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LEGO Herr der Ringe: Spaß ohne Herausforderung

LEGO Herr der Ringe: Spaß ohne Herausforderung

Nun hat es auch Tolkien erwischt. Nach “Star Wars” und “Batman” hat sich LEGO die “Herr der-Ringe”-Lizenz geschnappt, und Warner liefert kurz vorm Filmstart von “Der Hobbit” das passende Videospiel dazu. Allen Unkenrufen zum Trotz ist es kein Franchisegrab geworden, sondern ein richtig gutes Spiel.  Nur mir fehlt der letzte Kick.

Die Gefährten im LEGO-Look. Die Fans dürfen im Spiel in fast jede Figur schlüpfen (Bild: Warner)

Das Entwicklerstudio Traveller Tales hat nach ihren Harry-Potter-Videospielen eine vergnügliche Reise nach Mittelerde erschaffen, die mit Ironie, Details und Umfang überzeugt. Im Spiel erlebt ihr die komplette Handlung der Fantasy-Saga, wenn auch an manchen Stellen arg gekürzt. Das liegt einerseits daran, dass es sich bei dem Spiel um die Umsetzung der Peter-Jackson-Filmtrilogie handelt. Und andererseits an der Tatsache, dass es in erster Linie ein Spiel für Kinder sein soll. Denen dürften manchen Szenen aus dem Original zu brutal und düster sein. Trotzdem sind fast alle wichtigen Szenen aus den Filmen dabei.

Ähnlich wie bei “LEGO Harry-Potter” geht es in erster Linie um das Entdecken der Landschaft und das Freischalten von Figuren und Gegenständen. So trefft und spielt ihr nahezu jede bekannte Figur aus der Vorlage und löst gemeinsam ein paar Rätsel. Jede der Figuren hat bestimmte Fähigkeiten. Legolas beispielsweise springt höher als andere, oder Gollum kann die Wände hochklettern. Diese Fähigkeiten müsst ihr geschickt einsetzen, um voran zu kommen. Alles in allem ist “LEGO HdR” eine sehr kurzweilige Angelegenheit. Bei mir will aber der Funke nicht so recht überspringen.

Die Kenner der Filme werden viele kleine Verweise erkennen (Bild: Warner)

Ich mag es nämlich in Computerspielen, zu scheitern. Und das ist in “LEGO HdR” nicht möglich. Egal was ihr auch macht, egal wie blöd ich euch anstellt – irgendwann schafft ihr in diesem Spiel jede noch so kleine Hürde. Die einzige Bestrafung ist der Verlust von ein wenig Ingame-Währung. Ihr könnt nicht “sterben” oder zu einem früheren Speicherpunkt zurückgesetzt werden. Damit nehmen mir die Entwickler ein wenig den Spielspaß.

Normalerweise setze ich zu Beginn eines Spiels den Schwierigkeitsgrad immer auf eine Stufe höher als “Normal”. Der Grund ist an sich simpel: Ich liebe die Herausforderung. Jedes Mal, wenn ich verliere, muss ich meine Taktik überdenken und es nochmal versuchen. Dieser Wettkampf motiviert mich ungemein. Einfach nur durch Glück oder Ausdauer bzw. Grinding Erfolge zu erzielen, langweilt mich.

Ein anderer Grund: In meinen Augen wird erst auf höheren Schwierigkeitsgraden deutlich, ob ein Spiel fair ist. Deshalb nervt mich ein neues “Call of Duty” jedes Jahr aufs Neue und begeistert mich ein “Dark Souls”. Das eine ist eine Schießbude, bei der ich scheinbar wahllos durch die Gegend ballere, und beim anderen muss ich mich konzentrieren sowie üben. In “LEGO HdR” fehlt so etwas wie ein Schwierigkeitsgrad grundsätzlich – und damit verzichten die Entwickler auf ein ausgefeiltes Spieldesign.

Auch als Spiel ein Schatz? Nicht unbedingt. (Bild: Warner)

Das Gegenargument lautet jetzt natürlich, dass es ein Spiel für Kids ist. Allerdings dürften nur wenige Kinder die ironischen Seitenhiebe auf das Original erkennen. Außerdem ist der Titel – obwohl ohne Blut – sehr destruktiv. Ich kann alles zerstören, von der Blume bis zu Vorräten, nur um an die Ingame-Währung zu gelangen. Das hat natürlich für uns Erwachsene etwas herrlich subversives, ist aber alles andere pädagogisch sinnvoll.

Langer Rede, kurzer Sinn: Für mich hätte LEGO HdR das Spiel des Jahres sein können. Wenn da nicht der fehlende Schwierigkeitsgrad wäre, der für mich wesentlich ist. Ich spiele einfach drauflos, ohne mich um Taktik oder Geschick zu kümmern. Traveller Tales hat es sich unter dem Schutzmantel “Kinderspiel” etwas zu einfach gemacht. Kurzweilig? Ja. Wer aber Spannung und Herausforderung sucht, ist hier vollkommen fehl am Platz.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 6. Dezember 2012

3 Kommentare zu “LEGO Herr der Ringe: Spaß ohne Herausforderung

  1. Ich halte die Lego-Spiele schon für Titel für Kinder. Sie sind sehr gut dafür geeignet, dass Papa mit seinem (jungen) Nachwuchs gemeinsam zocken kann. Von daher glaube ich durchaus, dass der Schwierigkeitsgrad etwas niedriger angesetzt sein kann.

    Ich persönlich werde mit den Lego-Games nicht warm. Ich habe mal vor ein, zwei Jahren eines davon als Demo auf PS3 probiert und war rasch gelangweilt. Auch sprechen mich die Lego-Männchen überhaupt nicht an. Wobei ich zugebe, dass ich als kleiner Bub Lego schon mochte, aber Playmobil deutlich vorgezogen habe. Das Playmobil Game von vor inzwischen gefühlten zehn Jahren kam ja auch eher als Kinderspiel.

    • An sich mag es sich optisch und vom spielerischen Anspruch an Kinder richten, inhaltlich ist es in meinen Augen aber zu deftig. Sei es die Handlung oder die angesprochenen Zerstörungsorgien – da liefert der Entwickler weder Fisch noch Fleisch ab.

      • Naja, Herr der Ringe ist schon ein Jugendbuch, kleinen Kindern würde ich allerdings weder Buch (zu kompliziert) und schon gar nicht den Film (zu brutal) in die Hand drücken. Für die ist dann ja der Hobbit gedacht.

        Nun kenne ich das Spiel nicht, aber solange die Darstellung nicht übertrieben gewalthaltig ist, was ich bei Lego irgendwie ausschließe, sollte man Kinder auch nicht unterschätzen. Mich hat es früher immer belustigt, wenn Power Rangers ab 12 freigegeben war, wo sich das doch eindeutig an Jüngere richtete und 12 eher das Maximalalter darstellte. Gleiches galt für Knight Rider und Co. die damals alle FSK 16 waren. Ich denke ab einen bestimmten Alter hat man u.U. Schwierigkeiten das richtig einzuschätzen, weil einem der Bezug fehlt.

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