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Die Zwölf: Vampire einmal anders

Die Zwölf: Vampire einmal anders

Vampire aus dem Genlabor, die Menschheit am Abgrund und mittendrin ein Mädchen mit übernatürlichen Kräften. Mit “Die Zwölf” kommt nach “Der Übergang” der zweite Band von Justin Cronins Sci-Fi-Horror-Trilogie in den Handel. Ridley Scott hat sich schon mal die Filmrechte gesichert.

Die Vorgeschichte: Amerikanische Forscher wollen das Geheimnis des ewigen Lebens ergründen und experimentieren mit einer Art Vampir-Virus herum. Es geht natürlich schief und die Probanden verwandeln sich in Blutsauger. Nur bei dem kleinen Mädchen Amy scheint der Vampir-Virus nicht anzuschlagen. Der FBI-Agent Wolgast flieht mit Amy und versteckt sich in einer einsamen Hütte. Nach einer Atombombenexplosion macht die Geschichte einen Sprung 100 Jahre in die Zukunft. Die letzten Menschen erwehren sich mit Pfeilen, Messern und den letzten Schusswaffen gegen die übermächtigen Vampire. Schließlich taucht Amy auf und eine Handvoll Überlebender macht sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft.

“Die Zwölf” schließt nicht direkt an den Vorgänger an. Stattdessen wird die Geschichte teilweise von vorne aufgerollt, aus jeweils anderen Perspektiven. Der Leser erfährt von einer merkwürdigen Freundschaft, er lernt die Vorfahren einer Hauptperson kennen und beobachtet die Verwandlung eines totkranken Bürokraten in ein Monster. Bis Cronin all dies abgehakt hat, vergeht einige Zeit. Und erst dann kommt er zum eigentlichen Plot der Handlung: dem Kampf gegen einen faschistischen Stadtstaat voller Vampire. Es endet buchstäblich mit einem Knall.

Die Zwoelf von Justin CroninKenner des ersten Teils wissen: Cronin geht es nicht “nur” um einen actionreichen Thriller. Ihm geht es um das große Epos. Die Geschichte um Amy ist als eine Legende oder Sage angelegt, die die Zukunft der Menschheit entscheidend geprägt hat. So wird die Handlung durch Berichte aus einer weit entfernten Zukunft ergänzt. Oder die Sprache driftet in religiösen Sphären ab. Das ist bisweilen sehr pathetisch, wie etwa die Storyzusammenfassung als eine Art Bibelgeschichte. Zudem werden die Figuren mit Beinamen skizziert, die ihre Bedeutung als Legenden unterstreichen, wie etwa “Girl from Nowhere”, “Man of Days” oder “Alicia of Blades”. Die Geschichte von Amy und ihren Begleitern ist der Gründungsmythos einer “neuen” Menschheit.

“Die Zwölf” bietet genau die gleichen Stärken des Vorgängers: Packende Actionszenen und gelungene Charakterporträts. Trotzdem liest sich das Buch über weite Strecken wie eine “Outtake”-Sammlung des Vorgängers. Die Rückblicke auf die Zeit der Apocalypse lassen die eigentliche Frage der Geschichte “Was geschieht mit Amy?” auf der Stelle treten. Auf dem Buch lastet ein wenig der “Game of Thrones” – Fluch, denn es zerfällt in viele “Point-of-View”-Kapitel. Das ist zwar längst nicht so unübersichtlich wie bei George R.R. Martin, aber der Leser merkt: Die Geschichte ist ziemlich dünn. Zudem nervt der abgegriffene Plot vom Befreiungskampf gegen faschistoide Vampire. Dass es im abschließenden dritten Teil inhaltlich wahrscheinlich in Richtung von “The Beauty and the Beast” gehen wird – meh.

Cronin schafft es leider nicht, sein Epos sinnvoll zu ergänzen. Wie so oft bei Trilogien ist der zweite Teil ein Lückenfüller. Unterhaltsam, ja, aber eher eine pflichtbewusste als inspirierte Fortsetzung. Der Autor sollte im dritten Teil deutlich nachlegen.

Anmerkung: Die Kritik bezieht sich auf die englische Ausgabe des Romans “The Twelve” von Ballantine Books. Die deutsche Fassung ist am 14.01. im Goldmann Verlag erschienen. Zu kaufen unter anderem bei Amazon für 22,99 Euro.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 23. Januar 2013

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