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Sinister 2: Die Projektion des Bösen

Geschrieben von Lara
Sinister 2: Die Projektion des Bösen

Die meisten Horrorfilme der letzten Jahre enttäuschten für mich eher. Wenig Neues, Franchise-Ausschlachtung und Remakes schafften es nicht, mich zu überzeugen. Lediglich im Rahmen des Fantasy Film Fests gab es ein paar richtig gute Lichtblicke. Eine der wenigen Ausnahmen, die mich nicht komplett langweilten, war „Sinister“. Neben dem Horrorplot war da nämlich noch ein Familiendrama rund um Ellsion Oswalt (Ethan Hawke). Diese zweite Ebene verlieh dem Film einen frischen Wind.

Vater, Kind, Dämon – Wer ist der Böse?

Auch im zweiten Teil von „Sinister“ wird diese Dopplung aufgebaut. Dieses Mal kommt aber noch deutlicher die Überlegung „Das wahre Monster ist der Mensch“ zum Tragen. Eine junge Mutter von Zwillingen flieht vor ihrem Ehemann in ein altes Farmhouse. So gruselig und erschreckend der Film bis dahin vielleicht auch sein mag, die für mich schlimmste Szene kommt erst im letzten Drittel. Denn da wird ein Gewaltausbruch des Ehemanns bei einem gemeinsamen Abendessen gezeigt.

Kann Ex-Polizist So & So Courtney und ihre Söhne beschützen? (Foto: Wildbunch Germany)
Kann Ex-Polizist So & So Courtney und ihre Söhne beschützen? (Foto: Wildbunch Germany)

Aber der klassische Haunted House Horror-Plot steht erst einmal im Vordergrund. Während der ehemalige Deputy und jetzt Privatdetektiv So & So (was für ein Name!) versucht, die Ereignisse aus dem ersten Teil zu verarbeiten, entwickelt er den Plan, sämtliche Gebäude, in denen es zu seltsamen Familienmassakern kam, niederzubrennen. Bei Courtney Collins und ihren Zwillingen Dylan und Zach kommt er jedoch zu spät. Die drei sind in eines der Häuser geflohen, Dylan fand bereits den Projektor mit den schaurigen Filmaufnahmen. So & So versucht verzweifelt hinter das Geheimnis der Morde und des Bughuul-Dämons zu kommen. Und dann taucht der Ehemann von Courtney auf…

Meta Horror im Nebel

Interessant war für mich neben den zwei Plot-Ebenen noch die Meta-Ebene des Horrorfilms. Die Homemade Horror-Filme spielten bereits im ersten Teil eine Rolle, in „Sinister 2“ wurde ein noch stärkerer Fokus auf diese gelegt. Dies geschieht anhand der Zwillinge, deren Perspektive einen Großteil des Films einnimmt. Für die meisten Menschen entstehen ihre Ängste in ihrer Kindheit. Als Kind besitzt man eine andere Sicht auf die Welt. Als Kind akzeptiere ich manches noch leichter, weil ich noch nicht so sehr gesellschaftlich geprägt bin. Aber ich bin auch leichter beeinflussbar, und genau das macht sich der Dämon zunutze. „Sinister 2“ bietet eine interessante Reflexion von Angst in der Kindheit – übertragen auf das Medium Film.

Ist es für Dylan schon zu spät?  (Foto: Wildbunch Germany)
Ist es für Dylan schon zu spät? (Foto: Wildbunch Germany)

Bei einer Sache bin ich mir nicht sicher: Wollte Regisseur Ciarán Foy auch eine Kritik am Horror-Genre selbst äußern? Schließlich bekommt der Dämon erst Einfluss und Kontrolle über die Kinder, je mehr sie von den grausamen Hinrichtungen auf der Leinwand ansehen. Ist „Sinister 2“ also ein Horrorfilm über den negativen Einfluss von Horrorfilmen? Ich denke nicht, schließlich wird darauf hingewiesen, dass der Dämon bereits vor der Existenz von Filmen sein Unwesen trieb. Er verwendete beispielsweise Musik, eine bestimmte Tonfolge, um die Kinder zu korrumpieren. Viel eher erscheint mir das Aufmachen der zweiten Story-Ebene um das Familiendrama Foys eigentlicher Punkt zu sein. Vielleicht gibt es das Böse in der Welt und eventuell beeinflusst es Menschen. Aber für Foy ist der Mensch selbst das schlimmere Übel, auch wenn es im Plot eine kleinere Rolle einnimmt.

Der Fluch der Fortsetzungen?

Mein Problem mit dem Film ist: Er führt die Geschichte des ersten Teils zwar fort, bietet aber vom Grundgerüst her nichts Neues. Nur der Blickwinkel ist ein etwas anderer. Und die Lehre „Das wahre Monster ist der Mensch“ ist mittlerweile leider ein inflationär gebrauchter Ansatz, auch wenn „Sinister 2“ mit häuslicher Gewalt ein wichtiges und oft tabuisiertes Thema anspricht. Hinzu kommt, dass die Auflösung für mich überhaupt nicht befriedigend war. Ohne zu viel zu verraten: Das Ende ergibt für mich wenig Sinn innerhalb der Filmlogik und verfällt leider arg zur Standardkost. Hier wurde wohl mehr auf Aufregung und Effekt gesetzt, als auf einen runden Abschluss. „Sinister 2“ bleibt damit hinter dem ersten Teil zurück, und obwohl er für mich spannender als die meisten Horrorfilme war, hat er mich nicht ganz überzeugt.

Sinister 2 läuft ab dem 17. September im Kino.

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Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 16. September 2015

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