Oben: Eine Liebe fürs Leben
Das geht in einem Kinderfilm eigentlich gar nicht: Tod, Verzweiflung, Depression. Pixar macht es trotzdem und deswegen sind die ersten 20 Minuten von “Oben” (OT: “Up”) die schönsten und herzergreifensten Momente dieses Kinosommers.
Erzählt wird die Geschichte von Carl, der sich als kleines Kind das erste und einzige Mal verliebt, heranwächst, heiratet, mit seiner Frau eine Fehlgeburt erlebt und ihr am Sterbebett die Hand hält. Als Alter Mann steht er nun am Ende und um sein Haus herum wachsen die Geschäftskomplexe. Kurz bevor es zu spät ist, schnappt sich Carl aber tausende von Luftballons und fliegt davon.
Danach folgt das unvermeidliche Abenteuer bis ans Ende der Welt. Ein Sturm, eine Notlandung und ein Marsch durch die Wildnis – eine gekonnte, aber ziemlich altbekannte Hollywood-Mixtour für die Odyssee eines Helden. Natürlich ist Carl nicht allein: Ein kleiner dicker Pfadfinder (ärgerlich klischeehaft), ein Vogel (stumm und lustig) und ein ziemlich kluger Hund (unvermeidlich) begleiten ihn auf seinem Abenteuer, dass ihn schließlich in die Arme eines verrückten Flugpioniers führt. Durch dessen Hundetick macht bald eine ganze Schar von Killerhunden Jagd auf Carl und seine Freunde. Schließlich kommt es auf einem Luftschiff zum Showdown bei dem Carl leider so wirkt wie Bruce Willis in “Stirb Langsam 4″: Ein alter Mann, der zuviele Actionfilme gesehen hat.
Das alles ist spannend, lustig und tricktechnisch brillant. Trotzdem wird man das Meiste davon schnell vergessen und so könnte man meinen, dass die Macher mit der Dauer des Films auch der Mut verlassen hat. Dabei galt “Oben” in Hollywood sowieso schon als Risikoprojekt und keiner hätte erwartet, dass der Film allein in den USA knapp 300 Millionen Dollar einspielt. Die Ausgangslage mit einem depressiven Rentner auf der Flucht erschien vielen als Kassengift.
So kann man die routinierte Handlung akzeptieren – lieben aber nicht. Liebe gibt’s nur am Anfang.





