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Spiele sind zu teuer

Geschrieben von Andreas

Ich habe nichts gegen Fortsetzungen. Egal ob Spiel, Film oder Buch – Hauptsache man gibt sich Mühe. Ärgerlich finde ich es aber, wenn fünf Entwicklungsstudios fast drei Jahre an einem Spiel arbeiten und dann nicht mehr als einen Mission-Pack zum Vollpreis veröffentlichen. Bioshock 2 ist kein schlechtes Spiel, aber es ist furchtbar ideenlos und recycelt lediglich den Vorgänger. Bis jetzt dachte ich immer, Spiele sind deswegen so teuer sind, weil man neue Spielideen entwickelt und Konzepte umsetzt. Das dauert bei einem AAA-Titel ungefähr drei Jahre, braucht über 100 Mitarbeiter und kostet zwischen 25 – 30 Millionen Dollar (Einige sind teurer). Manchmal kommen dann tolle Spiele heraus: Batman Arkham Asylum, Dead Space oder Dragon Age Origins. Meist ist es aber nur ein CoD-Klon.

Alte Ideen und Szenarios werden ständig neu aufgelegt und bald wird keiner mehr die einzelnen Spiele auseinander halten können. Und dafür will der Publisher 50 bis 70 € haben. Das ist eine Menge Geld. Für den Preis kann ich ein paar Mal ins Kino gehen, ein paar Bücher kaufen oder das Auto volltanken. Einigen Publishern ist dieser Preis noch zu niedrig und sogar Journalisten unterstützen höhere Preise. Natürlich ging die Wirtschaftskrise nicht schadlos an der Branche vorbei. Die Umsätze sind stark gesunken und einige Entwicklungsstudios mussten schließen. Heute gilt man schon als etwas Besonderes,wenn man über 10 Jahre als Entwickler überlebt hat. Daran sind u. a. Raubkopien schuld, aber man sollte auch einen Geschäftsplan in Frage stellen, wenn ein Studio nach nur einem Spiel schließen muss, weil es hinter den Erwartungen zurück blieb. Warum setzt man sein ganzes Geld auf den einen großen Hit? Das widerspricht jeder unternehmerischen Logik. Es gibt nur wenige Stimmen, wie die von Richard Hilleman, EA. Er sagte in einem Interview, dass man keine Angst vor kleinen, günstigeren Spielen haben sollte. Stichwort iPhone. Das muss man natürlich auch kritisch hinterfragen, denn ein Casual Game wie Peggle besitzt keineswegs den künstlerischen Wert eines Spiels wie Deus Ex oder des ersten Bioshock.

Richard Hilleman von EA will kleinere Spiele

Dass es möglicherweise mehr Spieleflops als Hits gibt, liegt auch im Überangebot. Sven hat mal zusammengetragen, wie viele Spiele alleine im März erscheinen. Da ist von Supreme Commander 2 bis zu Final Fantasy XIII und Bad Company 2 alles dabei. Wer soll das alles kaufen und spielen? Diese Terminplanung ist ein Armutszeugnis für die Publisher. Selbst in Hollywood werden große Filme am Startwochenende so platziert, dass sie kaum Konkurrenz haben. Außerdem könnte ich mir dank des niedrigeren Preises jedes Wochenende einen Film ansehen. Jede Woche ein Spiel? Nein, danke. Mal ein Spiel weniger kaufen? Gerne, aber erzähl das bei dieser Terminplanung mal einem Publisher – glücklich wird er nicht sein. Geht es nach ihnen sollte ein 14 – 25 jähriger sein ganzes Geld nur für Spiele ausgeben. Das macht er aber nicht und deshalb wird raubkopiert. Das ist natürlich ein Schlag ins Gesicht für jeden Entwickler, aber ist es überraschend? Verantwortung und Respekt von einem pubertierenden Teenager mit beweglichen Daumen? Das es auch anders geht zeigt das Spiel Sins of a Solar Empire mit über 300.000 verkauften Spielen. Sicherlich ein Nischenprodukt, aber für ein anderes -älteres- Publikum. Das zahlt, weil es sich kaum für irgendwelche austauschbaren Shooter interessiert.

Sins of a Solar Empire - einer der größten Überraschungshits der letzten Jahre, entwicklet von einem kleinen Team und mit wenig Geld.

Das Argument der Preisstabilität ist Augenwischerei. Das liegt nicht am Inhalt (Die Spieldauer war früher viel länger), sondern ganz einfach am Markt. Jeder will für ein Produkt nur soviel ausgeben, wie es ihm wert ist. Das dieser Preis bei Videospielen in den letzten 20 Jahren fast gleich geblieben ist, kommt einem Armutszeugnis gleich, weil es den niedrigen gesellschaftlichen Stand des Mediums unterstreicht. Höhere Preise für Bücher und Filme werden deshalb toleriert, weil sie unser Leben kulturell bereichern. Nein, ich meine nicht Transformers oder Cecilia Ahern, sondern The Hurt Locker oder Stieg Larsson. Das Gros der Spiele sind dagegen nur technisch hochgezüchtete Popcornprodukte, die man schnell vergisst, böse ausgedrückt Wegwerfware. Und ja, ich weiß, dass interaktives Erzählen eine größere Herausforderung ist, als ein paar Seiten zu tippen. Nur muss man sich dieser Herausforderung auch stellen. Vielleicht sollten wir uns an die Vorstellung gewöhnen, dass weniger mehr ist.

Zum Abschluß ein paar Hinweise: Ja, gerade Bioshock 2 als Aufhänger zu wählen, ist vielleicht etwas ungerecht. Nein, dies ist kein Aufruf zur Raubkopieren. Mir geht es um Gründe, nicht um Entschuldigungen. Ja, es gibt Ausnahmen. Mutige Entwickler wie Media Molecule, die ihre Visionen beim Publisher durchdrücken können. Und natürlich gibt es so viele Dinge, auf die ich nicht alle eingehen konnte, wie z. B. Digitaler Vertrieb oder Importe. Aber das ist ja auch nur eine hoffnungslos subjektive Kolumne.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 5. März 2010

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