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Naughty Bear: Einfach krank! Und spaßig!

Geschrieben von Sven

Ich habe Beeren zum Fressen gern. Zum Beispiel Erdbeeren. Bären dagegen? Ob das Fleisch eines solchen Fellmonsters schmeckt? Ich weiß es nicht…und will es gar nicht wissen. Denn schaue ich mir den Protagonisten von „Naughty Bear“ an, vergeht mir der Appetit auf ein leckeres Bären-Steak.

Denn „Naughty Bear“, der gleichnamige Held des neuen Spiels der „WET“-Macher, ist kein friedlicher Geselle. Verzeiht mir den Ausdruck, aber der Teddy  ist ein unglaublich mieses Arschloch. „Naughty“ ist fies, gemein und absolut bösartig. Vielleicht liegt es daran, dass ihm irgendwann einmal ein Stück von seinem Ohr abgebissen wurde? Wer weiß das schon so genau. Jedenfalls muss es Gründe geben, wieso er von den anderen Bewohnern der schönen Insel gedisst und ständig ausgelacht wird. Angeblich ist „Naughty“ sogar ein friedlicher und liebenswürdiger Knuddelbär, aber nachdem er nicht zu einer Geburtstagsparty eingeladen und sein Geschenk sogar von den anderen Bären verhöhnt wird, ist es Zeit für Rache. Rache ist mächtig untertrieben, nennen wir es besser Massaker.

Mit dem Kopf in die Toilette. Ist das etwa nett?
Mit dem Kopf in die Toilette. Ist das etwa nett?

Ja, „Naughty“ ist ein Antiheld, wie er im Videospiele-Lehrbuch steht. Das arme Würstchen könnte genauso die Vorlage für einen x-beliebigen Amokläufer sein, es hat fast den Anschein, als hätten die Entwickler hier regelrecht schlimme Taten aus den Medien studiert. Umso bedenklicher finde ich es, dass das Spiel hierzulande eine USK16-Freigabe erhalten hat, die PEGI12-Einstufung ist für mich absolut unverständlich. Denn „Naughtys“ Jagd nach anderen Teddys ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Klar, es spritzt kein Blut, aber wenn ihr durch die freundlichen Landschaften pilgert, Schlitzemesser findet und diese an ängstlichen Bären anwendet, um sie zu ermorden, dann ist das schlichtweg geschmacklos. Unzählige Waffen und Gerätschaften könnt ihr verwenden, auch herumstehende Objekte dienen dazu, um die Opfer einzufrieren, in Maschinen zu malträtieren, sie in Flammen aufgehen zu lassen oder ihre Genicke zu brechen. Eigentlich ist das total abscheulich und inakzeptabel, tragischerweise besitzt „Naughty Bear“ aber trotzdem einen Unterhaltungswert. Es ist schon amüsant, verschiedene Varianten des Tötens anzuwenden und ein wenig zu experimentieren. Außerdem müsst ihr ja Punkte sammeln und euren Gemeinheits-Multiplikator erhöhen. Das typisch arcadelastige System erinnert gewiss nicht zufällig an „WET“, das ja ebenfalls auf übertriebene Gewaltdarstellungen setzte.

Gegenüber „WET“ mit dem tollen Grindhouse-Stil gibt es bei „Naughty Bear“ einen knuffigen Comic-Look  auf die Augen. Dieser gefällt zu Beginn sehr, einzig die stellenweise zu hektische Kamera, vor allem in engeren Räumen, nervt von Anfang an. Das wäre erträglich, würde „Naughty Bear“ nicht zu schnell in Routine ausarten. In sieben Kapiteln besucht ihr nämlich immer die gleichen Schauplätze, die sich visuell bzw. beim Leveldesign nur marginal voneinander unterscheiden. Zwar ändern sich die Auftragsbedingungen, die Story und der Schwierigkeitsgrad regelmäßig, aber im Kern bleibt immer alles gleich: Ihr sollt töten, bestimmte Bären bestrafen, gemein sein und alles zerstören, was euren Weg kreuzt. Mal kommen noch Robo-Bären oder Ninjas ins Spiel, gelegentlich sollt ihr Missionen überstehen, ohne jemanden abzuschlachten – aber sonst? Hier vermisse ich die Kreativität von Artificial Mind & Movement.

Die Axt...Dein Freund und Helfer...
Die Axt...Dein Freund und Helfer...

Aber es ist kurios: Bei „Naughty Bear“ geben sich spielerische Tristesse und Überraschung die Hand. Was unglaublich makaber, aber auch faszinierend ist, das ist die KI der vermeintlich undschuldigen Bären. Diese verbarrikadieren sich in Häusern, rufen die Polizei, flüchten mit dem Auto oder dem Motorboot, schmieden Pläne, wie sie „Naughty“ Paroli bieten können, und verstecken sich in Schränken, um mit etwas Glück das Schnetzelfest zu überleben. Ihr dagegen schleicht euch an die „Gegner“ heran, versteckt euch im Wald, lauert ihnen auf, erschreckt sie zu Tode (ja, auch das geht!) oder rennt ihnen hinterher – natürlich bewaffnet mit einem Messer oder dergleichen. Das ist ein ziemlich perverses Katz-und-Maus-Spiel, das sowohl euren guten Geschmack infrage stellt als auch verdeutlicht, wie man schwarzen Humor auf die Spitze treiben kann, sodass er eher für ein Stirnrunzeln sorgt. Der Klassiker „Spy vs. Spy“, der entfernt auf einem ähnlichen Konzept basiert, wirkt hier fast wie ein Spiel für Kleinkinder.

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Der Launch-Trailer zeigt einige gemeine Szenen aus dem Spiel

Ich habe in den letzten 20 Jahren zwar schon viel gezockt, aber sowas wie „Naughty Bear“ ist mir noch nicht untergekommen. Wenn Knuddel-Optik auf unglaubliche Brutalität trifft, dann weiß ich auch nicht so recht, welche Zielgruppe die Produzenten ansprechen wollten. Vielleicht die Fans von „Happy Tree Friends“? Das dürfte wohl am besten passen. Ich bin, wie schon angedeutet, auch hin- und hergerissen. Gefällt mir „Naughty Bear“ aufgrund seiner einfallsreichen Tötungsarten? Oder soll ich mich angewidert abwenden? Der etwas zu hoch angesetzte und teils unfaire Schwierigkeitsgrad lässt mich zum Zweitgenannten tendieren. Aber wieso lässt mich „Naughty“ nicht so schnell los? Ein Versuch noch! Vielleicht gibt es ja noch einen Mord-Move, den ich noch nicht kenne?! Amüsement trifft auf Kopfschütteln – ja, sowas hab ich bisher noch nicht so recht erlebt. Entsprechend fällt es nicht leicht, „Naughty Bear“ in eine Schublade zu stecken. Auch, weil „Naughty“ zum Teil mitleidserregend ist, zum Teil aber ebenso unsympathisch sein kann. Und stellenweise werdet ihr beim Zocken denken: „Pah, die Teddys haben es doch nicht anders verdient….“

Auf der Jagd - mit Naughty Bear statt Harrison Ford
Auf der Jagd - mit Naughty Bear statt Harrison Ford

Trotzdem: Rein objektiv betrachtet besitzt „Naughty Bear“ allerlei Makel. Die Spielewelt ist insgesamt viel zu klein geraten, die Story hat keine wirkliche Relevanz. Und der deutsche Sprecher klingt mir viel zu hysterisch und pseudo-sarkastisch. Übertrieben eben. Das passt sicher zum Spiel, das euch ständig unter die Nase reibt, möglichst viele Punkte zu ergattern. Diese könnt ihr natürlich online mit anderen Spielern weltweit vergleichen. Apropos online: Mehrspieler-Modi sind ebenfalls dabei, diese klingen in der Theorie sehr lustig. Die Praxis dagegen ist wenig positiv: Ich habe es unzählige Male versucht, aber die Server scheinen nach wie vor leer zu sein. Will niemand „Naughty Bear“ kaufen? Oder was ist los? Was übrigens noch erwähnt werden sollte: Ihr könnt auf dem Eiland jede Menge Kostüme für „Naughty“ aufspüren, mit denen ihr ihn nicht nur einkleiden, sondern sogar verbessern sowie verstärken könnt. Da sind ein paar echt schräge Kostüme dabei…

Ja, auch Roboter sind mit dabei.
Ja, auch Roboter sind mit dabei.

Man, man, man. Ich weiß auch nach zig Stunden nicht so genau, was ich von „Naughty Bear“ halten soll. Grafisch ist der Titel okay, aber längst keine Augenweide. Schön ist, dass 505 Games das Spiel lokalisiert hat, aber der deutsche Sprecher sagt mir nicht zu. Und das eigentliche Spielprinzip ist krank und bestialisch – aber auch unterhaltsam sowie auf einer dezent seltsamen Basis witzig. Hab ich irgendwo meinen Geschmack verloren? Streckt in mir neuerdings ein kleiner Perversling..oder ein angehender Amokläufer? Stell ich mir zu viele Fragen? Offenbar. Insgesamt macht mir „Naughty Bear“ Spaß, obwohl das Werk von A2M alles andere als „inhaltlich korrekt“ ist und stellenweise maßlos übertreibt. Dass sich die Designer auch für ein putziges Teddy-Universum entschieden hat, macht „Naughty Bear“ noch kurioser und fast schon befremdlich. Aber ist es nicht das, was sich Spielekritiker und anspruchsvolle Gamer wünschen – ein Stück Software, das polarisiert und für Gesprächsstoff sorgt?! Wer genau so etwas sucht, wird bei „Naughty Bear“ fündig – und das spricht sicher für das Spiel.

Gewinnspiel

Anlässlich des Releases von „Naughty Bear“ könnt ihr auf Polygamia.de stolze 20 Preise gewinnen. Mit freundlicher Unterstützung von 505 Games habt ihr die Chance auf 10 T-Shirts sowie 5 Download-Tokens für die PS3 und 5 Tokens für die Xbox 360. Mit diesen Codes könnt ihr für „Naughty Bear“ besonders fiese und kultige Outfits freischalten – Vollversion vorausgesetzt. Was ihr für die Teilnahme tun müsst? Es ist ganz einfach! Beantwortet folgende Frage:

Welches Spiel im Grindhouse-Stil stammt von den „Naughty Bear“-Entwicklern von Artifical Mind & Movement (A2M)?

Die Lösung, die ihr auch hier im Artikel findet, schickt ihr bis zum 5. Juli 2010 an gewinnspiel@polygamia.de. Unter allen Einsendungen werden die Preise verlost. Bitte gebt zusätzlich eure Postadresse, eure gewünschte T-Shirt-Größe sowie eure favorisierte Konsolen-Plattform (PS3, Xbox 360)  an – für den Fall des Gewinns. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 27. Juni 2010

3 Kommentare zu “Naughty Bear: Einfach krank! Und spaßig!

  1. Pasch schrieb am :

    Postal mit Teddys. Ob das eine geeignete Zensur ist? Wer weiß – vielleicht setzt "Naughty Bear" einen neuen Trend und bald werden in allen brutalen Spielen Kuscheltiere gekillt.

  2. Pasch, der Unterschied zu Postal oder Manhunt ist allerdings, dass es bei Naughty Bear ganz konkret um Rache geht. Rache aufgrund der Tatsache, dass der "Held" von seinem Umfeld missverstanden wird. Ich finde das rein inhaltlich sogar viel tragischer als billiger 08/15-Metzelspiele, deren Kern nur Provokation ist.

  3. Pingback: Teddybären sind nicht immer süß und knuddelig! » En attendant le bonheur » * |Glitzerfrosch| *

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