2

Movie 43: Voll krass, eh

Movie 43: Voll krass, eh

Hollywood haut mit “Movie 43″ mächtig auf die Kacke. Hugh Jackmann, Halle Berry, Gerard Butler und noch einige andere Stars wollten wohl mal so richtig geschmacklos sein. Unter der Leitung einiger namhafter Regisseure wie Peter Farrelly oder Brett Ratner ziehen sie alles durch den Kakao, was einem spießigen Amerika hoch und heilig ist. Nüchtern betrachtet ging der Versuch mächtig daneben.

Worum geht es? Ein paar debile Teenager wollen ihren Nerd-Kumpel reinlegen und setzen ihn auf die Jagd nach einem geheimen Video namens “Movie 43″ an. Logischerweise findet er dabei noch andere Filmschnipsel, die sich die Teenager – warum auch immer – anschauen.

In den Episoden geht es um einen schwerreichen Single, der seine Hoden am Hals trägt. Kleine Kinder bedienen die Kundschaft aus Geldautomaten, Batman ist ein fieses Arschloch, das Robin ständig beim Speed-Dating dazwischenfuscht, und eine Frau möchte, dass ihr Verlobter auf sie kackt. “Movie 43″ und seine Macher haben nun wirklich keinerlei Berührungsängste vor geschmacklichen Grenzen.

“Movie 43″ steht in der Tradition von Filmen wie “Kentucky Fried Movie” oder “Der Sinn des Lebens”. Geschmacklos, schräg, politisch unkorrekt – ich finde den Humor dieser Filme toll und bin damit aufgewachsen. Bei “Movie 43″ sage ich aber dankend nein. Die Macher wollen einfach nur derber als bei den üblichen Farrely-Filmen sein. Gelacht habe ich eigentlich nur kurz beim “Superhelden-Speedating” mit Batman und Robin, ansonsten hat es mich eher angeekelt. Bin ich zu alt für so einen Humor?

Gerard Butler als Kobold. (Bild: Constantin Film)
Gerard Butler als Kobold. (Bild: Constantin Film)

“Weichei, denk an John Waters”, könnten jetzt einige einwerfen. Tatsächlich waren dessen Film vor über 30 Jahren weitaus radikaler, aber ehrlicher. Das war satirischer Trash, billig produziert und ein bewusste Provokation für das Spießbürgertum. “Movie 43″ ist dagegen eine aalglatte Hochglanzproduktion mit zahlreichen Stars. Ganz ehrlich, wenn der Film einen Found-Footage-Look gehabt hätte, würde ich ihm seine satirische Absicht eher abnehmen.

Im Grunde genommen trägt der Film nämlich sein Herz auf dem rechten Fleck. Hier werden Klischees über die versnobte Upper-Class, schmalzige RomComs, Konsumgeilheit und Machotum auf die Schippe genommen. Nur habe ich bei den ersten Episoden schnell gemerkt, um was es geht. Danach wurde die an sich gute Idee einfach nur endlos (5 Minuten können sehr lang sein) ausgewalzt. Witzig war es dann schon lange nicht mehr.

Es bleibt die Frage: Soll ein Zuschauer überhaupt darüber lachen? Möglicherweise soll mir das Lachen im Halse stecken bleiben. Der Verleih hat die Frage zumindest schon beantwortet und bewirbt den Film als Komödie. Zumindest passt der Starttermin zur Jahreszeit. Der Karneval steht vor der Tür, und so kommt mir das ganze Projekt auch vor: Ein paar Stars lassen die Sau raus, aber wenn sie wieder nüchtern sind könnte ich wetten, dass die meisten von ihnen “Movie 43″ schnell wieder vergessen wollen. Wir sehen uns bei den “Razzies”.

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Wunderbar!
Teile den Beitrag oder hinterlasse einen Kommentar.

Twittern

Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 25. Januar 2013

2 Kommentare zu “Movie 43: Voll krass, eh

  1. empath schrieb am :

    Es ist einfach traurig, wie tief unsere Gesellschaft teilweise gesunken ist.
    Errinert mich an den Film Idiocracy, Habe schon aufgehört TV zu schauen, weil Hartz4 Fernsehen einfach nur debil ist. Aber dass das jetzt auch noch ins Kino kommt, wofuer man Geld bezahlt, ist wirklich das Letzte.
    Der Film, wenn man es überhaupt so nennen darf, hat mir und der Freundin ziemlich den Abend ruiniert.
    Man verliert danach einfach den Glauben an die Menschheit.

    • Hättest ihr mal vorher unsere Kritik gelesen;-) Stimmt schon, der Film ist eine ziemlich Mogelpackung. Da sind ja nicht nur die üblichen Verdächtigen des Fäkal-Humors dabei, sondern auch ordentliche Schauspieler (Hugh Jackman, Kate Winslett) oder große Talente (Emma Stone, Chloe Moretz). Ich hatte das Ergebnis vorher schon geahnt, da die Pressevorführung erst in der Woche des Filmstarts angesetzt war. Das ist nie ein gutes Zeichen, aber das dann so etwas dabei heruaskommt…

Kommentar schreiben

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.