4

Die besten Spiele dieser Konsolengeneration: Viel Rauch um Nichts?

Geschrieben von Andreas
Die besten Spiele dieser Konsolengeneration: Viel Rauch um Nichts?

„Die wollen alle nur an unser Geld!“ schreit der Konsumkritiker in uns. Der Spieler aber ruft „mehr, mehr, mehr!“. Tatsächlich hat keine Konsolengeneration zuvor soviel Gedöns um vermeintliche Spielehighlights gemacht. Es ist ja auch kein Wunder, denn die Spielbudgets stiegen bis auf dreistellige Millionensummen. Und wenn sich ein „CoD“ oder „GTA“ über 20 Millionen Mal verkauft – warum nicht? Aber neben Grafikupdates und Blendern gab es Blockbuster, die den Titel „Triple -A“ wirklich verdient hatten.

Andreas schwebt mit „Bioshock Infinite“ durch die Wolken.

Irgendwann im Vorfeld der Veröffentlichung habe ich mich gefragt, ob Irrational Games dem ganzen Hype und der Erwartungshaltung an „Bioshock Infinite“ überhaupt gerecht werden kann. Der Vorgänger ist ein moderner Spieleklassiker, der Macher Ken Levine eine Legende in der Branche und die angerissenen Themen dürften dem durchschnittlichen Spieler Kopfschmerzen bereiten. Freier Wille, totalitäre Regime, Kampf gegen Rassismus, amerikanischer Exzeptionismus, Quantenphysik und die tragische Geschichte eines traumatisierten Soldaten, dessen Handeln schreckliche Konsequenzen mit sich bringt. Wenn ich eines Levine und seinem Team vorwerfen kann, dann diese Reizüberflutung an komplexen Inhalten, die im starken Kontrast zur durchschnittlichen Spielmechanik stehen.

Columbia - die schönste Dystopie des Jahres (Bild: 2K)
Columbia – die schönste Dystopie des Jahres (Bild: 2K)

Irrational Games hat aber mehr als nur einen schnöden Shooter mit Rollenspielelementen geschaffen. „Bioshock Infinite“ ist großes Autoren-Kino zum Spielen, europäisch verkopft und beißend in seiner Amerika-Kritik. Ganz im Gegensatz zum bodenständigeren „The Last of Us“ will Levine mit seinem Spiel das letzte Wort haben – „to end all video games“. Wo zwischen Ellie und Joel der menschliche Konflikt im Vordergrund steht, ist dieser bei „Bioshock Infinite“ nur Mittel zum Zweck. In dem Hang zur großen Oper ist dieses Spiel nur vergleichbar mit einem Film, der bei Superlativen gerne herbeizitiert wird: „Citizen Kane“ von Orson Welles. Mit ihm teilt sich „Bioshock Infinite“ Themen, visuelle Opulenz und den selbstgestellten Anspruch. So gesehen ist das Meisterwerk von Irrational Games tatsächlich einzigartig in seinem Medium.

Fable 2 begeistert den genügsamen Sven

Oh. Vielleicht liegt es am Hund? (Foto: Lionhead)
Oh. Vielleicht liegt es am Hund? (Foto: Lionhead)

Ein Spiel wird doch nie seinem Hype gerecht. Und dann noch die Versprechen von Peter Molyneux. Kein Wunder, dass „Fable 2“ so manchen Spieler enttäuschte. Mir egal, ich habe das Abenteuer in Albion geliebt. Gleich zu Beginn fesselte mich die tragische Geschichte, die mir eigentlich auch ständig unter die Nase rieb, ein guter Held zu werden. Ich konnte mich allerdings auch als Schurke austoben und die liebevolle Welt erkunden. „Fable 2“ ist für mich das Paradebeispiel dafür, wie eine offene Spielwelt aussehen sollte. Ich will mich nicht verirren, aber zugleich das Gefühl haben, nicht durch Schlauchlevels zu pilgern. Ja, zum Ende hin besaß die Handlung ein paar Längen, das gebe ich zu. Doch am Schluss dominierte dieses Gefühl, ein hervorragendes Spiel erlebt zu haben. Die Möglichkeiten, die Story, die teils banal erscheinenden Ereignisse – einfach toll. Zuletzt gehörte mir ganz Albion, eine witzige Idee. So sehr ich den Vorgänger mochte, „Fable 2“ war in jeglicher Hinsicht eine gravierende Verbesserung und faszinierte mich sofort. „Fable 3“ konnte mich dank der „Vercasualisierung“ und dummer Ideen nicht mehr im Ansatz so sehr unterhalten wie dieses Werk.

Hart genommen war „Fable 2“ ein simples Action-Rollenspiel mit einem infantilen Kampfsystem. Aber vermutlich genau aus diesem Grund konnte ich mich mehr auf das wundervoll gestrickte Universum einlassen. Die Entwickler entführten mich in eine fremde, aber irgendwie auch bekannte Welt voller Gefahren, Geheimnisse und Geschichten. Kaum ein anderes Spiel dieser Generation hat mich so sehr in den Bann gezogen wie dieses. Ich konnte mich übrigens nicht dazu durchringen, es als böser Held noch einmal durchzuspielen. Dafür fehlte mir dann doch das kalte Herz im Leib…

Heavy Rain überraschte Sven.

Vom Komödie kann bei Heavy Rain wirklich nicht die Rede sein!
Von Komödie kann bei Heavy Rain nicht die Rede sein!

Sollte mich wider Erwarten jemand fragen, welches Spiele mich die letzten Jahre am meisten beeindruckte, ich würde ganz klar unter anderem „Heavy Rain“ nennen. Kommt mir nicht mit dem pseudo-philosophischen Uncanny Valley- Geblubber oder den womöglich unlogischen Enden bei „falschen“ Entscheidungen. Mich hat das Werk von Quantic Dream einfach überwältigt. Quick-Time-Events, ein paar Rätsel, Personen von A nach B geleiten – all das ist nur Mittel zum Zweck, um mir eine Geschichte zu erzählen. Eine spannende, eine intelligente, eine tiefgründige, eine emotionale.

Mir fehlen oftmals die Geduld und Lust, etwas komplett durchzuspielen. Im Fall „Heavy Rain“ genoss ich zwei Mal hintereinander dieses kriminalistische Erlebnis. Mit einem gewissen Abstand sehe ich freilich die Makel: Bezogen auf die Spielsubstanz wird hier nicht viel geboten. Und in der Tat ist das Beeinflussen der Handlung nicht immer sinnvoll. Dennoch halte ich „Heavy Rain“ für ein Meisterwerk. Quantic Dream ist es gelungen, Spiel und Film gehaltvoll und intelligent miteinander zu vermischen – daran scheiterten so viele Entwickler.  Vielleicht mag dieses Genre, sofern man „Heavy Rain“ in eine Schublade stecken kann, auch in Zukunft eine exotische Erscheinung. Ich würde es bedauern. Denn dieser Titel beweist mir, dass digitale Figuren durchaus in der Lage sind, in mir Gefühle zu wecken, statt mich abzustoßen. Da wären wir wieder bei dem Uncanny Valley-Gedöns, das für mich bei „Heavy Rain“ jedenfalls nicht greift. Dieser Aspekt zeigt mir, dass das vermeintliche Problem neben ein paar anderen Titeln bereits in dieser Konsolengeneration überwunden wurde.

Zurück zu „Heavy Rain“: Es ist eines der Spiele, die ich bei Gelegenheit wieder einlegen werde. Und ihr könnt mir glauben: Es gibt wirklich verdammt wenige Spiele, die mich dazu anregen, sie mehrfach neu zu beginnen….

Andreas träumt nachts von „Batman: Arkham City“

Rocksteady ist für alle da. Ihre beiden Batman-Spiele sind ein Fest für Mainstream-Spieler, die sich in einer offenen Welt austoben wollen und so detailverliebt, dass jedem Comic-Fan das Herz aufgeht. Der Schwierigkeitsgrad steigt angenehm, ohne für Frusterlebnisse zu sorgen. Die Missionen sind weder zu kurz noch zu lang und die Spieldauer pfeift auf den üblichen 5-Stunden-Quickie – wer will, kann mit „Batman: AC“ Wochen verbringen. Und das habe ich auch getan.

"Jaja, ich hab's schon drauf!" (Bild: Warner)
„Jaja, ich hab’s schon drauf!“ (Bild: Warner)

Ich meckere ja gerne über die ganzen Blockbuster, die uns die Spielebranche regelmäßig aufdrängt. Aber in diesem Fall bin ich mucksmäuschenstill. Rocksteady zeigt der Konkurrenz, wie man eine Fortsetzung bastelt, die auf einem funktionierenden Spielprinzip aufbaut und es sinnvoll erweitert. Wo ein „CoD“ oder ein „FIFA“ nur Grafikupdates und Detailverbesserungen bieten, zeigt Rocksteady, dass man viel Geld auch sinnvoll investieren kann. Kein Blockbuster hat den Begriff „Blockbuster“ eher verdient, als dieses Spiel. Wo ein „GTA“ mittlerweile mit seiner aufgesetzten Sozialkritik und seiner überbordenden „Open-World“ nervt, setzt Rocksteady den Rotstrich an. Hier ist nichts zu viel und nichts zu wenig. Wenn wir irgendwann mal darüber reden werden, wann diese Konsolengeneration ihren Höhepunkt erreicht hatte, werden wir an „Batman: Arkham City“ nicht vorbeikommen.

Polycast #5: Die besten Spiele dieser Konsolengeneration: Viel Rauch um nichts?

Blockbuster sind besser! Oder etwa nicht? Was macht eigentlich einen guten Hype aus? Kann ein Publisher den nächsten Hit planen? Oder ist alles nur Glückssache, weil Kunst und so? Sven, Andy und Andreas blicken zurück auf die Hype-Generation.

Danke an pan:core für den Jingle! Downloaden könnt ihr den Polycast #5 hier.

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Magst du ihn teilen?
Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someoneShare on Google+Share on LinkedIn

Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 20. November 2013

4 Kommentare zu “Die besten Spiele dieser Konsolengeneration: Viel Rauch um Nichts?

  1. Hmm, warum ist Bioshock Infinite kein so ein großer kommerzieller Erfolg wie z.B. Batman?

    Ich denke, es ist das übliche Kritiker lieben es, Konsumenten ignorieren es Problem.

    Ich habe das erste Bioshock gespielt, weil ich wissen wollte, warum da so ein Hype drum gemacht wird. Ich fand es okay aber nicht überragend. Denn, genau wie bei Daedalic Adventures (Ausnahme die DSA Teile) spricht mich der Grafikstil und das Setting so absolut überhaupt nicht an. Es ist alles hübsch und stylisch, sicher, aber es ist einfach nicht mein Thema. Ich denke, vielen anderen wird es ähnlich gehen.

    Und, ihr habt es angesprochen, das Spiel ist ziemlich „links“. Das kann denke ich gerade in den USA (in Europa eher gegenteilig) einem Produkt das Genick brechen. Wenn man sich mal so die Mentalität der Menschen in US Foren anschaut, dann sind da doch ziemlich viele Rechte / Konservative dabei.

    Der letzte und vielleicht entscheidenste Punkt könnte sein, dass der Titel zu viel wollte. Wenn ich einen Shooter zocke, dann will ich das Hirn ausschalten und mich durch ein gewaltiges Effektgewitter ballern. Das kann und soll durch eine nette Story garniert werden. Aber wenn zu viele „versteckte“ Botschaften, zu viel Anspruch drin steckt, dann zieht mich das zu sehr aus der sinnlosen Metzelei raus. Bei einem Action Adventure im Zelda-Stil wäre das kein Ding, bei einem Ballerspiel kann es hingegen nerven.

  2. robbie schrieb am :

    Nichts für ungut aber bis ihr über bioshock gesprochen hat seid ihr nicht so analytisch rangegangen wie vorher fand ich bisschen schade.

  3. robbie schrieb am :

    Das stimmt, aber bei Beyond z.b. konnte ihr gut begründen warum es bei den leuten nicht gut ankommt oder auch bei The last of us mit dem Zombie-Hype zu verbinden war ein guter punkt.

Kommentar schreiben