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Don’t Starve: Indies Next Top Model

Geschrieben von Andreas
Don’t Starve: Indies Next Top Model

Tot. Schon wieder. Noch ein Versuch: Axt basteln, Bäume abholzen, Feuer machen, Essen suchen. Bloß nicht verhungern! Warum finden ich jetzt keine Beeren? Wo sind die Karotten? Wieso dauert das so lange mit meinem Gemüse? Weshalb sind meine Fallen leer? Neeeiiin!

Der Anfang vom Ende.
Der Anfang vom Ende.

„Don’t Starve“ von Klei ist ein brutales Spiel. Der Tod lauert an jeder Ecke. Wenn ich nicht verhungere, erwischen mich die Monster. Es ist als ob Tim Burton ein Spiel gemacht hätte. Schräge Figuren, schräge Welten und Tod, überall Tod. Meine Figur Wilson, ein schmächtiger Abenteurer, erwacht in diesem Alptraum. Ihr lauft mit ihm erst einmal ratlos herum. Ein konkretes Spielziel gibt es nicht, nur Überleben. Dank der Baupläne lernt ihr schnell gezielt zu grinden, und mit den entsprechenden Maschinen bekommt ihr weitere Möglichkeiten. Aus Holzstämmen werden Bretter, aus Gras Seile. Flott grabt ihr mit Schaufeln die Wurzeln aus dem Boden, pflanzt euren eigenen kleinen Schrebergarten. Spinnen, Bienen oder sonstiges Getier können euch ebenso schnell den Tod bringen. Ihr dürft in Höhlen hinabsteigen, Fallen stellen und 100 andere Dinge machen. Die Nacht bringt aber neue Gefahren, und wenn ich nicht am sicheren Lagefeuer raste, ist es schnell zu Ende. Jede Welt ist anders und halte ich lange genug durch, schalte ich weitere Spielfiguren mit neuen Fähigkeiten frei.

„Don’t Starve“ ist trotz aller Frusterlebnisse ein schönes Spiel. Eines, das euch ständig motiviert, weiter zu machen und einen Tag länger zu überleben, weil ihr einen Level aufsteigt oder etwas Neues entdeckt. Das Problem ist dabei für mich nur eines: „Don’t starve“ könnte auch aus einer Indie-Casting-Show stammen. Hier wie dort werden unterschiedliche Typen zu einer erfolgversprechenden Mischung in einen Topf geworfen.

Ich habe den Eindruck, dass erfolgreiche Indiespiele heute vor allem aus „Minecraft“, Permadeath und Dungeon Crawling bestehen. Dazu noch eine möglichst eigenwillige Grafik und fertig ist der neue Indie-Darling. Quasi das Gegenstück zum Triple-A-Shooter. Das macht diese Spiele nicht schlechter, aber es sollte uns vor Augen führen, dass die Mär vom bahnbrechenden und innovativen Indie-Spiel schon längst nicht mehr gilt.

Die Indie-Szene klont sich selbst und macht genau das, was sie den großen etablierten Spieleentwicklern vorwirft. Was als Gegenkultur begann, ist dabei selbst Mainstream zu werden. Vielleicht schräger, vielleicht sympathischer, aber dennoch massentauglich. Indies in Serienproduktion.

Kaufen könnt ihr „Dont’s Starve“ auf der Webseite der Entwickler.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 25. Mai 2013

5 Kommentare zu “Don’t Starve: Indies Next Top Model

    • Äh, doch. Werde bitte mal ein bisschen konkreter. Was hat dir denn nicht gefallen? Weil ich geschrieben habe, dass es ein schönes Spiel ist oder dass es zum Weiterspielen motiviert? ;)

      • Schätze er bezieht das auf Deine Verallgemeinerung von ‚Indies klonen sich selbst‘ am Ende des Artikels.

        Ich denke er meint, dass dem nicht so ist und das es noch genügend Innovation dort draußen gibt.

        Stimmt…wobei ich ‚Don’t Starve‘ nicht wirklich als Indie seh. Auch nicht ‚Legend of Grimrock‘ oder ‚Terraria‘. Alles zu polished, alles zu uninnovativ, alles zu sehr mit dem Ziel ‚Geld zu machen‘.

        Indie ist für mich vielmehr Cactus, Schattenkind, Gamejams, Mods und natürlich ‚Ludum Dare‘.

        Mehr Indie und Innovation geht nun wirklich nicht :-D.

      • @SiENcE

        Puh, das ist aber schon eine sehr enge Auslegung des Begriffs „Indie“, die auch eher in Richtung Homebrew geht. Und Legend of Grimrock kein Indie-Titel? Ich glaube auch, dass Hotline Miami Geld einbringen sollte. Selbst Cart Life kostet Geld…

        Das Wichtigste beim Thema Indie ist bei mir das „Unabhängig“ und „Unberechnebar“. Ein Minecraft, Super Meat Boy oder Kleis erstes Spiel „Eeets“ hätte damals wahrscheinlich kein Publisher bezahlt. Aber klar, das ist eine endlose Diskussion. Streng genommen ist Gearbox auch Indie;-)

    • Legend of Grimrock oder auch Minecraft sind selbstredend Indie. LoG haben drei Leute mehrere Jahre in ihrer Freizeit gemacht und sich erst gegen Ende des Projekts hin Vollzeit damit beschäftigt. Nur weil ein Indie Spiel vernünftigerweise mal richtig „polished“ aussieht hat das nun wirklich nichts zu sagen.

      Auch große Publisher können kleine Titel raushauen, die sehen dann zwar aus wie Indie, sind es aber nicht.

      Bei mir ist die Grenze irgendwo bei That Game Company mit Journey, FlOw und Flower. Das mag ein kleines Studio sein, aber die Titel sind von Sony gepublished und finanziert, also handelt es sich dabei nicht mehr um Indie.

      Das Problem das Indie hat ist, dass jeder Programmierer gerne sein eigenes Ding machen möchte. Und vieles was gehypt wird, weil es unter dem Deckmantel von Indie entstanden ist wird hoch gelobt. Und deswegen kommt da unendlich viel Schrott.

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