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R.I.P. Pixelmacher: Krokodilstränen

Geschrieben von Andreas
R.I.P. Pixelmacher: Krokodilstränen

Mit dem Retro-Special „Die EDV-Schau“ gehen die „Pixelmacher“ in Rente. Der Aufschrei in gewissen Bloggerkreisen ist groß. Das ZDF ist schuld, „Wetten, dass…?“ ist schuld, GEZ ist schuld und überhaupt: Wir leben in einer schlechten Welt.

Wie so oft ist die letzte „Pixelmacher“-Folge typisch für die Sendung. Teilweise brillant und teilweise verwirrend versucht die Redaktion das Geheimnis der Videospiele und der digitalen Revolution zu ergründen. Bezogen auf alle Episoden gelang das nur teilweise. Und zumindest ich spürte, dass sich hier Redaktion, Thema und Umsetzung noch finden mussten. Aber die Redaktion war auf einem guten Weg, den Reiz eine interaktiven Mediums auf den Fernsehbildschirm zu bannen. Der Sendeplatz im Spartenprogramm des ZDF war nie ideal. Platz zum Experimentieren gab es, aber Quoten? Letztendlich fehlte doch die Zeit.

Das Ende. (Foto: ZDF)
Das Ende. (Foto: ZDF)

Aber das ist nicht der einzige Grund für das Scheitern. Bei der Premiere berichteten kaum Spieleseiten darüber. Obwohl es ein absolutes Novum in der deutschen Fernsehlandschaft war, interessierte es wohl keinen Fachjournalisten. Ein großes Werbe-Budget besaß die Redaktion wohl nicht, und so wurden die ersten Sendungen kaum beachtet.

Wobei das so auch nicht stimmt. Wenn, dann hagelte es nämlich vor allem Kritik. Vielleicht sollte mal darauf hingewiesen werden, mit welcher „Hingabe“ die ersten Pixelmacher-Folgen von nahezu jeder Spieleseite (auch Blogs) verrissen wurden. So nach dem Motto: „Einfach lächerlich. Das wird nie was…“. Da hat die Zielgruppe recht schnell ihr widerliches Nerd-Gesicht gezeigt, das alles besser weiß, aber keine Ahnung vom Fernsehmachen hat. Für alles mussten sich die Pixelmacher verteidigen. Eine vernünftige Entwicklung, qualitativ und quotentechnisch, war nie möglich.

Viele, die jetzt so heuchlerisch herum jammern, sind selbst dafür verantwortlich, dass die Sendung abgesetzt wird. Eine sachliche Auseinandersetzung mit den Pixelmachern gab es in der so wichtigen Anfangszeit nie. Da waren die lieben Kollegen doch wieder Arschloch-Gamer, gell?

Die letzte Pixelmacher-Ausgabe gibt’s  auf der ZDF-Seite zum Angucken.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 10. Dezember 2013

7 Kommentare zu “R.I.P. Pixelmacher: Krokodilstränen

  1. Sorry, aber das ist doch Quatsch.

    a) ich störe mich da etwas am Begriff. Arschlochgamer (wenn man jetzt von der – ähem – sigelschen-videogametouristischen Auslegung ausgeht, bezieht sich auf teils adolszente, wütende, intolerante Menschen, die beleidigen, hassen, Mobs bilden und andere Menschen nicht respektieren. Das sind deutschsprachige Blogger selten.

    b) Kritisiert wurde Pixelmacher z.B. auch auf Superlevel. Und zurecht! Die ersten Folgen der Pixelmacher litten darunter, dass eine engagierte, am Thema interessierte Redaktion mit einem Moderator zusammengearbeitet hat, der offensichtlich deplatziert war. Vorsicht: Das heißt nicht, dass der Moderator schlecht ist und schon gar nicht, dass er ein schlechter Mensch ist. Nur, dass er nicht ins Format gepasst hat. Die Kritik war durchaus berechtigt. Warum sollte man eine Sendung loben, die nur schlecht funktioniert? Andersrum hagelte es aus Spielebloggerkreisen konstant Lob seit das Format geändert wurde. Memo Jeftecs erste Japan-Folge preise ich jedem an, der mir erzählt, es sei nicht möglich, interessanten Journalismus über Spiele zu machen.

    Kurz: Ich sehe es nicht als meine Aufgabe (und ich denke, das sehen viele ähnlich, auch viele Menschen, die bei Pixelmachern arbeiten/gearbeitet haben), einer ÖR-Sendung Welpenschutz zu geben. Das wünsche ich mir auch nicht, bei den Sendungen/Beiträgen, die ich fürs ÖR mache. Ich MÖCHTE, dass sich jemand hinstellt und sagt: So geht das nicht! (Aber auch: Das war geil!)

    Eine Sendung wird nicht abgesetzt, weil sich am Anfang Spieleblogger kritisch damit auseinandersetzen (und sachlich war das, würde ich argumentieren). Das zeigt eher die Wichtigkeit des Themas, dass da überhaupt drüber geschrieben wird, dass mehr verlangt und gefordert wird.

    • a) Musste in eurem Fall laut lachen;-)

      b) Es geht mir um die Heuchelei, die gerade an den Tag gelegt wird. natürlich waren die ersten Sendungen schlecht. Aber da war nicht der Moderator schuld, sondern das Konzept. Damals hätte man konstruktive Kritik üben können, aber nein, es wurde einfach drauflosgeschlagen. Natürlich nicht von allen, aber von den meisten auf Twitter oder Facebook.

      Es geht auch nicht um Welpenschutz, sondern dass man einer Sendung auf einem Spartenkanal eine faire Chance gibt. Und ja, vernünftige Kritik wäre wichtig gewesen. Aber so war die Sendung gleich in der ÖR-Schublade „Gewollt, aber nicht gekonnt. Was wissen die vom ZDF schon über uns tolle Gamer?“ D.O.A.

  2. Ich glaube, dass große Problem der Pixelmacher war, dass sie zu ernst an das Thema rangegangen sind. Ich habe die Sendung mangels ZDF Kultur Empfang nie gesehen (überhaupt schaue ich eigentlich kein Fernsehen), habe aber mal eben auf den obigen Link geblickt. Eine seriöse Fernsehshow zu einem Spaßthema? Das ist auf Dauer einfach zu langweilig. So wie es ausschaut haben sie schon interessante Themen gehabt. Aber ehrlich, das ist halt inhaltlich eher was für Nichtspieler, da die (ernsthaften) Zocker das eh alles wissen. Zielgruppe also waren jetzt interessierte Eltern? Oder ältere Zocker? Ich weiß es nicht.

    Wenn ich eine Show über Computer- und Videospiele machen sollte, dann würde ich irgendwo in der Mitte zwischen Game One / Giga und den Pixelmachern landen. Ich muss nicht diese rein auf Jugendliche abzielenden Gags und ein Effektgewitter im Sekundentakt haben aber eben auch keine langatmigen Reportagen.

    Ich hätte es wie ein Spielemagazin nur in Filmform angegangen. Also News aus der Spielebranche, Spieletests in der Art von vielleicht den Gamestar Testvideos nur ein weniger kompakter und kürzer (aber eben durchaus (einiges) länger als bei Game One) und dann zwischendurch vielleicht anspruchsvolle aber relativ kurze Reportagen, Retro- und Indie-Ecke etc.
    Das Ganze kritisch aber eben nicht mit erhobenem Zeigefinger oder unter irgendwelchen kultursoziologischen Gesichtspunkten. Sondern eben Spaß und Information für Zocker.
    Zocker denen Giga / Game One oft zu kindisch sind, die aber eben auch nicht diesen intellektuellen Anstrich wollen sondern eben eine echte Videogame-Sendung.

  3. Ich sehe das ein bisschen wie Dennis.

    Aber zuerst will ich mal diesem gruseligen Begriff „Arschlochgamer“ an die Gurgel. Das ist genau so schlimm wie „Hater“ oder andere moderne Begriffe, die oft völlig übereilt und haltlos verwendet werden und denen noch dazu eine höchstschwammige Bedeutung zuteil wird. Es gibt Leute, die können konstruktiv kritisieren und es gibt Leute, die können das nicht. Es gibt Arschlöcher ja, aber es gibt keine Arschlochgamer. Ich weiß wirklich nicht wie man auf die Idee kommt, irgendeiner Gruppe von Menschen diesen Titel zu geben und Ihnen eine Art von „Bewegung“ zu attestieren. Es gibt doch weitaus interessanteres, über das man sich unterhalten kann. Bitte, bitte damit aufhören. :)

    Ok, Pixelmacher. Ich habe über die letzten 2 Jahre vereinzelt die Sendungen gesehen, am Anfang noch etwas regelmäßiger, dann aber immer seltener. Ich habe damals nicht mitbekommen, dass Superlevel auch Kritik äußerte, ich habe immer nur über Twitter einige Fetzen mitbekommen. Kritik ist doch vollkommen ok, wenn sie denn nachvollziehbar und gut geschildert ist.

    Ich hatte von Anfang an meine Probleme mit der Sendung gehabt, einige Beiträge waren ganz gut, aber mit dem meisten konnte ich gar nichts anfangen. Das lag noch nicht einmal so sehr an den Inhalten, sondern vielmehr an der Präsentation dieser. Ich dachte zu Beginn noch, das würde sich „verwachsen“ mit der Zeit, man wächst ja mit seinen Aufgaben, aber leider habe ich da kaum Besserung gesehen. Ich kam mir als Zuschauer immer so vor, als würde ich für dumm gehalten werden. Ich möchte als erwachsener Mensch nicht so unterhalten werden, als sei ich ein Kleinkind. Aber die redaktionellen Texte, die Sprecher und Moderation – um Himmels Willen, das war teilweise wirklich sehr schwierig. Dadurch, dass viele Inhalte auch eher erwachsen waren, aber die Vermittlung so gar nicht, kann ich es auch nicht wirklich auf eine unpassende Zielgruppe schieben. Aber wenn ich mir das mit Anfang/Mitte 30 kaum ansehen kann, wer dann? Wenn man damit vielleicht doch eher Leute um die 20 ansprechen wollte, dann war das Konzept einfach zu lasch. So richtig Tempo habe ich da leider nicht entdecken können. Das war mir zu steif, vielleicht zu auch „deutsch steif“, wenn ihr versteht, was ich meine.

    Mir tut es leid für die Leute, die jetzt ohne Job dastehen, sowas ist immer Mist. Aber so ehrlich bin ich jetzt trotzdem: Ich werde die Sendung nicht vermissen.

    Ein Mal hatte ich via Twitter etwas Kritik geäußert, ist schon eine ganze Weile her. Da wurde ich von dem Pixelmacher-Account auch gleich ganz beleidigt gerüffelt. :( Das ist eventuell auch nicht so coolste und professionellste Art, potentielle Zuschauer zu gewinnen. Ich fand das ziemlich doof um ehrlich zu sein – das war nix. So long.

    • Die Geschichte mit den Arschlochgamern sehe ich etwas anders, aber da könnten wir wahrscheinlich lange darüber diskutieren. Ist auch eine Frage der Definition.

      Zur Sache: Vor allem geht es mir um die Heuchlerei, die betrieben wurde. Wie sie alle über die ÖR, GEZ und „Wetten,dass…?“ gejammert haben! Die Pixelmacher waren auf einmal das Symbolbild für Qualitätsfernsehen, dass von den großen Bossen mangels Quote abgesägt wurden.

      Ich stimme dir letztendlich zu, dass die Sendung nie die nötige Qualität hatte, um langfristig zu bestehen. Meiner Ansicht nach hatte die Sendung aber nie eine faire Chance und war von Anfang an zum Flop verdammt. Aber auch darüber kann man lange diskutieren;-)

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