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Fighting Games: Nur für Profis?

Geschrieben von Andreas
Fighting Games: Nur für Profis?

Fighting Games oder Beat’em’ups sind die letzten ihrer Art. Kaum ein anderes Spielegenre ist schon in den Spielhallen groß geworden und ist heute noch erfolgreich.

Natürlich könnten wir eine Review zum aktuellen Genre-Highlight BlazBlue Continuum Shift von Arc Systems schreiben. Allerdings würden wir uns dann furchtbar blamieren, denn ein Fighting Game zu beherrschen ist nur etwas für Spezialisten (vor allem, wenn man nur ein normales Gamepad hat). Deshalb haben wir einen gefragt, der sich damit auskennt. „Banker“, 32, ist IT-Architect in Frankfurt und ist Mitorginasator eines der größten einschlägigen Turniere in Deutschland, dem Ffm Rumble. Der Familienvater spielt seit Anfang der 90er Fighting Games und sprach mit uns über Fatal Counters, Yomi und Trainigsdisziplin.

Polygamia.de: Was macht den Reiz der Fighting Games aus? In meinen Augen heben sie sich sehr von anderen Spielen ab…

Banker: Der Anfangsreiz ist die Spielmechanik kennen zu lernen, aber der hält nur kurz an. Wenn man sich ein bisschen mit einem Fighting Game beschäftigt, hat man den Dreh raus. Wenn man die Engine kennt und den Tutorial Mode in BlazBlue mit links macht, fängt man sich mit Freunden zu messen – und darum geht es eigentlich! Dabei geht es nicht nur darum, die besseren Kombos zu können, sondern richtig spannend wird es, wenn es zu Mindgames kommt. Dann versuchst du deinen Gegner zu lesen: Was hat er vor? Welche Möglichkeiten hat er in diesem Moment, um dich zu attackieren und was kannst du dagegen tun? Das spielt sich alles in kürzester Zeit in deinem Kopf ab!

Polygamia.de: Du sagst, man lernt das sehr schnell. Ehrlich gesagt wirkt so ein Spiel rasend schnell. Und alles was ich sehe, das ist eine wüste Schlägerei. Klar, ich weiß du musst wahnsinnig viele Moves beherrschen, aber kann man das wirklich so schnell lernen?

Banker: Natürlich sieht das kompliziert aus, aber gerade bei BlazBlue:CS ist das Tutorial sehr gut gelungen. Aber klar, es ist halt nicht wie bei Super Mario, wo man nur einmal springen kann.

Polygamia.de: Das erfordert also schon eine gründliche Einarbeitungszeit?

Banker: Ja. Bei Fighting Games musst du wirklich zwei Wochen intensiv spielen, um die Spielengine zu beherrschen.

Polygamia.de: Das heißt, du brauchst Talent und Training, um ein guter Fighting-Game-Spieler zu werden. Auf was kommt es mehr an?

Banker: Talent braucht man für die Executions, denn du musst die Bewegungen sauber ausführen. Die flinken Finger kommen zwar von selbst, aber bei manchen Spielern dauert es halt etwas länger und manchmal klappt es überhaupt nicht. Da hilft auch das meiste Training nichts. Außerdem braucht ein Spieler auch Talent um einen Gegner lesen zu können. Diese Fähigkeit nennt man yomi (dt. „lesen“) und die muss einem angeboren sein, wenn man ganz oben mitspielen will.

BlazBlue Continuum Shift: Schnell, komplex und trotzdem leicht zu lernen?

Polygamia.de: Wie oft trainierst du?

Banker: Ich versuche in der Woche fünf Stunden im Trainingsmodus zu bleiben um das Timing für die Kombos zu behalten, denn das geht schnell verloren. Es ist nicht so wie beim Fahrradfahren, das man einmal lernen muss und dann klappt es immer. Wenn du ein Fighting Game eine Woche liegen lässt, ist das Timing weg. Du musst wirklich dran bleiben. Dieser Trainingsmodus ist aber nur die Grundlage und wenn du richtig gut werden willst, solltest du zusätzlich 15 – 20 Stunden in der Woche gegen einen Topspieler antreten.

Polygamia.de: Ist das auch altersabhängig? Ab 25 zählst du als Spieler schon zum alten Eisen…

Banker: Es spricht zumindest die jüngeren Spieler an und die meisten sind zwischen 16 und 25. Aber es ist keine Voraussetzung, um gut zu sein. Wichtig sind eben auch das yomi und die Erfahrung.

Polygamia.de: Gibt es bestimmte Taktiken oder Spielertypen, die immer wieder vorkommen?

Banker: Ja, aber das hängt immer vom Char ab, den du spielst. Beim Zoning versuchst du beispielsweise deinen Gegner mit Projektilen vom Leib zu halten oder es gibt das direkte Gegenteil, den Rushdown. Da musst du nah an deinen Gegner ran um ihn nieder zu kämpfen. Aber niemand ist unschlagbar und es gibt immer eine Antwort auf die Taktik des Gegners.

Polygamia.de: Wie schlägt sich denn BlazBlue im Vergleich zur Konkurrenz?

Banker: Es ist sehr einsteigerfreundlich. Es hat einen exzellenten Tutorial-Modus, in dem du sehr langsam in das Spiel eingeführt wirst. Außerdem ist es sehr übersichtlich was die Anzahl der Chars anbetrifft. Andere haben über 30 wählbare Spielfiguren und BlazBlue hat gerade mal 14.

Polygamia.de: Ist es deshalb nur für Einsteiger geeignet?

Banker: Nein, auf gar keinen Fall. Es bietet von der Engine her viel mehr als die Konkurrenz. Man hat im Vergleich zu Street Fighter IV mehr Möglichkeiten. Da kann man zum Beispiel nur einmal springen, bei BlazBlue gibt es den Double Jump. Beide Spiele haben einen Counter Hit, aber bei BlazBlue gibt es noch einen Fatal Counter. Außerdem gibt es noch einen Air Dash und noch mehr. Dadurch hat das Spiel mehr Tiefe als ein Großteil der Konkurrenz.

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Polygamia.de: Auf was sollte man am Beginn achten?

Banker: Auf die Char-Auswahl. Da gibt es welche, die man nur sehr schwer beherrschen kann. Das hat aber nichts damit zu tun, ob ein Char auch auf einem höheren Niveau konkurrenzfähig ist. Am Ende wählt man immer die Figur, bei der einem die Moves oder das Aussehen am besten gefallen haben.

Polygamia.de: Was müsste man an BlazBlue verbessern?

Banker: Es müssten auf jeden Fall mehr Chars kommen, denn das sind einfach zu wenig! Ob DLCs oder auf anderem Weg ist mir egal. Mit jedem Char steigt der Wiederspielwert und der ist im Vergleich zu Konkurrenz eindeutig geringer. Die Chars sind zwar bei BlazBlue sehr abwechslungsreich und sie spielen sich alle unterschiedlich, aber mehr von ihnen wäre schon gut. Auch am Balancing müsste man feilen. Im High-Level-Bereich gibt es vielleicht zwei bis drei Chars, die zu stark sind. Aber das betrifft wirklich nur Top-Spieler. Ein durchschnittlicher BlazBlue-Spieler merkt das nicht.

Polygamia.de: Du sagst Top-Spieler. Können wir Deutschen eigentlich international mithalten?

Banker: Leider nein. Man wird nur besser wenn man sich auf Turnieren mit anderen Spielern messen kann und davon gibt es in Deutschland nur ganz wenige. England und Frankreich sind da viel weiter, aber wir haben noch Großes vor!

Arcade-Stick-Modding – wer etwas auf sich hält, baut sich seinen Stick selbst zusammen.

Polygamia.de: Was ist euer nächstes Projekt?

Banker: Das wird die MAX DamagermanY vom 18. – 19. März in Frankfurt. Zusammen mit anderen Veranstaltern wie Tekken Treff und den Neutrons wollen wir eines der größten Fighting-Games-Turniere in Europa ausrichten und erwarten Topspieler aus der ganze  Welt. Und wer mehr über Fighting Games allgemein wissen möchte, der besucht am besten Hardedge.org.

Polygamia.de: Na dann viel Erfolg!

Update v. 16.01.2014: Unser Gesprächspartner hat uns heute gebeten, sein Bild und seinen Namen aus dem Beitrag zu entfernen. Zitat: „Aus diversen Gründen möchte ich nicht dass mein Bild und mein Name in dem Artikel erwähnt werden.“ Er möchte nur noch mit seinem Spitznamen „Banker“ genannt werden. Wir wissen nicht warum, aber wir respektieren seinen Wunsch.

 

 

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 19. Januar 2011

Ein Kommentar zu “Fighting Games: Nur für Profis?

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