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Atom Zombie Smasher: Untot, schräg und ansteckend

Geschrieben von Andreas

Blendo Games aka Brendon Chung macht merkwürdige kleine Computerspiele. So gesehen ist sein neuestes Spiel „Atom Zombie Smasher“ nahezu minimalistischer Mainstream.

In seinem Strategiespiel „Flotilla“ kämpfen sonderbare Raumschiffe in einer abstrakten 3D-Landschaft gegeneinander, und als Spieler trifft man auf merkwürdige sprechende Haustiere – alles begleitet von ruhiger Klaviermusik. Die (inzwischen eingestellte) Webseite XnPlay nannte das Spiel ein „Ballett der Zerstörung“. In seinem nächsten Spiel „Air Forte“ muss man mit einem Flugzeug über richtige Antworten aus den Bereichen Geografie, Mathematik und Vokabeln fliegen. Ein typisches „Serious Game“, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Die Webseite Indiegames nennt Chung inzwischen einen der „aufregendsten Indie-Entwickler der letzten Zeit“. Aber was passiert, wenn dieser sich auf Genre wie Tower-Defense stürzt? Chung nennt es ein „High Fidelity Tactical Simulation Programme“ im Sixties-Look.

Atom Zombie Smasher - Die Ruhe vor dem Sturm

In „Atom Zombie Smasher“ geht es um Zombies, genauer gesagt um die verheerende Zombie-Epidemie von 1961. Der Spieler ist der Kommandant einer Armeeeinheit und muss Gebiete mit Hubschraubern evakuieren. Alle Städte sind zufallsgeneriert, die Zombies kommen als kleine rosa Quadrate von der Seite und fallen über die Bewohner – kleine gelbe Quadrate – her. Nun muss der Spieler die Zombies aufhalten oder sie im Idealfall komplett vernichten. Dazu wählt er in der Planungsphase auf einer Landkarte die befallenen Gebiete aus und positioniert dann in der Stadtansicht seine Abwehrmaßnahmen: mobile Armeetrupps, Scharfschützen, Minen, Artilleriefeuer usw. Einmal eingesetzt, nimmt das Verhängnis seinen Lauf und der Spieler hat nur wenige Eingriffsmöglichkeiten. Die Kampagne wird auf Siegpunkte gespielt, die entweder vorgegeben sind oder die man individuell einstellen kann. Das ist eine simple Spielmechanik, die leicht zu verstehen ist.

Komplizierter wird es allerdings, wenn es ans Micromanagement geht. Jede der Einheiten gewinnt nämlich Erfahrungspunkte und steigt Stufe für Stufe auf. Dann kann der Hubschrauber mehr Flüchtlinge aufnehmen oder das Artilleriegeschütz feuert schneller. Später finden sich unter den Flüchtlingen Wissenschaftler, die nach erfolgreicher Rettung in einem Labor an weiteren Upgrades tüfteln. Dennoch schreitet die Epidemie unaufhaltsam voran, leicht befallene Gebiete werden fast zu uneinnehmbaren Zombie-Festungen und der Stresslevel beim Spieler steigt unaufhörlich. Daran ändert auch nichts die Surfmusik der Bands „The Beechwoods“ und „The Volcanics“, denn Blendo Games’ „Atom Zombie Smasher“ ist kein Casual-Titel im Stil von „Plants vs Zombies“, sondern eine knackige Herausforderung für Strategieliebhaber.

Schöne neue Zombie Welt.

Man beschreibt es wohl am besten als „Pulp Fiction trifft auf Strategie mit Zombies drin“, denn hier kommen vollkommen unterschiedliche Stile zusammen. Einerseits die schräge 6oer-Jahre-Comic-Buch-Ästhetik mit dem passenden Sound und andererseits ein relativ komplexes und forderndes Strategiespiel. Blendo Games setzt allerdings ganz auf traditionelle Genre-Zutaten, beispielsweise das Upgradesystem, und bietet nichts Neues. Das ist am Ende ein nahezu wagemutiges Experiment, denn die meisten Strategie-Fans haben einen äußerst konservativen Spielegeschmack und schicken lieber ganze Armeen in einem Weltkriegsszenario in die Schlacht. Brendon Chung dürfte dagegen mit  seinem Spiel eher experimentierfreudige Strategen ansprechen, denen schon Introversions „Defcon“ oder „Gratuitous Space Battles“ gefallen hat. Alle drei Spiele ähneln sich in Spielmechanik, Tempo und Anspruch. Das ist spannend, motivierend und eine wohltuende Abwechslung zu dem üblichen Strategieeinheitsbrei.

Nur als Download für PC, Mac und Linux für 15 $. Weitere Infos gibt es auf der Webseite.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 18. Februar 2011

Ein Kommentar zu “Atom Zombie Smasher: Untot, schräg und ansteckend

  1. Im Zuge meiner „Alle Blogger haben sich lieb“-Kampagne kurz die Statusmeldung, dass ich mir das Spiel wegen dieses Reviews gekauft habe. Bitteschön.

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