, sondern auch in Spielen wie eben „Blood“ oder – man glaubt es kaum – „Super Mario“, in dem Spieler schließlich die Prinzessin finden und retten müssen. Zugegeben, einige Dinge in „FPS“ werden grotesk sein, eventuell verstörend. Wir halten uns hierbei aber lediglich an die Tradition der klassischen First-Person-Shooter. Unser Film ist keine Kriegssimulation, sondern ein blutiger Zombie-Shooter.

Polygamia.de: Das klingt ja schon einmal selbstbewusst. Aber an welchem Punkt der Produktion seid ihr aktuell angekommen – also wie weit seid ihr bisher? Ein kleiner Status-Bericht? :)

Andreas: Der Film ist abgedreht. Wir befinden uns derzeit in der Postproduction und werden den Film im ersten Quartal 2014 fertig gestellt haben. Weiteres Material, einen 2. Teaser sowie Trailer kommen innerhalb dieser Zeit heraus.

Polygamia.de: Na, da sind wir aber mal gespannt. Wir wünschen euch viel Erfolg mit „FPS“.

Weitere Details zum Film gibt’s auf der offiziellen Webseite.

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 7. Dezember 2013

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