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Robocalypse: Spielberg und die Maschinen

Geschrieben von Andreas
Robocalypse: Spielberg und die Maschinen

!Update #2! „Robocalypse“ liegt erstmal auf Eis wie Entertainment Weekly am 09.01.13 meldet. Allerdings versicherte Spielberg dem gleichen Magazin einen Tag später, dass es kein Aus für immer ist. Angeblich gibt es Probleme mit dem Script von Drew Goddard („Cloverfield“) und der Film würde zu teuer werden. Vor einem Kinostart 2015 ist mir Sicherheit nicht zu rechnen. !Update Ende!

!Update! Laut Variety gibt es einige Hinweise auf die Besetzung. Glaubt man dem Artikel sind Chris Hemsworth („Thor“), Ben Whishaw („Q“ aus „Skyfall“) und Anne Hathaway („The Dark Knight Rises“) im Gespräch.

Es hat ja einige Zeit gedauert, wohl auch weil Spielberg zunächst zwei seiner typischen Melodramen verfilmt hat. Allerdings blieb „Gefährten“ hinter den finanziellen Erwartungen zurück und bei „Lincoln“ wird sich zeigen, ob das allzu offensichtlich Buhlen um einen Oscar nicht ein Nachteil ist. Kurz, Spielberg braucht mal wieder einen Blockbuster. Schon seit Längerem wird darüber spekuliert, dass Chris Hemsworth, der Darsteller des „Thor“ aus dem gleichnamigen Film und aus „The Avengers“ eine der Hauptrollen übernehmen wird. Ich tippe darauf, dass er den älteren Bruder des Milizsoldaten Cormac spielt. Diese Heldenrolle wäre typisch für ihn. Ben Whishaw, der neue „Q“ aus „Skyfall“ als Cormac? Möglich, aber er würde in meinen Augen besser in die Rolle des Hackers passen. Bei Anne Hathaway bin ich allerdings ratlos. Als Politikerin und Mutter ist sie noch etwas zu jung, aber vielleicht wird ihre Rolle komplett umgeschrieben oder eine neue Figur wird eingeführt. Mal sehen. Hier geht es zur Nachricht auf Variety. !Update Ende!

Hassen oder lieben? Ich muss gestehen, dass ich ein zwiespältiges Verhältnis zu Steven Spielberg habe, aber er lässt mich seit Jahrzehnten nicht los. So bin ich über den Roman „Robocalypse“ von Daniel H. Wilson gestolpert. Spielberg wird 2013 diesen SF-Thriller über die Rebellion der Maschinen in die Kinos bringen.

Geht es nach Autor Wilson, sind wir bald alle komplett abhängig von Computern und Robotern. Der ganze menschliche Alltag ist vernetzt, Serviceroboter bringen das Essen und an der Front kämpfen unbezwingbare Kampfmaschinen. Auf dem Höhepunkt dieser technischen Entwicklung erschaffen Wissenschaftler eine übermächtige künstliche Intelligenz – „Archos“. Der kommt schnell zur Erkenntnis, dass die Menschen eine Gefahr für seine Spezies sind. Er lässt seine Maschinen rebellieren und macht aus harmlosen Dienstrobotern tödliche Killer. Bald versinken die Städte im Chaos und der Widerstand der Menschen scheint vollkommen zerstört. Doch überall auf der Welt gibt es Überlebende, und die rüsten zum letzten Kampf gegen den Maschinengott.

Spielberg am Set von „Gefährten“. Der Mann hat viel zu tun und wird nach diesem Kriegsmelodram sein Biopic über Abraham Lincoln drehen. Erst dann kommt „Robocalypse“. (Bild: Walt Disney Studios Motion Pictures)

Puh, klingt ziemlich nach einer patriotischen Reißbrett-Erweckungsgeschichte, oder? Harmlose Mitbürger wachsen über sich hinaus, Soldaten sterben den Heldentod und am Ende siegt der menschliche Wille zum Überleben? Kurz, das ist es auch. Zumindest ist es kein „Transformers“-Abklatsch, sondern eher ein Hightechthriller im Stil von „Colossus“ (1970) oder „I, Robot“ (Roman v. 1950, Film v. 2004). Der eigentliche Reiz liegt auch nicht in der vorhersehbaren Handlung, sondern in der Erzähltechnik. Ähnlich wie „World War Z“ ist zu Beginn des Romans der Krieg längst vorbei. Ein Milizsoldat namens Cormac wertet Videoaufzeichnungen aus, mixt sie mit eigenen Erlebnissen und erzählt eine Mosaik-artige Geschichte über den großen Krieg gegen die Maschinen.

Ähnlich wie in einem Katastrophenfilm gliedert sich die Geschichte in Einzelschicksale. Eine Politikerin versucht die Katastrophe zu verhindern, doch stattdessen werden sie und ihre Kinder verschleppt; ein paar Indianer gründen in der Wildnis eine schlagkräftige Armee, und das Mädchen Mathilda wird Opfer der grausamen Experimente der Maschinen – mit überraschendem Ausgang. Ein asozialer Hacker wird zum selbstaufopferungsvollen Retter und ein Bauarbeiter organisiert den Widerstand in den Trümmern New Yorks. Schräg: Ein alternder Japaner verliebt sich in seinen Haushaltsroboter und versucht sie zu reparieren. Nebenbei dreht er dank seiner genialischen Ader einige Roboter um und baut sich eine Festung inmitten Tokios. Shigeru Miyamoto wäre stolz auf ihn.

Schon in der Spielberg-Produktion „Transformers 3“ ging es um den Kampf zwischen Mensch und Maschine. (Bild: Paramount)

In der zweiten Hälfte kommt es zu einem typischen Buddy-Movie-Plot. Ein Kampfroboter, der dank „Archos“ eigenständig denken kann, wechselt die Fronten. Er verbündet sich mit Cormac und seiner Einheit, um seinem ehemaligen Herrn eine letzte erbitterte Schlacht zu liefern. Das ist eigentlich der Stoff, auf den jeder Hollywoodproduzent abfahren würde. „Transformers“ und „Reel Steel“ haben zuletzt bewiesen, dass eine solche Teamarbeit äußerst erfolgreich sein kann. Es bedeutet aber auch, dass diese Plotidee inzwischen ziemlich abgegriffen ist.

Insgesamt betrachtet ist Wilsons „Robocalypse“ ein konventioneller SF-Thriller, der seine Handlung durch teilweise unnötige Episoden streckt. Einige Geschichten, wie um das verhinderte japanische Genie sind klasse, andere langweilen bloß. Nervig: Ständig weist Cormac am Ende eines Kapitels darauf hin, dass alles gut ausgehen wird. Das nimmt der Handlung einiges an Spannung. Zudem häuft sich mit fortlaufender Handlung der Pathos – sicherlich Geschmackssache. „World War Z“ war das direkte Gegenteil. Da gab es kaum Pathos und teilweise fielen dem Autor Max Brooks kluge Kommentare über amerikanisches Selbstverständnis, Weltpolitik oder Gesellschaft ein. Wilsons Buch ist dagegen ein reines Genre-Produkt. Es ist ein typischer High-Concept-Thriller, der im Gegensatz zur Zombie-Bedrohung bei Brooks ein weniger bedrückendes Szenario entwirft. Zugegebenermaßen liest sich das recht unkompliziert, aber es ist deswegen auch schnell vergessen.

Steven Spielberg hat sich noch vor Veröffentlichung des Romans die Rechte gesichert. Das ist einerseits ungewöhnlich, weil sich Spielberg gerne ins gemachte Bett setzt. Er will Erfolg – um jeden Preis. Andererseits ist es wiederum typisch, denn Spielberg hat in den letzten Jahren fast ausschließlich Literaturverfilmungen gedreht. Und er wird 2013 wieder einen massentauglichen Blockbuster brauchen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden nämlich „Gefährten“ und sein Biopic „Lincoln“ bestenfalls gute Kritiken bekommen. Großes Potenzial für einen Filmhit sehe ich da nicht. „Schindlers Liste“ und „Die Farbe Lila“ sind in seiner Vita große Ausnahmen, denn sobald Spielberg abseits typischer Blockbuster Gefilde wanderte, ging’s bergab.

Auch „Super 8“ war eine Art Best-of-Spielberg. Läuft’s mit „Robocalypse ähnlich? (Bild: Paramount)

Ich glaube auch nicht, dass Spielberg ein ähnliches Kaleidoskop wie Wilson entwerfen wird, sondern den Stoff deutlich entschlacken wird. Vieles ähnelt hier „Krieg der Welten“, und so wird bei ihm wie eigentlich immer die Flucht im Vordergrund stehen. Wahrscheinlich dürften dann Cormacs Abenteuer Erinnerungen an „Der Soldat James Ryan“ wecken und bei der Flucht von Mathilda und ihrem Bruder können die Zuschauer ähnliche Schockmomente erleben, wie in „Jurrassic Park“. Irgendwie kann ich dann auch über eine Besetzung spekulieren: Liam Neeson („Schindlers Liste“) als Wissenschaftler, der Archos zum Leben erweckt, Chloe Moretz („Hugo“) als „Mathilda“ und Shia LaBoeuf („Transformers“) als „Cormac“. Zugegeben, Letzterer dürfte eigentlich genug von Robotern haben.

Vielleicht erklärt sich so auch das Interesse Spielbergs. „Robocalypse“ wirkt in vielen Momenten wie ein „Best-of“ des Regisseurs. Ein großes Spektakel, familiäre Schicksale und Normalos, die über sich hinauswachsen. Wahrscheinlich haben Wilson und ich etwas gemeinsam: Wir haben in unserer Kindheit „E.T.“, „Jäger des verlorenen Schatzes“ und all die Amblin-Produktionen gesehen. Bewusst oder unbewusst ist alles davon in „Robocalypse“ eingeflossen. Deshalb könnte 2013 ein großes Fest für jeden Spielberg-Fan werden. Oder eine große Enttäuschung. Es könnte nämlich auch verdeutlichen, wie formelhaft und abgenutzt Spielbergs Filmabenteuer geworden sind.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 10. Dezember 2011

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