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Der absolut subjektive Game-Jahresrückblick 2015

Geschrieben von Lara
Der absolut subjektive Game-Jahresrückblick 2015

Die Zeit vor und um Weihnachten ist die der Jahreslisten. Die Top 10 Musikalben, die besten Spiele, die schönsten Filme, die bewegendsten Momente, die wichtigsten Menschen. Ich kann mit solchen Aufzählungen wenig anfangen. Entweder sie sind zu „Mainstream“ oder treffen überhaupt nicht meinen Geschmack. Trotzdem möchte ich hier von meinen Schlaglichtern 2015 erzählen. Sicherlich nicht objektiv die besten Spiele, aber für mich die wichtigsten in ihrer Situation, in ihrer Funktion für mich. Games sind nun einmal nicht bloße Unterhaltung, die ich nach messbaren Kriterien, auf Skalen oder durch Techniktests begutachte.

Das beste Feierabendspiel: Mad Max

Angefixt von dem überragenden Film „Mad Max: Fury Road„, war ich heiß auf das Game – und das, obwohl früh klar war, dass inhaltlich wenig Zusammenhang zwischen Film und Spiel bestehen würde. Egal. Ich freute mich darauf, denn das Setting war dasselbe. Viele Kritiker warfen dem Titel eine schnelle Abnutzung des Gameplays und monotone, redundante Missionen vor. Für mich war das perfekt. Nach einem tristen, anstrengenden Arbeitstag mit 8 bis 10 Stunden im Büro gab es nichts Entspannenderes und Eskapistischeres, als mich in mein Auto hinters Lenkrad zu klemmen und durchs australische Wasteland zu düsen. Und wenn wir mal ehrlich sind: Die Postapoalypse in der Wüste ist eintönig. Der tägliche Überlebenskampf ist eine endlose Wiederholung des Ressourcensammelns und Töten-oder-getötet-werdens. Mal säuberte ich ein Gastankcamp. Mal lieferte ich mir ein Deathrace. Mal ging ich auf Minensuche. Selten spielte ich länger als ein, zwei Stunden. Die Story beendete ich erst sehr spät, völlig überpowert und hochgelevelt. Aber trotzdem war ich traurig, als es vorbei war. Wobei, vorbei ist es noch nicht. Von 100 Prozent und Platin-Trophäe bin ich noch ein gutes Stück entfernt. So werden mich mein Auto, Chumbucket und Dinky-D auch 2016 noch öfter in den Feierabend begleiten.

Mad Max: Brumm Brumm Di Dum Krach Bumm ( Foto: Warner Bros. Interactive Entertainment)
Mad Max: Brumm Brumm Di Dum Krach Bumm ( Foto: Warner Bros. Interactive Entertainment)

Die größte Überraschung: Everybody’s Gone To The Rapture

Es gab einige Spiele, die mich überraschten. Aber was The Chinese Room mit „Everybody’s…“ abgelieferten, war so viel mehr. Es ist eine spielbare Selbstreflektion, es sind viele kleine Anregungen zum Umgang mit Menschen, mit dem Tod, mit sich selbst. Es ist eine tolle, spannende Mysterygeschichte. Ich war verzaubert von der Optik, gefangen von der Atmosphäre, mitgenommen von den einzelnen Episoden. Wenig überraschend, dass das Game zahlreiche Preise eingefahren hat. Sicherlich reicht ein einmaliges Durchspielen nicht aus, wahrscheinlich werde ich es auch 2016 noch einmal zocken. Wer nicht ständig einen Adrenalinkick beim Zocken benötigt, der sollte sich „Everybody’s Gone To The Rapture“ unbedingt ansehen!

Everybody's Gone To The Rapture – Wo sind alle hin? (Foto: Sony)
Everybody’s Gone To The Rapture – Wo sind alle hin? (Foto: Sony)

Die größte Fangirl-Enttäuschung: Metal Gear Solid V – The Phantom Pain

Nachdem ich mit den netten Leutchens von Polyneux ausführlich über die „Metal Gear“-Reihe gesprochen und euch hier ein Buch zu „Metal Gear Solid 1“ vorgestellt hatte, war es an der Zeit, den neuesten Teil der Serie zu zocken. Ich bin so enttäuscht, oh bin ich enttäuscht! „The Phantom Pain“ ist ein tolles, außergewöhnliches, ausgeklügeltes Spiel, das richtig viel zu bieten hat – aber es ist kein „Metal Gear Solid“. Seit dem Debüt 1998 entwickelte sich die Reihe konstant weiter. 2008 wurde der Höhepunkt und eigentlich perfekte Abschluss mit dem vierten Teil erreicht. Hätten es Konami und Kojima bloß dabei belassen! „The Phantom Pain“ versucht viel zu viel auf einmal zu sein. Open World, Basisbaumanager, epische Erzählung, Actionfilm und Kriegsdrama. Leider funktioniert das so nicht. Denn das „Metal Gear“-Feeling bleibt dabei auf der Strecke. Die episodenhafte Erzählform macht jegliche aufkeimende Spannung zunichte. Bot die Aufteilung in verschiedene Akte in Teil 4 noch einen schönen Erzählbogen, so wirkt es in Teil 5 zerhackstückelt und am Ende unfertig. Das erste Kapitel dauert etwa 30 Missionen. Die 20 Missionen des zweiten Kapitels bestehen größtenteils aus Varianten des erst Kapitels. Die Story selbst ist nicht nur für Kojima-Verhältnisse hanebüchener Unfug, der oft keinen Sinn ergibt. Sie mäandert auch ziellos vor sich hin, öffnet viel zu viel Plotstränge, die dann hastig, unbefriedigend oder gar nicht aufgelöst werden. Wichtige Figuren wie Ocelot oder Miller verkommen zu platten, belanglosen Statisten. Von der Problematik um Quiet will ich gar nicht erst anfangen.

Dabei besitzt das Spiel tolle Momente, etwa wenn Snake die Kindersoldaten befreit und zum Helikopter bringen muss. Auch das Gameplay, die Gegner-KI und die Welt sind gelungen. Aber es fehlt eben das Gefühl. Auf kein anderes Game hatte ich mich 2015 so sehr gefreut, habe ich so sehr hingefiebert. Und kein anderes Spiel enttäuschte mich als Fangirl so sehr.

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain, (m)eine Enttäuschung | Bild: Sony
Metal Gear Solid V: The Phantom Pain, (m)eine Enttäuschung | Bild: Konami

Die emotionalste Reise: Life is Strange

Hachja, „Life is Strange“ – ein wenig hast du alle überrascht. Manche positiv, manche negativ. Kein anderes Spiel versetzte uns von Episode zu Episode erneut in Aufruhr. Für mich war es von Anfang an eine vereinnahmende Geschichte über Freundschafft, Schuld, Verlust und so viel mehr. Manche kritisierten, dass nicht nur die Charaktere zu eindimensional wären, sondern auch die angesprochenen Themen sowie Problemfelder zu oberflächlich gestreift würden. Mir ging das nicht so. Ich fand die Figuren spannend. Ich mochte Max‘ Unsicherheit, ihr Hadern mit sich und ihren Entscheidungen. Ich mochte Chloe, die aufbrausend, überschwenglich, aber auch sehr verletzlich war. Ich mochte den nerdigen Warrren. Ich mochte die Antagonisten Nathan, Victoria und all die anderen Charaktere. Für mich hat das alles gepasst und ich hab von Episode zu Episode mehr mitgelitten. Jede Entscheidung fiel mir schwer. Und anders als andere Adventures (ja ich schau zu dir, Tellltale!) waren sie nicht völlig obsolet, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „spielentscheidend“. Kein anderes Spiel beschäftigte mich emotional so lange, wie „Life is Strange“.

Emotionale Achterbahnfahrt Deluxe: Life Is Strange | Bild: Square Enix
Emotionale Achterbahnfahrt Deluxe: Life Is Strange | Bild: Square Enix

Der größte Zeitfresser: The Witcher 3 – The Wild Hunt

Dieses Jahr erschienen viele Open World(-artige) Spiele, die mal besser, mal schlechter ausfielen. Zeitfresser sind die meisten davon, aber kein anderes hat mich so lange an den Bildschirm gefesselt wie „The Witcher 3“ – und das, ohne es zu merken. Kaum hatte ich das Spiel gestartet, schwupps, waren drei Stunden weg wie nichts. Dabei ist die Welt des Hexers nicht einfach nur groß, sie ist großartig inszeniert. Selbst Quests, die sich im Prinzip sehr ähneln oder auf dasselbe hinauslaufen, kamen mir nicht so vor. Denn hinter jeder Aufgabe steckt eine eigenständige Geschichte, und jede noch so kleine Entscheidung führt zu einem neuen, anderen Pfad. Ich hab die Hauptstory noch lange nicht durch, ich stehe kurz vor der Überfahrt nach Skellige. Aber hier noch nen Witcher-Contract, da noch nem Bürger helfen, und alte Freunde in Not sind irgendwie auch überall zu finden! Da gehen Ruck-Zuck drei, vier Stunden ins Land und ich hab die Mainstory kein bisschen weiterverfolgt. Dazu kommt diese wunderschöne und liebevoll gestaltete, atemberaubende Welt. Ein wahres Meisterwerk!

The Witcher 3: The Wild Hunt war die längste Jagd meines Gamerlebens (and still counting!) (Foto: CD Project Red)
The Witcher 3: The Wild Hunt war die längste Jagd meines Gamerlebens (and still counting!) (Foto: CD Project Red)

Die größte Hoffnung für 2016: EVE Valkyrie

Das Anspielerlebnis auf der Gamescom war vergleichsweise kurz, aber wirkungsvoll. „Valkyrie“ war das Game, das mich überzeugt hat, dass ich VR haben will. In diesem Fall bedeutet das PlayStation VR. Hoffentlich kann ich mir das Gadget leisten! Dogfights im Weltraum – davon träume ich schon seit ich „Star Wars: Rebel Assault“ auf meinem ersten PC mit Joystick gespielt habe. Nach dem Termin bei CCCP auf der Kölner Spielemesse war ich so euphorisiert und angefixt, wie es selten der Fall ist. Klar wird sich zeigen, ob „Valkyrie“ auch bei längerer Spielzeit das Unterhaltungslevel so hoch halten kann. Bietet das Gameplay genügend Abwechslung? Wie sieht es mit der Individualisierung des eigenen Raumjägers aus? Wirkt sich das auf die eigene Taktik aus? Wird es eine Story geben, die mich mitnimmt? Wie frei werde ich mich im All bewegen können (open galaxy)? Ich bin auf jeden Fall mächtig heiß auf „EVE Valkyrie“!

EVE Valkyrie (Foto: CCCP)
EVE Valkyrie (Foto: CCCP)
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Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 30. Dezember 2015

6 Kommentare zu “Der absolut subjektive Game-Jahresrückblick 2015

  1. Sandra schrieb am :

    mir geht es ähnlich, dass ich meist mit den Top-Listen diverser Seiten nicht so recht was anfangen kann! Meist hinke ich spieletechnisch eh 1-3 Jahre hinterher (ich habe mir sogar erst 2014 einen Nintendo DS geholt und hole da langsam die besten Spiele nach) und die großen Blockbuster fasse ich aufgrund von Zeitmangel schon gar nicht mehr an.

    Zu deiner Liste: Life is strange hatte ich dieses Jahr gekauft, allerdings einer Freundin zum Geburtstag geschenkt XD Von The Witcher habe ich dieses Jahr wahnsinnig viel passiv mitbekommen, wobei ich immer noch nicht genau weiß, worum es eigentlich in dem Spiel geht…

    • Lara schrieb am :

      mir war es wichtig spiele zu beschreiben, die mich durch das jahr begleitet haben. mein geschmack deckt sich eh nicht mit dem mainstream.

      ach die story von the witcher ist gar nicht so kompliziert. vater sucht seine quasi tochter. ;D

  2. Schöne Highlights! Danke für den Artikel.

    Ich muss mich persönlich dem Kommentar von Sandra anschließen, ich hänge immer ein wenig hinterher. Genau genommen liebäugle ich erst jetzt mit dem Kauf eines New 3DS wegen Xenoblade Chronicles (das auf der Wii unbezahlbar ist), wäre mein erster Nintendo-Handheld seit dem Ur-Game Boy…

    Ansonsten gehen meine „neusten“ Spiele eher in Richtung Assassin’s Creed 4, Bioshock Infinite oder Lichdom Battlemage, also nicht wirklich aktuell.

    Wirklich neue Spiele habe ich (mal wieder) eher nur Onlinetitel gezockt. Und da ist mein Favorit 2015 (und auch 2016) eindeutig und mit weitem Abstand The Elder Scrolls Online. Das mochte ich in der Beta damals überhaupt nicht, inzwischen ist es aber wirklich tauglich und fühlt sich zu großen Teilen wie ein bugfreies Skyrim an. Es hat Guild Wars 2 damit locker vom Thron gestoßen.

    Dicht auf der Spur ist Final Fantasy XIV, das hat nur den kleinen Nachteil der Monatsgebühren, weswegen ich es leider nur sehr gelegentlich mal anwerfen werde.

    Ansonsten habe ich viel Durchschnittsware gezockt.

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