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Deep Black: Gefakte Kundenrezensionen? It’s “Just A Game”!

Geschrieben von Sven

„Triste Schauplätze“, eine „doofe KI“ und fehlende Abwechslung klingen nicht gerade nach einem sensationellen Spiel, oder? Trotzdem machte das Portal GamingXP für „Deep Black“ stolze 71 Prozentpunkte locker. Eine sehr ordentliche Spielerfahrung also? Dass der Rest des Berichtes alles andere als nach einem „guten“ Titel klang, sollte mich misstrauisch machen. Ich stöberte weiter und entdeckte weitere Ungereimtheiten. Ein Leser des Tests wunderte sich über das Ergebnis. Darauf folgte eine komische Antwort, vermutlich vom Autor: „…da ich das spiel aber nicht durchgespielt habe, sondern nur die ersten paar von den insgesamt 30 level, sind mir die anderen abschnitte, und die bossgegner, nicht bekannt….“ Ähm? Das Resultat basiert also auf eins, zwei Abschnitten? Wie lange hat der Schreiberling gespielt, um diese positive Meinung über „Deep Black“ zu fällen? Ich hoffe, meine Vermutung ist falsch. Ansonsten: Epic Fail?

Deep Black: Wie so oft sehen Pressefotos schon schick aus.
Deep Black: Wie so oft sehen Pressefotos schon schick aus.

Okay. Schauen wir weiter. Bei Amazon. Kundenrezensionen. Geschichten rund um Fake-Bewertungen zuständiger Mitarbeiter, die die Produkte des eigenen Unternehmens übertrieben loben, sind nicht neu. Google weiß einiges darüber. Und auch ich möchte unterstellen: An den positiven Kommentaren auf Amazon ist etwas faul! Beispiel? Der User „gamefreak84“ erteilt fünf Sterne, also den maximalen Spaßfaktor. Am 3. Juni meinte er: „Allso Deep Black gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingsgames dieses Jahr. Hab mir jetzt auch den Patch installiert. Es war vorher schon richtig gut aber das Update holt noch mal einiges raus! Bin super zufrieden mit dem Kauf. Deshalb 5 Sterne!!!!!!“ Der Witz ist, dass der Patch zwar tatsächlich pünktlich zum Erscheinen des Spiels am 31. Mai 2011 vom Publisher Just A Game freigegeben wurde, dieser aber definitiv nicht bis zum 7. Juni 2011 funktionierte. Wieso? Weil ich es selbst ausprobierte? Weil ich den offiziellen Support offenbar erst darauf hinweisen musste? Weil die Pressemeldung von Just A Game am 7. Juni verriet: „Mit dem am 31.5. vermeldeten Patch gab es Installationsprobleme, die jetzt behoben sind.“ Seltsam. Wie „gamefreak84“ das Update aufspielen konnte?

Die anderen wohlwollenden Kundenrezensionen stammen vorrangig vom 3. Juni und weisen eine unterschiedliche Rechtschreibqualität auf. Hier kann ich leider nur mutmaßen. Aber: Es ist auffällig, dass der User „PC_Zocker_2007“ zum ersten Mal unter diesem Namen bei Amazon eine Rezension verfasst – und dann noch zu diesem Spiel? Zwei Leute reagieren sogar mit Unverständnis auf seine Begeisterung. Zurecht. Und welch Zufall: Auch „“SuperMario“ und „BlackQueen“ schrieben zuvor keinen Amazon-Beitrag, „Deep Black“ sollte ihr Debüt sein?! Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht. Die nörgeligen Meinungen auf der Seite des Onlineshops kommen von regelmäßigen Rezensenten, sie sprechen berechtigte Makel an und raten vom Kauf ab. Das ist verständlich und nachvollziehbar.

Im Wasser sieht Deep Black nicht so schlecht aus. Aber wie das kühle Nass zeitgemäß dargestellt werden kann, verdeutlich sogar das viel günstigere Hydrophobia.
Im Wasser sieht Deep Black nicht so schlecht aus. Aber wie das kühle Nass zeitgemäß dargestellt werden kann, verdeutlich sogar das viel günstigere Hydrophobia.

Abgesehen von dem wahrscheinlichen GamingXP-Debakel kann ich verstehen, weshalb womöglich Angestellte des Publishers oder der zuständigen Agenturen bemüht sind, ihr Produkt in einem möglichst angenehmen Licht dastehen zu lassen. Hier geht’s um Arbeitsplätze, zufriedene Investoren, Wachstum. Andererseits sind bejahende Bewertungen zu einem schlechten Spiel irreführend und auf gewisse Weise entsprechen sie dem Vortäuschen falscher Tatsachen. So manches Magazin scheint auch nicht besser zu sein. Nehmen wir die Games Aktuell. Ein Redakteur war zu einem Vorab-Test-Event nach Moskau direkt zum Entwickler Biart eingeladen. Dort hätte er eigentlich sofort sehen müssen, dass die Grafik des bereits 2007 angekündigten Spiels (damals noch unter dem Namen „U-Wars“) völlig veraltet und unattraktiv ist. Doch in der vorläufigen Review heißt es: „Womit Deep Black auf jeden Fall punktet, das ist seine wunderschöne Grafik: Mit der hauseigenen biEngine zaubern Biart Games ein echtes Unterwasserparadies auf den Bildschirm. Das Gefühl, hunderte Meter unter dem Meeresspiegel zu sein, umgeben von Millionen Tonnen Wasser, wurde sehr gut eingefangen.“ Schenkten bei Biart hübsche Damen zu viel Wodka aus?

Wenigstens gibt’s auch korrektes und angemessenes Feedback von der „Spielepresse“. Zockah und  Gameheart empfehlen „Deep Black“ nur, wenn es das Ding irgendwann einmal für nen Zehner auf dem Wühltisch gibt. Und Gamestar erteilt großzügige 55 Prozent . Sollten weitere Magazine mit reellen Wertungen nachziehen, dürften sich die „Rezensionen“ auf Amazon relativieren. Aber es hat ohnehin nicht den Anschein, als sei „Deep Black“ der Kassenknüller für Just A Game. Seit Tagen heißt es „Nur noch 15 Stück auf Lager – jetzt bestellen“ bei der Collector’s Edition. Ein reißender Absatz sieht anders aus.

Ach, wenn Deep Black nicht so viele Schwächen und Fehler hätte...
Ach, wenn Deep Black nicht so viele Schwächen und Fehler hätte...

Welches Problem ich mit „Deep Black“ habe? Es ist schwierig, einen Anfang und ein Ende zu finden. Denn der 3rd-Person-Shooter belästigt mich durch eine belanglose Geschichte mit unmotivierten Synchronsprechern und einem billigen 08/15-Spielkonzept, das ich schon 1000 Mal in schickerer Form erlebt habe. Dabei ist der Ansatz, im Wasser mit einem Supersoldaten herumzudüsen, mit der Harpune Gegner auszuschalten, Rätsel zu lösen und an Land zu gehen sowie dort weitere Gefahren zu meistern, wirklich nicht verkehrt. Ganz im Gegenteil. Die wässrigen Schauplätze besitzen sehr viel Potential, das Biart zu keiner Zeit sinnvoll nutzt. Stattdessen servieren die Macher öde Ballereien, ein simples Deckungssystem, Monotonie ohne Ende und unfassbar viele Bugs. Ach, und obwohl „Deep Black“ auf Nvidia-Grafikkarten stereoskopisches 3D unterstützt, kann sonst von einer zeitgemäßen Optik nicht die Rede sein. Alles wirkt angestaubt, egal was ihr mit eurem Helden erledigt oder euch anschaut. Für den Mehrspielermodus scheint sich zudem keiner zu interessieren. Ach, wenn niemand „Deep Black“ kauft, braucht mich das ja nicht zu wundern.

Bei der unzureichenden Produktqualität ist es keine Überraschung, dass es Leute gibt bzw. geben muss, die für etwas positive Stimmung u.a. bei Amazon sorgen sollen – wenn schon die eine oder andere Werbekampagne auf größeren Spielemagazinen nicht erfolgreich war?  Ob diese auch der Grund sind, dass viele Tests auf sich warten lassen?

Zufälle gibts...
Zufälle gibts...

Aus reiner Spielersicht kann ich letztlich sagen: Spart euch den Gedanken an „Deep Black“. So leid es mir auch tut – der Titel taugt nichts. Aufgrund der Möglichkeiten, die diese Unterwasser-Action hätte bieten können, bedauere ich das sehr. Frech und albern ist übrigens der billige Cover-Klau. Obwohl…das ist sicher auch purer Zufall, dass die Verpackung frappierend an die von „Vanquish“ erinnert?

Danke an Videospielkultur bzw. den guten Michael für den Cover-Hinweis!

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 15. Juni 2011

10 Kommentare zu “Deep Black: Gefakte Kundenrezensionen? It’s “Just A Game”!

  1. Och, menno. Ich war wahrscheinlich einer der wenigen Menschen auf diesen Planeten, der sich auf dieses Spiel gefreut hat. Ich mag Unterwasserszenarien sehr gern und habe deshalb auch schon Hydrophobia oder damals Aquanox gemocht. Schade, die Idee ist eigentlich cool.

    • Ja, war auch sehr gespannt auf das Spiel. Echt schade drum. Da ist Hydrophobia die deutlich bessere Wahl. Das hat mir trotz der zahlreichen Bugs (damals in der ursprünglichen X360-Version) Spaß bereitet. Und war auch viel, viel billiger.

  2. Rantaplan schrieb am :

    LOOOL … sind doch Games Company Leute oder? Googelt mal…hehe von der einen Insolvenz in die nächste ..just a fail !

      • Michael schrieb am :

        Die haben sogar Teile des Portfolio mitgenommen. Nächstes Mal bedankst du dich für den Hinweis mit dem Cover. Der Videospielkultur-Test wird derweil ziemlich vernichtend ausfallen. Habe es mir mittlerweile angesehen und das Teil ist ja eine einzige Katastrophe. Da kann man auf Grund der hochwertigen Ansätze ja nicht einmal mehr von Trash vom Feinsten sprechen.

      • Hehe. Na, dann sag mir, wenn Dein Test online ist. Dann verlinke ich ihn als Dankeschön hier. Und ja, das Spiel ist weit entfernt von einem gut. Aber das war ja jetzt nicht der Hauptaspekt meines Artikels. Das dann an anderer Stelle. :)

  3. Pingback: Testbericht: Deep Black | Videospielkultur.de

  4. Schummelbewertungen sind Schleichwerbung nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (§4 Nr.3) und damit rechtswidrig. Es drohen Unterlassungsverfahren. Bewertungsportalbetreiber können wegen Betruges klagen. In den USA wurde ein Fakebewerter zu 210.000 Euro Strafe verdonnert. Auch echte Kunden, die Unwahrheiten schreiben, können wegen Verleumdung belangt werden.

    Dann zeigt die doch einfach mal jemand an…

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