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Star Trek – Into Darkness: Für Fans?

Geschrieben von Andreas
Star Trek – Into Darkness: Für Fans?

Ach, ihr armen Trekkies! Jetzt hat es Abrams schon wieder getan. Pfui Teufel, dass es jemand wagt, an eurer heiligen Kuh Enterprise die Hand anzulegen.

Mich regt dieser ganze Fankult auf. Trekkies, Tolkienisten und demnächst auch Möchtegern-Jedis verlieren ihre innere Mitte und poltern gegen Reboots oder ungewünschte Story-Twists. Wo ist Bombadil? Kill Jar Jar Binks! – ach kommt, lasst es gut sein. Ich kann jetzt schon hören, wie sich „Fans“ über „Star Trek: Into Darkness“ aufregen, weil Spock Beziehungsprobleme hat und es überall knallt. Und dann die Angst, dass vielleicht etwas aus dem Film zu früh gespoilert wird. Wisst ihr was? Mir egal.

Sieht aus wie "2001", ist aber "Star Trek". (Bild: Paramount)
Sieht aus wie „2001“, ist aber „Star Trek“. (Bild: Paramount)

Bereit?

Wirklich?

Echt jetzt?

Gut. Benedict Cumberbatch spielt Khan, Kirks Erzfeind, und überhaupt ist „Into Darkness“ so etwas wie ein freies Remake von „Der Zorn des Khan“ inklusive eines nahezu identischen Finales. Irgendwo, irgendwann findet die Föderation ein paar Cryo-Boxen mit Khan und seinen Gefolgsleuten. Als sie ihn aufwecken, öffnet sich gleichzeitig die Büchse der Pandora. Denn der gute Khan ist ein genetisch manipulierter Superman, der in allem besser ist, als der Rest der Menschheit. Logisch, dass er diese Gaben nicht als Heilsbringer einsetzt, sondern sich eher als übergeordnete Lebensform sieht, die sich zum Alleinherrscher aufschwingen will. Doof nur, dass ein paar Soldaten ihn für ihre Zwecke nutzen wollen. Und dann steht plötzlich die Enterprise, Kirk (Chris Pine) und Spock (Zachary Quinto) zwischen allen Stühlen.

Dieser Plot ist jetzt nicht gerade oscarverdächtig. Der Trailer zeigt fast schon die besten Szenen des Films, das Geheimnis um Kahn wird schnell gelüftet, und dann wählen Regisseur J.J. Abrams und seine Drehbuchautoren den geraden Weg durch die Mitte. Wenn „Into Darkness“ ein Spiel wäre, würde ich von einem linearen Shooter sprechen. Der Regisseur hakt ein Set Piece nach dem anderen ab, haut dem Zuschauer explodierende Raumschiffe, Bare Knuckle-Fights und Ballereien um die Ohren, von denen Shatner-Kirk und Picard nur geträumt hätten. Ein bisschen tränenreiche Bromance zwischen Kirk und Spock gibt es noch obendrauf.

Und wieder muss eine Enterprise verschrottet werden. (Bild: Paramount)
Und wieder muss eine Enterprise verschrottet werden. (Bild: Paramount)

Und macht das Spaß? Und wie! Vorausgesetzt natürlich, ihr zählt nicht zu den Trekkies, die sich aus Büchern wie „Everything I learned about life I learned from Star Trek“ ihre Lebensweisheiten beziehen, Uni-Vorlesungen zum Warp-Antrieb besuchen oder Deanna Troi als Sinnbild weiblicher Erotik wahrnehmen. Abrams gelingt es, den Ballast der bräsigen Vorlage abzuwerfen und einen modernen Actionfilm abzuliefern. Denn, sind wir doch mal ehrlich – die alten „Star Trek“-Filme waren „charmant“, aber beileibe keine Kunstwerke für die Ewigkeit. Trotzdem verneigt sich Abrams vor dem Mythos „Star Trek“, zumindest vor der „klassischen“ Serie, und spickt den Film mit Anspielungen an das Original.

Zugegeben: „Into Darkness“ mag zwar eine moderne Achterbahnfahrt sein, aber mit „Der Zorn des Khan“ teilt es auch seine inhaltliche Bedeutungslosigkeit. Während Abrams‘ erster „Star Trek“-Film den neuen Kirk und den neuen Spock aufbaute, herrscht hier jetzt eher Stillstand. Die Infos und Insider-Gags passen auf einen Papierdeckel. Als zweiten Teil einer Trilogie taugt „Into Darkness“ nicht. Vielmehr wirkt der Film wie eine auf Hochglanz polierten Folge einer Fernsehserie – womit wir wieder bei „Zorn des Khan“ wären. Das mag vielleicht der „Fluch“ von „Star Trek“ sein: dass man noch so viele Lens-Flare-Effekte, noch so viele Explosionen einsetzen kann, aber am Ende reicht es doch nicht zum großen Kino, sondern nur fürs Popcorn-Sofa.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 8. Mai 2013

4 Kommentare zu “Star Trek – Into Darkness: Für Fans?

  1. Klare Sache – fuer mich ein Pflichttermin, denn der erste Abrams-„Star Trek“-Streifen war eines der gelungensten Reboot-Projekte ueberhaupt. Gott sei Dank zaehle ich mich auch nicht zu den „Die Hard“-Trekkies, die jegliche Freiheit am Stoff fuer inakzeptable halten. Dafuer sind Reboots da – fuer neue Ideen, eine neue Sichtweise und eben auch einen Neustart…

    Ob mich „Into Darkness“ auch inhaltlich so ueberzeugen kann, wie der Vorgaenger, wage ich angesichts der hiesigen Kritik zu bezweifeln. Von groesstmoeglicher Unterhaltung gehe ich allerdings zweifellos aus.

  2. Sehr schöne, differenzierte Kritik! Muss zugeben, dass ich den Begriff Bromance bislang nicht kannte, der geht jetzt allerdings in meinen aktiven Wortschatz über und passt zu 100% auf Star Trek Into Darkness! Ist ja schön, dass auch ein Thema wie Freundschaft derartige Wichtigkeit in einem Science Fiction-Film einnimmt, aber ein bisschen weniger Kitsch zwischen den beiden Jungs hätte es auch getan: http://www.leselink.de/filme/science-fiction-filme/star-trek-into-darkness.html

  3. Lars schrieb am :

    Angefangen ende der 80er als TNG noch sporadisch im ZDF lief, bis heute würde ich mich als hintergründiger Trekker bezeichnen. Also schon jemand, den das ganze Star Trek Universum „fasziniert“ und alles mehr als einmal gesehen hat. ABER halt nun doch keine roten oder gelben Uniformen im Schrank hängen hat oder sonstigen Krimskrams hier verstauben lässt. (Ja gut, ein-zwei Modelle hab ich mal zusammen gebastelt und ja, einmal habe ich mich sogar hin reißen lassen, eine Drehbuchvorlage an die Studios zu schicken, wo ich zwar nur eine kurze Antwort drauf bekam, aber meine Grundidee dann doch in der Serie auftauchte…. Zufall…. :-) …egal.
    Daher stand ich auch der „neuen-alten“ Crew sehr offen gegenüber und wurde auch mehr als positiv überrascht. Aber viel mehr noch, das einige Leute in meinem Umfeld, die vorher so gar nichts mit Star Trek anfangen konnten, nun sehr angetan waren und auch auf den zweiten warteten. Das alleine finde ich schon wieder „faszinieren“.
    Sagen wir so, Star Trek ist tot, es lebe Star Trek. Und wenn es denn nur so geht wie jetzt, erfüllt es eben doch seinen Zweck.
    Und geduldig bin ich auch noch, weil ich den jetzt noch nicht einmal gesehen habe sondern auf die Blu-ray warte(n muß :-( Hat halt nicht jeder die Möglichkeit, gleich ins Kino zu rennen)
    Aber gut, trotz alledem klar ein Pflicht Film denn ich dann im großen Kreise genießen kann.
    Mal ehrlich, das bis dato ST Universum war nun auch nicht mehr dazu gemacht, neues Publikum zu begeistern. War eben wirklich nur für diejenigen, die mußten worum es geht. Von der Seite her aber auch wieder „faszinieren“ wie doch auch alle „Alten“ hier einsteigen.
    Na ,genug davon fürs Erste…..

    • Lars, da kann ich nur hinzufuegen, dass sich mittlerweile auch meine Frau durchaus fuer „Star Trek“ – die Neuauflage – interessiert, obwohl sie mit dem Stoff normalerweise nicht so viel anfangen kann. Insofern stimmt ich Dir voll und ganz zu – voellig egal, ob sich alte „Die-hard-Trekkies“ hier auf den Schlipps getreten fuehlen, denn es zaehlt, was letztlich funktioniert – und das tun die neuen J.J.Abrams-Interpretationen auf jeden Fall.

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