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World War Z: Alles halb so schlimm

Geschrieben von Andreas
World War Z: Alles halb so schlimm

Kaum Blut, viel CGI, wenig Horror. „World War Z“, die Verfilmung des gleichnamigen „Romans“ von Max Brooks, ist eine handzahme Bebilderung der Zombie-Apokalypse. Popcorn fürs  Hirn.

Überall wo man hinblickt, ist Brad Pitt. Er spielt Gerry Lane, einen ehemaligen UN-Mitarbeiter, der reaktiviert wird, um auf der ganzen Welt nach einem Mittel gegen einen Zombie-Virus zu suchen. Plötzlich werden nämlich die Toten wieder lebendig und die Erde steht am Rand einer Zombie-Apokalypse. Also lässt der gute Gerry seine Familie zurück und jettet durch die ganze Welt. Am Ende ist die Plage zwar nicht besiegt, aber Gerry gibt mit seiner Entdeckung den Menschen zumindest wieder die Hoffnung zurück.

Brad Pitt als UN-Tausendsassa Gerry Lane. In der Voralge gibt es übrigens keine Hauptperson. (Bild: Paramount)
Brad Pitt als UN-Tausendsassa Gerry Lane. In der Vorlage gibt es übrigens keine Hauptperson. (Bild: Paramount)

Oberflächliche Schnitzeljagd

Als Zuschauer könnt ihr euch beim Betrachten einfach zurücklehnen und euch von dem Spektakel berieseln lassen. „World War Z“ ist unterhaltsam, mit einer Laufzeit von unter zwei Stunden schnell vorbei und als Pitt-Fan kommt ihr an dieser Personalityshow sowieso nicht vorbei. Mehr noch dürft ihr aber dem Regisseur Marc Forster und seinen Cuttern Respekt zollen, die das dämliche Drehbuch geschickt kaschieren. Andererseits könnt ihr euch ruhig fragen, warum ausgerechnet ein popeliger UN-Mitarbeiter zum Retter der Menschheit werden soll. Warum gerade dann Jerusalem überrannt wird, wenn er ankommt. Warum nur er mit seiner Gehilfin einen Flugzeugabsturz überlebt. Oder weshalb er nur durch zweimal Hingucken kapiert, wie man die Zombieplage bekämpfen kann.

Die "Reise nach Jerusalem" einmal anders. (Bild: Paramount)
Die „Reise nach Jerusalem“ einmal anders. (Bild: Paramount)

Vielleicht lag es auch an der bewegten Produktionsphase des Films. Etliche Nachdrehs – der komplette dritte Akt wurde neu gedreht, manche Figuren tauchen kurz auf und verschwinden dann einfach – ließen das Projekt schon als den nächsten Super-Flop dastehen. Doch die Macher hatten Glück. Zombies sind „in“, es war wohl Zeit für den ersten Zombiefilm für die ganze Familie. Offensichtlich dürfen sich die Fans auf eine härtere Fassung für das Heimkino freuen, und durch den bisherigen Kinoerfolg ist eine Fortsetzung bereits sicher. Sei’s drum.

Mich persönlich hat von Anfang an gestört, dass der Film nichts mit der Vorlage gemein hat. „The Oatmeal.com“ fasst es treffend zusammen – außer dem Titel ist nicht viel übrig geblieben. Zugegeben, so etwas gibt es öfter: „Stirb Langsam“ hat nur wenig mit seiner Romanvorlage zu tun, und beinharte Tolkienisten liebäugeln mit einer Steinigung von Peter Jackson (wird bei „Der Hobbit“ noch schlimmer werden). Im Fall der Romanvorlage von Max Brooks liegt der Fall doch etwas anders. Zunächst ist das Original kein eigentlicher Roman, sondern „the oral history of the great zombie war“. Mit anderen Worten: ein modernes Geschichtsbuch. Die Zombieplage an sich ist nur das Event, ähnlich wie bei „The Walking Dead“. Vielmehr geht es darum, wie eine Gesellschaft reagiert und welche moralische Grenzen überschritten werden, wenn sie mit einer solchen Bedrohung konfrontiert wird. Augenzeugeninterviews schildern Schicksale und gesellschaftliche Veränderungen. Das ist pathetisch, ergreifend und clever. Vor allem aber: Brooks findet auch unpopuläre Lösungen. Island existiert praktisch nicht mehr, in China kommt es zu einem Bürgerkrieg, Kuba wird zur Wirtschaftsmacht und in den Katakomben unter Paris kommt es zu einem Massaker. Das alles war den Filmemachern wohl zu komplex.

!!!ACHTUNG SPOILER!!!

Brad Pitt auf der Suche nach dem Sinn des Ganzen (Bild. Paramount)
Brad Pitt auf der Suche nach dem Sinn des Ganzen (Bild. Paramount)

Im Film reicht auch ein Killervirus. Lane, der ansonsten nichts mit Biologie zu tun hat, entdeckt, dass die Zombies keine Todkranken angreifen. Also lassen sich die Menschen jetzt Viren aus einem Geheimlabor spritzen (als Wissenschaftler: Moritz Bleibtreu) und schon wendet sich das Blatt. Das ist einerseits ein billiger Twist, eine Art Deus Ex Machina, die der Vorlage in keiner Weise gerecht wird. Andererseits ist dieses Happyend perfide: Ein im Labor gezüchteter Virus ist die Rettung der Menschheit? Also hat biologische Kriegsführung auch etwas Gutes? Geht’s noch?

In „World War Z“ wird alles verharmlost, was dieses Thema hergibt. Mit der Unbeschwertheit früherer Bond-Filme trampeln die Filmemacher auf dem Genre herum. Wer auf einen würdigen Nachfolger von „Dawn of the Dead“, „The Walking Dead“ oder sogar „28 Days later“ hofft, sollte einen großen Bogen um den Film machen. Böse ist hier nix, eben ein Zombieabenteuer für einen sonnigen Sommerabend.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 26. Juni 2013

14 Kommentare zu “World War Z: Alles halb so schlimm

  1. Hamrath schrieb am :

    Ich hab den Film (natürlich) noch nicht gesehen, aber kann es sein, dass du mit deinem Review einen fetten Spoiler verraten hast?

      • Hamrath schrieb am :

        Ich meine die Stelle, wo man das „Achtung Spoiler!“ wegen des Bildes sehr leicht überlesen kann. Mir ist es jetzt erst aufgrund deines Hinweises aufgefallen. ;)

      • Hamrath schrieb am :

        Für mich ist’s jetzt zu spät. ;)

        Am schönsten sind natürlich eh spoilerfreie Reviews,

      • Trommelpeter schrieb am :

        Er verrät einfach das Ende.(…)
        DARÜBER solltest du ein „ACHTUNG SPOILER“ schreiben!

  2. Oguz-Khan schrieb am :

    Ich habe nun einige Ihrer Filmbesprechungen gelesen und finde sie insgesamt recht interessant. Es fällt allerdings auf das Sie in der Lesart der Filme gerne an der Oberfläche verweilen. So heißt es hier das wir es mit einer Art „Familienzombiefilm“ zu tun haben. Als Grund wird der eher niedrige Gewaltgrad, also der grafischen Gewaltdarstellung, man erinnere sich an Ihren Artikel „Blood sells: Das Geschäft mit der virtuellen Gewalt“, aber wahrscheinlich gelten die in diesem Artikel genannten Argumente nicht mehr wenn es um Zombiefilme geht? Ganz im Gegensatz zur Apokalypse, Götterdämmerung und einsamen Überlebenkämpferin in den jeweiligen Spielen.

    Nun ja aber zurück zum Thema: Gerade die von Ihnen genannte Szene in Jerusalem ist mehr als sprechend. Diese Mauer soll trennen Feind von Freund, Arm von Reich, sie soll jede Verständigung zwischen den Völkern welche über die Konfrontation hinausreicht blockieren. Sie ist eine endgültige und radikale Lösung in einem Konflikt der als Unlösbar gilt. Aber die andere Seite hört deshalb nicht auf zu existieren. Die Verzeiflung, die Armut und der Zorn mehren sich. Das die wütenden und agressiven Massen nun gegen jene Mauern drücken kann man jetzt wie lesen? Ein Biss verwandelt einen Menschen in nur 12 sek. in einen Zombie d.h., die Leute werden sehr schnell und nachhaltig mit einer Idee infiziert. Das erinnert an die Demonstrationsbewegungen der letzten Jahre. Wir denken an Ägypten, Syrien, Istanbul, Brasilien der Occupybewegung. Diese Ideen haben sich gegenseitig beeinflusst und rasant via Internet ausgebreitet. Und einmal in die Welt gesetzt sind sie nicht mehr aufzuhalten. Die Zombies sind auch schnell, agil und eindeutig in der Überzahl. Sie repräsentieren jene 99% wie es sich die Occupy Bewegung an den Hut geschrieben hat, und mit denen die meisten sympatisieren. Wenn wir nun sehen wie die Polizei weltweit auf diese „Bedrohung“ durch die Massen reagiert, auch aktuell z.B aus Frankfurt, oder den besetztern des Gezi Parkes in Istanbul, kann man erkennen. Für die Staaten sind diese Leute auch nur eine gefährliche Masse, deren Treiben es tunlichst einzudämmen gilt. Sie sind störend, agressiv und somit entbehrlich. Sie werden zu Kanonefutter degradiert. Nun haben die Zombies Gegenspieler, welcher hier von Brad Pitt verkörpert wird. Diese gehören einer Minderheit an, einer Elite (Pit spielt einen ehem. UN Beobachter) welche die Invasion der Massen aufhalten sollen.

    Interesant ist nun die Ambivalenz des Streifens wie man sie so nur noch sehr sehr selten im Blockbusterkino vorfindet. Man muß sich entscheiden. Ist man für die 99% welche ja die Mehrheit ausmachen, oder schlägt man sich auf die Seite der 1%, also den Brad Pitt´s dieser Welt? Diese Reflexion findet auch im, meiner Meineung nach, fantastischem dritten Akt des Film statt. Müssen wir uns wirklich den Zombies, oder nicht vielmehr den Brad Pitt´s dieser entledigen?

    Natürlich kann man jetzt völlig anderer Meinung sein, aber Sie müssen zugeben, diese Lesart zeigt eine deutlich komplexere Textur auf als Sie sie in ihrem Artikel andeuten. Man denke im Gegensatz dazu an das Ende von „Man of Steel“, wo Superman als Erlöserfigur präsentiert wird. Das er zumindest mitverantwortlich für die Millionen von Toten ist spielt überhaupt keine Rolle, und bleibt völlig unreflektiert obwohl ja angeblich eine realistischere Gangart versucht wurde.

    Ausserdem ist es ja gerade die Streitbarkeit, die Vielschichtigkeit welche dem Blockbusterkino heutztage fehlt. Nach dem furchtbaren „Man of Steel“, dem nur oberflächlich nach Sci-Fi aussehedem „Star Trek“, und dem mit einer völlig falschen Fragestellung aufwartenden „Prometheus“ (Schöpfung ist was anderes als Konstruktion Ridley Scott!), ist „World Wars Z“ ein echter Blockbuster den man einfach genießen kann UND gleichzeitig eine komplexere Lesart zulässt. Vielleicht ist das auch der Grund für die Zahlreichen Negativkritiken. Hollywood hat sich eine neue Generation von Idioten angezüchtet. Wenn diese nun etwas wie „WWZ“ erlebt, dann brennen die Zombiehirne durch und der wütende Mob stürtzt sich auf ihn um ihn in Stücke zu reisen. Ein hoch auf die kommende blutigere Heimkinofassung. Denn dann währen auch die Massen wieder glücklich, und wieder Taub…

    • Sehr interessante Sichtweise, die ich im Hinterkopf behalten werde, wenn ich den Film mir in Baelde anschaue. Ich finde es auf jeden Fall auch aus Sicht des in letzter Zeit der Oberflaechlickeit bezichtigten Mediums Film durchaus ermutigend, wenn ein vermeintlich trivial-pompoeser Blockbuster wie „World War Z“ solche Gedanken und Diskussionspunkte aufwerfen.

      Als Autor von „Blood sells“ moechte ich zum ersten Absatz aber anmerken, dass diese Punkte fuer mich sehr wohl auch bei Zombiefilmen gelten. Ich halte auch die Einschaetzung des Kollegen Andreas, „World War Z“ sein ein „Familienzombiefilm“ nicht fuer eine Kritik an sich, sondern eine blosse Feststellung, die schlicht darauf muenzt, dass „World War Z“ als „jugendfreier“ Stoff wesentlich mehr Chancen haben wird, sein immenses Produktionsbudget wieder einzuspielen. Auch das mag als zynisch gelten, aber letztlich bleibt ein Film ein eigenes Wirtschaftsunternehmen und muss alles versuchen, um profitabel zu bleiben.

      Fuer mich stellt sich im Zusammenhang mit der angekuendigten, blutigeren Heimfassung eher die Frage – im Kontext von „Blood sells“: Braucht es denn eine solche blutigere Fassung, um die Botschaft des Films noch eindringlicher erzaehlen zu koennen oder handelt es sich tatsaechlich um ein weiteres Beispiel des von mir angeprangerten PR-Mechanismus?

      • Oguz-Khan schrieb am :

        Noch eine Randnotiz: In diesem Film könnten auch die Ängste jener Eliten zum Ausdruck kommen, gegen die die Massen anlaufen. Denn was passiert eigentlich wenn mal kein Brad Pitt zu Hand ist um die Gefahr aufzuhalten?

    • Ich vermute mal, dass sie die Vorlage nicht gelesen haben. Dort werden diese Fragestellungen wesentlich komplexer behandelt, als im Film (Stichwort „Unified Palestine“). Forsters Film kratzt nur an Oberfläche und setzt stattdessen auf simple, bisweilen einfältige Lösungen: Pitt als Supermann (nochmal: Im Buch gibt es keinen Helden), ein Killervirus als Hoffnungsbringer.

      Im Bezug auf die Gewaltdarstellung ist es eine interessante Frage, wieviel davon gezeigt werden sollte. Einfach alle Gegner wie Spielfiguren „umnieten“ lassen (s. die Brosnan „Bonds“) oder auch mal deutlich zeigen, wo es weh tut? Das ist immer ein schmaler Grad, der in Filmen wie „Evil Dead“ (das Remake) oft übverschritten wird und zum Selbstzweck verkommt. Forster verzichtet in „WWZ“ darauf aus wirtschaftlichen Gründen komplett. Das ist auch eine Art von Zensur.

      Darauf bezog sich – natürlich überspitzt formuliert – meine Bezeichnung „Familienfilm“. Forster hat einen Film über ein hochbrisantes Thema gemacht, der es möglichst vielen Zuschauern recht machen will. Möglicherweise gibt es einige weitere Zuschauer wie Sie, die mehr in dem Film hineininterpretiert haben. Vielleicht waren diese Gedankenspiele irgendwann in der langen Produktionsphase des Films auch mal ein Thema bei den Machern. Im fertigen Film ist davon in meinen Augen so gut wie nichts übrig geblieben. „WWZ“ ist ein Paradebeispiel für einen Blockbusterfilm, der sein brisantes Thema für den Kassenerfolg opfert.

      • Oguz-Khan schrieb am :

        Ich kenne die Romanvorlage nicht. Um ehrlich zu sein, ich wusste nicht mal das es eine gibt! Trotzdem fiel mit diese Lesart leicht. Vielleicht war es auch meine völlige Unkenntnis was die Romanvorlage betrifft und somit meiner nicht vorhandene Erwartungshaltung geschuldet, dass ich diesen Film trotzdem genießen konnte. Ach ja, meine Einschätzung das es keine Ambivalenz mehr gibt bezog sich nicht auf das Kino an sich, sondern nur auf die sog. Blockbuster. Diese sind zu uniformen Filmchen verkommen. Es ist bei vielen aber immer noch möglich sie zumindest auf visueller oder auf unterhaltungstechnischer Eben zu genießen. „Man of Seel“ hingegen erreichte eine leere, welche mir so und in diesem Grad noch nicht bekannt war. Deshalb auch meine Erleichterung bei „WWZ“. Marc Forster dreht auch nur alle paar Jubeljahre mal eine Blockbuster („007 Ein Quantum Trost“ zulezt wenn ich mich richtig erinnere). Früher liefen häufiger Filme welche einen doppelten Bodensatz hatten und trotzdem ein Massenpublikum unterhielten. Man denke z.B an Stirb Langsam (1), Matrix, Terminator 2, Heat, Face Off usw. Mittlerweile bleiben uns fast nur noch Quentin Tarantino und Christopher Nolan (auch wenn er für das „Man of Steel“ Debakel zumindest mitverantwortlich ist).

      • Oguz-Khan schrieb am :

        By the Way, so einfältig sind die Lösungen die Forster anbietet nicht, denn am Ende wirft der Film die Frage auf wer denn nun wirklich der Kranke ist?

      • Na zumindest sehen die Zombies schlechter aus.

        Vielleicht wäre es mal an der Zeit, dass die Zombies gut gekleidet, intelligent und nett daher kommen.

        Dann wird den Menschen vielleicht vorgeführt, dass Sie selbst die eigentlichen, gewaltbereiten Zombies sind :-) !

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