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Tale of Tales: Die etwas anderen Märchen

Geschrieben von Lara
Tale of Tales: Die etwas anderen Märchen

Märchenfilme haben seit einiger Zeit wieder Hochkonjunktur. Kein Jahr vergeht, in dem nicht ein klassisches Märchen neu verfilmt wird – sei es als Animationsfilm („Tangled/Rapunzel“) oder als Realfilm („Snowhite and the Huntsman“, „Beastly“, „Jack and the Giants“). Viele folgen dabei einem immer gleichen Muster und richten sich eher an eine jüngere Zielgruppe oder sind sogenannten Familienfilme.

Es gibt aber immer wieder Ausnahmen: „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ war ein blutiger Actionspaß, „Maleficent“ oder auch Guillermo del Toros düsteres „Pan’s Labyrinth“ drehten das Gut-Böse-Schema um.

Märchen sind immer intertextuelle Bezüge

Fast alle diese Filme besitzen eine Gemeinsamkeit: Sie basieren oder nehmen Bezug auf die Grimmschen Märchen. Doch auch die Brüder Grimm hatten eine Inspirationsquelle für ihre Stoffe. Giambattista Bsiless (1570 bis 1632) Buch „Il Racconto dei Racconti“ ist eine Sammlung, die 50 Geschichten umfasst. Die erste fungiert – ähnlich wie es bei „Märchen aus 1000 und einer Nacht“ der Fall ist – als Rahmenhandlung. Wie auch später bei den Grimms, stellen moralische Porträts und soziale Stittenvorstellungen den Kern der Erzählungen dar. Der Grund, warum diese Urmärchen bis heute weitgehend unbekannt sind, liegt in ihrer Sprache. Basile schrieb im neapolitanischen Dialekt.

Nicht immer bekommen wir das, was wir uns wünschen. Das muss auch das Königspaar Longtrellilernen. (Foto: Concorde Film)
Nicht immer bekommen wir das, was wir uns wünschen. Das muss auch das Königspaar Longtrellilernen. (Foto: Concorde Film)

Drei Königreiche, drei Probleme

„Das Märchen der Märchen“ packt drei dieser Geschichten in einen Film. Diese spielen in derselben Welt zu fast gleicher Zeit, und die Figuren sind lose miteinander verbunden. Das köngliche Paar der Longtrellis (Salma Hayek & John C. Reilly) wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Als eines Tages ein mysteriöser, knochiger Mann dies zu ermöglichen verspricht, willigen die beiden sofort ein, ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein.

Auch der König von Strongcliff (Vincent Cassel) hat ein Problem: Er ist sexsüchtig. Als er nach einer nächtlichen Orgie nach Hause wankt, vernimmt er den zärtlichen Gesang einer Frau. Bevor er sie jedoch sehen kann, flieht diese in ein Haus und verschließt die Türe. Sein brennendes Verlangen nach der vermeintlichen Jungfrau lässt ihm keine Ruhe, doch auch er bekommt nicht das, was er sich vorgestellt hatte.

Der König von Strongcliff verzehrt sich nach einer Frau, die er nicht haben kann. (Foto: Concorde)
Der König von Strongcliff verzehrt sich nach einer Frau, die er nicht haben kann. (Foto: Concorde)

Im Königreich von Highhill langweilt sich derweil die Prinzessin Violet (Bebe Cave) über alle Maßen hinaus und möchte von einem Prinzen in die abenteuerliche Welt geführt zu werden. Ihrem Vater (Toby Jones) missfällt der Gedanke. Und so ruft er einen Wettbewerb um die Hand seiner Tochter aus, der scheinbar unlösbar ist. Doch einem gelingt es.Und so ist Violet gezwungen, mit einem Mann fort zu gehen, der so gar nicht ihren Vorstellungen entspricht.

Nichts für Kinder

Schon am Anfang wurde mir klar: Das ist nichts für Kinder. Der Film ist in seiner Darstellung von nackter Haut, Blut und Gewalt sehr explizit. Ich finde das gut. Regisseur Matteo Garrone bietet eine willkommene Abwechslung zu den weichgespülten Hollywoodversionen bekannter Märchen, ohne in stupiden Horror abzudriften. Die Geschichten selbst sind spannend und teilweise nicht vorhersehbar (vor allem die Story um Violet).

Der König von Highill wiegt sich und seine Tochter in Sicherheit. Ein Trugschluss. (Foto: Concorde)
Der König von Highill wiegt sich und seine Tochter in Sicherheit. Ein Trugschluss. (Foto: Concorde)

Hinzu kommt, dass die italienisch-französisch-britische Koproduktion wunderbar aussieht. Die Drehorte sind fantastische Naturkulissen und passen perfekt. Die Gole dell’Arcantara auf Sizilien, die Höhlen von Vie oder der Wald von Sassetto – hier musste nicht mehr viel nachgeholfen werden. Visuell nennt Garrone Goyas „Die Launen“ (Los Caprichos) als große Inspiration. Und das ist auch erkennbar.

Die wohl bekannteste Darstellung aus Goyas "Launen": Wenn die Vernunft schläft, gebiert sie Monster". Bild: Wikipedia
Die wohl bekannteste Darstellung aus Goyas „Launen“: Wenn die Vernunft schläft, gebiert sie Monster“. Bild: Wikipedia

Ähnlich auch bei den Spezialeffekten. Die bewusste Entscheidung zu haptischen Props, Kostümen und Modellen, die am PC nur etwas nachbearbeitet wurden, macht sich für mich bezahlbar. Das Ganze wirkt auf körperliche und emotionale Weise viel echter, viel näher. Allein durch die Optik hatte ich ein viel stärkeres Gefühl in die Welt einzudringen als bei Hollywoodfilmen. Schön zu wissen, dass das doch noch geht, nachdem mich die „Hobbit“-Abenteuer nur mittelmäßig begeistern konnten.

Der Film kam für mich unerwartet, ich hatte nichts von ihm im Vorfeld mitbekommen. Umso schöner, dass er mich so abgeholt und mitgenommen hat. Ich hoffe, Garrone verfilmt noch mehr von den übrigen 47 Original-Märchen!

„Das Märchen der Märchen“ von Concorede läuft ab dem 27. August 2015 im Kino.

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Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 28. August 2015

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