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Silence – Wunderschöne Herbstmelancholie

Geschrieben von Lara
Silence – Wunderschöne Herbstmelancholie

Es herbstelt arg in der Welt. Der Drang sich einfach zu Hause einzumummeln und das Draußen auszublenden ist stark. Da kommt Daedalics neues Spiel „Silence“ gerade recht. Nicht nur entführt es uns in eine träumerische andere Welt, sondern die unterschwellig stets mitschwingende Melancholie gibt der gegenwärtigen emotionalen Situation auch ein gutes Ventil.

Nachdem uns Daedalic mit „Fire“ in die warme und lustige Welt der Ur-Zeit gelockt hat, wird es nun eher kalt. „Silence“ ist zwar die Fortsetzung von „The Whispered World“, aber ihr müsst den Vorgänger nicht gespielt haben, um die Story zu verstehen. Trotzdem lege ich euch das sehr ans Herz, allein schon wegen der tollen Special Edition.

Wir lernen Renie kennen als sie gerade mit ihren Freundinnen im Schnee spielt. Doch plötzlich gehen Sirenen los und ihr großer Bruder Noah schafft es gerade noch sich selbst und Renie in einen Luftschutzbunker zu bringen bevor die Bomben fallen.

Noah im Bunker mit Renie
3D Figuren auf 2D Hintergründen ergeben ein wunderschönes Spiel | Bild: Daedalic

Um seine kleine Schwester abzulenken, erzählt Noah ihr mit Hilfe von im Bunker herumliegenden Gegenständen die Geschichte von „The Whispered World“ – eine tolle Idee, um Vorgeschichte und Tutorial zu verbinden. Doch dann erschüttert ein weiterer Bombenhagel den Bunker. Noah verliert das Bewusstsein und als er wieder zu sich kommt, befindet er sich an einem seltsamen Ort und Renie ist verschwunden.

So klicke und rätsele ich mich etwa fünf Stunden durch die Welt von „Silence“. Abwechselnd steuere ich dabei Noah, Renie und ihren kleinen Helfer Spot. Die Raupe ist nicht nur supersüß sondern auch ein echter Alleskönner. Mal platt wie eine Flunder, mal aufgeblasen wie ein Kugelfisch, stellenweise sogar buchstäblich on fire – Spot hilft mir oft aus der Patsche. Im Verlauf des Spiels werden die drei immer wieder getrennt und ich muss Rätsel lösen, indem ich zwischen den Figuren hin- und herschalte. Dabei sind die Rätsel immer logisch und leicht bis mittelschwer (ähnlich wie bei Anna’s Quest). Point & Click Veteranen kommen hier schnell voran.

Renie umarmt die Raupe Spot
An Knuffigkeit kaum zu übetreffen: Renie und Morph-Raupe Spot | Bild: Daedalic

Anders als im ersten Teil ist „Silence“ nicht mehr im old school Point & Click-Stil komplett handgezeichnet. Stattdesseb bewegen sich 3D-animierte Figuren durch 2D-Abschnitte. Trotzdem ist es wunderschön! Zusammen mit dem sanften Soundtrack aus Piano und Streichern, eingespielt vom Potsdamer collegium musicum, entsteht eine träumerische Welt, in der ich manchmal auch einfach nur regungslos verweilen möchte.

Noah steht vor einem Lavateich
Manche Rätsel lassen sich nur mit bestimmten Figuren lösen | Bild: Daedalic

Die Sprachausgabe ist toll, egal ob in Deutsch, Englisch oder Polnisch. Beim Lokalisieren der Dialoge zeigt Daedalic ihr Sprachgespühr. Ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich an den einen oder anderen Satz von Renie denke, wie zum Beispiel: „Oh, was für eine Tonfäne“. In den Gesprächen habe ich oft die Wahl zwischen zwei Reaktionsmöglichten. Die eine ist eher nachsichtig und ehrlich, die andere ausweichend bis wütend. Auch wenn die gewählte Option ausgenommen vom Ende eher wenig Einfluss auf den Fortgang der Story hat, so kann ich als Spielerin den Hauptfiguren eine gewisse Charakterprägung geben.

Ein Sucher: Weißer Maskenkopf mit 3 Punkten, bulliger Körper mit knochigen Armen und Beinen
Die Sucher arbeiten für die falsche Königin und schrecken vor nichts zurück, um ihren Auftrag zu erfüllen | Bild: Daedalic

Das ist auch nötig, denn leider sind die auftretenden Figuren ein bisschen flach und eindimensional gehalten. Die kurze Spielzeit ist hier eher hinderlich, da gerade die Nebenfiguren zu wenig Raum bekommen, um sich zu entwickeln. Überhaupt wirkt die Welt ein wenig klein und die Geschichte etwas gehetzt. Andererseits liefert die Story eine Erklärung für diese Entscheidung auf Entwicklerseite. Auf die Erklärung verzichte ich an dieser Stelle aus Spoilergründen. Fragt mich wenn ihr durch seid.

Das Hamburger Entwicklerstudio liefert mit „Silence“ eine schöne, spielbare Kurzgeschichte ab, die sich gut für ein kaltes Spätherbstwochenende eignet und dabei noch eine Parabel über Eskapismus darstellt.

„Silence“ ist ab dem 15.11. erhältlich für PC, PS4, Xbox One, Mac und Linux 

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Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 15. November 2016

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