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F.3.A.R.: Ballern für die Basis

Geschrieben von Andreas

Alma – bei diesem Namen lief es mir vor ein paar Jahren eiskalt über den Rücken. Es war mir egal, ob Monoliths Erfindung nur eine dreiste Kopie vom japanischen Horror-Film „Ringu“ war. „F.E.A.R.“ hat als Shooter und Horrorgeschichte funktioniert. Punkt. Die K.I. war clever, die Schocks kamen immer zur rechten Zeit und die Geschichte machte Lust auf mehr. Beim mittlerweile dritten Teil der Reihe ist davon nichts mehr zu spüren.

Die ungleichen Brüder Pointman und Paxton Vettel liefern sich ein Wettrennen um den Preis „Muttersöhnchen des Jahres“. So jedenfalls könnte ich etwas flapsig das Spiel umschreiben. Insgesamt betrachtet ist „F.3.A.R.“ das, was man heute als grundsoliden Shooter bezeichnet. Nichts wird hier falsch gemacht, aber gleichzeitig bleibt auch nichts in Erinnerung. Es knallt, es lässt ordentlich Blut spritzen (zumindest in der PEGI-Fassung) und es legt ein ordentliches Tempo vor. Shooter-Fans, die den Rest der Konkurrenz schon durch haben, werden bestimmt nicht enttäuscht. Allerdings ist die Reihe dadurch auch ziemlich austauschbar geworden.

F.3.A.R.: Das Ende einer Trilogie.

Fangen wir mal mit einem Detail an: dem Medipack. In den Vorgängern war das Suchen danach Pflicht, sonst war das Spiel schnell vorbei. Jetzt machen die neuen Entwickler von „Day 1“, das, was alle anderen auch tun: Die Lebensanzeige regeneriert sich von selbst. Dadurch spielen sich heutige Shooter anders als damals und sind leichter geworden. Während ich früher jede Ecke nach einem lebensrettenden Medipack absuchen musste, darf ich mich heute nur in einer Ecke verkriechen und arten. Dadurch sparen sich die Entwickler ein bisschen Raffinesse beim Leveldesign und machen ihr Spiel für Anfänger zugänglicher. Zugegeben – „F.3.A.R.“ hat knackige Stellen, wenn ich beispielsweise in einer Art Arena auf Unmengen von Soldaten treffe und ich erst ihre Spawnpunkte zerstören muss.  Kurz vorher durfte ich mich aber einfach in einem Haus verschanzen und in Ruhe einen Mech zerlegen.

Darüber hinaus kämpfe ich mich durch standardmäßige Schlauchlevel (ok, das war bei den Vorgängern nicht anders) und wundere mich über die miese K.I. der Gegner. Mit Wehmut denke ich da an den ersten Teil, denn dort waren die feindlichen Soldaten harte Nüsse, die mir beispielsweise in den Rücken gefallen sind. Und jetzt? Kanonenfutter, das zwar in Massen auftritt, aber schnell das Zeitliche segnet. Und warum sehen die alle gleich aus? Bis auf einen Bosskampf kurz vor Ende, der deutlich von „Dead Space“ inspiriert ist, dürft ihr die Unterschiede mit der Lupe suchen.

Auch typisch: die kaum existierende Story. Der erste Teil war ein Meister der Andeutung. Wie in „Alien“ hielt sich Alma zurück, der Horror im Kopf entstand bei mir vor allem durch die Ungewissheit. Das Grauen war nur angedeutet und um einiges subtiler, als die blutige Schlachtplatte, die ich nun präsentiert bekomme. Die herumfliegenden Leichenteile sollen vielleicht verstörend wirken, aber sie dürften einem Genrefan nur ein müdes Lächeln entlocken. Ähnlich wie in „Dead Space 2“ kann man schon ahnen, an welcher Ecke der nächste Angriff erfolgt. Das Spiel bietet kaum noch Geheimnisse und schon gar keine überraschenden Storywendungen. Warum soll ich auch die Baller-Basis mit einer anspruchsvollen Handlung vergraulen? „F.3.A.R.“ ist geradlinig, blutig und schnell vorbei.

Gelegentlich dürfen die Spieler auch einen Mech benutzen

Es ist auch interessant, dass ich den „bösen“ Bruder Paxton Vettel erst spielen darf, wenn ich die Kampagne mit dem „guten“ Pointman abgeschlossen habe. Auf den ersten Blick ist das ein grober Patzer im Spieldesign, denn Vettel spielt sich wesentlich origineller, als sein grober Bruder. Er kann nämlich Körper wechseln – sicherlich nichts Neues, aber spannender, als das Standard-Geballer mit Pointman. Für die Klientel wäre es vielleicht zu viel gewesen, wenn sie mal auf der Seite der bösen Jungs gestanden hätte. So bleibt alles am Anfang schön politisch korrekt.

Aber genug gemeckert. Das Spiel macht nichts grundlegend falsch. Der Koop-Modus, in dem sich die Brüder einen Wettkampf liefern und entscheiden, welches Ende die Geschichte nimmt, ist motivierend und spannend. Auch der „normale“ Multiplayer bietet mit einer Art „Zombie“-Modus im Stil von „CoD“ all das, was man von einem modernen Shooter erwarten sollte. Standardware eben.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 12. Juli 2011

3 Kommentare zu “F.3.A.R.: Ballern für die Basis

  1. Lese gerade mit offenem Mund dein Review und kann nicht glauben dass sie einen der letzten Ausnahmeshooter so verhunzt haben. Ohne Worte.

    Anscheinend gibt es nur noch 2 Genres, „Call of Duty“ und „coverbasierter Shooter“.
    Wieder ein Grund mehr sich wieder vermehrt der Starcraft II Ladder zu widmen :)

  2. Die Richtung wurde im zweiten Teil ja schon vorgegeben. Da war auch nichts mehr vom Horror des ersten Teils zu spüren. Nüchtern betrachtet ist F3AR ein Spiel für die heutige Konsolenspielergeneration und die wollen im Grunde genommen das gleiche Spiel immer wieder spielen zu wollen.

  3. Pingback: Highlight Roundup 28/2011 | KonsolenDealz

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