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Angeprangert: Ein Ex macht Stunk

Geschrieben von Andreas
Angeprangert: Ein Ex macht Stunk

Einer schießt quer und alle anderen hauen auf ihn drauf. Der Ex-Gamestar-Redakteur Christian Schmidt hat in einem Artikel auf Spiegel Online den deutschen Spielejournalismus angeprangert und wird von seinen ehemaligen Kollegen auseinandergenommen. Allerdings ist es das erste Mal in der Geschichte des deutschen Spielejournalismus, dass eine Diskussion über Sinn und Zweck dieser Branche geführt wird. Eine Langfassung seines Artikels findet sich übrigens hier.

Schmidts Thesen verkürzt: Deutsche Spieltests sind nur Funktionsbeschreibungen, es fehlt der Blick über den Tellerrand, sie sind austauschbar. Und das sind alles Gründe, die den Niedergang des deutschen Spielejournalismus erklären. Schmidt geht kompromisslos vor und lässt weder an sich oder an seinem früheren Arbeitgeber ein gutes Haar. Das alles ist im Grunde genommen nicht neu und wurde bereits 2004 von Kieron Gillen als New Game Journalism formuliert. Das hat sich bei den meisten deutschen Spielebloggern herumgesprochen, bei Gamestar & Co. allerdings noch nicht. Es ist deshalb einerseits logisch, dass Schmidts Position provoziert, aber andererseits ist die harsche Reaktion aufseiten der Profis wenig selbstkritisch. Kurz zusammengefasst reagieren sie alle verärgert, fühlen ihr Metier diskreditiert und werfen Schmidt Scheinheiligkeit vor. Das ist kein Wunder, denn Schmidt arbeitete wahrscheinlich beim konservativsten aller Spielemagazine. Es ist schade, dass keiner seiner Kritiker Kompromissbereitschaft zeigt. Typisch deutsch.

Christian Schmidt: Seine Aussagen sorgen aktuell für etwas Aufregung. Getroffene Hunde...? (Foto: Gamestar)
Christian Schmidt: Seine Aussagen sorgen aktuell für etwas Aufregung. Getroffene Hunde...? (Foto: Gamestar;IDG Verlag)

Es ist enttäuschend, wie diese Profis ihr Medium und damit auch ihre Arbeit ansehen, nämlich als reine Unterhaltung, mit der man die Zeit totschlagen soll. “Nur ein Spiel” – sind wir wieder am Anfang? Also nix mit Leitmedium, Kulturgut und gesellschaftlicher Relevanz? Seid ihr so eingeschüchtert von den NDAs oder beeindruckt von Pressevents in Dubai, dass ihr jetzt den Schwanz einzieht? Also bloß nicht anecken und schön das verteidigen, was man schon die letzten 30 Jahre gemacht hat. Ok, gut, wenn ihr das so seht – aber bitte beschwert euch nie mehr darüber, dass Spiele auch so in der Gesellschaft behandelt werden. Eine Wegwerfware, die bestenfalls einen illegalen Download wert ist und die man gerne mal als Gewaltporno vergleicht.

Journalisten können auch für ein gewisses Stilbewusstsein sorgen, aber das habt ihr Spieletester offensichtlich bei euren irrwitzigen Prozentwertungen vergessen. Versucht doch mal den Spielegegnern zu erklären, warum “GTA” kein Aufruf zum Drogenhandel und “Dead Space” nicht menschenverachtend ist. Eure Zahlen und die Features, die Petra Fröhlich ständig so gerne herunterbetet, können das nämlich nicht.

Die Folge: Der Spielejournalismus steht am Ende der Nahrungskette. Wahrscheinlich ist keine andere Sparte in diesem Metier weniger angesehen und wird schlechter bezahlt. Kostenlose Testexemplare, 1,50 € für eine News, 35 € für einen Test – so sieht das “Einkommen” eines Spielejournalisten aus. Mick Schnelle, ein Kritiker von Schmidt und ein Tester-Urgestein, gibt zumindest zu, dass man davon nicht leben kann. Die Macher von Gamers Global profitieren sogar davon, dass die Leser selbst den Content liefern, mit dem die Werbeeinnahmen gesichert werden. Die Gier nach kostenlosen Testexemplaren treibt trotzdem eine ganze Armada von Schülern und Studenten in die Branche, denen meist das fehlt, was einen Journalisten auszeichnen: Die Fähigkeit bei aller Begeisterung das Medium zu hinterfragen und wenn nötig zu kritisieren. Ich meine damit nicht den Unterschied zwischen einer 60 oder 90 % – Wertung.

Es muss das Ziel eines jeden Spielejournalisten sein, sich von anderen abzusetzen. Nur so kann er seine eigene Nische finden, aber vorformatierte Spieletests mit genauer Vorgabe der Anzahl der Worte pro Satz sind dafür keine gute Basis.

Zugegeben, beim Thema “Spieletest” wird es heikel. Tatsächlich bieten viele Spiele oberflächlich kaum Ansätze für tiefgründige Themen. Aber man könnte es ja mal versuchen: Warum kam damals kaum einer auf die Idee, Ayn Rand mit “Bioshock” zu verknüpfen oder zu erwähnen, dass ein tolles Spiel wie “Shadow Complex” auf einem Szenario des Rechtsauslegers Orson Scott Card beruht? Das ist kein Hexenwerk, ein Tester hätte das locker in seinen Text einbauen können und die Leser damit nicht überfordert. Dazu muss man nicht gleich das ganze Konzept auf den Kopf stellen. Aber vor allem: Wo bleiben die Hintergrundartikel? Nein, ich meine nicht die Making-Ofs, sondern mutige Blicke hinter den eisernen Vorhang der Spielbranche. Sicher, ein kleines Onlinemagazin kann das nicht leisten, aber was machen die Großen der Branche? Werbetexte abtippen. Vielleicht ist das der grundsätzliche Fehler von Schmidts Artikel – die Konzentration auf den Spieletest. Journalistische Berichterstattung kann so viel mehr sein.

Ich hinke selbst hinter meinem Anspruch hinterher und habe in meiner Arbeit beim Fernsehen oder als Schreiberling nur wenig von meinen hehren Absichten umsetzen können. Das hat Gründe: Natürlich funktioniert es nicht von heute auf morgen, die Art und Weise, wie wir über Spiele berichten, umzuwerfen. Dazu ist den Lesern die Wertung – so unsinnig sie in meinen Augen auch ist – zu wichtig. Aber wir könnten versuchen, den Fokus zu verlagern. Spiel sollten eben nicht nur unterhalten, um Mehrwert zu schaffen, sondern sie können uns auch intellektuell fordern. Wir müssen nur danach suchen.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 8. September 2011

26 Kommentare zu “Angeprangert: Ein Ex macht Stunk

  1. Auch auf die Gefahr hin, überall aufs Thema zu kommentieren: Ich stimme dir zu.

    Ich glaube, ein Problem ist natürlich, dass die meisten spannenden exklusiven, behind-the-scenes Reportagen auch mit großen Kosten verbunden sind, die für z.B. einen Blogger, der in der Freizeit über Spiele schreibt untragbar sind und auch für einen Verlag wie IDG hoch ausfallen. Es ist nun mal kostspielig, einfach mal aus Köln nach Montreal rüberzufliegen und nach 2 Wochen Recherche ein Portrait des Deus Ex Art Designers zu schreiben.

    Aber das ist ja klar.

    Nur: es muss ja gar nicht so hochgestochen sein.

    Michael Brown hat z.B. als Uni-Projekt ein kleines PDF-Magazin erstellt mit in-depth Berichten über den Entwicklungprozess in etwas kleineren Studios (z.B. die wundertollen Capybara, bekannt von Sworcery und Clash of Heroes <3 … ähem).

    http://www.michaelrbrown.com/?page_id=167

    Vorteil für Brown: er lebt/studiert in Toronto, konnte daher leichter kanadische Studios aufsuchen.

    In Deutschland ist das, glaube ich, ebenfalls möglich. Z.b. bei Daedalic oder auch bei Gameforge. Ich bin mir sicher, dass Gunnar Lott sich über Besuch freuen würde =]

    (Und das wird ja auch gemacht! Sowohl GEE, als auch Gamestar und PC Games haben ja neben Tests auch Reportagen. Ich würde mir nur mehr davon wünschen, vgl. Edge wo Testteil an Seiten < Reportage/Meinungsteil)

    • Hm, ich bin skeptisch. Die Gee hat ihr Konzept in eine fragwürdige Richtung geändert, Gamestar und PCGames haben mit sinkenden Auflagenzahlen zu kämpfen. Also scheinen alternative Wege (Gee) und konserverative Konzepte (PCG,GS) nicht perfekt zu funktionieren bzw. bei der Leserschaft anzukommen. “In-depth”-Berichte sind ja schön und gut, trotzdem stelle ich mir die Frage: Ist es das, was die Leserschaft wünscht? Ansätze und Ideen gibt es viele, aber ich weiß auch nicht so recht, was richtig ist. Ich glaube aber auch, dass man nicht gänzlich falsch liegt, wenn man informativ, emotional, subjektiv ist und zugleich in der Lage ist, über den Tellerrand zu blicken. Das schafft im besten Fall eine emotionale Bindung zwischen Autor und Leser – egal, ob man nun einen Test oder ein “Special” im Angebot hat. Oder ich liege auch daneben. :)

    • Es müssen ja nicht nur Making-Offs sein. beispielsweise sitze ich gerade an einem relativ aufwändigen Artikel über Stories in Spielen. Ein interessantes Thema, aber für mich wird es schwierig werden entsprechende Ansprechpartner zu finden. Gamestar & Co hätten damit weniger Probleme. Solche Artikel sollen reviews ja nicht ablösen, aber sie ergänzen.

  2. Blizzard22 schrieb am :

    Ich bin glücklicherweise ein Magazin gefunden das Spiele und deren Entwicklung gut und kompetent beschreibt und zwar “Making Games”.
    Zwar richtet sich das Magazin sich eher an Entwickler usw. und macht keine Tests aber ich liebe dieses Magazin trotzdem da es endlich die Dinge zeigt die interessant sind.
    Aber es ist kein Magazin das Spiele testet.

  3. Pingback: Valentinas Blog » Plattes Spiel, platter Text?

  4. Pingback: Spielejournalismus – Mein Senf « 3 Goldene Regeln

  5. Pingback: Highlight Roundup 36/2011 | KonsolenDealz

  6. Patrick schrieb am :

    Es haben ja gar nicht alle widersprochen: http://www.krawall.de/web/Krawall.de/special/id,59617/

    Was ich schwierig finde: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Projekte, die in die von Schmidt angedachte Richtung gehen / gegangen sind auch keinen Erfolg haben / hatten. Klar, man kann immer sagen “Die hatten alle nicht genug Geld im Rücken”, aber das gibt schon zu denken, inwieweit so ein Konzept finanziell tragbar wäre.

    • Ich denke, mit konventionellen Mitteln – also Werbung/Anzeigen/Banner – ist eine Finanzierung schwer bis gar nicht möglich. Hier müssten neue Ansätze her. Mir persönlich schwebt da zwar was durch den Kopf, ob das praxistauglich ist, ist dagegen eine andere Frage….

  7. Stimmt, aber die Mehrheit der “Profis” hat Schmidt widersprochen.

    Es ist auch richtig, dass alternative Konzepte bisher wenig Erfolg hatten. GEE, Game Faces, Pley – alle gingen in meinen Augen aber halbherzig an die Sache ran. Räumen wir doch mal mit einem Mythos auf: Die GEE war anders und schick, aber tiefgründig war sie nie.

    Mir persönlich geht es auch gar nicht darum radikal mit den altbackenen Konzepten aufzuräumen. Allerdings scheint es in Deutschland ja nur entweder/oder zu geben. Ich finde, dass man zumindest ein bißchen über den tellerrand hinausblicken sollte und sich nicht nur auf diese “Gadgets” verlassen sollte.

    Lies mal diese beiden Artikel über Dead Island:

    http://kotaku.com/5839443/amazing-appalling-enlightening-in-the-end-dead-islands-trailer-was-all-that-and-more

    http://www.grantland.com/story/_/id/6963024/video-games-killed-video-game-star

    Keine Spielekritiken, aber solche Artikel würden in einem deutschen Spielemagazin wahrscheinlich nie erscheinen.

  8. Spiele sind, zunächst einmal kommerzielle Produkte. Deswegen finde ich den klassischen Spieletest wichtig und richtig.

    Aus meiner eigenen redaktionellen Tätigkeit weiß ich, dass man ungerne negatives über (potenzielle oder vorhandene) Anzeigenkunden berichtet. Von daher ist es schwierig einen neutralen Bericht, zum Beispiel nach einem Studiobesuch, zu verfassen.
    Generell sind kritische Berichte bei vielen (kleineren) Verlagen ungerne gesehen, dann auch die Kunden (Fans) einer Sache regen sich über Kritk gerne auf, das geht hin bis zu Klagen, und die wollen die Verlage selbstredend vermeiden.
    Ich denke die Bloggerszene, die ihre Berichte in den Mantel der persönlichen Meinung hüllt, hat hier ihre große Chance. Aber auch da ist es immer ein Tanz auf dem Vulkan bzw. ein Balanceakt auf der Rasierklinge. Nur ein falsches Wort und es hagelt Abmahnungen und Unterlassungserklärungen.

    Das für mich perfekteste Spielemagazin ist übrigens die M! Games. Ich finde, hier stimmt die Mischung aus herkömmlichen Tests, Nerd-Berichten, Interviews und dem ganzen Drumherum.

    • Wobei sich halt die Frage stellt, ob so ein Test ein objektives Urteil ist. Nehmen wir doch mal die 86 % für “Dead Island” von Gameswelt. Für mich ist das Spiel noch nicht einmal die Hälfte wert und ich habe große Schwierigkeiten, diese Lobeshymne in irgendeiner Form nachzuvollziehen. Oder warum bekommt CoD durchweg 80er-Wertungen, obwohl der Singleplayer inhaltliche Grütze ist und der MP in den einzelnen Spielen nur variert wird? Ich bin der Meinung, dass die Beurteilung eines Spiels immer rein subjektiv ist. Vielmehr sollte es darum gehen, interessante Aspekte hervorzuheben oder Fakten zu liefern, damit ein Spieler es selbst einschätzen kann. Aber nein, sobald “mein” Lieblingsspiel 1 % weniger bekommt, geht der Fan-Shitstorm los.

      Wobei wir dann beim zweiten Punkt sind: die mangelnde Kritikfähigkeit der Fans. Der Begriff “Fanatismus” passt hier tatsächlich. Natürlich will keine redaktion hre Leser vergraulen, aber man sollte sich auch mündige Leser “erziehen”. Es kann doch nicht sein, dass ich als Spielekritiker nur nach dem Geschmack der Masse urteile.

      Zum Thema Wertungen haben Sven udn ich übrigens zwei Artikel verfasst:

      http://www.polygamia.de/uberflussige-wertungsdiskussionen

      http://www.polygamia.de/42-oder-warum-spielewertungen-unsinn-sind

      • Ich persönlich finde ein empirisches Wertungssystem für Spiele völlig überholt – insbesondere wenn es eine Skala von 0-100 beinhaltet! Es ist wirklich kompletter Irrsinn, Wertungsunterschiede von einem Punkt zu erklären, nur kann das manchmal für den Erfolg eines Spiels entscheidend sein, weil eben dann nicht 79, sondern 80 da steht! Rational kann das aber niemand wirklich erklären, wo denn jetzt der Unterschied gelegen hat…

        Für mich das absolut beste Wertungssystem, was ich seit langem gesehen habe, findet man bei der britischen GamesTM! Da gibt’s zwar auch eine
        Skala von 1-10, die aber ausschließlich vom subjektiven Testereindruck und nicht irgendwelchen technischen Fakten bestimmt wird. Meinetwegen könnten sie die Skala auch weglassen, aber sie stört mich dann doch nicht so, weil auch die Testberichte einfach so verfasst sind, dass man weiß, worum es hauptsächlich geht: Um den Spielspaß! Und den kann man auch haben, wenn ein Spiel grafisch nicht so der Hit ist, was viele andere Wertungen und auch Redakteure schlichtweg zu ignorieren scheinen!

      • Zunächst, danke für die Links zu den recht interessanten Artikeln. Meine Ansicht als Zocker mit über 25 Jahren Spielerfahrung ist die, dass man Spiele aufgrund diverser Faktoren durchaus beurteilen und im Kontext zu anderen (ähnlichen) Titeln einstufen kann.

        Albern finde ich auch die ein-Prozent-Schritte. Es macht wirklich keinen Sinn einen (ähnlichen) Titel mit 73 Prozent als schlechter anzusehen, als einen mit 74. Das denke ich fällt in die Testungenauigkeit und ist rein subjektiv. Ich glaube aber, dass man durchaus in fünf-Prozent-Schritten recht genau und objektiv werten kann.

        Wie allerdings Wertungsunterschiede zeigen, aktuelles Beispiel Mass Effect mit einer GamersGlobal-Wertung von 9.5 und der 4Players-Wertung von 75 Prozent, muss man IMMER die Ausrichtung des Tests beachten. Wer bei Mass Effect den Fokus auf das Gameplay richtet, der kann KEINE hohe Wertung geben, denn der Shooter-Teil ist im Vergleich zu richtigen Shootern grottig. Wer sich hingegen rein auf die fulminant erzählte Story stürzt, egal ob logisch oder nicht, sie unterhält sicherlich hervorragend, der gibt eine hohe Wertung. Hier muss einfach der Leser aufpassen, welche Punkte für ihn wichtiger sind und ggf. die Wertung für ihn selbst auf- oder abrunden.

        Was hingegen prinzipiell einfach zu werten ist, sind technische Aspekte. Grafik (Texturqualität, Ruckler), Musikqualität (Surround-Sound, Effekte realistisch etc.). Schwieriger bei der Grafik ist sicher der Stil und die dadurch erzeugte Atmosphäre. Das kann ganz schnell in Geschmackssache ausarten. Wobei ein objektiver Tester auch einen Grafikstil postiv bewerten können sollte, wenn er ihm persönlich nicht zusagt, er aber in sich stimmig ist.

        Was Spiele von anderen Medien unterscheidet ist die Spielbarkeit, Steuerung, Menüoptionen, Speichermöglichkeiten, intuitive Bedienung, Ladezeiten etc. sowie, was eine Wertung im Vergleich zu anderen Titeln erfordert, wieviel Umfang (Spieldauer aber auch Spieloptionen (z.B. (sinnvolle) Einheiten in Strategiespielen) das Spiel bietet.

        Alle diese Dinge können durchaus in ein Korsett gezwängt werden, dem Leser muss nur klar sein, dass weder andere Genres noch andere Tests des gleichen Spieles unbedingt vergleichbar sind. Wichtig ist eher, dass eine Zeitschrift / eine Webseite innerhalb ihres Systems Konsistenz bietet. Bei Gamers Global z.B. ist das katastrophal, da wertet einer Hü, der andere Hott, entsprechend haben “objektiv” schlechtere Titel oft eine höhere Wertung, was deren Tests für mich inzwischen völlig unbrauchbar gemacht hat (vom persönlichen Geschmack abgesehen, wo halt Final Fantasy oder Resident Evil Revelations mit relativ niedrigen Wertungen abgewatscht werden). Aber auch die “großen” Zeitungen wie Gamestar oder PC Games greifen hin und wieder mal ins Klo (und das nicht nur beim “Heimat-Bonus” für deutsche Spieleproduktionen). Interessanterweise, egal wie man deren Tests findet, dieses Problem hat ausgerechnet die Computer Bild Spiele nicht (oder zumindest kaum merkbar) – unabhängig davon, wie man deren etwas krudes Wertungssystem finden mag (und das häufig bei Hintergrundbereichten die Fehler überhand nehmen: Da wird ein Cloud Strife dann schon mal Final Fantasy XII zugeschrieben oder ähnliche Peinlichkeiten).

        Nun, irren und Fehler machen ist menschlich, wenn eine Gamepro in einem wichtigen Test wie Uncharted 3 es allerdings NICHT schafft, die Namen fast aller Hauptprotagonisten richtig zu schreiben, dann ist das schlicht schlampige Arbeit und mangelnde Qualitätskontrolle. Und damit bin ich inzwischen auch recht weit vom Thema ab …

        Als Fazit bleibt festzuhalten, abseits des persönlichen Geschmacks eines Testers, der durchaus in der Lage sein sollte so objektiv wie möglich zu sein, gibt es zahllose Dinge, die innerhalb eines fest abgegrenzten Systems eine relativ objektive Wertung zu geben, die zumindest eine Vergleichbarkeit ähnlicher Titel anhand der Wertungen aus gleichem Hause ermöglicht.

        Dabei halte ich persönliche zehn Punkte für zu wenig aussagekräftig. Dafür gibt es einfach zu viele Spiele mit zu unterschiedlicher Qualität. 20 Punkte bzw. fünf-Prozent-Schritte hingegen differenzieren genau genug, ohne dass das letzte Fünkchen Subjektivität, das sicher immer irgendwo bleiben wird, der objektiven Wertung im Wege steht. Das ist jedenfalls meine Ansicht. Ich persönliche runde Wertungen auch immer entsprechend auf oder ab.

      • Deiner Argumentation stimme ich da auf jeden Fall zu. Du unterschätzt allerdings einen wirklich gravierenden Punkt: Ein Artikel kann perfekt erklären, wieso ein Spiel 75 oder 95 bekommt. Nur was bringt es, wenn die Leute den Text nicht lesen? Wir kennen das alle doch: Schnell zum Fazit klicken, auf den Wertungskasten gucken, eventuell das Fazit lesen. Und dann nörgeln, weil das eigene Lieblingsspiel so schlecht abgeschnitten hat. Langsam glaube ich, dass nicht das Vergeben von Punkten, Sternen, Prozenten etc. das Problem ist, sondern dass die Zielgruppe nicht mehr gewillt ist zu lesen. Außerdem gibts ja Millionen Lets Play-Videos bei Youtube – das ist einfacher für den Kopf, als Buchstaben zu entziffern. :)

        Ein Text ist meiner Meinung nach im Spielejournalismus-Bereich sehr viel weniger wert als als in anderen journalistischen Gebieten (Politik, Wirtschaft, etc.). Das hat sicher viele Gründe, unter anderem der technische Wandel. Heutzutage muss alles schnell gehen, bunt glitzern und nicht kompliziert sein….

      • @Spiritogre

        Du sagst, dass technische Aspekte einfacher zu bewerten sind. Wie denn? Die Anzahl der Pixel entscheidet über die Qualität der Grafik? Dezibel über den Sound? Nein, das geht meiner Meinung nach nicht. Im Gegensatz zu Warentests wie bei einer Waschmaschine gibt es keine Werte, die über gut oder schlecht entscheiden – alles ist subjektiv. Welches Spiel hat die bessere “Grafik”? Der Photorealismus eines BF3, der reale Bilder einfach kopiert oder ein “Alice”, dass einen “eigenen” Stil hat?

        Aber ich stimme die zu: In einem sehr engen Rahmen kann ein herkömmlicher Test aussagekräftig sein: Gleicher Tester, Einbettung in Genre/vergleichbare Spiele, Plattform, Zeit, Vorgänger, Schwerpunkte (zb. Spielprinzip, Story, visuelle Umsetzung usw.), ja sogar Kulturkreis. Nur: wer liefert das denn? Da gibt es doch höchstens ein paar wenige Autoren.

      • @Sven:

        Ich lese lange Tests ungerne online. Da schaue ich meist auch nur nach dem Kommentar und der Wertung. Richtige lange Texte lese ich doch weitaus lieber auf Papier. Demzufolge stehe ich (langen) Onlinetests auch eher kritisch gegenüber. Da habe ich lieber eine kurze, knackige Meinung.

        Aber ich muss klar sagen, wenn jemand einen Test nicht liest und dann über die Wertung rummeckert, ohne zu begreifen wie diese Zustande kam, dann ist ihm auch nicht mehr zu helfen.

        Und was die “Let’s Play’s” angeht, ich habe keine Ahnung, wer das anschauen soll. Ich habe mal von Game One die ersten 50 Minuten vom Mass Effect 3 “Knallhart durchgenommen” im kleinen Fenster nebenher laufen lassen (weil ich das Spiel eh kaum spielen werde). Das war lustig, da die beiden Kommentatoren halt TV-Profis sind. Aber generell gibt es wohl kaum etwas langweiligeres.

        @Andreas:

        Die technische Qualität eines Produktes lässt sich absolut einwandfrei am Stand der Technik bewerten, auch bei der Grafik und dem Sound. Verwechsle halt insbesonder beim Sound nicht, wie “gut” ein Lied komponiert ist, sondern wie die Qualität hinsichtlich der Aufnahmetechnik ist: nur Stereo oder halt 5.1 Abmischung, richtiges Orchester oder Synthesizer, etc.

        Das andere ist der künstlerische Aspekt, den sprach ich ja auch an: Passt der Stil? Ist er konsistent? Wie wirkt er auf die Atmosphäre. Diese letzten Punkte sind subjektiv. Ein guter und erfahrener Tester wird sie aber relativ gut in Relation einordnen können, selbst wenn der Effekt bei Spielern unterschiedlich stark ausfällt.

    • @Spiritogre

      Ok, da gehen unsere Meinungen weit auseinander. Der reine technische “Schwanzvergleich” ist für mich bestenfalls ein Detail. Welchen Stellenwert haben diese Punkte für dich?

      Wobei ich immer noch nicht weiß, wie du so “Grafik” bewertest. Kannst du ein Beispiel nennen? Ich meine nur die technische Seite, also unabhängig vom künstlerischen Aspekt.

      • @Andreas:

        Beim Sound neben dem bereits erwähnten etwa, ist der wirklich hochqualitativ mit mindestens Audio-CD-Qualität und kein 128kB MP3, ist die Surround-Abmischung gut, d. h. ich kann Gegner wirklich positionell Orten.

        Bei der Grafik nehme ich mal ganz simpel die Texturen als Beispiel. Sind alle hochauflösend oder gibt es immer wieder Low-Res Tapeten an einzelnen Stellen? Wie gut sind Techniken wie Bump-Mapping, (künftig) Tesselation, Antialiasing, HDR und ähnliche Effekte integriert? Auch Animationen gehören dazu, sind die abgehackt oder flüssig, gehen Bewegungen ineinander über oder muss der Charakter erst in Grundstellung gehen?
        Wie gut ist die generelle Performance eines Spieles, sprich wie optimiert ist die Engine? Wie realistisch bzw. beeindruckend sind Physikeffekte. Kann man eine Vase wie in Oblivion aufnehmen oder umstoßen oder kriegt die mal gerade ein paar Kratzer, wenn ich mit einem MG drauf schieße, anstelle in Tausend Teile zu zerspringen, wie halt in Rage. Apropos Rage, das ist ein sehr schönes Beispiel. Es gab auf dem PC wohl einen Demolevel mit wirklich hochauflösenden Texturen. Der PC hätte keine Probleme damit gehabt, aber die Konsolen, insbesondere die XBOX 360 wären total überfordert gewesen, von den zehn DVDs, die das Spiel benötigt hätte mal abgesehen. Und was geschieht? id packt auf den PC die “Low-Res”-Texturen der Konsolenfassung. Wenn sie hätten Punkten wollen, dann hätten sie das Spiel auch auf Blu-ray mit den High-Res Texturen angeboten! Das wäre ein Beispiel für eine Einsparmaßnahme, die nicht nötig gewesen wäre, und die gehört in meinen Augen abgestraft.

        Für mich ist das alles relativ wichtig, zum einen gebe ich keinen Vollpreis für Spiele aus, die aussehen wie die zwanzig Spiele, die ich in den vergangenen Monaten und Jahren angesammelt und noch nicht gespielt habe. Wenn das Spiel will, dass ich es kaufe, dann muss es auf aktuellem Stand sein, sonst kann ich auch später immer noch zur Budgetversion greifen.

        Da ich (leider immer noch) einen inzwischen fast sieben Jahre alten PC mit Core 2 Duo E6600 mit 3 GB DDR2 RAM und über drei Jahre alter Grafikkarte (Radeon HD 4870 Vapor X 1 GB) habe, ist die Performance für mich auch wichtig. Es gibt grafisch wirklich anspruchsvolle Spiele, die mit maximalen(!) Settings auf meinem Oldtimer bei 1680×1050 Bildpunkten (22 Zoll TFT) absolut flüssig mit (weit) über 25 FPS laufen. Und es gibt Titel wie z. B. ein GTA 4, das es eben nicht tut (bzw. tun würde, wenn ich es gekauft hätte).

        Dies alles sind rein technische Aspekte, die sich am aktuellen Entwicklungsstand wunderbar “messen” lassen. Entsprechend können sie zu praktisch 100 Prozent objektiv bewertet werden.

  9. Spiritogre, Du beschreibst genau das, was mich an Spieletests stört und was Andreas – aus meiner Perspektive sehr treffend – als “Schwanzvergleich” bezeichnet hat. Warum muss denn die technische Seite ausschlaggebend für den Spielspaß sein? Warum muss in die Wertung einfließen, dass ein Spiel hochauflösende Texturen und so und so viele Sprites auf einmal darstellen kann? Vor allem aber muss doch nicht das Fehlen von solchen technischen Details das zu testende Spiel zwangsweise abwerten, wenn das Spiel an sich richtig Spaß macht, oder?

    Natürlich möchte ich nicht sagen, dass heutzutage wieder unbedingt Spiele in 8bit-Pixelpracht erscheinen müssen. Das ist nicht zeitgemäß, und auch ich ergötze mich gerne an tollen Grafiken. Aber die Technik macht ein Spiel nicht gut, genauso wie ein tolles Spiel ohne gute Grafik nicht schlechter wird! Wertungssysteme, die einfach mal alle Bewertungskategorien zusammenzählen und so auf die Gesamtwertung kommen, ignorieren das aber schlichtweg. So wird dann der Grafikblender möglicherweise genauso gut oder sogar besser bewertet wie das spielerische Juwel, das lediglich eine veraltete Technik hat. Das mag ja “empirisch” oder “objektiv” sein, aber wir sprechen doch nicht von einem Mixer oder einem Rasenmäher, sondern von einem Kulturgut. Warum soll ich denn das “objektiv” bewerten, wenn es hier vor allem um das Erlebte, das Empfundene geht?

    Und hier versagen eben starre und empirisch aufgebaute Wertungssysteme aus meiner Sicht völlig. Ich möchte lieber wissen, warum der Testende zu seiner – meinetwegen auch in Punkten ausgedrückten – Wertung gekommen ist. Dabei ist natürlich hinderlich, dass man dazu noch einen Test durchlesen muss, aber auch das lässt sich z.B. durch eine Pro-Contra-Liste ganz gut vermeiden. Wenn man dann immer noch nicht genau weiß, wie der Tester zu seinem Fazit gekommen ist, hilft es wohl nichts und man muss den Text lesen, um – hoffentlich – dahinter zu kommen.

    In der herkömmlichen Testerwelt haben spielerische Juwele, die nicht mit protziger Technik aufwarten können oder auch wollen, oftmals ein Nachteil, nur weil sie nach einem starren Schema bewertet werden. Das würde – übertrieben ausgedrückt – bei Filmen dazu führen, dass man “Avatar” automatisch für den Besten Film-Oscar vorschlagen hätte müssen, da er technisch so brillant ist. Ich hoffe, dass sich die Spielebranche von dieser Art der Bewertung zusehends verabschiedet und endlich etwas “reifer” wird.

    • Ein leicht besseres Spiel mit leicht schlechterer Grafik ist effektiv genauso gut wie ein leicht schlechteres Spiel mit leicht besserer Grafik, der Spielspaß wird ziemlich identisch sein.

      Aber ein grafisch sehr schlechtes Spiel kann durch bessere Grafik weitaus mehr Spielspaß erzeugen!

      Ein schönes Beispiel wäre Halo 1. Welche Version würde dir heute(!) mehr Spaß machen, das Original oder die aufgebohrte Anniversary Edition? Und jetzt erzähl mir nicht, das Original! Es geht sogar soweit, dass man das Original (wenn es heute so erscheinen würde) als eher schlechtes Spiel empfinden würde. Grafik hat also durchaus einen großen Einfluss auf den Spielspaß!

      Du darfst jetzt aber nicht denken, bloß weil ein schlechtes Spiel, du brachtest ja Avatar als Beispiel, super Grafik hat, mit einmal ein gutes Spiel wäre. Ich denke, solche Tests wirst du auch kaum finden!

      Und das ein statisches in sich geschlossenes Wertungssystem aufgrund schlechter Grafik ein Spiel unfair schlecht bewertet, das passiert nicht Mal bei der Gamestar. Ein schönes Beispiel ist der To the Moon-Test: http://www.gamestar.de/spiele/to-the-moon/test/to_the_moon,47206,2563558.html
      Ich finde den absolut passend und sehr gut gelungen! Hätte To the Moon eine aktuellere Technik, dann würde es definitiv mehr Spaß machen. So muss man sich doch schon dazu zwingen, das überhaupt spielen zu wollen, wenn man nicht zufällig gerade Retrofan ist. (Da hilft auch alle Meckerei und das in den Himmel loben der Fans nichts. Die Wertung entstand ja nicht nur wegen der 16-Bit-Grafik, sondern auch aufgrund der Spielzeit und weiterer Faktoren).

      Außerdem finde ich es als schlimm, wenn Leute immer nur auf den Wertungskasten schielen. Sicher, bei langen Tests im Internet mache ich das auch erst, und danach kommt der Meinungskasten und dann der Pro- und Contra-Kasten, schlicht, weil ich keine Lust habe online so viel zu lesen. Wenn ich eine gedruckte Zeitschrift lese, dann lese ich auch den ganzen Text.

      Allerdings muss ich auch sagen, dass ich aufgrund meiner Erfahrung in der Regel anhand weniger Screenshots und im Zweifel noch Videos sagen kann, ob ein Spiel wahrscheinlich gut ist oder nicht. Tests sind für mich eher Unterhaltung und Beschäftigung mit dem Hobby. Hin und wieder sind sie brauchbar, wenn nämlich ein gut klingendes, mich interessierendes Spiel mit einmal laufend schlechte Wertungen einfährt, zuletzt geschehen etwa bei The cursed Crusade.

      Schlussendlich ist es ja so, wenn man etwas bewertet, dann muss man das ja auch in Kontext zu anderen Spielen setzen können. Es nützt mir als Kaufberatung gar nichts, wenn man sagt, The Witcher 2 und Dragon Age 2 sind beides super Rollenspiele. Wenn ich nur eines kaufen kann, dann will ich wissen, welches “besser” ist, welches mir mehr zusagen könnte. Das geht nur, wenn die Wertung vergleichbar ist – also ein definiertes, starres Korsett hat. Der Rest wäre dann nämlich Geschmackssache und das nützt mir gar nichts, wenn mein Geschmack auch nur ein klein wenig ein anderer ist, als der des Testers! Hier ist und muss dann nämlich schlussendlich der “Schwanzvergleich” ausschlaggebend sein, welchen der beiden Titel ich kaufe.

      Wenn beide Spiele die gleiche Endnote haben (und das sehe ich sogar noch in den fünf Prozent schritten, nicht bei einem Prozent unterschied), weil sie effektiv und als Gesamtwerk ziemlich identisch sind, muss man als Konsument dann nämlich direkt die Einzelwertungen vergleichen und sich Punkte rauspicken, die einem persönlich wichtig sind. Wenn bei dem einen die Grafik und bei dem anderen das Kampfsystem leicht besser ist, muss ich als Käufer entscheiden, was mir wichtiger ist. Das kann ein Test mir nämlich nicht abnehmen. Er dient nur als Hilfestellung. Und, ich wiederhole mich, dazu müssen die Tests aufgrund gleicher Grundlage entstanden sein, weil ich sonst nicht vergleichen kann.

      • Der Vergleich ist doch gerade die Crux bei der Sache. Vor allem aber: Wie presse ich das in ein Wertungssystem? Nehmen wir doch mal Indie-Spiele wie “To the Moon”. Unabhängig davon, ob es mit moderner Technik auch besser gewesen wäre – muss die Leistung des kleinen Teams (typisch für die Indies) nicht höher eingeschätzt werden? Bei einem AAA-Titel sitzen über 100 Leute an dem Spiel und es steht viel Geld zur Verfügung. Logisch, dass es dadurch aufwendiger werden kann.

        Natürlich kann man jetzt sagen: Ist mir egal, für mich zählt nur das Endprodukt. Stimmt auch wieder, aber dann stellt sich mir die Frage, ob ein Tester über die technische Kompetenz verfügt, um es richtig einzuordnen. Es reicht ja nicht, dass er einfach sagt: “Tesselation, DX 11 usw. = Vorsprung durch Technik”. Ich frage mich nämlich, WIE die Technik eingesetzt wurde. Funzt dieses Spiel nur mit aktuellen Grakas oder holen die Programmierer bei einer alten Hardware sensationelle Framerates heraus? Das ist ja besonders wichtig bei Actionspielen und 25 FPS sind für mich persönlich zu langsam.

        Das alles kann man ganz gut bei der aktuellen Konsolengeneration beobachten. Die ersten Spiele waren im Vergleich zu heute grafisch eher schwach, aber inzwischen dürfte zumindest die 360 an ihrem Limit sein. Dazu kommen noch andere Fragen: Sind 360, PS 3 und PC technisch gleichwertig? Eher nicht, aber wo genau liegt der Unterschied? Kann das jemand in Zahlen festlegen? Nein, das sind alles Spekulationen oder grobe Einschätzungen. Dennoch wird es in einer Zahl festgemeißelt.

        Was meiner Meinung nach bleibt: Jeder muss für sich entscheiden, ob ihm dieses Spiel technisch besser gefällt als das andere und das führt mich wieder zu meinem Ausgangsargument: alles ist subjektiv.

      • To the Moon ist ein gutes Beispiel. Was bei Tests nämlich immer ein Fakt ist, ist der Preis! Spiele, die mit dem RPG Maker gemacht sind, sind in der Regel kostenlos. Für To the Moon muss nun mit einmal Geld bezahlt werden, entsprechend muss sich To the Moon also mit kommerziellen Produkten messen lassen. Und da, unabhängig wie gut das Spiel an sich ist, schneidet es halt alleine durch die niedrige “Production Value” eben dann nicht mehr so gut ab!

        Insofern zählt Indie und Großproduktion nicht auf einem Level. Indie-Spiele kosten ja auch entsprechend weniger. Wogegen Indie-Titel allerdings antreten müssen sind ehemalige, einige Jahre alte Vollpreisspiele, die jetzt eben günstig zu haben sind.

        Wo ich deine Argumentation übrigens gar nicht verstehe, wo ist etwas subjektiv, wenn es um die technische Weiterentwicklung der Grafik geht? Das sieht man doch, wie du selbst sagst, auf einen Blick, wenn man sich die ersten 360 Spiele und die aktuellen ansieht. Würdest du nach Gears of War 3 heute einem Titel wie Gears of War 1 noch die gleiche Wertung geben? Möchte ich stark bezweifeln.

      • Logisch, dass jeder erkennen kann, ob die technische Entwicklung weiter gegangen ist. Es ist aber problematisch, dies in einer Zahl darzustellen, besonders bei dem in Deutschland sehr beliebten 100er-System. Dazu müsste ich mich als Tester sehr genau in der Technik auskennen, müsste genau wissen, welche Ressorcen in der Hardware stecken oder in welchem Verhältnis die einzelnen Plattformen zueinander stehen. Und da behaupte ich mal ganz frech, dass dies kaum einer kann und nur seine persönliche bzw. subjektive Einschätzung abgibt.

  10. Spiritogre, bezüglich “Halo” gebe ich Dir nur insofern recht, dass ich heute wohl wirklich die neue, aufpolierte Version spielen würde, weil es sie eben gibt. Damit habe ich natürlich die Möglichkeit, ein älteres Spiel in einem technisch neuen Gewand zu spielen, aber ist “Halo” in der erneuerten Version dafür gleich ein besseres Spiel? Das möchte ich wiederum anzweifeln, wenn nicht einige Ärgernisse aus dem Urspiel auch noch gleich beseitigt wurden! Ansonsten bleibt es eben “Halo” – schicker, aber immer noch das gleiche Spiel…

    Nehmen wir ein anderes Beispiel, nämlich die Enhanced Editions zu “The Witcher” und “The Witcher 2″! Wenn CD Projekt hier lediglich hergehen würde und die Grafik mit schickeren Texturen versehen würde, fände ich das zwar nett, aber nicht entscheidend für einen höheren Spielspaß (außer die Grafik war zuvor so fehlerhaft, dass es sich eben auf das Spiel auswirkt). Da die polnischen Entwickler aber weitaus mehr in ihre “Upgrades” reingepackt haben, werden aus den Spielen letztlich wesentlich bessere Produkte als vorher – hauptsächlich aber daher, weil spielerische Macken beseitigt wurden und das Spiel schlichtweg besser gemacht wurde.

    Du erwähnst ja selber, dass “To the Moon” eben nicht nur wegen der schlechten Technik abgewertet wurde, sondern auch wegen der offenbar kurzen Spieldauer und anderen Faktoren. Das ist ja dann auch für mich nachvollziehbar, während ich es nur schwer begreifen könnte, wenn man dem Spiel eine Bewertung der Marke “Eigentlich schon toll, aber grafisch so rückständig, dass es nicht gut sein kann!” ausstellen würde.

    Und wenn Du “Dragon Age 2″ und “The Witcher 2″ nach gleichen Kriterien bewerten möchtest, um dann aus den Nuancen herauszufinden, was denn nun das bessere Spiel ist, befindest Du Dich für mich von Anfang an auf dem Holzweg! Für die Art von objektiven Vergleich, die Dir da vorschwebt, haben diese beiden nur den Oberbegriff “RPG” gemein (und vielleicht das düstere, erwachsene Szenario)! Wer näher hinsieht, bekommt bei Bioware’s Schlachterei ein RPG-light mit Action-Overkill, das gerade Rollenspielfreunde aufgrund der doch reduzierten Spielmechanik eher abstoßen dürfte, während “The Witcher 2″ in Sachen Charakterentwicklung, Erfahrungssystem und Komplexität doch eher als klassisches Rollenspiel gewertet werden kann.

    Vielleicht habe ich Dich da auch falsch verstanden, weil was natürlich schon Sinn machen würde, wäre der technische Vergleich bei “Dragon Age 2″ und “The Witcher”, der möglicherweise auf ein annähernd gleiches Niveau herauslaufen würde. Dann müsste aber spätestens die Objektivität beiseite gelassen werden, um dann dem potentiellen Spieler klar zu machen, dass er es mit zwei sehr verschiedenen Spielausrichtungen zu tun hat. Was ihm dann besser gefällt, muss er anhand seiner eigenen Vorlieben entscheiden!

    Und somit wären wir wieder am Punkt: Ein Test muss für mich herausstellen, WAS ich im Spiel erlebe und ob mir das schlussendlich zusagt! Das mag natürlich auch mal die Grafik und Technik mit einbeziehen (“Crysis” wäre hier ein gutes Beispiel für ein Game, das so wohl nicht so faszinierend wirken würde, wenn es nicht so verdammt gut ausschauen würde). Aber ich halte es für einen Fehler, die Technik eines Spieles von vornherein in die Spielspaßwertung einzurechnen.

    Mir fällt da noch ein gutes Beispiel ein: “Final Fantasy XIII” und “Nier”! Technisch besteht hier gar kein Zweifel, denn “Final Fantasy XIII” ist schlicht atemberaubend inszeniert. Aber spielerisch macht “Nier” für meine Begriffe wesentlich mehr richtig und ist für mich um Längen das bessere Spiel – trotz etwas grauer Technik! In den starren 100er-Wertungssystemen mit Durchschnittsnote wird ein solches Kleinod wie “Nier” aber niemals eine reelle Chance haben, weil es in der Technik-Wertung durchfällt, auch wenn die für den Spielwitz für mich praktisch nicht ausschlaggebend ist.

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