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The Last of Us – Left Behind: Zurückgekommen, um zurückzulassen

Geschrieben von Lara
The Last of Us – Left Behind: Zurückgekommen, um zurückzulassen

Wochen und Monate habe ich mich auf den Story-DLC zu „The Last of Us“ gefreut. Ich konnte den 14. Februar kaum erwarten. Berlinale? Valentinstag? Mir völlig egal! Left Behind war alles, was mich interessierte. Bewusst hatte ich mir nach dem ersten Teaser nichts mehr dazu angesehen. Doch immer hing mir auch die Frage Kopf: Kann mich ein DLC noch einmal so mitnehmen wie das Hauptspiel vor knapp einem Jahr?

Nicht minder emotional. (Foto: Sony)
Nicht minder emotional. (Foto: Sony)

Ja. Ja, verdammt es kann – und es hat. Neil Druckmann, der bereits für die Hauptgeschichte von Joel und Ellie verantwortlich war, schrieb auch die Handlung um Ellie und Riley. Und was für eine Story das ist! In knapp drei Stunden schafft es Left Behind, mich nicht nur von der ersten Sekunde wieder in die post-apokalyptische Welt hineinzuziehen. Diese seltsam bedrückende, faszinierende Atmosphäre ist sofort wieder spürbar.

Eine neue Geschichte... (Foto: Sony)
Eine neue Geschichte… (Foto: Sony)

Left Behind schafft es sofort, eine emotionale Bindung zu den beiden Charakteren aufzubauen. Hervorragend! Vielleicht funktioniert der DLC deshalb so gut, nicht obwohl sondern gerade weil ich ja schon weiß, wie es ausgeht. Das macht die Spielerfahrung noch intensiver. Es bricht mir einfach das Herz, wenn ich sehe, wie Riley und Ellie zusammen die Welt erforschen, Spaß haben und…..es ist schwierig, über den DLC zu sprechen, ohne zu viel zu verraten. Ihr solltet das alles unvorbereitet selbst erleben. Inhaltlich kann ich aber sagen, dass es zwei Storyverläufe gibt, zwischen denen stets gewechselt wird: Den von Ellie und Riley und einen von Ellie alleine, der während ihrer Zeit mit Joel angesiedelt ist. Letzteres könnte ich als unnötiges Strecken der Spielzeit kritisieren, ist aber inszenatorisch und für die Charakterbeschreibung von Ellie durchaus sinnvoll und gerechtfertigt. Einerseits dienen die Sprünge als Cliffhanger, die einen ruhelos weiter antreiben. Andererseits versteht ihr Ellies Handlungen, Ansichten und Entscheidungen etwas besser, da Vergangenheit und Gegenwart direkt verknüpft werden. Überhaupt ist es schlichtweg packend, wie Elle (und auch Riley) zwischen naiven, gedankenlosen Teenagerdingen und tiefgründigen, erwachsenen Themen hin und her schwanken.

Besser als Kino

Auf jeden Fall haben sich die Jungs von Naughty Dog ein paar feine Spielereien einfallen lassen, um die Beziehung zwischen Ellie und Riley nicht nur über Dialoge und Ingame-Cutscenes zu transportieren. Auch was das eigentliche Spielkonzept betrifft entdeckt ihr ein paar wirklich gute Ideen. Ohne hier zu viel preis zu geben: Unter anderem kommt gelangt ihr in eine verlassene Video-Spielhalle. Eine großartige Szene.

Eigentlich ist ja klar, wie es ausgeht... (Foto: Sony)
Eigentlich ist ja klar, wie es ausgeht… (Foto: Sony)

Meine kurze Reise mit Ellie und Riley war atemberaubend, mitreißend und ein Schlag in die Magengrube. Ohne Scham gestehe ich gerne, dass ich am Ende eine halbe Stunde geweint habe. Das muss ein Spiel, nein, ein DLC erst einmal schaffen! Jedem, der „The Last of Us“ super fand, dem kann ich nur raten: investiert das Geld und holt euch den DLC. Es wird euch sicherlich mehr packen als ein dreistündiger Kinofilm in 3D.

Als kleiner Ausblick auf etwas, das demnächst von mir kommt, noch eine Randnotiz, die aber ein absoluter SPOILER!!! ist: Obwohl Ellie nicht wie anfangs oft vermutet von Ellen Page gespielt und gesprochen wurde, zeigt sich im DLC eine sehr große Parallele zwischen den beiden. Einen besseren Tag als heute hätte ich zum Spielen von Left Behind nicht wählen können. Denn Ellie hat Gefühle für Riley, die über Freundschaft hinaus gehen. In einer Zwischensequenz küsst Ellie Riley auf den Mund. Ellie ist also vermutlich lesbisch. Naughty Dog ist damit einer der wenigen Entwickler, die sich trauen, aus dem heteronormativem Muster bei Liebesbeziehungen zwischen Charakteren in Games auszubrechen. Ich finde das großartig. Doch das ist ein Thema für einen anderen Text, für einen anderen Tag.

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Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 16. Februar 2014

5 Kommentare zu “The Last of Us – Left Behind: Zurückgekommen, um zurückzulassen

  1. Wenn ich das alles so lese, muss ich wohl endlich mal dem Hauptspiel ne zweite Chance geben. Ich fand es ja gut, aber irgendwie….hab ich dann nicht mehr weitergespielt. Ging mir bei Uncharted 3 auch schon so…..

    • Gut, aber „Uncharted 3“ war auch wirklich nicht mehr gut. Ich hatte beim Spielen so das Gefühl, dass sich Naughty Dog schon bei der Entwicklung längst um „Last of Us“ gekümmert hat und ihnen das jüngste Nathan Drake-Abenteuer auf der PS3 eigentlich lästig gewesen ist.

      Insofern bin ich umso heißer auf „Last of Us“, welches mir bald in den Blu Ray-Schacht schweben wird…

  2. DanC schrieb am :

    Sehr schöner Artikel, der in etwa das widergibt, was ich beim Spielen des DLCs empfunden habe. Für mich war das Hauptspiel seit dem Release eines der besten games, das ich je gespielt habe. Mit diesem DLC ist TLOU für mich komplett und damit auf Platz 1. Der DLC hat mir darüberhinaus Hoffnung gemacht, dass ein möglicher Nachfolger des Hauptspiels tatsächlich wieder so ein hohes Niveau erreichen könnte, wie das Original.

    Eine kleine Info am Rande zu dem was Sebastian hinsichtlich Uncharted 3 schrieb:
    es ist so, dass die Entwicklerschmiede Naughty Dog sich nach dem zweiten Uncharted in zwei Teams aufgeteilt hat: eines entwickelte Uncharted 3, während das andere an TLOU arbeitete. In beiden Spielen stecken also Jahre der Entwicklung, es wurde aslo nicht mal so nebenbei entwicklet. :-)

    • Danke für die Klarstellung, DanC! Trotzdem ändert sich für mich nichts an dem Eindruck, dass „Uncharted 3“ eher aus Versatzstücken der ersten zwei Teile zusammengeflickt wurde. Vielleicht liegt es dann auch daran, dass die richtig guten Script-Schreiber mittlerweile an „Last of Us“ arbeiteten, während „Uncharted 3“ vom B-Team entwickelt wurde. Sorry, das mag sicherlich etwas unfair klingen, denn „Uncharted 3“ ist immer noch kein schlechtes Spiel – aber es fällt gegenüber den Vorgängern eben doch merklich ab.

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