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Batman – Arkham Origins: Es war einmal…

Geschrieben von Andreas
Batman – Arkham Origins: Es war einmal…

„Batman: Arkham Origins“ ist ein Spiel, das nur zum Melken da ist. Es bringt weder neue Einsichten in das Leben des dunklen Ritters, noch überrascht es als Spiel. Mit anderen Worten: Es ist durch und durch austauschbar.

Fairerweise muss gesagt werden, dass es jedes Spiel als Nachfolger eines „Batman: Arkham City“ schwer hätte. Für mich ist Rocksteadys Superhelden-Oper eines der besten Spiele dieser Konsolengeneration. Mit viel Liebe zum Detail haben die Briten…ach, ich spar mir das. „Batman: Arkham City“ solltet ihr alle gespielt haben. Punkt.

Alles schon mal gesehen…

Beginnt jetzt der Ausverkauf? (Bild: Warner)
Beginnt jetzt der Ausverkauf? (Bild: Warner)

Was ist „Batman: Arkham Origins“? Es will eine Prequel sein. Also nicht direkt die Vorgeschichte von „Arkham Asylum“ beleuchten, sondern vielmehr die Vorgeschichte von Bruce Wayne alias Batman. Und was hätte ich mich gefreut, wenn ich die Lehr- und Wanderjahre Batmans erlebt hätte! Aber denkste, das Spiel fühlt sich genauso wie sein Vorgänger an. Jede Bewegung, fast jedes Gadget und die einzelnen Handlungsorte kenne ich aus dem Vorgänger. Ein paar kleine Änderungen und die Entwickler hätte daraus locker eine Fortsetzung machen können.

Die Free-Flow-Kampfsequenzen, die Stealth-Elemente oder einfach das Gleiten durch die nächtliche Stadt sind zwar wie immer toll inszeniert, aber das war’s dann auch. Wo Rocksteady bei „Arkham City“ gegenüber dem Vorgänger ordentlich zugelegt hat, recycelt WB Games Montreal nur fleißig. Das wirkt dann schon eher wie ein Missionpack zum Vollpreis. Die Unterschiede könnt ihr mit der Lupe suchen. Neu ist beispielsweise die Möglichkeit, einen Tatort genau zu untersuchen: Detektiv-Sicht an und Spuren suchen. Dabei könnt ihr den Tatvorgang vor- und zurückspulen. Klingt nett, aber es ist im Grunde genommen nur ein Wimmelbildspiel in 3D. Ich fand diese Sequenzen eher nervig, da der spielerische Anspruch gleich „Null“ war.

Mit der "Remote Claw" könnt ihr jetzt gegenstände auf eure gegner werfen. (Bild: Warner)
Mit der „Remote Claw“ könnt ihr jetzt gegenstände auf eure gegner werfen. (Bild: Warner)

Außerdem sind Batmans Abenteuer deutlich „körperbetonter“ geworden, will sagen: Das Gekloppe hat zugenommen, die Schleich-Elemente sind in den Hintergrund gerückt. So bin ich relativ früh im „Boiler Deck“ in eine riesige Gegnerhorde geraten, an der der ich mir -ungelogen stundenlang  – die Zähne ausgebissen habe (auf „Hard“). Wenn ihr da nicht ein gutes Timing zwischen Blocken und Angreifen habt, ist es schnell vorbei. In meinen Augen legt „Batman: Arkham Origins“ vom Schwierigkeitsgrad noch eine Schippe drauf, denn diese Frusterlebnisse hatte ich bei den Vorgängern nie. Wenn ihr neu in der Reihe seid, regelt den Schwierigkeitsgrad lieber runter.

Das Missionsdesign an sich ist ein Mix aus den beiden Vorgängern und ein bisschen „Far Cry 3“. So lauft ihr durch dunkle Korridore oder enge Kanäle und erledigt eure Gegner. Abseits von der Story dürft ihr in der Stadt ein paar Krisenherde entschärfen oder eben wie in „Far Cry 3“ Türme besetzen, um eure Schnellreisestrecke zu erweitern. So habt ihr wie in den Vorgängern enorm viel zu tun, wenn ihr das Spiel komplett meistern wollt.

Das Gesetz der Serie

Objektiv betrachtet hat WB Games Montreal deshalb keinen schlechten Job gemacht, vorausgesetzt ihr seid nicht so pienzig wie ich. Rocksteady hatte mit den beiden Vorgängern sehr detailverliebte Spiele gemacht, denen ich ansehen konnte, dass in jeder Ecke viel Herzblut steckte. Das mag übertrieben sein, aber dennoch wirkt „Origins“ dazu im Vergleich wie Massenware: schnell gezockt, schnell verkauft, schnell vergessen. Und damit sind wir wieder beim „Kühe melken“.

Wie wird es mit der Reihe weitergehen? (Bild: Warner)
Wie wird es mit der Reihe weitergehen? (Bild: Warner)

Zynisch betrachtet ist „Batman: Arkham Origins“ das „Call of Duty“ für Superhelden-Fans. Spätestens übernächstes Jahr wird es wahrscheinlich wieder ein Update geben. Ein paar kosmetische Korrekturen hier, ein paar neue Gadgets da, aber sonst wird alles beim Alten bleiben. Ganz nüchtern gesehen kann ich es Warner nicht verübeln. Nachdem „F.E.A.R.“ endgültig gegen die Wand gefahren wurde und sich „Lego Irgendwas“ eher an Kinder richtet, ist das „Batman“-Franchise der einzige „erwachsene“ Millionseller in ihrem Portfolio. Und wer will noch seine ganzen Ressourcen in ein Spiel für die „Last Gen“ stecken?

Als Fan der Vorgänger schlucke ich meinen Ärger über diese „Cash-Cow-Recycling“ -Maßnahme herunter. Dann hoffe ich, dass es nicht nur mir so geht und das „Origins“ auf dem gleichen „Pile of Shame“ landet wie „God of War Ascension“ oder „Gears of War: Judgement“ – beides Prequels, beides Flops. Vielleicht auch so ein „Gesetz der Serie“, das sich ein paar Studiobosse merken sollten.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 17. November 2013

Ein Kommentar zu “Batman – Arkham Origins: Es war einmal…

  1. Ich glaube, das Wichtigste für das Franchise ist, dass Rocksteady entweder noch einmal ein grandioses „Batman“-Spiel hinlegt – dieses Mal für die Next-Generation – oder dass jetzt einfach mal wieder Ruhe ist. Besser als die ersten beiden „Arkham“-Spiele wird es wohl kaum in den kommenden Monaten werden, also kann man sich auch anderen Projekten zuwenden, oder?

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