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DuckTales (Remastered): Geschichtsente

Geschrieben von Daniel
DuckTales (Remastered): Geschichtsente

„Hey, du musst schon etwas über die Spiele schreiben, die du zum Testen bekommst!“ So oder ähnlich schrieb mir Kollege Sven einige Male. Der Grund: „DuckTales Remastered“.

Das wurde von Capcom und WayForward vor einigen Wochen mittlerweile als Remake veröffentlicht und schlug sich reviewtechnisch außerordentlich gut. Auch ich freute mich wie Bolle und konnte es kaum abwarten, mit Dagobert und Co. um den Erdball zu hüpfen, Klunker und Schätze zu sammeln. Ich kannte das NES-Original von 1989, hielt das in bester Erinnerung…ein Fehler! WayForward haben in der Tat den angeblichen Klassiker mit Sorgfalt restauriert.

Angestaubter Klassiker

„Angeblicher Klassiker“ deshalb, weil die 89er Version verklärt gesehen wird. Aus heutiger Perspektive wirkt die Steuerung mit nur zwei Knöpfen für drei Aktionen (Sprung, Pogosprung mit Gehstock und Schlag) überfrachtet, das Leveldesign generisch und der Schwierigkeitsgrad durch fiese Zeitlimits und ungenaue Kollisionsabfrage künstlich hochgehalten. WayForward mussten Mitleid mit all den Mittdreißigern haben, die sich mit feuchten Augen und voller nostalgischer Gefühle vor dem 55-Zoll-HDTV mit 4K-Auflösung, 3D und Geruchsautomatik geschönt an die eigene Jugend erinnerten. Mit ihrem 360-Pad oder DualShock 3 scheuchen sie den Milliarden-Erpel vor 3D-Kulissen und vertonten Zwischensequenzen zunächst durch einen Tutorial-Level. Und absolvieren dann nach eigenem Gutdünken einen Spaziergang auf dem Mond, suchen in den Untiefen des Amazonas nach einer Maske oder verhauen in Transsylvanien Untote. All das ist spielerisch keineswegs herausragend, punktet mit dem typischen Entenhausen-Charme und einem Schwierigkeitsgrad, der dem eingerosteten Familienvater eine faire Chance bietet, den Abspann zu sehen – komfortable Speicherfunktion eingeschlossen. Spiel um Spiel trieb mich die Frage… warum? Warum soll ich ein solches Wohlfühl-Remake spielen, was reizt heutige Gamer daran, das Bit-Antiquariat neu zu erschließen? Ich konnte es mir nicht beantworten, denn unterm Strich ist „DuckTales Remastered“ alles in allem durchschnittlich. Nicht schlecht, aber auch nicht herausragend, nicht überteuert, aber auch nicht wirklich billig.

Links das Original, rechts die Fälsch... äääh... das Remake! Leuchtet ein, oder? (Quelle: doublereviews.com)
Links das Original, rechts die Fälsch… äääh… das Remake! Leuchtet ein, oder? (Quelle: doublereviews.com)

Umso ärgerlicher, weil einige meiner ersten Spieleerinnerungen unmittelbar mit den Ducks zu tun haben. Auf dem C64 spielte ich „Donald Duck’s Playground“. Eine Minispielsammlung, gut zwei Jahrzehnte vor dem Minigame-Fuchtel-Boom auf Wii veröffentlicht. In diesem wollen Tick, Trick und Track ihren eigenen kleinen Spielplatz, den der chronisch pleite Onkel Donald Duck mühsam erarbeiten muss. Und so werden Züge umgeleitet und Regale eingeräumt, werden Obst und Gemüse geordnet und auf dem Flughafen Flugzeuge zur sicheren Landung angewiesen. Das Geld wird umgehend in Schaukeln und Klettergerüste wie auch Baumhäuser investiert. Trotz der beschränkten Fähigkeiten des Commodore 64 und dem ergonomisch peinlichen Competition Pro-Joystick war das ein Heidenspaß für Stunden. Es wundert mich, dass diese kleine Sammlung nie ein Remake erfahren hatte – vielleicht um weitere Charaktere und Jobs erweitert.

Kulturelle Bildung mit den Ducks und Disney

Kracher - ein Spielplatz. Damals war "Playground" ein tolles Spiel! (Quelle: miob.com)
Kracher – ein Spielplatz. Damals war „Playground“ ein tolles Spiel! (Quelle: miob.com)

Das NES-Spiel, welches ja als Remake erschien, passierte wenig später meinen Modulschacht und war okay. Mehr nicht – „DuckTales“ war mir als Kind viel zu schwer, und die aus der TV-Serie bekannte Musik konnte das auch nicht retten. Generell: Obwohl ich das NES vergötterte und viele Serien schon darauf für mich erschloss, hat mich die Grafik abgeschreckt. Zutiefst! Auch der Nachfolger als auch der Gameboy-Ableger waren in meinen Augen kaum besser, was auch daran lag, dass ich auf das Super Nintendo und MegaDrive schielte, wo Perlen wie „Aladdin“, „Disney’s Magical Quest“, „Das Dschungel-Buch“, „Chip & Chap“ (okay, das war NES), „Der König der Löwen“, „Mickey Mania“ oder „Goof Troop“ (damals so empfunden) zeigten, wie sehr Konsolen den Animationsvorlagen näher kamen und mir durchaus Spaß bereiteten. Die Ducks tauchten da schon etwas ab, allein der Donald-Abstecher in „Maui Mallard“ war noch präsent. Gut, es gab noch auf allen Plattformen von N64, PlayStation und Dreamcast bis zur PlayStation 2 und dem PC das leidlich gute „Donald Duck: Quack Attack“, das aber von vielen Kunden verschmäht wurde. Disney war out. Eindeutig. Da half mir kein „Kingdom Hearts“, auch der neumodische Quark vom Schlage eines Kim Possible war mir suspekt.

Abkehr und Neuentdeckung

Sah einigermaßen aus, war aber nur ein Schatten der 16bit-Disney-Spiele: Quack Attack. (Quelle: Youtube)
Sah einigermaßen aus, war aber nur ein Schatten der 16bit-Disney-Spiele: Quack Attack. (Quelle: Youtube)

In der Zwischenzeit spielte ich „Deus Ex“ und andere, ‚erwachsene‘ Spiele, ließ mich berauschen von hoch aufgelösten Texturen, neuen Shader-Effekten und Multiplayer-Schlachten. Ironie war für mich, dass ausgerechnet „Deus Ex“-Schöpfer Warren Spector die Adelung zuteil wurde, Disneys popkulturelle Hinterlassenschaften auf den Konsolen zum Leben zu erwecken – mit Mickey Mouse in der Hauptrolle. Nicht die Streber-Maus, die ihr biederes Dasein in den deutschen Ehapa-Ausgaben des Mickey Maus-Magazins fristete, sondern der Nager mit Lausbubencharme. „Micky Epic“ wurde daraus und begeisterte mich auf Wii, fand viele Käufer und plötzlich war Disney wieder hip. Auf Konsolen. Neben „Call of Duty“ und dem Rest der 08/15-Shooter-Baggage. Im Größenwahn neuer Software-Stärke erdachte sich Disney ein Sequel für die großen drei Plattformen, statt sich auf Nintendos Wii zu konzentrieren (wo es respektable 2 Millionen Einheiten absetzen konnte) – was letztlich das Aus für Spectors Disney-Vision bedeutete, da das Sequel nur halbherzig vollendet wurde.

In den Nachwehen erschien alsdann das eingangs erwähnte „DuckTales“, das ich mit einigen Freunden spielte. Einer von ihnen (92er Jahrgang), angetan von Trailern und der Erinnerung an die TV-Serie, war noch aufgeregter als ich. Sechs Stunden später, eine Nachtsession, die uns ungeahnten Spielspaß bescheren sollte (es aber nicht tat), flimmerte der Abspann über die Mattscheibe. Seine Reaktion war bezeichnend: „Ey sorry,… aber so nen Mist habt ihr damals gespielt? Das ist doch jetzt nicht mehr zeitgemäß.“ Trotz, dass er nicht die Zielgruppe ist – das passt wie die Faust aufs Auge.

tl;dr

Nach einigen guten 16bit-Titeln und „Micky Epic“ sind Disneys Spiele wieder im Mittelmaß angekommen – da hilft auch kein großer Name.

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Über Daniel

Geboren 1985 in der graukalten DDR (dazu noch im Berliner Ghetto) strampelte sich Klein-Daniel '89 zur Mauer und riss das Ding kurzerhand ein. Nach der Wende: NES, SNES, MegaDrive, ADHS, N64, PSX und Co. bis er die nebenberufliche Laufbahn des Schreiberlings für Videospiele annahm. Das war ein Fehler. Für die teils erschrockene Leserschaft - nicht für Daniel.

Veröffentlicht am 14. September 2013

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