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Lemmy Kilmister und David Bowie: Spielerisches Erbe

Geschrieben von Daniel
Lemmy Kilmister und David Bowie: Spielerisches Erbe

Jetzt also auch David Bowie. Nach dem überraschenden Tod von Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister hat es das Pop-Chamäleon ebenfalls von diesem Planeten geholt.

Zeit also für eine Würdigung beider Musikidole hier auf Polygamia. Passt nicht, meint ihr? Doch schon, denn wir konzentrieren uns weniger auf die musikalischen Werke, sondern ihr Spiel-Erbe. Und das hat es in sich.

Lemmy Kilmister in…

Beginnen wir mit Lemmy Kilmister. Dass der Brite dem Glücksspiel zugeneigt war, ist hinlänglich bekannt. Dass er aber eine größere Rolle im Videospielkosmos einnahm – fast vergessen! Dabei ist „Brütal Legend“ (2009) von Tim Schafer ein spielerisches Kleinod, das dem Rock’n’Roll huldigt. In diesem Spiel übernehmt ihr die Rolle eines Roadies (wie passend: Jack Black in der Hauptrolle) und macht euch ins Reich der verzerrten Gitarren, wummernden Bässe und krachenden Drums auf, um dem ekelhaften Hair-Metal Einhalt zu gebieten! Neben Ozzy Osbourne, dem Frontmann Black Sabbaths, hat Lemmy einen würdigen Auftritt. Als Kill Master heilt er eine eurer Begleiterinnen – und das auf stylische Art und Weise, wie ihr hier sehen könnt:

Lemmy zeigt sich als wahrer Gentleman ohne Allüren – eine Tatsache übrigens, denn obwohl er auf der Bühne richtig abgeht und fast die gesamte Zeit seines Lebens den Jahresumsatz von Jack Daniels sicherte, galt er hinter der Bühne als bescheidener Galant mit hervorragenden Manieren. „Brütal Legend“ bekam seinerzeit gute bis sehr gute Kritiken, verkauft hat sich das Abenteuer dennoch nicht allzu gut. Glück für Sammler, denn das Lemmy-Spieljuwel könnt ihr für wenige Euro im Gebrauchthandel erwerben.

Die Auftritte von David Bowie

David Bowie a.k.a. Ziggy Stardust war Zeit seines Lebens einer der wandlungsfähigsten Künstler, gegen den Madonna oder Lady Gaga wie blasse Abziehbildchen wirken. Sein musikalisches Gesamtwerk ist derart facettenreich und exzellent, dass in den hiesigen Plattenläden eigens eine Kategorie für ihn geschaffen werden sollte. Mindestens – eigentlich sollte es ganze David-Bowie-Plattenläden geben.

Was es dafür gibt, sind zwei Spiele, in denen David Bowie einen Cameo-Auftritt hinlegt. Unbekannt dürfte „Labyrinth“ für den Commodore 64 sein, das auf dem gleichnamigen Film mit David Bowie basiert. Der Musiker ist im folgenden Filmchen ab Minute 3:26 zu sehen:

Nicht unbekannt, dafür weithin vergessen, ist „Omikron: The Nomad Soul“ (1999) von David Cage. Yep, jener David Cage, der später mit „Fahrenheit“, „Heavy Rain“ und „Beyond: Two Souls“ weit über die Grenzen des Videospieljournalismus Berühmtheit erlangen sollte. „Omikron“ war sein Debüt, und das hatte es in sich. Als Spieler versetzt ihr euren Geist in den Körper des Polizisten Kay’l, eines Bürgers der Stadt Omikron, die in einer Paralleldimension existiert. Stirbt der Spieler, übernimmt er den Körper einer anderen Figur. „Omikron: The Nomad Soul“ war das erste Spiel, in welchem jedes sichtbare Gebäude betreten werden und mit jeder der darin spazierenden Figuren ein Gespräch geführt werden konnte. Fantastisch angehaucht war das Setting, die Utopie einer Dimension, in welcher der Geist frei vom Körper existieren kann. Daran schien auch David Bowie seinen Gefallen gefunden zu haben und taucht als Schlüsselfigur im späteren Spielverlauf auf:

Die Adelung erhielt das Spiel durch den Soundtrack, der komplett von Bowie geschrieben wurde. Lediglich zwei Stücke („The Dreamers“ und „New Angels of Promises„) wurden ausgekoppelt, der Rest bleibt dem Spiel exklusiv vorbehalten – abgesehen von einigen Songs, die er als zweite Existenz im Spiel live performt und vom Album „Hours“ ausgekoppelt wurden. Echte Bowie-Fans sollten sich dieses Spiel also sichern, um die Soundsammlung des Meisters zu komplettieren. Und David Bowie, so gerne wie er in die Rollen unterschiedlichster Charaktere geschlüpft ist, hätte auch Gefallen daran gefunden, als (Frei-)Geist weiterzuleben und sich von seiner irdischen Existenz zu lösen.

Das ist ihm – und natürlich auch Lemmy Kilmister – gelungen. Die Welt verlor zwei der größten Musiker aller Zeiten.

„Brütal Legend“ ist für PS3, Xbox 360 und PC erhältlich – die Steam-Version könnt ihr zu 14,99 € kaufen. „Omikron: The Nomad Soul“ erschien für PC und Dreamcast. Die PC-Fassung wird DRM-frei auf gog.com für 9,09 € feilgeboten.

(Dank geht an Andreas Altenheimer für die Erwähnung des Bowie-Spiels „Labyrinth“)

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Über Daniel

Geboren 1985 in der graukalten DDR (dazu noch im Berliner Ghetto) strampelte sich Klein-Daniel '89 zur Mauer und riss das Ding kurzerhand ein. Nach der Wende: NES, SNES, MegaDrive, ADHS, N64, PSX und Co. bis er die nebenberufliche Laufbahn des Schreiberlings für Videospiele annahm. Das war ein Fehler. Für die teils erschrockene Leserschaft - nicht für Daniel.

Veröffentlicht am 11. Januar 2016

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