7

Der Hobbit – Smaugs Einöde: Und elbisch grüßt das Murmeltier

Geschrieben von Andreas
Der Hobbit – Smaugs Einöde: Und elbisch grüßt das Murmeltier

In „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ ist es so wie immer: hübsche Bilder, edle Recken, holde Amazonen und reichlich Pathos. Der Neuseeländer Peter Jackson dreht seit knapp 15 Jahren fast immer den gleichen Film, nur aus ein paar anderen Perspektiven.

Bilbos (Martin Freeman) Abenteuer werden düsterer. (Bild: Warner)
Bilbos (Martin Freeman) Abenteuer werden düsterer. (Bild: Warner)

„Smaugs Einöde“ setzt die Geschichte um den wagemutigen Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman), eine Handvoll Zwerge auf Heimatsuche, Orks und einen ziemlich großen Drachen nahtlos fort. Bilbo und seine Gefährten reisen durch Mittelerde, um einen alten Schatz zu bergen. Dabei stolpern sie von einem Problem in das nächste. Nicht nur, dass ein paar blutrünstige Orks hinter ihnen her sind, nein, jetzt mischen auch noch die Waldelben mit. Während sich Zauberer Gandalf (Ian McKellen) im Osten mit einem Necromancer herumschlägt, wird Bilbos Bande von den Elben gefangen genommen. Nur durch Bilbos magischen Ring gelingt die Flucht und schließlich landen alle in den Gewölben einer ehemaligen Zwergenfestung. Dummerweise schlummert dort der Drache Smaug. Und er mag es gar nicht, wenn ein paar Diebe in seinem Schatz wühlen.

Ein schweres Erbe

Neu dabei: Evangeline Lilly als eigenwillige Waldelbin Tauriel (Bild: Warner)
Neu dabei: Evangeline Lilly als eigenwillige Waldelbin Tauriel (Bild: Warner)

Der erste Teil der Romanverfilmung von Tolkiens „Der Hobbit“ spielte zwar weltweit über 700 Millionen Dollar ein, aber so recht glücklich war kein Zuschauer damit. Peter Jackson, gleichzeitig auch der Co-Drehbuchautor,  blies Tolkiens Vorlage auf, inszenierte zwar wie gewohnt spektakuläre Szenen, aber streckte jedes noch so kleine Detail. Es sollte wohl niemand merken, dass Tolkiens Vorlage nur eine Fingerübung für den großen Wurf war, eine Art „Herr der Ringe light“. Verbissen hakte Jackson seine Erfolgsformel aus Pathos, Esoterik und Kriegsromantik ab, heraus kam eine unausgegorene Mischung aus großem Spektakel und großer Langeweile.

So gesehen hatte der Filmemacher etwas gut zu machen. Und siehe da – es hat geklappt. Jackson kürzt und verändert diesmal nur dort, wo es nicht weh tut. Ihr werdet vergeblich nach einem vergleichbaren Unsinn wie der Schlacht der Bergriesen suchen. Stattdessen pickt er sich genau die Szenen aus dem Buch heraus, die ein bisschen Spektakel redlich verdient haben. Dadurch wird die Flucht vor den Waldelben zu einem Höhepunkt des diesjährigen Action-Kinos. Wie Jackson dort das Tempo kontrolliert, dem verschworenen Zwergenbund ein Denkmal setzt und das Ganze noch mit Witz garniert, lässt einen Ford, Hawks oder Spielberg vor Neid erblassen.

Selbst die Momente, in denen sich der Film weit von der Vorlage entfernt, passen nahezu perfekt in das „Herr der Ringe“- Filmuniversum. Gandalfs Jagd nach dem Necromancer besänftigt Fans des Graue.  Und das unkonventionelle Liebesdreieck mit der Elbin Tauriel (Evangeline Lilly, „Lost“) sorgt für einen Hauch Romantik, schließlich gehörte ein bisschen Multi-Kulti in Mittelerde schon immer dazu. Der Film endet dann mit einem deftigen Cliffhanger, der Lust auf mehr macht. Im dritten Teil dürfen sich alle Fans auf ein großes Action-Spektakel mit einem feuerspeienden Drachen und der „Schlacht der fünf Völker“ freuen.

Fast perfekt, aber…

Kurz: „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ könnte eine perfekte Romanverfilmung sein, wenn, ja wenn, da diese Story nicht wäre. Hinter der perfekten Inszenierung kann der Zuschauer den fast schon verzweifelten Versuch Jacksons spüren, den „Hobbit“ größer zu machen, als er eigentlich ist. Im „Herr der Ringe“ brannte Mittelerde an allen Ecken und die Geschichte war dafür gemacht, alle anderen Fantasy-Epen verblassen zu lassen. „Der Hobbit“ ist dagegen nur eine Art Caper-Movie, die Story eines altertümlichen Bankraubs.

"Der Hobbit - Smaugs Einöde": Zuviel des Guten. ( Bild: Warner)
„Der Hobbit – Smaugs Einöde“: Zuviel des Guten. ( Bild: Warner)

Um das zu überdecken, greift Jackson auf bewährte Elemente zurück und wiederholt sich, statt „nur“ zu zitieren. Die großen, breiten Kameraeinstellungen, in denen die Zwerge durch die Landschaft ziehen, die mit Pathos getränkten Dialoge und die Konflikte kennt jeder Zuschauer schon aus den Vorgängern. Nicht wenige werden sich deshalb in einer Zeitschleife gefangen fühlen, die ihnen das gleiche Spektakel ständig neu vorsetzt. Vor 10 Jahren wäre „Smaugs Einöde“ wohl als die beste Tolkien-Verfilmung gefeiert worden, aber jetzt ist der Reiz merklich verflogen. Die „Hobbit“-Filme sind die Zugabe für ein großes, episches Konzertspektakel: Die Fans wollen es, die Künstler schulden es ihnen, aber irgendwann will man wieder nach Hause gehen. Genug ist genug.

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Magst du ihn teilen?
Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someoneShare on Google+Share on LinkedIn

Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 15. Dezember 2013

7 Kommentare zu “Der Hobbit – Smaugs Einöde: Und elbisch grüßt das Murmeltier

  1. Zugegeben bin ich jetzt etwas unsicher. Einerseits klingt das deutlich besser als der erste Teil, was mein Interesse jetzt wieder geweckt hat. Andererseits…Smaugs Einöde geht sicher wieder drei Stunden und ist damit zu lang, right?

  2. Interessant, dass der erste Hobbit als langweilig eingestuft wird. Finde ich nämlich gar nicht! Ja, der Anfang war etwas zäh. Aber auch sehr schön. Endlich mal kein Film, der mit 1000 Schnitten pro Sekunden auftrumpft, sondern mit viel Ruhe. Die Charaktere und Szenerie wurde IMHO so gut eingeführt. Es war so gemütlich wie ein Hobbitleben, somit habe ich eine gute, tiefe Bindung zu Bilbo und den anderen erhalten.

    Und er Rest des ersten Hobbits war doch auch alles andere als langweilig! Es gab viel Action, viele Charaktere, tolle Einstellungen. Kurz: Ich verstehe die Kritik an diesem Film nicht und freue mich sehr, wenn ich nächste Woche den zweiten Teil anschauen werde!!

    • Magic schrieb am :

      Ich finde den ersten Hobbitteil auch besser als Teil 2. Vielleicht ist es gerade diese ruhige Erzählweise die für mich den Film besser macht während Teil 2 von Actionszene zu Actionszene hüpft.
      Auch fand ich den Humor und Gestik von Bilbo in ersten Teil einfach fantastisch, in Teil 2 ist er fast du einem kleinen humorlos, kämpfenden „Rambo“ mutiert den nichts mehr erschüttern kann, fand das etwas schade.

      Ist fast ähnlich wie Herr der Ringe, Teil 1 hatte auch so eine ruhige Story: Bei der ersten Sichtung fand ich es langweilig, erst als die 3 Teile komplett waren gefiel mir Teil 1 am stimmigsten und bin heute von den Massenschlachten von 2+3 eher schon etwas angeödet. Ich meine damit das gerade die ruhigen Szenen die besten sind.

      Teil 2 ist aber noch ein toller Film, die Szenen von Smaug sind ein echtet Highlight in diesem Film.

      Anmerkung: Ich habe keines der Bücher von Tolkien gelesen, bewerte also nur die Filme und vergleiche nichts mit den Büchern.

      • Das ist ein ganz wichtiger Punkt, der da angesprochen wurde, zumindest aus meiner Sicht: Wer die Vorlage kennt, mag sich gerade bei „The Hobbit“ über so einige Freiheiten wundern, die sich Jackson genommen hat. Gut, das hat er bei „Herr der Ringe“ auch, aber mich hat beim ersten Teil vor allem irritiert, dass von der eher leicht-lockeren Atmosphäre der Buchvorlage fast nichts mehr übrig geblieben ist. „The Hobbit“ ist „Der Herr der Ringe“ in einem leicht veränderten, noch brillanter aussehenden Gewand, und wer die Bücher liest und kennt, weiß um die Unterschiede der beiden in Sachen Erzählstil!

        Darüber hinaus hat mich am ersten Teil nicht mal der Anfang gestört, weil der ist ziemlich nah an der Vorlage, und die beginnt nun mal gemächlich. Nein, mir wurde es dann zwischendurch zu lang – nicht langweilig, aber einfach zu lang! Jede zusätzliche Sequenz, so technisch gut sie auch gewesen sein mag, brachte für die eigentliche Story NICHTS. Ob das die irre Jagd in der unterirdischen Goblin-Kolonie oder die Schlacht am Felsabhang mit den Wargs zum Schluss ist – das ist gute Action, aber null Inhalt!

        Insofern war ich tatsächlich enttäuscht vom ersten Teil, und das ist insofern schade, weil ich die „Herr der Ringe“-Trilogie mit zu meinen Top 5-Filmen zähle. Hier ist Jackson aber, trotz aller Freiheit, der epischen Vorlage treu geblieben, während er bei „The Hobbit“ versucht, die Epik in eine Vorlage zu bringen, die niemals episch angelegt war. Mal sehen, ob mich Teil 2 von dieser Herangehensweise besser überzeugen kann als der erste „Hobbit“-Ausflug.

  3. So, und nun habe ich ihn gesehen und kann meinen geschätzten Kollegen Andreas in allen Punkten zustimmen. Der zweite Teil des „Hobbit“ versöhnt mich doch wieder mit Peter Jackson, nachdem ich schon versucht war, nach dem öden ersten Teil die Trilogie gar nicht mehr zu beachten. „Smaugs Einöde“ ist wirklich gute, teilweise spektakuläre Kinounterhaltung mit einigen großartigen neuen Darstellern und einer wesentlich strafferen Erzählung.

    Und doch scheitert auch dieser Film an seinem offensichtlichen Anspruch, der ursprünglichen „Herr der Ringe“-Trilogie nachzueifern. Für mich gibt es dafür zwei Gründe: Zum einen fällt der „Wow“-Effekt, der mich bei den „Herr der Ringe“ alle fünf Minuten ereilte, beim „Hobbit“ nicht mehr so ausgiebig aus, da man vieles eben doch schon gesehen hat und von all den Spezialeffekten der letzten Jahre „verdorben“ wurde.

    Zum anderen – und wohl viel entscheidender – ist der Versuch, die „Hobbit“-Geschichte zu einem „Herr der Ringe“-Epos zu machen, aus meiner Sicht immer noch der falsche Weg. Zwar bedient sich Jackson natürlich auch bei anderen Tolkien-Vorlagen (hauptsächlich dem „Silmarillion“), um auch das „große Ganze“ zu beleuchten, aber letztendlich wird durch diese Vielzahl an Inhalten ein echtes Absurdum erreicht, welches mir im zweiten Teil so richtig bewusst wurde: Trotz einer Länge von knapp drei Stunden wirkt der Film in manchen Szenen zu kurz und die Geschichte zu hastig erzählt. Manche Charaktere, z.B. Beorn, werden viel zu kurz behandelt, so dass sie fast wie Staffage wirken.
    Absurd – bei drei Stunden Lauflänge!

Kommentar schreiben