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Kritik in der Spielebranche? Nein, danke.

Geschrieben von Andreas
Kritik in der Spielebranche? Nein, danke.

Diese Branche hasst Kritik. Wehe, wenn einer den Mund aufreißt, dann gibt’s Haue! Meist unter die Gürtellinie. Vorzugsweise auf Facebook oder Twitter, denn da braucht man keine Angst vor tiefer gehenden Diskussionen zu haben, die weh tun würden. Das ist schade, denn – und das ist eine Binsenweisheit – aus Kritik kann man lernen.

Die Profis der Branche verlieren schnell die Fassung und wettern gegen alles, was ihre heile Welt kritisiert. Denn die Spielebranche ist „die beste der Welt“. Sie sind oft nicht anders, als die ganzen Forentrolle. Wenn Ex-Redakteure, Whistleblower oder die guten, alten öffentlich-rechtlichen Medien die Mechanismen der Branche, das Geschachere um Wertungen oder die Geschäftsmodelle kritisieren, wird sofort der Schutzschirm hochgefahren und Aggro gezogen. „Alle sind blöd und nur wir haben Ahnung“. In der Regel spricht man dann vom „im Glaskasten sitzen“.

Es gibt nur wenige Branchen, die so „Ich“-bezogen sind. Austeilen, statt diskutieren, einigeln, statt Position beziehen. Warum verweigert der B.I.U. eine Stellungnahme zu F2P bei Frontal 21? Keine Argumente, Scham oder schlichtweg Resignation? Alles davon ist traurig, beweist es doch die mangelnde Reife einer Branche, die Milliarden Umsätze einfährt und sich auch kulturell gern als „Big Player“ darstellen will. Otto Rehhagel sagte mal über Nationalspieler Mario Basler „Bis zum Hals Weltklasse, oberhalb Kreisklasse“. Nun ja.

Wen wundert’s? Sind wir doch mal ehrlich: Wenn du einen Job in der Spielebranche antrittst, spülst du deine moralischen und ethischen Bedenken das Klo runter. Wie sonst könnte jemand auf die Idee kommen, dass es cool sei, „Menschen“ auf Schienen zu legen, um an ein Achievement zu kommen? Wie sonst könnte ein Publisher eine deformierte Frauenstatue, Schlagringe (ok, offiziell „Briefbeschwerer“) oder Klaviersaiten als „PR-Gag“ verschicken?

Spiele-Profis, sei es aus PR, Entwicklung oder Journalismus, geben sich auf sozialen Plattformen im Internet gern sarkastisch. Soll heißen: „Bin voll unangepasst“. Das ist einerseits eine altbackene Presse-Attitüde und andererseits ein Überbleibsel aus den Anfängen der Videospielekultur, als die Branche noch Subkultur war und kein Massenphänomen. Wenn das Ehrlich gemeint ist – gern. Mir kommt es aber vor, als steckt dahinter Kalkül, wohlbedachte Provokation, um das eigene Produkt zu pushen. Das wäre dann ziemlich heuchlerisch.

Ein FEZ 2 wird es wohl nicht geben. Entwickler Phil Fish zeiht sich verärgert aus der Branche zurück.
Ein FEZ 2 wird es wohl nicht geben. Entwickler Phil Fish zieht sich verärgert aus der Branche zurück.

In so einem Umfeld braucht sich niemand über die „Arschlochgamer „zu wundern, über die Spieler, die sich hinter einem Pseudonym verstecken, um über alles und jeden herzuziehen. Hinterhältig, verletzend, widerwärtig. So kommt es dann schon mal zu Morddrohungen und Todeswünschen, siehe den „Skandal“ um Phil Fish. Es mag einen Plattitüde sein, aber „jeder bekommt die Fans, die er verdient“. In der Spielebranche ist es die „Generation Arschloch“. Leider wird man die Geister, die man rief, nie so schnell los. Das wusste schon Micky Maus.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 17. August 2013

3 Kommentare zu “Kritik in der Spielebranche? Nein, danke.

  1. Komisch, auf den Arschlochgamer-Artikel bin ich gestern, äh, inzwischen vorgestern, auch noch einmal gestoßen worden. Zufall?
    Ich fand ihn damals schon schlecht! Und auch ich konnte mir eine Antwort damals dort nicht verkneifen habe mich aber dann nicht auf eine Diskussion eingelassen, weil es sowieso hoffnungslos war. Einige Kommentare dort sind jedoch Gold wert. Politisch immer nur korrekte Gutmenschen sind mir ein Gräuel. Dass dann der eine überzeichnete und so total unkorrekte Kommentar dort gelöscht wurde, das spricht Bände. Kritik austeilen, und hier ist der politisch korrekte Mensch in bester Gesellschaft mit den Arschlochgamern und Forentrollen, über die er so gerne meckert, gerne. Aber Kritik einstecken? Nein, auf keinen Fall, schließlich ist man auf dem moralisch hohen Ross! Eben politisch korrekt. Da ist man unangreifbar! Jeder der dann Kritik übt, der ist ein Nazi, Faschist oder sonst eine Art von Extremist. Dass sich der politisch korrekte Kritiker durch solch eine elitäre Haltung selbst zum Extremisten macht, das merkt er nicht einmal.

    Und was die deformierte Frauenstatue oder das Achievment für das aufs Schienen legen und ähnliches angeht. Geschmacklos? Auf jeden Fall! Jemand regt sich darüber auf? Ziel erreicht! Nichts ist schlimmer als im Mittelmaß untergehen. Schließlich ist nichts so langweilig wie die Tabus und Skandale von gestern, die längst keine mehr sind. Man muss also mit immer schlimmeren Dingen kommen, um irgend wen hinter dem Ofen hervorlocken zu können. Wer sich darüber wirklich aufregt, der hat zunächst mal einen Stock im After aber vor allem ist er völlig humorlos. Solche Dinge sollte und kann man eigentlich nicht ernst nehmen. Besser ist es mit Ironie oder Sarkasmus darauf zu reagieren – oder überhaupt nicht!

    Es kommt vielleicht auch durch mein Alter, dass ich ein wenig resistent bin und auch oft sofort mit der Keule komme. Das liegt schlicht daran, dass man sonst eh nicht ernst genommen wird. Man muss polarisieren und dominant sein. Sonst wird man weder wahr- noch wirklich ernstgenommen. Das hat mich nicht nur das Internet in den letzten 20 Jahren gelehrt.

  2. Pingback: Abzocke oder genialer Gratis-Spielspaß? “Plants vs Zombies 2″ polarisiert die Gamer | BASIC thinking

  3. Das wäre so, als würde man ernsthaft den Waltons vorwerfen ein kleinbürgerliches Ideal einer konsumorientierten Großfamilie zu sein, die aus ihrem gescripteten Elend noch den letzten Rest Würde herauszuholen bereit ist: Es ist nur eine alte Vorabendserie, die keiner mehr kennt. Eine Fiktion, eine Art Höhlenmalerei, nur ohne Höhle. Das auf der anderen Seite des Bildschirms tatsächlich noch Urmenschen um das telegene Feuer herumsitzen und mit den kleinen Flammen reden ist verrückt, aber nicht zu ändern. Die Spieleentwickler sprechen die Sprache der Grunzlaute und kleinen Zungenschnalzer, die sie auhentisch in ihren und denen der dafür bezahlten Autoren wunderbar entfernten Weltbildern zur Schau stellen. Wer da ernsthaft mit „Kritik“ am Kunstwerk kommt, sollte das einem Kaugummiautomatenaufsteller mit den Worten „Verunglimpfung der Nahrungskette“ verbieten, daß er mit einer zuckerhaltigen Kaumasse seine Miete zahlt. COD ist z.B. ein sehr altes Kaugummi in leicht verschiedenen Geschmacksvariationen, …es ist aber schön stundelang über völlig subjektive Eindrücke zu reden, als ob man damit die Welt retten könnte. Man redet miteinander über nichts, Blätterfegen im Wind…und ob die Industrie und der Sack Reis dabei umfallen, interessiert letztlich nur diejenigen, die sich aufgrund der Stellenbereingung einen neuen Job suchen müssen und womöglich ihre letze Rechnung nicht mehr bezahlt bekommen. Und die betrifft das wirklich, nicht Dich nicht mich, wir reden nur mit den kleinen Flammen weiter..

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