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Brink: Der Konjunktiv-Shooter

Geschrieben von Andreas
Brink: Der Konjunktiv-Shooter

Ich hätte hier gerne eine ausführliche Review über „Brink“ geschrieben. Doch der neue Shooter von Splash Damage und Publisher Bethesda macht das so gut wie unmöglich, denn vernünftiges Spielen ist dank einiger Bugs kaum vorstellbar. Die berechtigte Frage, warum einige Magazine dennoch sehr hohe Wertungen vergeben, lasse ich mal unbeantwortet im Raum stehen.

Dabei sollte „Brink“ so etwas wie eine Genre-Revolution sein, zumindest ließen es die unzähligen Ankündigungen und Trainingsvideos (wann gab es das schon mal für einen Shooter?) erhoffen. Stattdessen definiert das Spiel vor allem den Konjunktiv neu, denn theoretisch ist hier vieles möglich, praktisch mangelt es vor allem an technischer Kompetenz. Um Ausreden ist man auf Publisher-Seite nicht verlegen: „Lags, die derzeit von Game-Testern in Deutschland wahrgenommen werden, sind zum großen Teil dem Umstand geschuldet, dass diese mit Spielern in den USA gematched werden. Zum Release von Brink werden die Server mit Gamern aus Deutschland und Resteuropa gefüllt sein und Lags werden auf das übliche Minimum reduziert.“, so das offizielle Statement von Bethesda. Das war’s aber dann doch nicht, denn heute hieß es, dass die deutsche Sprachversion an dem Desaster schuld ist. WTF?

Brink: Sieht cool aus, aber macht das Spielen nahezu unmöglich

Wenn es denn funktionieren würde, könnte ich vielleicht davon berichten, dass „Brink“ für einen Shooter ziemlich komplex ist. Es gibt unterschiedliche Klassen wie Soldat, Agent, Techniker oder Sanitäter, die zwar all das tun, was man schon aus vergleichbaren Spielen wie „Team Fortress 2“ kennt. Aber Slash Damage zwingt die Spieler zum Teamplay. Manche Aufgaben können nur von einer bestimmten Klasse erfüllt werden: Soldaten sprengen Türen, Sanitäter sind unerlässlich für eine Eskorte, Techniker entschärfen Bomben. Die Aufgaben wechseln, die Abschnitte sind verzweigt und es gibt Erfahrungspunkte, mit denen ich Fähigkeiten, Waffen und Aussehen verändere. Wie gesagt: Theoretisch könnte das Spaß machen, die Realität sieht leider anders aus.

Seit knapp einer Woche liegt hier die 360-Version herum und mittlerweile komme ich ja auf eine 50/50-Chance, dass ich eine Mehrspieler-Partie tatsächlich zu Ende spiele. Macht es deswegen auch gleich Spaß? Nö, nicht wirklich. Die Einzelspieler-Kampagne läuft ohne Probleme, aber dazu sollte man wissen, dass „Brink“ für Solisten so interessant ist wie ein Dildo für Sexsüchtige.

Angeblich soll die PC-Version besser laufen. Das macht es für mich doppelt bitter, denn ich bin kein „Konsolero“. Nein, ganz und gar nicht. Nur weil bei mir die neue Hardware noch „im Zulauf“ war, habe ich wegen einem 360-Muster angefragt und nun muss ich damit leben: Lags, Freezes, Abstürze – schöne neue Shooterwelt. Die Spieler und der Handel haben es offensichtlich auch gemerkt, denn momentan wird die 360-Version sogar schon für knapp 20 € verscherbelt.

Viel Potenzial, dass kaum genutzt wird

Zufällig haben Kollege Sven und ich vor ein paar Monaten über Bethesda gesprochen. Tatsächlich hat die Firma nämlich ein tolles Lineup: „Fallout: New Vegas“, „Rage“, „Hunted“ und eben „Brink“. Bis auf den ersten Titel sind das alles neue Marken, und es ist schon bewundernswert, wie ein relativ neuer Publisher auf eine solche Vielfalt setzt. Sven und ich waren uns aber gleichzeitig einig, dass die Amerikaner den Mund ein wenig zu voll genommen haben könnten. Wir beide glaubten nämlich nicht, dass sie all diese Titel mit der gleichen Qualität in Entwicklung und Marketing herausbringen würden. Die ersten beiden Titel haben uns nun bestätigt: „New Vegas“ war zwar erfolgreich, aber furchtbar verbuggt, und „Brink“ ist nur verbuggt. Deshalb möchte ich Bethesda an einen anderen Fall erinnern: In Österreich gibt es (noch) einen Publisher namens Jowood, der auch gerne im Konzert der Großen mitgespielt hätte. Im Übermut haben sie aber Spiele unfertig auf den Markt geworfen und sind jetzt insolvent. Das sollte doch zu denken geben, oder?

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 21. Mai 2011

2 Kommentare zu “Brink: Der Konjunktiv-Shooter

  1. Brink ist nicht anderes als ein mehr als würdiger Nachfolger für Enemy Territory. Da hat mich Quake Wars mehr entttäuscht gehabt. Und das erzwingen von Teamplay ist genau das, was ich Splash Damage gross anrechne und wo ich nicht verstehe warum der Rest der Branche so massiv versagt. COD MP und Teamplay? Wo denkste hin, jeder ist nur darauf aus möglichst seine Stats hoch zu pushen und verlässt frühzeitig den Server wenn seine Ratio zu schlecht ist. Das soll Spass machen? Ich weiss nicht. Aber wie gesagt, ich spiele Brink auf dem PC und da hatte ich bisher keinerlei Probleme. Sagen muss ich auch: ich hatte vorab bei dem Hype nicht realisiert dass es von Splash Damage entwickelt wird, und daher keine Erwartungen gehabt. Als ich allerdings vom Kollegen erfuhr, dass es von ihnen ist, habe ich es blind gekauft und bisher nicht bereut. Da sieht es bei anderen Shooter schon ganz anders aus.

  2. the-devil-in-blue-shorts schrieb am :

    Was mich mal interessieren würde: Wie steht es auf Pc und Xbox um die massive Botzahl?
    Ich versuchte mich an einer Online-Party auf der PS3 und das Spiel wird einfach ruck zuck mit Bots aufgefüllt und gut. Da es keine Lobby als solches gibt, bleiben einem nur immer wieder neue Versuche, die natürlich auch wieder mit Bots gestopft werden.
    Das Internet war mir in diesem Fall nur leider keine Hilfe, aber ich bezweifle, dass das nur bei mir so ist.

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