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Was man von der EA-Hölle halten sollte?

Geschrieben von Sven

Was soll ich bitte von „Dante’s Inferno“ halten? Nein, vielleicht sollte ich mich eher fragen, was ich von der PR-Arbeit und der neuen Unternehmensphilosophie von Electronic Arts halten soll. Denn was ich so von dem neuen Hack´n´Slay der „Dead Space“-Macher höre und sehe, macht mich misstrauisch. Und das nicht einmal bezogen auf die Qualität des Spiel!

Zuerst einmal ist es schon verwunderlich, dass „EA“ ein etwas ungewöhnlicheres Embargo auf Testberichte verhängt hat. Bis zum 3. Februar 2010, 18 Uhr durfte keine Rezension des höllischen Spiels online auftauchen, eine feste Vorgabe des Publishers. Daran haben sich die deutschen Internet-Magazine brav gehalten, pünktlich erschienen dann erste Berichte von Eurogamer (8/10), Looki (79 Prozent), Gamezone (8.8 / 10), Gameswelt (84 Prozent), 4players (86 Prozent, Jörg Luibl hätte sicher weniger vergeben – bei den Negativ-Aspekten!), Gamersglobal (75 Prozent) und Gamona (80 Prozent). Abgesehen von der unübersehbaren Tatsache, dass frühe Ergebnisse meist über dem späteren Wertungsdurchschnitt (Metacritic, Gamerankings etc.) liegen, klaffen die Angaben schon jetzt auseinander. Ist das Spiel nun nett (Gamersglobal) oder fast genial (Gamezone)? Die Tests sagen im Großen und Ganzen Ähnliches aus: Gut inszeniert, wie zu erwarten von Sonys „God of War“ geklaut, routiniert umgesetzt, fehlende Innovationen, einige Höhepunkte, viel Bekanntes, ab und an Längen, blasser Held. Klingt für mich nach solider Unterhaltung ohne Überraschungen. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, als hätte Electronic Arts sogar Schlimmeres erwartet. Denn es ist wirklich untypisch, dass Test-Embargos erst einen halben Tag vor dem Release ablaufen. Wollte der Spielehersteller noch möglichst viele unschlüssige Gamer zum Vorbestellen animieren? Mittlerweile sollten nämlich alle vorab georderten Exemplare ausgeliefert worden sein. Sicher ist sicher.

Und es ist gewiss kein Zufall, dass EA vermutlich unglaublich viele Millionen Dollar für die Reklame beim amerikanischen Super Bowl ausgegeben hat, man aber noch keine Tests in den US-Medien finden konnte. Zerrisse hätten schließlich den Werbeeffekt zerstört.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Der Trailer vom Super Bowl!

Gespannt bin ich, wie sich die Wertungen in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln. Wann kommen die ersten 60er und niedrigen 70er-Ergebnisse? Wann wagen die Schreiberlinge mehr Mut zum Aussprechen der Tatsachen? Es ist hoffentlich nur eine Frage der Zeit, bis man sich abseits der unterhaltsamen Demo ein möglichst objektives Bild von den Qualitäten des Titels machen kann. Gerne sehe ich aber auch einen 80er-Durchschnitt, so ist es ja nicht!

Aus Spielersicht bereitet mir eine weitere Tatsache Sorgen: der DLC. Ende April wird der erste Download-Inhalt erscheinen, der kooperative Kämpfe, ein Community-System samt Herausforderungs-Editor und einen zweiten spielbaren Charakter enthält. Was „Trials of St. Lucia“ wohl kosten wird? 10 Euro? Realistisch. Weiterer Nachschub ist so gut wie sicher, das Portal Gamerzines schrieb kürzlich, dass das Ende von „Dante’s Inferno“ mit „To Be Continued“ Lust auf mehr machen soll. Da Jonathan Knight, Senior Producer bei Visceral Games, gegenüber Gamerzines meinte, dass eine Fortsetzung des Spiels unwahrscheinlich sei, kann man getrost von  DLCs ausgehen, die die Geschichte irgendwie verlängern.

Wurde u.a. in den Tests bemängelt: Unscharfe Texturen
Wurden u.a. in den Tests bemängelt: Unscharfe Texturen


Wie viel man für „Dante’s Inferno“ am Schluss ausgegeben hat, wenn man Spaß mit dem Werk hatte? 50-60 Euro plus zum Beispiel vier DLCs á 10 Euro – wenn ich die endgültige Endsequenz erleben will? 100 Euro? Vielleicht sogar mehr? Ist es eventuell sogar besser, gleich auf den Kauf zu verzichten, wenn die Wertungen der Fachpresse noch weiter nach unten tendieren? Ich bin unschlüssig und etwas demotiviert. Wie soll man sich bei fest vorgesehenen DLCs, einem im schlimmsten Fal unvollständigen Spiel und einem solchen Embargo-Verhalten (was zwangsläufig skeptisch macht) noch auf etwas freuen? Mir gefällt das nicht!

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 3. Februar 2010

3 Kommentare zu “Was man von der EA-Hölle halten sollte?

  1. Pingback: BioShock 2 zieht an mir vorbei | Polygamia

  2. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Dante´s Inferno ein richtiger Kassenschlager wird. Natürlich ist das Spielprinzip abgeguckt und auch die Story ist nichts Neues, allerdings geht es ja um das Gameplay und den Spielspaß. Ich finde, dass es bei Spielen nicht so wichtig ist wie bei Filmen, ob die Story absolut revolutionär ist…

  3. nin-a schrieb am :

    Ich erinnere mich an Zeiten, da bekam man für sein Geld noch ein komplettes Spiel! DlCs, kostenpflichtige Addons, drakonische DRM-Methoden a la Ubi… dunkle Zeiten für Pc-Spiele und Spieler gleichermaßen.

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