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Spektakel der magischen Art: Doctor Strange

Geschrieben von Lara
Spektakel der magischen Art: Doctor Strange

Nordische Götter, mutierte Wissenschaftler, Supersoldaten und geniale Ingenieure. Marvel hat uns schon viele Superhelden näher gebracht, doch nun hält explizit die Magie mit ordentlichem Gewummse Einzug ins Marvel Cinematic Universe. „Doctor Strange“ erzählt die Entstehungsgeschichte des Sorcerer Supreme.

Stephen Strange kniet auf dem Boden mit offenen Händen.
Es ist ein langer Weg zum mächtigsten Magier der Welt | Bild: Marvel

Natürlich dauert es eine Weile bis Dr. Stephen Strange zum Meister der Magie wird. Die Heldenreise beginnt mit einem brillanten, aber arroganten Neurochirurgen, überaus überzeugend verkörpert von Benedict Cumberbatch. Das überrascht nicht, denn wer die aktuelle „Sherlock“-Serie von BBC verfolgt, erkennt Züge der Detektivfigur in Strange wieder. Doch anders als in „Sherlock“ wird der Arzt abrupt von seinem hohen Ross heruntergeholt, als er aufgrund eines selbstverschuldeten Autounfalls schwer verletzt wird. Dabei werden die Nerven in seinen Händen derart beschädigt, dass es ihm unmöglich wird als Arzt zu praktizieren. Verbittert sieht Strange seine letzte Hoffnung im Aufsuchen eines geheimen Ortes in Asien, dessen spiritueller Führer anscheinend über Wunderheilkräfte verfügt. Doch stattdessen eröffnet sich ihm dort die unendliche Welt der Magie und ihrer Gefahren.

Visuelle Pracht: Wie Inception³

Wie Magie im MCU genau funktioniert wird nicht lange erklärt. Stattdessen bekommt man einen Crashkurs über das Multiversum, der wie ein LSD-Trip anmutet. Die visuelle Präsentation ist eine der großen Stärken des Films. Gebäude, die sich auf- und ineinander falten wie Buchseiten, Portale in andere Länder und Spielereien mit den Zeitebenen werden atemberaubend in Szene gesetzt. Ihr erinnert euch an „Inception“? Stellt euch das dreimal so kreativ und prachtvoll vor.

Daran knüpfen auch die Kampfszenen an, denn es gibt viel Martial Arts zu sehen. Obwohl das alles vor Green Screen gedreht wurde, macht die Action Spaß. Hier lohnt sich die 3D-Version des Films.

Style over substance und andere Probleme

Inhaltlich fällt der Film dahinter leider deutlich zurück. Zu viele Witze und One-Liner stören den Spannungsaufbau. Antagonist Kaecilius (Mads Mikkelsen) bleibt zu blass, bekommt zu wenig Tiefe. Seine Hintergrundgeschichte wird nur angedeutet, was seine Motivation zu sehr ausdünnt. Zwischen ihm und Doctor Strange gibt es im ganzen Film nur einen längeren Dialog, der leider sehr platt bleibt. Es scheint immer mehr zum Problem von Marvel zu werden, einen überzeugenden, gut geschriebenen bösen Gegenspieler abzuliefern. An Mikkelsen liegt es jedenfalls nicht. Das wissen wir seit „Casino Royale“ und seit der „Hannibal“-Serie.

Gesicht von Bösewicht Kaecilius
Nutzt die Magie für üble Zwecke: Kaecilius | Bild: Marvel

Auch die Nebenfiguren sind teilweise unzufriedenstellend. Während Chiwetel Ejiofor und Benedict Wong ihre Sache gut machen und ihre Figuren überzeugend präsentieren, ist Dr. Christine Palmer (Rachel McAdams) eine Enttäuschung. Sie verkommt zum Loveinterest und zur selbstlosen Helferfigur. Egal wie schlecht Strange sie behandelt, sie hilft ihm immer wieder. Die wenigen Erklärungen, die sie bekommt, nimmt sie hin. Damit erinnert sie leider stark an Natalie Portmans Jane Foster im ersten „Thor“-Film.

Tilda Swinton als Ancient One demonstriert Stephen Strange ihre Fähigkeiten
Ancient One öffnet Stephen Stranges Augen für eine völlig neue Welt. | Bild: Marvel

Noch schwieriger wird es bei der Figur Ancient One. Tilda Swinton spielt die Rolle wirklich, wirklich gut. Sie zeigt die vielen Seiten der Figur, nachdenklich, höflich, bestimmt, konfliktbeladen, gefestigt, obwohl sie weniger Screen Time hat als Cumberbatch als Strange. Die Besetzung samt neuer Herkunft ist allerdings problematisch. Die Comicvorlage der Figur ist gebürtiger Tibetaner. Das Ersetzen dieser asiatischen Herkunft durch eine weiße Person (white washing) in großen Hollywoodproduktion wurde in den letzten Jahre wiederholt kritisiert. Zu Recht. Zuletzt sorgte die Ankündigung einer Mulan-Verfilmung mit einem weißen, männlichen Protagonisten für Aufregung.

Als Einführung der Figur des Doctor Strange und des Elements Magie in das MCU ist der Film freilich gelungen. Gerade optisch macht der Film einiges her und lohnt sich allein deshalb schon. „Doctor Strange“ ist der erste Herbstblockbuster, um dem grauen Nass zu entfliehen. Am Ende lohnt sich übrigens das Sitzenbleiben, denn es gibt gleich zwei zusätzliche Szenen in der Mitte und am Ende des Abspanns. Und eine ganz praktische Warnung ist Marvel auch wichtig: „Drive safely and don’t look at your phone“ steht als letzter Satz auf der Leinwand.

„Doctor Strange“ läuft ab dem 27. Oktober in den Kinos.

vhttps://www.youtube.com/watch?v=csVu15mEfQo

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Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 26. Oktober 2016

2 Kommentare zu “Spektakel der magischen Art: Doctor Strange

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