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Pottpoly #5: Blutfontänen, fliegende Kisten und Aliens

Geschrieben von Sven
Pottpoly #5: Blutfontänen, fliegende Kisten und Aliens

Rollende Köpfe am Boden, fliegende Kisten am Himmel und Aliens auf dem Tablet. Der fünfte Pottpoly ist wieder bunt gemischt. Gewalt, Retro und Rollenspiel – was will man mehr?  Schauen wir uns „Shadow Warrior“, „Ace Patrol“ und „Echo Prime“ mal genauer an…

Shadow Warrior – was für ein launiges Gemetzel! Gespielt von Sven

Irgendwie seltsam. Ich hatte gar nicht wirklich Bock, „Shadow Warrior“ überhaupt zu starten. Und so dauerte es seine Zeit, bis ich mich dann doch an einem ungemütlichen Sonntag dazu entschied, der Neuauflage eine Chance zu geben. Und meine Güte – wieso wartete ich so lange? Ich habe ja eine Vorliebe für interaktiven Trash, in die Schublade möchte ich das Werk gern stecken. Das ist keinesfalls negativ gemeint, aber die Geschichte ist einfach so herrlich bescheuert, unsinnig und trotzdem voller Humor. Katana-Gedöns hier, Magie-Mumpitz dort und ständig witzige Sprüche. „Ich will ja nicht rassistisch klingen, aber die Gegner sehen alle gleich aus…“ – hach! Ständig werde ich zum Schmunzeln animiert, das gefällt. Zudem gibt’s saftige Action, bei der ihr Menschen wie Monster in ihre Einzelteile zerlegt und der Bildschirm mit Blut vollgespritzt wird. Fein. Ähm, na ihr wisst schon.

Meine Mudda schneidet...ähm...Monster? (Foto: Devolver Digital)
Meine Mudda schneidet…ähm…Monster? (Foto: Devolver Digital)

Nüchtern betrachtet ist „Shadow Warrior“ zwar recht weit von dem Original entfernt, aber wisst ihr was? Das ist mir total egal. Denn ich erhalte hier einen durchaus frisch wirkenden Action-Titel mit einem grafisch gar nicht mal so schlechten und vor allem stimmigen Ambiente. Asia-Kitsch mit Fischteichen und Kirschblüten-Bäumen, das Auswälzen passender Klischees und eine explizite Gewalt, die ihr entweder furchtbar oder lustig-überzogen findet. Ich falle da in die zweite Kategorie. Bezogen auf das pure Spielkonzept ist „Shadow Warrior“ übrigens gar nicht soooo einfältig. Zwar schlachtet ihr euch durch recht lineare Szenarien, zugleich aber verbessert ihr eure Fähigkeiten, erhaltet neue Moves und lasst euch für effektives Töten durch Karmapunkte belohnen. Auch hier spritzt der Humor an allen Ecken durch.

Das ist sicherlich ein subjektives Gefühl, aber ich finde „Shadow Warrior“ irgendwie angenehmer als ein „Far Cry 3: Blood Dragon“ mit seinem „ich-will-auf-teufel-komm-raus-80er-jahre-humor-bieten“. Zwar gibt’s auch in anderen Bereichen Unterschiede, am Schluss wirkt „Shadow Warrior“ einfach natürlich und durch das Spielprinzip selbst wie eine authentische Zeitreise. Ubisofts Action-Trash hinterlässt auf mich einen synthetischen Eindruck. Unabhängig davon: Diese Gewaltexplosion für Erwachsene ist höchst unterhaltsam. Es lohnt sich, ein Meuchelmörderschwert in die Hand zu nehmen, wenn ihr mich fragt….

Ace Patrol: Pacific Skies – tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten! Andreas berichtet von der Front

Gibt es Sid eigentlich noch? (Foto: Firaxis)
Gibt es Sid eigentlich noch? (Foto: Firaxis)

Bis vor einiger Zeit habe ich gerne das Tabletop „Wings of War“ gespielt. Wie im Genre üblich, wählte ich erst einmal aus ein paar detaillierten Miniaturmodellen meine Flugstaffel aus und zog in den Kampf. Die Bewegungen meines Flugzeugs wurden durch das Auslegen von Karten bestimmt.

Warum ich das alles erwähne? „Sid Meier’s Ace Patrol: Pacific  Skies“ und sein Vorgänger machen fast genau das Gleiche. In dem rundenbasierten Strategiespiel fliegt ihr mit Kampfflugzeugen des Zweiten Weltkrieges durch die Lüfte und habt pro Spielzug nur eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Allerdings bekommt ihr im weiteren Verlauf weitere Manöver wie ein „Looping“ als Upgrade hinzu. Zugegeben, das ist etwas komplexer als in „Wings of War“, aber dennoch in meinen Augen ziemlich dreist, zumal diese Upgrades visuell in Kartenform angeboten werden.

Lasst ihr das außer Acht, erwartet euch ein schönes, altmodische Strategiespiel, bei dem die einzelnen Kämpfe schon mal in einer Art Flugschach enden können. Im Prinzip ändert sich daran im ganzen Verlauf der Handlung nichts, egal ob ihr nur Patrouille fliegt oder ein bestimmtes Ziel vernichten müsst. Zwar steigen eure Piloten mit jedem gewonnenen Kampf eine Erfahrungsstufe höher, doch wird das Spielgeschehen im Verlauf der 180 Missionen schon etwas eintönig. Da das Spiel aber nur knapp 5 € kostet, kann ich damit gut leben. One more turn, please!

Übrigens, identisches Spielprinzip findet sich auch im Tabletop „X-Wing“. Wie wär’s, Herr Meier?

Echo Prime – Pokemons im All! Andreas entdeckt den Sammler in sich

Aliens und RPG. (Foto: Robot Entertainment)
Aliens und RPG. (Foto: Robot Entertainment)

„Echo Prime“ von Robot Entertainment ist ein fieses, kleines Hack’n’Slay-RPG, das die Macher von „Orcs must die“ in rund zehn Monaten programmiert haben. Ich bin im Spiel irgend so ein Elite-Soldat und schlage eine Alien-Invasion zurück – glaube ich zumindest. Mit Pistole und Schwert kämpfe ich gegen Roboter, Aliens und Piraten. Das Geschehen beobachte ich quasi von der Seite und tippe lediglich auf den Bildschirm, wo ich angreife oder hinlaufe. Jeder Abschnitt ist in mehrere „Kammern“ unterteilt, am Ende hagelt es Credits, die ich in neue Ausrüstung und Boosts investiere.

Das Besondere am Spiel sind die sogenannten Echos, Kumpels mit Spezialfähigkeiten, die ich wie „Pokemons“ sammle und mir im Kampf ein paar Extra-Fähigkeiten wie Medi-Packs oder Fernangriffe bescheren. Interessanterweise kann ich diese Echos auch andere Spielern leihen. Allerdings können die Echos nur eine Erfahrungsstufe aufsteigen. Das ist dann schon etwas mau.

Marcin Szymanski, der Lead Designer, sieht sein Spiel als eine Mischung aus „Diablo“ und den iOS-Hits „Battleheart“ und „Infinity Blade“: „Wir wollten sehen, was passiert, wenn wir ein „Battleheart“ auf einen Helden reduzieren, aber mit der Action von „Infinity Blade“ mixen würden„. Das ist in meinen Augen nur zum Teil gelungen. Der eigentliche Reiz im Spiel liegt für mich im Anpassen meiner Ausrüstung. So nach dem Prinzip: Nehme ich jetzt diesen Echo oder einen anderen mit? Anfangs verführt „Echo Prime“ zu einer neuen schnellen Runde, um neue Waffen oder Echos freizuschalten. Allerdings wird das schon nach drei, vier Stunden Spielzeit langweilig. Da frage ich mich dann, warum die Missionen nicht abwechslungsreicher sind und ich meine Echos nicht individueller anpassen kann. Oder hätte das Team ganz auf die Bosskämpfe setzen sollen? Bei denen muss ich tatsächlich erst einmal die Schwachpunkte erkennen, um sie zu besiegen. So bleibt der Eindruck, dass „Echo Prime“ viele gute Ideen besitzt, diese aber nicht zu Ende gedacht wurden. Aber vielleicht kommen die ja noch. Zumindest hat Szymanski für die Zukunft größere inhaltliche Updates versprochen.

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 14. November 2013

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