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Rogue One: Vor der Hoffnung

Geschrieben von Lara
Rogue One: Vor der Hoffnung

Der meisterwartete Film des Jahres ist endlich da und ja, „Rogue One“ ist großartig. Der erste von ingesamt drei „Star Wars“-Spin-Off Filmen zeigt, dass die Marke auch ohne die Macht und Lichtschwertkämpfe bestens unterhält. Nicht nur bietet er eine neue Facette des Universums mit tollen Figuren und Schauplätzen, sondern schafft es während seiner zweistündigen Laufzeit uns mehrmals zu überraschen.

Dunkle Zeiten für Anhänger der alten Republik

Wir befinden uns in düsteren Zeiten. Imperator Palpatine und Darth Vader regieren die Galaxis mit eisener Faust. Der Senat der Republik, einst die wichtigste Institution zur Vertretung verschiedenster Interessen, ist längst zu einer Farce verkommen. Doch es formt sich zunnehmend Widerstand gegen das Imperium. Die Allianz bildet ein bröckeliges Bündnis aus Senatoren und Rebellen. Die Lage spitzt sich zu als ein vom Imperium übergelaufener Pilot von einer neuen Massenvernichtungswaffe berichtet, die kurz vor ihrer Vollendung stehen soll. Gleichzeitig stößt eher zufällig die Kleinkriminelle Jyn Erso (Felicity Jones) zur Allianz als deren Freiheitskämpfer angeführt von Cassian Andro (Diego Luna) einen Zwangsarbeitertransport befreien. Bald stellt sich heraus, dass Jyn nicht nur eine enge Verbindung zum militanten Widerstandskämpfer Saw Gerrera (Forest Whitaker) hat. Auch ihr totgeglaubter Vater (Mads Mikkelsen) scheint mit dem Bau der Superwaffe des Imperiums zu tun zu haben. Jetzt muss sich Jyn entscheiden, ob sie sich aus dem Konflikt lieber heraushält oder den Rebellen hilft.

Jyn Erso blickt mutig in die Kamera.
Jyn (Felicity Jones), die Rebellin mit Durchsetzungsvermögen. | Bild: Disney

Wie kann ein Film, dessen Ende im Großen und Ganzen bereits bekannt ist, spannend und unterhaltsam sein? An vorderster Stelle stehen hier die Figuren, gespielt von einem hervorragenden und diversen Cast an SchauspielerInnen. Neben Felicity Jones zeigen Diego Luna, Forest Whitaker, Donnie Yen, Wen Jiang, Riz Ahmed, Alan Tudyk, Ben Mendelson und Mads Mikkelsen ihr Können. Obwohl Jyn Erso nach außen die oft sture und immer durchsetzungsfähige Person ist, offenbart sich in einigen Momenten auch ihre emotionale Seite. Die Verletzungen, die sie erfahren hat sitzen tief und es fällt ihr schwer Vertrauen in die Rebellen zu setzen. Rebellenagent Cassian Andro macht es ihr dabei auch nicht gerade leicht. Bewusst hält er Informationen und Motive gegenüber Jyn zurück. Sein Umangston mit ihr ist anfangs harsch und misstrauisch. Doch im Laufe seiner Mission beginnt er an seinen Direktiven zu zweifeln.

Tolle Figuren und mein neuer Lieblingsroboter

Der Fokus liegt zwar auf Jyn und Cassian, aber die Nebenfiguren bieten deutlich mehr als Stereotypen oder Plotdevices. Jeder hat seine eigene kleine Geschichte, der genügend Raum gegeben wird. Sei es Riz Ahmeds Bodhi Rook, der vom Imperium zur Rebellion überläuft und die Dimension seines Handelns erst nach und nach erkennt. Oder Donnie Yen und Wen Jian als Chirrut Imwe und Baze Malbus, die vom Imperium aus ihrem Tempel vertrieben wurden. Als ungleiches Paar versuchen sie ihre Überzeugungen mit den Geschehnissen in Einklang zu bringen und stehen der strauchelnden Jyn immer wieder mit Rat und Tat zur Seite. Und da wäre noch mein neuer liebster Android im Star Wars Universum: K-2SO bzw. Kaytoo Esso. Alan Tudyk verkörpert den Sicherheitsdroiden mit starkem Hang zum Sarkasmus. Doch anders als BB-8 oder C3PO ist Kaytoo nicht nur Comic Relief sondern auch kritischer Bestandteil der Crew von Cassian Andor.

Der große Android K-2SO und die eher kleine Jyn Erso stehen sich gegenüber.
Vertrauen aufzubauen ist nicht leicht, wenn der Gegenüber ein sarkastischer ex-imperialer Android ist. | Bild: Disney

Hinzu kommen die vielen tollen Schauplätze und deren Bewohner, die wie bereits bei „Episode VII“ mit einer Mischung von klassisch-praktischen Effekten und CGI entstanden sind. „Rogue One“ schafft es tatsächlich ein moderner Film zu sein, der ausgiebig die Luft der Original-Trilogie atmet – und übertrifft in diesem Fall auch „Episode VII“. Alles wirkt unverkrampfter, lockerer und etwas stimmiger. Nicht tonal und von der Stimmung her sondern in Hinblick auf Erwartungen und dem schweren „Erbe“ des Franchises. Während man bei „Episode VII“ versuchte möglichst alle Generationen anzusprechen und dabei sowohl alte Fans zu erfreuen als auch neue zu generieren nimmt „Rogue One“ nimmt darauf deutlich weniger Rücksicht. Das liegt auch daran, dass dem Kreativteam erlaubt wurde, sich ein Stück von den Hauptfilmen zu lösen. Denn wie im Vorfeld bereits angekündigt, ist „Rogue One“ um einiges düsterer als alle bisherigen „Star Wars“-Filme. Ja, auch düsterer als „Das Imperium schlägt zurück“. Farbgebung und Setting vermitteln eine Atmosphäre, die ab und zu in Richtung „Blade Runner“ geht. Überfüllte Straßen, eine aggressive Stimmung und explizite Gewalt kreieren ein Gefühl einer allumfassenden Bedrohung. Das zerstörerische Potential des Imperiums ist hier erstmals in seinem vollen Umfang greifbar.

Ein tieferer Einblick in die Fraktionen

Aber auch innerhalb des Imperiums rumort es in der Führungsriege. Direktor Orson Krennic (Ben Mendelsohn) ist der Verantwortliche für den Bau der neuen Superwaffe. Immer wieder bekommt er enormen Druck von seinen Vorgesetzten zu spüren und muss sich rechtfertigen. Ihm wird klar, dass andere seine harte Arbeit als ihren Erfolg verbuchen wollen. Diese Schmach versucht er mit allen Mitteln zu verhindern.

Nahaufnahme von Direktor Krennic der böse dreinblickt.
Direktor Krennic (Ben Mendelsohn) ist nicht glücklich. | Bild: Disney

Die Allianz der Rebellen wiederum zeigt sich zerstritten und ist deutlich brüchiger als in den bisherigen Filmen. Militante Extremisten und bedachtsamere StrategInnen prallen aufeinander und nehmen der Rebellion damit ein starkes Stück ihrer Schlagkraft. Misstrauen und Unsicherheit geben das Klima vor.

Science Fantasy mit aktuellem Bezug

Diese vielen Facetten geben dem „Star Wars“-Franchise eine neue Tiefe und Breite. Das Universum wird größer und nachvollziehbarer. Aber auch abseits der Fiktion bietet „Rogue One“ einen Mehrwert. Der Film verfügt über aktuelle politische Brisanz. Vor allem die „Episoden I“ bis „VI“ waren geprägt von Fantastik und eher simplem Gut gegen Böse Denken. Mit „Rogue One“ bekommt ihr eine differenziertere Darstellung der Ereignisse. Mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage, der fortschreitende Erfolg rechtspopulistischer und nationalistischer Kräfte, bietet der Film eine starke Botschaft.

Absurde Auswüchse treibt diese Aktualtität im Hashtag #DumpStarWars in den sozialen Medien. Unter diesem Banner sammeln Trump Fans, Rassisten, selbst ernannte Alt-Right Aktivisten und Rechtsradikale und fordern dazu auf, „Rogue One“ an den Kinokassen zu boykottieren. Der Grund: Der Film wäre unpratiotisch und unamerikanisch. Angesichts der Tatsache, dass das Imperium seit dem ersten Film Ende der 1970er für ein faschistisches Regime stand, ist dieser Aufruf besonders absurd.

Der blinde Mönch Chirrut Imwe macht sich bereit für den Kampf.
Die Rebellen bekommen unerwartete Hilfe vom Jedi-Mönch Chirrut Imwe (Donnie Yen). | Bild: Disney

Ein bisschen überraschend ist es schon, dass „Rogue One“ so gut ist. Denn die beiden Drehbuchautoren Chris Weitz („American Pie“, „About a Boy“) und Tony Gilroy („Bourne“-Reihe) haben wenig Erfahrung mit Science Fiction oder Fantasy. Weitz kommt aus dem Romantic Comedy Genre und Gilroy ist für harte und realistische Polit- und Action-Thriller bekannt. Die düsteren Anteile des Films gehen wohl auf sein Konto und sind ein wichtiges Element für das Gelingen des Films. Hervorragend umgesetzt wurde das Drehbuch von Regisseur Gareth Edwards. Obwohl er erst zwei Filme gedreht hat („Monsters“ und „Godzilla“), konnte er damit bereits überzeugen. Seine Inszenierungen beweisen stets ein gutes Gespür für Momente und Stimmungen. Auch hier hat Disney ein gutes Händchen bei der Wahl bewiesen.

„Rogue One“ ist alles was wir uns erhofft hatten und noch ein bisschen mehr. Er ist damit wohl der Film, der „Episode VII“ für einige Kritiker nicht ganz war: der perfekte „Star Wars“-Film nach der Originalrilogie. Und er schafft es nahtlos an die vorhandenen Filme anzuschließen. Nach dem Ende von „Rogue One“ wollte ich jedenfalls sofort „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ anschauen.

Rogue One: A Star Wars Story läuft ab dem 15.12.2016 in den Kinos.

 

 

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Über Lara

Lara wurde in den 1980er Jahren geboren und entdeckte ihre Gaming-Leidenschaft schon früh als kleine Stöpseline. Schuld daran hat ihre Großmutter, die ihr zu Weihnachten 1991 einen GameBoy schenkte...[weiterlesen]

Veröffentlicht am 14. Dezember 2016

6 Kommentare zu “Rogue One: Vor der Hoffnung

  1. Hmm, interessant, muss ich mir wohl doch irgendwann lieber selbst ein Bild machen. So einen euphorischen Bericht habe ich bisher selten zu dem Film gesehen, die meisten anderen Kritiken werfen dem Film „Langeweile pur wegen öder Story und Klon-Charakteren vor“.

    • Lara schrieb am :

      kommt eben immer drauf an, wer die Kritik schreibt.
      ich hab fast nur positive Artikel gelesen.
      mir war auch beim zweiten mal anschauen keine sekunde langweilig.

      • Lara schrieb am :

        Ansichtssache :)

        Dass es bei Rogue One absolut subjektiv ist zeigt u.a. auch dass Breitenmedien wie süddeutsche und zeit den Film diametral unterschiedlich bewerten.

  2. Jonas schrieb am :

    Trifft meine Meinung ganz genau, genau der Film für die Leute, die Episode IV-VI gesehen haben als sie jung waren und jetzt einen weiteren Star Wars Film für ihr jetziges Alter hätten. :)

  3. Größtenteils stimme ich dir auch zu. Wurde sehr überrascht vom Film, besonders vom Ende. Nachdem Episode VII für mich so gar nicht funktioniert hat, bin ich wieder ein wenig mit Star Wars versöhnt und auch Edwards hat seine Arbeit gut gemacht (Bin nach Monsters und Godzilla großer Fan von ihm), wobei ich gerne wissen würde, wie der Film ohne Disney geworden wäre… naja…

    jedenfalls… so gut ich auch unterhalten wurde, der Film ging mir zu lang. Da hätte man einiges weg lassen können. Darth Vader z.B. Es waren zwar coole Szenen aber taten nichts mehr zu Sache. Und auch die Truppe um die beiden Protagonisten fand ich sehr oberflächlich und austauschbar. Allein der blinde KungFu-Typ und sein Buddy… das waren im Endeffekt nur Pausenclowns und haben mich genervt irgendwann. Entweder man hätte ihnen mehr Tiefgang spendiert oder auf ein Minimum gestutzt.

    Nun ja… Nichtsdestotrotz war Rouge One sehr gut Unterhaltung!

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