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Die besten Spiele dieser Konsolengeneration: PC-Spiele im Abseits?

Geschrieben von Andreas
Die besten Spiele dieser Konsolengeneration: PC-Spiele im Abseits?

War da was? Es gab mal eine Zeit, da war der PC die Spieleplattform Nummer 1. First-Person-Shooter, Echtzeitstrategiespiele oder Weltraumsimulationen waren perfekt auf die Schreibtisch-Boliden angepasst. Stotterte mal die Framerate, wurde halt schnell mit neuer CPU oder Grafikkarte aufgerüstet. Diese Flexibilität ist das Einzige, was dem PC als Spieleplattform heute geblieben ist. Denn statt umständlich an der Hardware zu werkeln oder Spiele erst einmal mühsam zu installieren, wollten sich die Spieler der Last Gen nur auf das Sofa setzen und eine Runde gemütlich zocken. Typische PC-Spiele-Genres starben aus und die Konsolen übernahmen das Kommando. Ein neues „CoD“ läuft auf einer Xbox 360 allein erfolgreicher als auf dem PC, große Blockbuster wie „GTA“ werden erst für die Konsole entwickelt und erst Monate später für den PC umgesetzt. Wenn überhaupt. Zurück bleiben MMOGs, F2P-Spiele, Blizzard und Steam.

Im Grunde genommen ist die Situation schon etwas irre. Da verliert der flexible PC, der jeden Techniksprung locker mitmacht, gegen so ein paar Konsolen, die noch nicht mal 60fps schaffen! Pah! Weil Zocken im Wohnzimmer cooler ist? Weil nur Hardware-Nerds die Unterschiede zwischen GTX 780, i7 3930 K  und So. 1155 kennen? Aber bleiben wir locker. Es gibt sie noch, die Nischen, in denen euer hochgerüsteter Heim-PC die Muskeln spielen lassen kann.

Dominiks Kampf gegen Zombies: Left 4 Dead

Was für ein Vergnügen - im Team! (Foto: Valve)
Was für ein Vergnügen – im Team! (Foto: Valve)

Als Valve „Left 4 Dead“ ankündigt, sind alle skeptisch. Zunächst verkennen meine Kollegen und ich das Potential des Spiels komplett und spielen die Kampagnen im Coop durch. Auch das macht Spaß, aber erst als wir zum ersten Mal im 4 vs. 4 die Überlebenden gegen die Zombies antreten lassen, wird uns die wahre Genialität des Werks offenbart. Die Überlebenden kämpfen um jeden Meter und die Untoten müssen sich immer neue, gut koordinierte Hinterhalte einfallen lassen. Eine epische, emotionsgeladene Spielsituation jagt die andere!

Sicher ist meine persönliche Liebe zu dem Spiel durch die Tatsache geprägt, dass wir zu acht in einem Raum sitzen und jeder meinen Triumphgeschrei vernehmen kann, als ich als letzter stehender Überlebender einen Hunter, der mich anspringt, aus der Luft hole, danach mit sicherem Kalkül Smoker und Boomer erledige, dem letzten verbleibenden Überlebenden aufhelfe und wir uns gemeinsam in den Safe Room schleppen. Als die Punktzahl im Zwischenscreen knapp an den anderen vorbeizieht, demonstriert das Spiel seine Tendenz zum Fotofinish.

In diesem Zusammenhang kann ich für die meisten Spieler nur Mitleid empfinden, weil sie diese Erfahrung auf Public Servern niemals machen werden. Dort steigen mitten in der Kampagne die ersten vermeintlichen Verlierer aus, die Höhepunkte unserer LAN-Parties erlebe ich nur, wenn wir auch online mit zwei festen Teams gegeneinander antreten.

Der zweite Teil schafft es jeder berechtigten Skepsis zum Trotz, mit neuen Untoten und verbessertem Scoring sogar nochmal einen draufzusetzen. Obwohl sich beide Teile auf der Xbox besser verkauft haben als auf dem Rechner, ist die PC-Version dank kostenloser Content-Updates, regelmäßiger Bugfixes und zahlloser Mods für mich klar die definitive Version des Spiels! Besser kann man vermutlich die Unterschiede zwischen den Plattformen PC und Konsole gar nicht deutlich machen.

Dominiks Strategiespektakel: Starcraft 2

Dass ich „Starcraft 2“ überhaupt gespielt habe, ist nur der Preorder-Aktion von Amazon zu verdanken. Denn als im Vorfeld ein kleiner Shitstorm wegen Accountbindung und Onlinezwang für Unruhe sorgt, beschließe ich, eigentlich das Spiel links liegen zu lassen. Dank der Vorbestellung bin ich aber in der Beta und die lässt mich nicht mehr los.

Singleplayer Kampagnen haben mich in Echtzeitstrategiespielen noch nie wirklich interessiert. Das letzte RTS, das ich durchgespielt habe, ist vermutlich „Warcraft 1“ gewesen. Normalerweise hatte ich dann auch ziemlich schnell vom Multiplayer die Schnauze voll, doch dann kommt „Starcraft 2“ und macht einfach alles besser als jedes Echtzeitstrategiespiel zuvor. Die Verfeinerungen der eigentlichen Spielmechaniken sind geschenkt. Wesentlich sind das Battlenet und die Tatsache, dass man jetzt je nach Skill in unterschiedliche Liegen eingeordnet wird. Vorbei ist die Zeit, in der einem bei einem „Warcraft 3“-Match zu Beginn die Frage nach dem echten Level gestellt wird, um danach todgerusht zu werden!

Wenn man sich auf Starcraft 2 einlässt... (Foto: Blizzard)
Wenn man sich auf Starcraft 2 einlässt… (Foto: Blizzard)

Nach den ersten Erfolgen mache ich die Foren unsicher und stoße schließlich auf Day9 und seine Dailies. Von da an ist es voll und ganz um mich geschehen. Wenn ich nicht „Starcraft“ spiele, schaue ich Streams, VODs oder Strategievideos, lade Replays herunter, abonniere GOM.tv und dokumentiere meine eigenen Fehler in einer Exceltabelle. Über ein Jahr lang folge ich einem strengen Trainingsplan und verfeinere meine Mechanics mit dem Ziel, die jeweils höhere Liga zu erreichen.

„Starcraft 2“ übernimmt meine Gedanken, wie kaum ein anderes Spiel zuvor. Das letzte Spiel vor „Starcraft 2“, das mich und meine Leidenschaft zu spielen so dominiert hat, war „World of Warcraft“. Ähnlich wie bei „WoW“ ist das Fieber so plötzlich vorbei wie es angefangen hat. Bei „WoW“ war es die Erkenntnis, wie viel Zeit das Raiden auffressen würde. Hier ist es die Erkenntnis, dass mich meine Ü30-Finger niemals weiter als in die Diamand Liga tragen werden. Dennoch wird „Starcraft 2“ in meiner Gamer-Biographie immer einen besonderen Platz einnehmen.

Andys Liebling: Audiosurf

Musik trifft auf Spiel. (Foto: audio-surf.com)
Musik trifft auf Spiel. (Foto: audio-surf.com)

Was “Audiosurf“ versprach, erschien zunächst zu schön um wahr zu sein: ein Mix aus Renn- und Denkspiel, dessen Streckendesign sich an nahezu jedes beliebige MP3-Musikstück anpasst. Schon öfters hatte ich solche auf Algorithmen beruhenden Experimente in der Hand, stets war die Enttäuschung groß, dass die Umsetzung vom Sound zum Bildgeschehen einfach nicht den entsprechenden Kick gab.

Mein erster “Audiosurf“-Trip hieß “Henry Plainview“: Das von Johnny Greenwood komponierte Charakterthema des “There Will Be Blood“-Protagonisten klingt wie kreischende Sirenen und suggeriert mir eine im Sturzflug befindliche Bomberstaffel, erzeugt durch die pure Kraft der Violine. „Audiosurf“ wandelt diese extravaganten Töne in eine rasende, wie unmenschlich schnelle Talfahrt um, die mich wie gelähmt auf meinen 42 Zoll-LCD Bildschirm starren ließ.

Was danach folgte, ist fast schon unbeschreiblich: Einem Zombie gleichend musste jedes in den Sinn kommende Musikstück ausprobiert werden, in der Hoffnung ein vergleichbares Erlebnis wie bei “Henry Plainview“ zu erfahren. Diese gab es zwar nicht durchweg, aber oft genug, um von einer “Audiosurf“-Obsession zu sprechen. In vielleicht zwei Monaten hatte ich dieses “Spiel“ öfters gespielt als Tetris in meinem Gott verdammten Leben.

Natürlich schreibe ich das Wörtchen Spiel nicht umsonst in Anführungszeichen. Denn der Denkspielaspekt kommt letztlich zu kurz und geht in der audiovisuellen Fahrt unter. Wie viele andere Spieler beschränke ich mich auf den schlichten Ninja-Modus, in dem es nur einfarbige Steine zum Einsammeln sowie graue zum Ausweichen gibt. Die vielen anderen Modi, die mit ihrer bunten Vielfalt an eine Variante des alten “Klax“ erinnern, sind mir zu kompliziert und zu stressig.

“Audiosurf“ steht deshalb auch für eine eigene Spielform, die ebenfalls in den letzten Jahren groß geworden ist. Bei dieser geht es nicht um eine Herausforderung oder um eine Geschichte. Es ist der pure Spaß der Sache – und in meinem ganz speziellen Falle artete dieser zu einer kleinen Sucht aus.

Polycast #3: Die besten Spiele dieser Konsolengeneration: PC-Spiele im Abseits.

Alles halb so schlimm, meinen Andy, Dominik und Andreas. Wenn Xbox 360, PS3 oder Wii schon längst auf der Retrobörse gehandelt werden, lachen sich eingefleischte PC-Spieler ins Fäustchen. Der PC ist tot, es lebe der PC!

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 2. November 2013

6 Kommentare zu “Die besten Spiele dieser Konsolengeneration: PC-Spiele im Abseits?

  1. Was hält den PC als Spielgerät am Leben? Nun, zum einen ist es mehr oder minder die günstigste Möglichkeit zu zocken. Einen PC habe ich / hat man eh (wie im Cast angemerkt, übrigens sind Tablets da auch noch keine Alternative – noch, irgendwann sind Tablets sicher die neuen PCs aber bis dahin dauert es noch etwas und wie man heute Notebooks zu den PCs dazu zählt wird man dann die Tablets dazu zählen).
    Je nach „Nerd-Faktor“ reicht eine zusätzliche Grafikkarte ab bereits 100 Euro. Meine derzeitige (bei einer Verlosung gewonnene) Karte ist eine Radeon 6770 und zu meiner Überraschung spielt die immer noch alles, was ich spiele, bei maximalen Settings.

    Auch Spiele gibt es eben von kostenlos bis … und auf dem PC gibt es eben wirklich genremäßig und budgetmäßig alles.

    Tatsächlich ist der PC mit weitem(!) Abstand Spieleplattform Nummer 1. Nur halt fächert sich das auf unendlich viele Spielehersteller und Genres und vom Casual Gamer bis zum Harcore-Zocker auf. Die Folge ist, dass zwar einzelne große Titel von Publishern wie EA oder Ubisoft sich auf Konsole, die zumeist bei Vielspielern stehen, besser verkaufen – aber in der Masse können die Konsolen nicht mithalten.

    Dazu natürlich die einzelnen Genres. Ich selbst spiele mehr oder minder strikt nach Plattform getrennt, wo sich etwas besser steuern lässt und wo es mehr Sinn bzw. Spaß macht.

    Gerade in der Anfangszeit dieser Generation waren meine favorisierten Titel PC Games! Namentlich Onlinespiele wie MMOs und Online-Shooter. Inzwischen hat sich das etwas totgelebt bei mir, sprich das Thema ist ein wenig durchgenudelt und langweilig für mich geworden und ich ziehe Offline-Solospiele wieder vor, spiele also auch wieder mehr auf Konsole, wenn auch nicht ganz so viel wie auf PC.

    Also komme ich zu meinen persönlichen Favoriten dieser vergangenen Generation. Auf Platz 1 ist das definitiv Guild Wars gewesen(ab 2005 gespielt). Gefolgt von World of Warcraft (ab 2006 gespielt) und Age of Conan (ab 2008 gespielt) die ich ebenfalls sehr mochte. Wobei ich eben GW mit weitem Abstand am meisten gezockt habe, weit über 2000 Stunden.

    Zum Vergleich, mein liebstes Offline-Singleplayergame war Oblivion, das ich dank Mods auch über 200 Stunden gespielt habe. Konsolenspiele können da einfach nicht mithalten.

    Durch einige Gildenkollegen bin ich auch zu Online-Shootern gekommen. Zunächst Joint Operations (inkl. Addon Escalations) war da lange mein absoluter Favorit und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Dann ging die Battlefield-Phase los. Ich bin dann auf Battlefield 2142 umgestiegen aber es konnte mich nicht mehr so packen, auch das dann nachgekaufte BF 2 hat mich dann nicht mehr so beschäftigt. Ja, BF ist komplexer als Joint Ops aber irgendwie fehlte mir ein wenig der Charme und der Spaß, es schien ernsthafter. Wenn es Sinn machen würde, dann würde ich am liebsten noch heute gelegentlich mal eine Runde Joint Ops einlegen.

    Und ich spielte am liebsten mit Bekannten, egal ob aus dem RL oder online kennengelernt. Irgendwann hatte ich dann keine Lust mehr ständig neue Leute kennenzulernen. Alte haben aufgehört, neue kamen aber waren mir nicht mehr so wichtig, weil ich wusste, die werden auch wieder gehen. Auch die Lust so regelmäßig zu spielen nahm bei mir stark ab, ich wollte dann spielen wann ich zufällig Lust habe – eine Einstellung, die völlig inkompatibel zu Multiplayertiteln mit festen Gruppen ist.

    Ich mag diese Onlinegames immer noch sehr aber ich spiele sie kaum, weil sie alleine dann doch ein wenig langweilig sind. Guild Wars 2 hat sich bis heute nicht wirklich bei mir durchgesetzt.

    Über die Steam Machines und Steam OS äußere ich mich hier lieber nicht (noch weiter). Meine Einstellung dazu sollte bekannt sein. Das wird nichts! Steam Machines sind PCs und die Spieleleistung ist abhängig von der Hardware! D.h. Auflösung etc. müssen angepasst werden! Im Vergleich zu Konsolen gibt es zu viele Limitierungen wo doch eigenes Handanlegen angesagt ist. Und sei es, dass man Windows kaufen und installieren muss, wenn man nicht auf die Handvoll Linux-Titel angewiesen sein will.

    Apropos, es wäre übrigens toll, wenn ihr euren Podcast auch zum Download oder als Feed anbieten könntet. Nur auf der Seite hier im eingebetteten Player hören ist ein wenig nervig, außerdem ist es schwer dann alte Folgen wiederzufinden.

  2. Vorteil am PC ist doch sowieso das man ihn ständig aufrüsten kann :) Jetzt hat die One und Ps4 geniale Grafik. Nach 1-2 Jahren ist der Pc wieder vorne. Ich rede von einem „normalen“ PC, keine 10.000 Euro Machine :) Aber die meisten Games kommen jetzt nach und nach auch für Konsole, joo…. onlinespiele auch. Half Life 3 ist ein must-have-Titel… aber wenn der auch für PC erscheint, wüsste ich auch nicht wofür ich die Steam Machine brauche.

    • Ich kaufe Hardware eigentlich ausschließlich wegen der Software, sprich wegen der für sie erhältlichen Exklusivtitel, die ich unbedingt will aber woanders nicht bekomme. Von daher ja, die Steambox ist für mich überflüssig wie ein Kropf, schließlich habe ich schon (mehrere) PCs.

      Wenn ich viel Geld, 200 Euro aufwärts, in neue Hardware stecke, dann will ich das optisch schon auch sehen.

      Aber(!) mich tangiert die Grafik nur sekundär, wenn mich das Spiel wirklich interessiert. Vor wenigen Tagen wurde Persona 5 für PS3 angekündigt. Erscheinungstermin hierzulande irgendwann 2015. Die Grafik wird besseres PS2 Niveau sein (ist halt Comicgrafik) trotzdem gibt es kaum ein Spiel, auf das ich mich mehr freue.

      Wäre ich z.B. noch riesiger Mario und Zelda Fan, dann würde ich um eine WiiU nicht herumkommen. Ich mag die Titel irgendwie immer noch aber bin da schlicht rausgewachsen, deswegen ist das kein „must have“ sondern eher ein „vielleicht irgendwann“.

      • Außerdem sehe ich Half Life 3 kritisch. Half Life 2 war ein genialer Shooter – vor zehn(!) Jahren. Das Genre hat sich seither EXTREM gewandelt. Shooter werden eigentlich nur noch online gespielt, der Singleplayer ist zwar nett, aber mehr nicht. Ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, wie sich ein HL3 da absetzen will. Heutige Single Player Shooter werden IMMER kritisiert. Entweder sind sie zu Oldschool und nicht bombastisch genug oder zwar bombastisch aber mit zu simplem Gameplay.

      • Egal, wie genial man jetzt „Half-Life 2“ fand oder nicht, es ist unbestritten, dass dieser Titel eine Zäsur im ganzen Genre darstellte. Und das hat er mit seinem bahnbrechenden Vorgänger gemeinsam, der mir insgesamt noch um Einiges besser gefiel als der zweite Teil. Wie dem auch sei – vielleicht braucht es einfach mal wieder diesen Kick eines „Half-Life 3“, gerade in Sachen Single Player, weil hier besteht wirklich, wie Spiritogre schon anmerkt, großer Stillstand in den letzten Jahren.

        Ich habe ja schon oftmals angemerkt, dass ich Valve für die Art von Firma halte, die immer für eine Revolution – klein oder groß – gut ist. Somit bin ich sehr gespannt, was wir letztendlich mit „Half-Life 3“ und mit einer Steammachine oder -box oder wie auch immer bekommen.

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