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Robin Hood – Ghosts of Sherwood: Deutsche Mittelalter-Zombies in 3D

Geschrieben von Sven
Robin Hood – Ghosts of Sherwood: Deutsche Mittelalter-Zombies in 3D

Stellt euch das mal vor: Der gute alte Robin Hood will das von den Reichen geklaute Gold nicht unter den Bedürftigen verteilen. Kein Wunder, ist er doch zu einem Zombie mutiert. Diese ziemlich komisch klingende Geschichte verwandelt Regisseur Oliver Krekel aktuell in einen Kinofilm, der 2012 in hiesige Lichtspielhäuser kommt.Übrigens komplett in 3D. Doch „Robin Hood: Ghosts of Sherwood“ besitzt weitere interessante Hintergründe.

Das offizielle Filmplakat (Foto: DigiDreams Studios)
Das offizielle Filmplakat (Foto: DigiDreams Studios)

Was sich hinter dem Projekt des Machers von Trashfilmen wie „Crossclub“ oder „Fog²: Revenge of the Executed“ verbirgt? Mehr Aufschluss gibt unser Interview mit dem netten Herrn, der auch in eurer Nachbarschaft wohnen könnte. Und es vielleicht auch tut!

Polygamia.de: Wie kann ich mir den Film vorstellen? Robin Hood kämpft als Zombie mit weiteren Untoten gegen den Sherriff von Nottingham? Was ist noch anders als im Original?

Oliver Krekel: Mal davon abgesehen, dass Robin Hood nicht nur gegen den Sheriff von Nottingham kämpft, sondern alles bekämpft, was sich zwischen ihm und seinem Goldschatz stellt, ist sehr viel anders im Vergleich zum Original. Unser Robin Hood kann zum Beispiel am Anfang noch nicht einmal mit Pfeil und Bogen umgehen. Aber lasst euch einfach überraschen.

Polygamia.de: Laut Internet musstet ihr während des Drehs den Hauptdarsteller Robin durch einen anderen ersetzen. Und trotzdem wird einfach weiter gedreht? Das kann man plausibel erklären?

Oliver Krekel: Nun, auch dieses Filmgeheimnis kann ich vorerst noch nicht komplett lüften, nur so viel: Das Drehbuch hatte von Beginn an die Option offen gelassen, mit verschiedenen Darstellern zu drehen. Allerdings waren wir uns zunächst nicht einig, ob wir das überhaupt so wollten. Tja, dann wurde uns diese Entscheidung plötzlich sehr leicht gemacht.

Martin Thon ist Robin Hood (Foto: DigiDreams Studios)
Martin Thon ist Robin Hood (Foto: DigiDreams Studios)

Polygamia.de: Was geschah mit dem ersten Protagonisten? Wurde er von einem Pfeil getroffen?

Oliver Krekel: Ich könnte jetzt die ganze Geschichte erzählen aber dann würde ich euch doch den Spaß nehmen :) So viel kann ich aber verraten: Es ist sehr viel Magie im Spiel.

Polygamia.de: Ich las, dass der Film über 400.000 Euro gekostet hat – für ein Trash-Werk ganz schön viel. Was war denn am teuersten? Das Catering oder die bekannteren Schauspieler wie Kane Hodder und Tom Sayini?

Oliver Krekel: Versuche einmal, einen kompletten Spielfilm in 3D real unterhalb einer Million zu produzieren und Du weißt, wo das meiste Geld hingeflossen ist. Es grenzt fast schon an Wunder, dass wir überhaupt binnen diesem Budgetrahmen geblieben sind.

Polygamia.de: Wie konntest Du Savini von dem Film überzeugen? Er ist im Horrorbusiness ja nun alles andere als ein Unbekannter.

Oliver Krekel: Gar nicht. Tom Savini und ich wollten schon seit zehn Jahren einmal zusammen einen Film drehen. Und als ich ihm dann die Rolle des gefürchteten Sheriff of Nottingham anbot, hat er sofort zugesagt. Da er im Anschluss prompt das Fangoria-Magazin über seine tollen Dreharbeiten mit Kane Hodder in Deutschland informierte, gehe ich doch mal davon aus, dass dies wohl nicht unser letztes gemeinsames Projekt gewesen sein wird. Ein toller Schauspieler, der den Charakter vom Sheriff of Nottingham in einer ganz neuen Dimension erstrahlen lässt.

Tom Savini und Kane Hodder  ´behind the scenes´ (Foto: DigiDreams Studios)
Tom Savini und Kane Hodder ´behind the scenes´ (Foto: DigiDreams Studios)

Polygamia.de: Inwiefern? Ist er böser als böse?

Oliver Krekel: Nein, aber er ist eindringlicher als zum Beispiel Alan Rickman (Anmerkung: Sheriff in „Robin Hood: König der Diebe“ mit Kevin Costner), der ja eher als Marionette seiner Umgebung agiert hat. Unser Sheriff lässt sich durch nichts beirren und zieht sein Ding gnadenlos durch.

Polygamia.de: In einem RTL-Bericht sagtest Du, dass Ghosts of Sherwood in über 12 Länder verkauft wurde, wo der Film auch in die Kinos kommen soll. Reden wir hier ebenfalls über Deutschland? Und kommt er auch in die hiesigen Multiplexe oder eher in die kleineren Lichtspielhäuser?

Oliver Krekel: Ja, in Deutschland wird „Robin Hood Ghosts of Sherwood“ als offiziell vierte deutsche 3D Real Spielfilmproduktion auch in die deutschen Kinos kommen. Ob in großen Multiplexen oder kleineren Independentkinos, das hängt jedoch von der Entscheidung unseres Kinoverleihers ab. Zudem stellt sich auch die Frage, mit welchen US-3D Kinoblockbustern wir uns dann um die 3D-Kinos prügeln müssen.

Polygamia.de: Wie soll der Film in Deutschland vermarktet werden? Das Zielpublikum ist doch arg begrenzt?

Oliver Krekel: Findest Du? Dann frage ich mich gerade, warum Fantasy- und Historienfilme stets so ein großes  Publikum in Deutschland finden. Also wir haben da speziell aus der Mittelalter- und Larpszene schon ganz andere Prognosen gehört, aber warten wir es einfach mal ab und harren der Dinge, die da noch kommen.

Polygamia.de: Klar. Ich wünsche euch da auch viel Erfolg! Nur was will „Ghosts of Sherwood“ eher sein: Historienfilm mit Fantasy-Elementen oder mehr Trash? Ich dachte ja eher Zweitgenanntes – und deswegen vermutete ich eine kleinere Zielgruppe?

Oliver Krekel: Nun, es kommt ja auch darauf an, wie man Trash interpretiert. Natürlich ist mein Film keine Hochglanzproduktion á la Hollywood. Aber wir haben trotzdem versucht, mit unseren bescheidenen Mitteln, im Konzert der Großen ein wenig mitzumischen. Ob uns das gelungen ist, das werden wir erst sehen, wenn die ersten Kritiken da sind.

Tom Savini während der Dreharbeiten im Wasserschloss Wülmersen (Foto: DigiDreams Studios)
Tom Savini während der Dreharbeiten im Wasserschloss Wülmersen (Foto: DigiDreams Studios)

Polygamia.de: Ghost of Sherwood wurde komplett in 3D gedreht. Welche Technik verwendetet ihr dafür?

Oliver Krekel: Für die Produktion wurden eigens passende Spiegelrigs konstruiert, deren Herzstück ein optisch erstklassiger 3D Spiegel aus den USA ist, mit speziellem Coating, das glasklare Bilder liefert. Der Stereograf und 3D-Experte Hermann Miller verwendete vier hochauflösende Kameras  und zwei Beam-Splitter-Rigs, sodass ein Flying-Cam und ein Stativsystem jederzeit einsatzbereit waren.

Die hochauflösenden Full HD Kameras wurden mithilfe einer extra hierfür entwickelten Steuerung auf die Mikrosekunde genau synchronisiert. Somit wurde ein absoluter Gleichlauf garantiert. Mit einer einstellbaren Stereobasis von 0 bis 75 Millimeter sowie zusätzlichen Weitwinkelvorsätzen für spezielle Szenen waren wir dann bestens für die Produktion ausgerüstet.

Polygamia.de: Hups. Klingt kompliziert. Also sichtlich keine Technik von der Stange. Aber was schätzet Du: Ist 3D nur ein Trend oder eine ernsthafte Bereicherung für das Filmerlebnis?

Oliver Krekel: Im Vergleich zu 2009 haben sich die weltweiten 3D Einspielergebnisse 2010 sogleich verdoppelt und beliefen sich weltweit auf 6,1 Milliarden Dollar. Somit dominierten die 3D-Spielfilme mit 63,9% Marktanteil den internationalen Filmmarkt, 2009 hingegen waren 3D-Filme mit 55,8 % Marktanteil vertreten. Ob 3D eine persönliche Bereicherung des Filmerlebnis darstellt, muss jeder für sich selbst entscheiden, aber bei solchen Zahlen und Fakten würde ich jetzt mal wagen zu behaupten, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung offensichtlich auf 3D-Filme steht. Oder glaubst Du etwa, unser Film hat sich deshalb in 12 Länder vorverkauft, weil alle den lieben Herrn Krekel so sympathisch finden? In der Kalenderwoche 45 hatten wir in Deutschland nun erstmalig in der Geschichte die Situation, dass auf den ersten 3 Plätzen der Kinocharts ausschließlich 3D Filme zu finden waren.

Polygamia.de Okay, das klingt auf gewisse Weise plausibel. Andererseits wird 3D ja auch von den Kinobetreibern regelrecht fokussiert. Man hat oftmals gar keine Wahl mehr, ob man einen Film in 2D oder 3D sehen mag. Ich glaub,“ Tim & Struppi“ gab es nirgends in 2D zu sehen…

Oliver Krekel: Weil es ein 3D-Film ist, auch wenn er animiert ist. Wenn ich einen Film konsequent als 3D-Film konzipiere, funktioniert er in 2D nur bedingt. Natürlich wird es auch eine 2D-Version von „Robin Hood“ geben, alleine schon weil der Markt es verlangt. Aber mit dieser bin ich sehr unglücklich und es wird sie nie ohne die 3D-Version geben. Eine reine 2D-DVD oder Blu-ray wird man definitiv nicht kaufen können.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.
Setzt euch eine klassische 3D-Brille (aus Pappe) auf und schaut euch die Szenen in 3D an. Allerdings ist das Video bereits über neun Monate alt und basiert auf Material, was zu Beginn der Dreharbeiten aufgenommen wurde.

Polygamia.de Was konntet ihr in 3D realisieren, was in 2D nicht möglich gewesen wäre – also bezogen auf „Ghosts of Sherwood“?

Oliver Krekel: Also grundsätzlich gilt schon mal herauszustellen, dass jeder Film in 3D gedreht werden kann, nicht jedes Script jedoch gleichzeitig auch als 3D-Film geeignet ist. Der Reiz für mich, „Ghosts of Sherwood“ in 3D Real zu produzieren bestand lediglich darin, dass mithilfe moderner 3D-Technologie die Möglichkeit geboten wird, dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, sich mitten im Filmgeschehen zu befinden. Durch die Tiefe und Räumlichkeit sowie speziellen Pop-Up Effekten, wo beispielsweise ein Pfeil aus dem Publikum geschossen kommt und auf der Leinwand einen Schauspieler erwischt. So etwas würde ich dann schon als interaktives Filmerlebnis bezeichnen. Wer 3D richtig umzusetzen und zu inszenieren weiß, der holt das passive Publikum ab und manövriert es direkt aktiv ins Geschehen.

Polygamia.de: Was war das aufregendste Erlebnis beim Dreh des Films? Ich meine jetzt nicht das bei HROnline erwähnte Trinkgelage… :)

Oliver Krekel: Nicht? Das war doch eine lustige Party. Am Vorabend des ersten Drehtages saßen Tom Savini, Kane Hodder und Claude-Oliver Rudolph kollegial zusammen und diskutierten aus, wer von diesen drei Filmbösewichten wohl die meisten Filmmorde auf dem Gewissen habe. Als klarer Sieger wurde Kane Hodder gewählt und so stand ich dann am nächsten Morgen unter den Argusaugen der Medienwelt ehrfürchtig vor diesen drei Filmikonen und musste Regie führen. Das war schon ein sehr aufregender Moment für mich, mit all diesen großartigen Filmlegenden gleichzeitig arbeiten zu dürfen. Obwohl es viele tolle und einzigartige Momente während der gesamten Dreharbeiten gab, so würde ich den ersten Drehtag wohl persönlich als den aufregendsten Moment bezeichnen.

Polygamia.de: Das klingt sehr spaßig! Aber weiter im Programm: Wenn alle Angaben bei IMDB stimmen, bist Du Dir für nichts zu schade. Du drehst Filme, bist Produzent, machst Filmmusik oder Stunts und gabst sogar dem längst vergessenen TV-Show-Star Hugo in einem Videospiel eine Stimme. Willst Du dich nicht festlegen und einfach mal alles ausprobieren? Oder geht’s nur ums Geldverdienen?

Oliver Krekel: Wenn es mir nur ums reine Geldverdienen gehen würde, dann wäre ich wohl kaum im Filmgeschäft gelandet. Ich persönlich sehe mich in erster Linie als Künstler. Und ein Künstler hat meiner Meinung nach das Recht, sich vielseitig und offen kreativ austoben zu dürfen. Ob als Schauspieler, Sänger, Synchronsprecher oder Regisseur, jede Position hat so seine ganz eigenen individuellen Reize und es macht mir einfach Spaß, mich kreativ entfalten zu dürfen – warum sich also auf etwas festlegen bzw. einschränken wollen?

Oliver Krekel während der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes (Foto: DigiDreams Studios)
Oliver Krekel während der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes (Foto: DigiDreams Studios)

Polygamia.de: Stimmt! Wie siehst Du Dich selbst als Filmemacher? Mit Leib und Seele Trash-Filmer oder gar der nächste Peter Jackson? Der begann ja auch mit „Bad Taste“… ?

Oliver Krekel:…den ich übrigens in die deutschen Kinos gebracht habe als kreativer Vertriebsmanager. Selbstverständlich würde ich Peter Jackson als eines meiner Vorbilder bezeichnen, den ich ja auch schon persönlich kennenlernen durfte. Doch auch Sam Raimi  mit „Tanz der Teufel“, George Romero mit „Dawn of the Dead“ und natürlich James Cameron, der mich durch „Avatar“ geradezu inspiriert hat, meinen nächsten Film in 3D zu drehen, haben mich geprägt. Ob ich mal genauso berühmt und erfolgreich wie diese Vorbilder sein werde, vermag ich nicht zu beantworten. Ich kann hier nur sagen, jeder einzelne von Ihnen hat es verdient, heute solch ein Held zu sein. Und es wäre mir selbstverständlich eine Ehre,  in deren Fußstapfen treten zu dürfen. Als reinen Trashfilmer sehe ich mich jedoch nicht.

Polygamia.de: Und was ist mit Uwe Boll?

Oliver Krekel: Na klar, diese Frage musste ja jetzt kommen. Es ist ja nun allseits bekannt, dass die Meinung zu Uwe Boll-Filmen geteilt ist und sicherlich werde ich mit „Ghosts of Sherwood“ ähnlich stark emotional polarisieren. Doch Geschmack ist zum Glück nun einmal individuell, mit Sicherheit kann man es nie jedem Recht machen. Uwe Boll selbst respektiere und bewundere ich als Kollegen sehr. Trotz aller Widerstände und Herausforderungen ist er sich selbst stets treu geblieben und hat für die Umsetzung seiner Filmvisionen gekämpft. Davor habe ich großen Respekt, denn ich weiß was es bedeutet, wie hart es manchmal sein kann, seine persönlichen Filmvisionen auf Leinwand zu bringen.

Polygamia.de: Wie einfach/schwer ist es eigentlich, in Deutschland Filme zu drehen? Immerhin gibt es ja hierzulande etliche Filmförderfonds?

Oliver Krekel: Wenn es so  einfach wäre, dann frage ich mich, warum ausgerechnet ich so viele vielversprechende Talente im deutschen Filmbusiness kenne, die tagtäglich ums Überleben kämpfen müssen. Nein, leicht wird es einem bestimmt nicht gemacht, und Filmförderungen muss man sich erst einmal verdienen. Doch selbst ein Bernd Eichinger hat einmal klein angefangen und so kann ich jedem kreativen Filmschaffenden hier an dieser Stelle nur dazu raten, weiterzukämpfen, niemals den Glauben an sich zu verlieren und vor allem niemals aufzugeben, egal, wie sinnlos oder ausweglos die Situation zu sein scheint. Rainer Werner Fassbinder hat „Liebe ist kälter als der Tod“ mit Uli Lommel in der Hauptrolle für 10000 DM produziert und niemand hat ernsthaft an einem Erfolg geglaubt. Ein Jahr später hat dieser Film dann die Berlinale eröffnet. Ich sage nur, der Weg ist das Ziel und man weiß nie, wohin solch ein Weg mal führen wird.

Polygamia.de: Vielen lieben Dank für das Interview. Ich wünsche euch alles Gute für euren Film. Und vor allem, dass er beim Publikum ankommt!

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 16. November 2011

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