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Raubkopierer und ihre Motive

Geschrieben von Sven

Ich unterhielt mich kürzlich mit einem jungen Mann. Er ist Anfang 20, Student und ein klassischer Fall von Gelegenheitsspieler. Ausgestattet ist er mit einer Xbox 360, selbst bezeichnet er sich als „Zuschauer“, guckt also gerne Kumpels zu, wie sie die neuesten Games zocken. „GTA IV“, „Assassin’s Creed“ und „Modern Warfare“ findet er großartig, aktuelle Titel wie „Red Dead Redemption“ oder „Alan Wake“ kennt er gar nicht. Zeit für ausführliche Recherchen über kommende Highlights kann und möchte er nicht aufbringen, er spielt also das, was er kennt – vorrangig Fortsetzungen bekannter Marken.  Und neuen „Stuff“ erhält er von seinen Freunden, denn kaufen möchte er eigentlich nichts. Über Raubkopien im großen Stil verfügt er aber nicht, er sieht es allerdings auch nicht ein, seinen ohnehin schmalen Geldbeutel durch den Erwerb aktueller Unterhaltungsprodukte weiter zu strapazieren.  „Es kommen so viele neue Spiele raus, die kann ich mir doch nicht alle kaufen“, so der Dresdener.

Immerhin gab er sich verständnisvoll, als ich ihm erzählte, dass viele kleine Studios ums Überleben kämpfen, weil ihre entwickelten Spiele niemand kaufen will, sondern lieber raubkopiert wird. Ob dies etwas an seiner grundlegenden Einstellung ändert? Vermutlich nicht. Es erweckt den Verdacht, als war ihm nicht einmal bewusst, dass viele Designer und Programmierer viele Monate damit beschäftigt sind, ein hochwertiges Stück Unterhaltungssoftware zu produzieren – und das nicht nur aus reiner Freude, sondern weil sie damit ihren Lebensunterhalt bestreiten wollen.

Beschlagnahmte Raubkopien bei einer Razzia in Hanau vor einigen Jahren. Hier waren Profis am Werk, nicht "normale" Raubkopierer.

Nicht minder tragisch sieht es sogar in meinem entfernten Bekanntenkreis aus. Kurz nach dem Kauf von Wii-Konsolen werden Modchips eingebaut, fast ausschließlich hörte ich den Spruch: „Ist es mein Problem, wenn man sich die Spiele im Internet laden kann? Ich bezahle doch keine 50 Euro für etwas, was mir vielleicht gar nicht so gut gefällt.“ Fragwürdige Argumentation, als hätten Probierversionen, die es auf der Wii im Grunde nicht gibt, eher zu einer Kaufentscheidung geführt und Publisher wären alleine daran schuld, dass man im Web die Raubkopien-Flut nicht eindämmen kann. Würde man die Verbreitung von Raubkopien auf ein Minimum reduzieren sowie die Motivation zum regulären Kauf erhöhen, wenn man P2P, Rapidshare und Co. kontrollieren könnte? Was ist eigentlich mit hiesigen Videotheken und dem Handel mit Gebrauchtwaren, die nicht selten Ursprünge für Raubkopienverbreitung im Internet sind (kaufen, brennen, verkaufen)? Fragen über Fragen, und eine weitere stellt sich zusätzlich: Was denken Raubkopierer eigentlich über ihre „Taten“?

Wie könnte das typische Feindbild der Industrie aussehen? Es ist vermutlich normaler, als man meinen könnte. Das Verhalten von Mario scheint nicht ungewöhnlich für die „kriminelle Karriere“  eines typischen Menschen zu sein. Seinen Aussagen zufolge begann er mit seinem 56k-Modem im zarten Alter von rund 14 Jahren. Bereits 1998 war es für ihn eine Leichtigkeit, passende Inhalte zu finden, zu Beginn saugte er sich ohne zusätzlichen Kostenaufwand vorrangig Musik aus dem Netz. Dank Breitband und Flatrates ging es später mit Filmen und Spielen weiter. Das Bewusstsein, etwas Falsches zu tun, kam bei dem jetzt 26-Jährigen gar nicht auf: „Ich hörte es immer im TV oder habe es in der Zeitung gelesen, was es für Schäden mit sich bringt. Aber mehr hab ich mir dazu auch nicht gedacht. Vielleicht, weil man sich sicher fühlte und dachte, so einen kleinen Fisch wie mich bekommen sie sowieso nicht.“ Dass das Raubkopieren strafbar ist, war ihm klar – ein Hindernis war es jedoch nicht.

Öffentliche Vernichtung von "Killerspielen" in Stuttgart 2009 anlässlich des Winnenden-Amoklaufs. Weggeworfen wurden u.a. auch Raubkopien. Foto von Eurogamer.de

Vermutlich kennen viele (ehemalige) Raubkopierer das Phänomen, das auch Mario beschreibt: „Früher hatte ich so viele Spiele, ich hab sie angezockt und fertig. Ich hatte kaum ein Spiel durchgespielt, weil ich einfach zu viele von ihnen hatte.“ Sozusagen raubkopierte er, nur um möglichst alles Aktuelle parat zu haben – vom ausgiebigen Verwenden der Raubkopien kann kaum die Rede sein. Nach Marios Berufsausbildung war er nicht mehr der vollen Überzeugung, dass eine illegal geladene Version aus dem Internet ein Original ersetzen und man dadurch Geld sparen könnte. Mittlerweile kauft er sich regulär die Dinge, die er mag – und das aus mehreren Gründen: „Ich mache es nicht mehr, weil ich jetzt Geld verdiene und mir gerne Sachen kaufe.“ Der auf gewisse Weise geistige Entwicklungsprozess wird bei seinem jetzigen Konsumverhalten deutlich: „Wenn ich mir heute ein Spiel kaufe, dann habe ich Lust und will es auch spielen, weil es ja Geld gekostet hat. Und ich kaufe mir wirklich nur die Spiele, die mich interessieren. Bei Musik ist es so, dass sich durch iTunes viel geändert hat, und es ist einfach und schnell. Dadurch kam ich von der illegalen MP3-Geschichte weg. Und heute geh ich lieber ins Kino und schaue mir die Blockbuster auf großer Leinwand an, als Zuhause völlig verpixelt auf meinem Home Cinema. Oder ich genieße die Bild- und Tonqualität einer originalen Blu-ray. “ Jetzt verfügt Mario über eine ordentliche Sammlung: Aus über 200 Filmen auf Rohlingen sind jetzt richtige DVDs und Blu-rays geworden, beziffern kann er nur seine originalen Spiele: 30 PS3-Titel hat er im Regal stehen, früher waren es über 100 aus dem Netz gesaugte Spiele.

Spiegelt Mario das Verhalten vieler Nutzer wider? Eventuell. Zumindest sind seine Beweggründe nachvollziehbar: Als Jugendlicher hat man nicht genügend Geld, aber viele Wünsche. Als Erwachsener mit Job kann man sich die Objekte der eigenen Begierde ohne Umwege und Tauschbörsen einfach kaufen, man weiß aber, dass nicht ALLES sein muss. Zumal die Zeit – egal ob man jung oder alt ist – immer nur begrenzt zur Verfügung steht. Klar ist ferner, dass es die Industrie ist, die die Bedürfnisse bei Menschen weckt, die oftmals mit einem geringen Budget auskommen müssen – Schüler und Studenten zum Beispiel.

Für den 15-jährigen Lasse sind Raubkopien eine prima Sache: „Ich persönlich finde sie gut, allerdings sollte man Software/Musik etc. kaufen, wenn man sie gut findet! Warez sollte nur zum Testen sein.“ Hörproben, Demos und Trailer genügen ihm nicht, „man kauft ja auch kein Auto ohne Probefahrt“, so Lasse.  Das ausgiebige Anhören von Musik-CDs in der „klassischen“ Form ist für ihn nicht akzeptabel: Der nächste Mediamarkt mit seinen Teststationen ist für ihn zu weit weg, zudem koste die Fahrt dorthin auch Zeit. Und CDs zerkratzen sowieso. Speziell Musik sollte man seiner Meinung nach im Internet kaufen und dort auch komplett anhören können, sonst führt für ihn der Weg zwangsläufig zur Tauschbörse. Er betont zwar, dass er die die schlechte Software bzw. Musik löscht und sich die guten Spiele, Filme, Alben kauft – aber es ist davon auszugehen, dass er damit nicht für die Allgemeinheit spricht. Wenn doch, dann würden nämlich die Statistiken über den Schaden, den Raubkopien anrichten, alles andere als korrekt sein. P2P als Service, um Kaufentscheidungen zu treffen?

Zerstörung von illegalen Kopien: Microsoft Destruction Day Event, 28.6.2007 in Eching

Das Benutzen von „Schwarzkopien“ zieht sich durch sämtliche Altersschichten. Der 42-jährige Carsten lädt Inhalte seit 2001 aus dem Netz, vorwiegend nutzt der Vater von vier Kindern nicht öffentliche Torrents, schließlich möchte er nicht „seine Daten direkt an die Behörden weitergeben“. Verbreitet hat er laut eigenen Aussagen noch nie etwas, was im Fall des Bittorrent-Konzeptes freilich nicht ganz stimmt, schließlich basiert das System auf einem Geben und Nehmen. Ferner kennt er genügend Seiten zu One-Click-Hostern wie Rapidshare oder Zippyshare. Seine ursprüngliche Intension, sich  Daten unrechtmäßig zu besorgen, hat einen auf gewisse Weise nachvollziehbaren Grund: Früher wollte er viele amerikanische TV-Serien im O-Ton genießen, hierzulande waren sie aber nicht verfügbar oder mit einer schlechten Synchronisation ausgestattet. Filme, die in Deutschland nicht erhältlich sind, aber auch Wii-Spiele und aktuelle Serien, gelangen nach wie vor auf seine Festplatte, das hat für ihn auch eine Ursache: „Solange die Film- und Spiele- Industrie teilweise horrende Preise verlangt und damit zig-Millionen Gewinne einfährt obwohl es auch billiger ginge, die Filmverleiher die Kinos dermaßen ausnehmen, sodass günstigere Eintrittspreise nicht möglich sind, und die Musikindustrie versucht, aus Scheiße Geld zu machen – solange wird die Schwarzkopie für einige eine große Alternative sein.“

Er möchte auch in Zukunft „weiter Sachen ziehen“, wählt aber konkret aus. Dem Kauf ist er nicht grundsätzlich abgeneigt, für seine Xbox 360 besitzt er ausschließlich Originale und seine DVD-Sammlung bezeichnet er als umfangreich. Jedoch möchte er nur Filme kaufen, wenn sich auf der DVD genügend Extras finden, bei Spielen hält er sich an den aus Amiga-Zeiten stammende Szene-Spruch: „A game worth playing is a game worth buying“. Illegale Kopien sind für ihn also dazu da, um sich ein Bild von den Qualitäten der Medien zu machen. Gewissensbisse hatte Carsten übrigens noch nie, oftmals war er sogar froh, sich Filme nur geladen zu haben, statt diese zu kaufen.

Die Erfahrungen von Andreas verdeutlichen ergänzend, dass Raubkopien in Familien alles andere als unüblich sind und toleriert bzw. gefördert werden. So konnte er seine Eltern davon überzeugen, damals eine Playstation (1) zu kaufen, u.a. weil man Spiele für die Konsole brennen konnte. Nötig war schließlich nur ein Chip, was gleich der „Game-Dealer“ übernahm, der Andreas gleich mit Spielen versorgte. „Meine Eltern sahen darin einen erheblichen finanziellen Pluspunkt in der Sache. Von illegal sprach damals gar niemand.“, betont Andreas. Sein erstes Playstation-Spiel? Das war „selbstredend gebrannt.“  Damals war er „viel zu jung, um [sich] Gedanken darüber zu machen, was das für die Hersteller bedeutete. Es war [ihm] schlichtweg egal.“ Später wuchs sogar sein Ärger, als sich Sicherheitsmaßnahmen verschärften: „. Als die Entwickler mit immer sensibleren Kopierschutzmechanismen ankamen, wuchs neben der Wartezeit, bis der Titel geknackt wurde, auch der Zorn auf die Entwickler. Sie wurden als „die Bösen“ abgestempelt, die uns vom Spielen abhielten.“ Seine Geschichte deckt sich auch mit den Aussagen meiner anderen Interview-Partner: „Meine Sammlung wurde auch sehr schnell, gigantolös. Ich hatte zwar nicht die Zeit, alle Spiele zu spielen. Aber das Gefühl sie zu besitzen, war befriedigend.“ Keine Zeit also für den Konsum, von Genuss sowieso keine Spur.

Von Verwandten bekam Andreas gebrannte CDs mit selbst zusammengestellter Musik geschenkt, als er dann einen neuen PC mit DVD-Brenner erhielt, weiterte sich seine Leidenschaft auf DVD-Filme aus, man könnte seine „Arbeit“ als Hobby bezeichnen: „Ich kopierte meine eigenen Filme. Quasi als Sicherheitskopie. Später lieh ich mir DVDs aus der Videothek…[und] als ich etwas affiner und fähiger in dem Bereich wurde, rippte ich Filme ins DivX-Format. So passten plötzlich bis zu 6 Filme oder mehr in brauchbarer Qualität auf eine Scheibe.“ Im Breitband-Zeitalter angekommen, manifestierte sich Andreas´ Einstellung,  mit Raubkopien nichts Schlechtes zu tun, schließlich wären Medien ohnehin viel zu kostspielig: „Das DSL steigerte in kürzester Zeit meinen Durst nach neuen Filmen und Spielen erheblich. Über Bittorrent entwickelte ich eine nahezu krankhafte Neigung zu illegalen Downloads. Ich war mehr denn je der Überzeugung, dass Spiele, Filme und Musik viel zu teuer waren. Ich war nicht gewillt, mein hart verdientes Geld den gierigen Bösewichten der Industrie in den Rachen zu werfen. Ich lud schrecklich viele PC-Spiele, MP3s und DivX-Filme herunter. Teilweise habe ich die Spiele nicht einmal installiert. Ich hortete sie einfach auf meiner Festplatte.“

Plakat-Kampagne der Bundesregierung gegen Raubkopien

Angst bekam er dann doch – durch die Razzien in Privathaushalten, von denen er in den Medien hörte. Erst verzichtete er auf Torrents und wechselte zu anderen Quellen wie Rapidshare. Dann ließ er zur Sicherheit seine Freunde und Bekannten für ihn runterladen. Auch bei Andreas erfolgte ein Umdenken: Die Xbox 360, die er sich kaufte, war zu Beginn nicht „knackbar“. Als Modchips aufkamen, hatte er große Angst, dass Microsoft seine geliebte Konsole via XBL deaktivieren könnte. Und dann entdeckte er den Gebrauchtwarenmarkt. Hier konnte er aktuelle Spiele für weniger Geld kaufen, aktuell greift er vorzugsweise zu UK-Importen und hat nun Originale im Regal stehen.  Nach und nach, so meint er,  konkretisierte sich seine neue Einstellung: „Mir wurde … klar, dass es keine Spiele geben würde, wenn sie nicht irgendjemand kauft. Entwickler, Musiker und Schauspieler wollen auch bezahlt werden…“ Auch für Andreas ist iTunes zum Hauptgrund geworden, legal Musik zu erwerben, bei Filmen setzt er mehr auf Kinobesuche, Videothek-Ausleihe und den Kauf ausgewählter Titel in Sammler-Editionen. Das gefällt ihm sowieso besser als ein „08/15-Rohling mit selbstgeschriebenem Filmtitel“.

Das Thema Geld ist für ihn nicht irrelevant, er hat sich aber mit sich selbst arrangiert: „Ich kann inzwischen sehr gut auf ein Spiel warten, bis es billiger geworden ist. Oder ich verzichte einfach darauf.“

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass früher oder später die Einsicht und das Verständnis dafür aufkommen, in der Vergangenheit wohlwissentlich gegen das Gesetz verstoßen zu haben. Die Denkweisen meiner Gesprächspartner ähneln sich: iTunes lässt sich so einfach und problemlos bedienen, dass dies sogar Raubkopierer schätzen lernen.  Der Drang, möglichst viel „Warez“ haben zu müssen, steht meist im Kontrast zum Willen, diese auch zu verwenden oder gar zu genießen – vielleicht, weil es bei der Masse an der Zeit und Wertschätzung mangelt. Und mit zunehmendem Alter, einer regulären Tätigkeit und einem „erwachsenen Bewusstsein“ folgt auch die Motivation, sich Originale zu kaufen. Raubkopien verlieren dann an Bedeutung, dienen aber nach wie vor als Art, sich selbst von den Qualitäten eines Filmes, eines Spiels oder einer CD zu überzeugen.

Die vielleicht größten Probleme der Spiele- , Musik- und Filmfirmen sind nicht nur die begrenzten Budgets der Zielgruppen, sondern auch die zu großen Mengen an Produkten, die Monat für Monat veröffentlicht werden. „Wer soll sich das alles kaufen?“ ist eine Frage, die ich bei meinen Recherchen häufiger hörte. Konsumieren ja, aber Geld dafür ausgeben? Nur für die wichtigsten, spannendsten, reizvollsten Dinge. Es stellt sich die Frage, ob sich die Medienhersteller nicht selbst ein Grab von den Raubkopierern schaufeln lassen. Kopierschutz-Mechanismen beispielsweise sind kein Hindernis, sondern verärgern häufig die ehrlichen Kunden und ändern sowieso (noch) nichts am Raubkopieren allgemein. Zudem sind Online-Aktivierung, SECURom usw. neben dem massiven Überangebot mitverantwortlich für das Sinken des  allgemeinen Kaufinteresses, sogar unabhängig von Zukunftsängsten und Finanzkrisen. Wäre es also nicht sinnvoller, würden die Publisher die Anzahl an Neuveröffentlichungen reduzieren, die Qualität möglichst hoch halten und zugleich mit Marketing- und Mehrwert-Maßnahmen den Kaufwunsch bei den Leuten optimieren? Ständen Spieler, Filmfreunde sowie Musikfans nicht vor der Qual der Wahl und müssten nicht mit der Reizüberflutung kämpfen – wäre dies nicht besser für das Kaufverhalten? Es hat jedenfalls den Anschein, dass viele Unternehmen, die sich über das illegale Verbreiten ihres geistigen Eigentums beklagen, mindestens eine Teilschuld tragen. Die Industrie weckt die Bedürfnisse bei potentiellen Kunden, die gar nicht so viel konsumieren können, weil es beispielsweise an der Zeit oder dem Geld fehlt. Als sicher gilt zumindest für mich: Raubkopierer sind ein Problem, das die Entertainment-Firmen selbst erschaffen haben.

Es sei betont, dass an dieser Stelle nicht das professionelle Verbreiten von Raubkopien, zum Beispiel durch Medien-Vervielfältigung in Asien, thematisiert werden sollte. Vielmehr geht es an dieser Stelle um die „Konsumenten“ und ihre Motive, nicht um das Schönreden von Schäden, die der Industrie durch illegale Verbreitung geistigen Eigentums entstehen.

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 28. Mai 2010

11 Kommentare zu “Raubkopierer und ihre Motive

  1. Gruselgurke schrieb am :

    Geht mir ja ähnlich, wo bei ich eben unterscheide für wen ich mein Geld ausgebe. Meine Steam Bibliothek ist voll mit Indie Games dir mir gut gefallen haben. Kleine Entiwckler unterstütze ich immer gerne auch wenn mir fast immer das Geld für Spiele fehlt. Bei Blockbuster Titeln ist schon wieder eine andere Sache, selbst wenn sie mir ganz gut gefallen haben kaufe ich sie idr. nicht. 50€ sind mir einfach viel zu viel. Wenn sie mir wirklich sehr gut gefallen haben, kaufe ich sie meistens 1-2 Jahre später wenn sie mal für 10-15€ erhältlich sind.

    Ich kenne viele die Spiele die sie in ihrer Kindheit von Freunden kopiert hatten heute trotzdem nochmal kaufen, einfach um die Verkaufszahl nochmal zu erhöhen und dem Publisher zu sagen: "Das Spiel war toll!" Eine Moral haben nämlich beachtlich viele Raubkopierer. Ich entscheide eigentlich immer nach Hersteller und seiner Politik und wie gut das Spiel letzlich war ob ich es kaufe oder nicht. Ubisoft Spiele bspw. werde ich mir kein einziges mehr zu legen so lange dieser Kopierschutz verwendet wird.

    Für mich sind es aber keine Demos im eignetlichen Sinne, weil ich möchte ein Spiel komplett sehen und nicht nur einen Teil. Wenn mir das Spiel dann sehr gut gefallen hat will ich das Studio auch unterstützen, ich will schließlich mehr solcher Spiele sehen!

  2. Danke fürs Feedback. Ich selbst hab seit sicher 10+ Jahren keine Raubkopien mehr, die einzigen gebrannten Spiele in meiner Sammlung sind Half-Life und Propeller Arena, beide für Dreamcast und nie offiziell erschienen. Die lass ich mir auch nicht nehmen und so gesehen sind das auch keine Raubkopien im herkömmlichen Sinne.

    Für mich ist es ganz klar: Ich schätze das Original sehr, egal wie ich es mir gekauft habe (UK-Import, gebraucht, Steam etc.). Aber ich bin mittlerweile auch an einem Punkt, wo ich nicht mehr am Releasetag sofort in den Laden rennen und mir was für 50+ kaufen muss. Gibt zwar Ausnahmen, aber die sind sehr gut ausgewählt und eher selten. Ich informiere mich viel und daher gabs eigentlich seit Ewigkeiten keine Fehlkäufe mehr. Jedenfalls weiß ich aktuell gar nicht, wozu man überhaupt Raubkopien braucht…

  3. Ich kann einige Argumente durchaus nachvollziehen. Ich hab selbst als Jugendlicher gerne mal einen Titel kopiert, von dessen Qualität ich nicht ganz überzeugt war, oder der mir einfach nicht soo wichtig war. Dazu kam halt noch, dass es in unserem kleinen Kaff keine Spielehändler gab, und der Marktkauf mit seinen hohen Preisen quasi die einzige Quelle war. Wer günstiger kaufen wollte, hatte kaum die Möglichkeit. Spiele im Versand zu kaufen war fast genauso teuer, dank der Versandkosten und Mediamarkt, Saturn und Co. waren fast 100km weit entfernt, dass lohnte sich dann nur bei einem Familienausflug, der dann idealerweise in den Zeitraum diverser Angebote ablaufen musste, ansonsten haben die beiden Märkte ja auch kein wirklich gutes P/L-Verhältnis.

    Raubkopieren als Testversionen habe ich aber selten bis garnicht benutzt. Und das heute als Begründung anzugeben finde ich schon mehr als dreist. Es gibt zig Magazine da draußen, hunderte von Spiele-, Film-, und Musikblogs und gerade im Musikbusiness kann man sich viele Alben vorab schon mal teilweise per Myspace oder gar ganz auf der Künstlerseite anhören. Wer sich also wirklich mit seinem Lieblingsmedium beschäftigt, wird schon wissen, wie er vorab legal genügend kaufentscheidende Informationen erhält.

    Auch finde ich 50 Euro für einen neuen Titel nicht zwingend viel Geld. Klar, ein Modern Warfare 2 für den Preis kann man bei sechs bis sieben Stunden Spielzeit schon als Abzocke betrachten, ein Kinobesuch ist aber vom Kosten/h-Verhältnis aktuell auch nicht viel besser. Und wenn jemand ernsthaft behauptet Alan Wake, Red Dead Redemption oder Blur wären ihr Geld nicht wert, dann hat dieser eher prinzipell ein Problem Geld für Videospiele auszugeben.

    Wir haben dank UK-Import, Itunes, und dem harten Wettbewerb im DVD- bzw. BluRay-Berreich zwischen Onlineversandriesen wie Amazon und Discountern wie Medimax, MediaMarkt, Saturn und Co. aktuell ein sehr niedriges Preislevel was kosumierbare Medien angeht. Originale zu besitzen ist deshalb schon lange kein kostspieliges Hobby mehr für gutverdienende Nerds und Technik-Freaks.

  4. quotentoter schrieb am :

    Guter Artikel! Endlich mal eine Beleuchtung des Phänomens/Problems aus verschiedenen Perspektiven. Das wünsche ich mir mal für die Öffentlich-rechtlichen Medien.

    Derzeit kann ich gut nachvollziehen warum heute immer noch sehr viele Personen kopieren. Ich kann z.B.: die Preispolitik (gerade bei Videospielen) in Deutschland nicht nachvollziehen. Während bei Händlern im Ausland die Originaltitel für ein "appel und n ei" zu bekommen sind, ist hier der Preis annähernd über 1 Jahr stabil. Da bekommt man schon das Gefühl das die Publisher denken:"die dummen Deutschen, lass die mal bezahlen".

    Inwiefern der Preis tatsächlich Verursacher ist, lässt sich wohl nie mit Bestimmtheit sagen. Tatsächlich besitze ich sehr viele Originale, die geben mir mehr als, die schon vom Vorredner erwähnten "von Hand bekritzelte Scheiben".

    PS: ich muss wohl öfter hier vorbeischauen :)

  5. Pasch schrieb am :

    Interessanter Aritikel, für mich aber nicht wirklich etwas Neues und zum Nachdenken musste es mich gar nicht bringen, denn die Beweggründe sind mir von vornherein klar, aber ich bleib trotzdem legal.

    Musik höre ich im Internet (Youtube, über mein.vz, etc.) ohne sie herunterzuladen. Das wäre mir auch viel zu umständlich, wenn ein paar Klicks genügen um sie jederzeit wieder anzuhören und sonst auch (wie altmodisch) übers Radio. Bei Filmen hab ich wirklich keinen bock auf die verpixelten Raubkopien, statt dessen leih ich mir die DVD von Freunden aus, mehr als zweimal anschauen macht dank meines akustischen Gedächtnisses sowieso nur selten Spaß. Und Spiele: Ich kauf mir etwas ältere und billigere, ich muss nicht immer das Aktuellste haben. Oft machen mir die älteren viel mehr Spaß. (So spielen wir oft auf LANs CoD 1, obwohl wir die 4 haben, ich mag einfach die Klassiker ;-) )

    MfG Pasch

  6. Danke, Bildtexter! Das bedeutet mir was. ;) Aber wieso neidisch werden? Du hast zu viel Konkurrenzdenken im Kopf, lieber Andreas!

    Der Artikel von Kotaku ist auch sehr interessant…auf jeden Fall auch ne schöne Perspektive auf die Dinge..und das sogar mal aus der Spielebranche.

    Danke auch an die anderen fürs Feedback! Ich denke, einige der Aussagen hier im Artikel sind wenig überraschend. Aber Pasch..denkst Du, dass allen Leuten die Beweggründe klar sind? Ich gehe absolut NICHT davon aus. Sonst würde ja auch bei den großen Publishern ein Umdenken stattfinden….

  7. Thomas schrieb am :

    Die Bildunterschrift "Öffentliche Vernichtung von "Killerspiel"-Raubkopien" ist falsch, es ging generell darum, "Killerspiele" nach dem Amoklauf zu entsorgen, mit Raubkopieentsorgung hatte das nichts zu tun.

  8. Jürgen schrieb am :

    Also, erstmal ein interessanter Artikel, bei dem sich der eine oder andere sicher wiederfinden wird. Besonders der Schlussteil, wo Du ansprichst, dass heutzutage mehr Masse als Klasse erscheint – ich kann nur für die PC-Spiele sprechen, und da stimmt es leider. Es ist jedesmal das Gleiche, 1-2 Jahre zuvor beginnt der Hype, dann erscheinen zig Previews, und anschließend stellt der Käufer fest, dass er ein halbfertiges Produkt erworben hat. Entweder schlecht geportet von der Konsole (GTA IV), total verbuggt (da gibt es zig Kandidaten), oder, der neueste Trend, Solospielzeiten unter 10 Stunden (COD, MOH und so weiter). Natürlich zum Vollpreis. Ich versteh' es wirklich manchmal nicht: Da haben die Entwickler eine tolle Grafikengine, technisch alles super, und dann schaffen die es nicht, ein paar Missionen mehr zu entwerfen, oder sich eine halbwegs spannende Handlung oder Charaktere zu überlegen.

    Beim Lesen habe ich jedoch auch ein paarmal das Gefühl gehabt, dass die Industrie dir den Text 1:1 diktiert hat.

    Beispiele: Das mit den verpixelten Filmen aus dem Netz. Es soll wohl jetzt auch schon Filme in HD zum Download geben. Sicher nicht zum Kinostart, aber bei Erscheinen der BluRay. Desweiteren sind die Statistiken der Industrie einfach geschönt ohne Ende, wenn sie davon ausgehen, dass jedes kopierte Medium einen Verkauf weniger bedeutet. Die Leute haben nur ein begrenztes Budget und begrenzte Zeit, und gäbe es keine "Raubkopien", dann würden sie nur ganz bestimmte, ausgewählte Sachen kaufen, die sie wirklich interessieren. So aber lassen sich die Sachen ganz bequem von zu Hause aus abrufen. Desweiteren verärgern die Publisher die ehrlichen Käufer mit Securom und Co. Teilweise gab es da bitterböse Bewertungen bei Amazon bei Spielen wie ANNO, die Leute haben da einfach kein Bock drauf auf diese Art von Gängelung. Einige Publisher wollen ja jetzt sogar gegen den Gebrauchthandel von Spielen vorgehen, was meines Erachtens ein Affront gegen ihre Kunden ist. Das beste Argument gegen Raubkopien ist sicherlich ein toller und motivierender Multiplayermodus, wo ein gültiger Key benötigt wird. Leider bevorzuge ich persönlich lieber (gut gemachte!) Singleplayer-Spiele, die das Geld wert sind, und hoffe, dass der PC noch sehr lange als Spieleplattform existiert.

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