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Epic Dungeon: Ein Kleiner, ganz groß

Geschrieben von Andreas

„Epic Dungeon“ ist eine kleine Überraschung, denn der XBL Indie Games Channel ist normalerweise ein virtuelles Massengrab. Nirgendwo gehen so viele gute Spiele unter wie auf Microsofts Download-Plattform.

Das liegt vor allem daran, dass sich die Redmonder offensichtlich kaum um die Spiele kümmern. Zum Hintergrund: Alle XBLIG-Spiele beruhen auf Microsofts Entwicklungsplattform XNA, die zwar technisch nicht auf dem höchsten Stand ist, aber die Spielentwicklung erleichtern soll. Der Channel sollte in erster Linie Talente fördern und dafür richtete Microsoft extra den jährlichen Wettbewerb Dream Build Play ein, der mit mehreren Tausend Dollar Preisgeld dotiert ist. Der erste Preisträger war „Dish Washer“ von den Ska Studios, die (bzw. „der“, denn das Studio besteht nur aus David Silva) später mit „I MAED A GAM3 W1TH Z0MB1ES IN1T!!!1“ den erfolgreichsten Titel des Indie-Channels veröffentlichten. Trotzdem kennt den Wettbewerb kaum jemand und einer Mitarbeiterin der deutschen PR-Agentur von Microsoft musste ich sogar damals erklären, um was es da überhaupt geht. Kein Scherz.

"Epic Dungeon" ist ein Fest für jeden Retro-Fan

Aber ich schweife ab, denn was ich eigentlich sagen will: „Epic Dungeon“ ist AWESOME! (dabei hasse ich diesen Begriff). Eyehook Games hat für 80 MS-Points einen Dungeon-Crawler im 16-Bit-Look veröffentlicht, der es in meinen Augen mit der gesamten Konkurrenz wie beispielsweise „Torchlight“ aufnehmen kann. Das Spiel erschien Anfang Dezember anlässlich des so genannten Indie Winter Games Uprising, einer Initiative verschiedener Spielemacher, vergleichbar Microsofts „Summer of Arcade“ für XBLA. In diesem „Uprising“ erschienen neben „Epic Dungeon“ eine ganze Reihe von Spieleperlen wie „Soulcaster 2“, das wie schon der Vorgänger Tower-Defense und Dungeon Crawler auf geniale Weise verknüpft oder „Cthulhu saves the world“, die volle Retro-JRPG-Packung von den Machern des ebenso empfehlenswerten „Breath of Fire VII“. Alle Spiele kosteten nicht mehr als knapp 3 € und zumindest für „Epic Dungeon“ hat sich die Aktion gelohnt. Laut Herstellerangaben wurde das Spiel über 10.000 Mal verkauft. Das ist nicht schlecht für einen Markt, in dem niedrige dreistellige Absatzzahlen die Norm sind.

In „Epic Dungeon“ wählt der Spieler erstmal zwischen vier Charakteren, die alle ihre Vorteile und Macken haben: ein Berserker, ein Schamane, ein Dieb und ein Ingenieur. Das Spielprinzip ist simpel, denn der Held muss lediglich jeden der 50 Level überleben. Dazu bewegt er sich ähnlich wie in einem Arena-Shooter durch das Dungeon und teilt aus. Neben einem Standardnahangriff verfügt jede Figur über Sonderfähigkeiten. Der Berserker kann zum Beispiel seine Gegner in einer Art Schwertwirbel niedermetzeln, der Dieb wirft mit Gift um sich, der Schamane friert seine Opfer kurzfristig ein oder der Ingenieur hat einen ständigen Begleiter. Allerdings kommt der Held nie zur Ruhe, denn die Monster spawnen ständig neu und dass macht aus dem Spiel recht zügig eine knifflige Sache. Vor allem weil der Speicherstand ein Trugschluss ist, denn der ist eher so etwas wie eine Pausenfunktion. Setzt man das Spiel nämlich fort und stirbt ist es unweigerlich vorbei und man muss wieder vom Anfang starten.

Das gehört zu jedem Rollenspiel daz - der Item-Shop. Übersichtlich, schnörkellos, gut.

Entwickler Eyehook hat glücklicherweise auch an die Rollenspiel-Standardzutaten gedacht, sprich Levelsystem und Loot. Mit jeder neuen Erfahrungsstufe kann man die gewonnenen Skillpunkte in die primäre Charakterwerte Kraft, Verteidigung, Ausdauer oder Glück verteilen und die Spezialfähigkeiten der Helden stärken. Außerdem findet man neue Rüstungen und Waffen oder investiert das gefundene Gold beim Kauf in den Item-Shops. Besonders die Heiltränke und das Öl sind die Verkaufsrenner, denn mit jeder Sekunde verliert eure Lampe an Licht. Bevor der Held also im Dunkeln sitzt muss die Lampe wieder aufgefüllt werden. Daneben gibt es in manchen Ecken Geheimräume oder hinter einem „?“ verbirgt sich Schätze, Monster oder alles zusammen.

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Ok, wenn man mit diesem „Retro“-Prinzip gar nichts anfangen kann, braucht man sich noch nicht einmal die Demo herunterzuladen. Statt schicker 3D-Grafik laufen hier pixelige Sprites über den Bildschirm und statt Surround-Sound dudeln Chiptunes aus dem Lautsprecher. „Epic Dungeon“ ist ein stilechter old-school Dungeon Crawler für Puristen, denen es um den nächsten Level, das nächste Schwert oder die nächste Rüstung geht. Es gibt keine Story oder Quests, sondern ehrliche und schnörkellose Metzelkost. Besonders das quasi nicht vorhandene Speichersystem macht aus dieser Perle ein Replaymonster, das man ständig neu startet um zu sehen, wie weit man diesmal kommt. Für knapp einen Euro ist das ohne Konkurrenz.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 15. Januar 2011

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