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Klomanager 2: Vom Ziel, aus Scheiße Gold zu machen

Geschrieben von Sven
Klomanager 2: Vom Ziel, aus Scheiße Gold zu machen

Früher, es muss vor mindestens zehn Jahren gewesen sein, erfreuten sich Wirtschaftssimulationen großer Beliebtheit. So mancher erinnert sich noch an “Die Planer”-Reihe, ich selbst verbrachte Wochen mit “Capitalism 2″. Und etliche Spieler werden gewiss noch den “Klomanager” kennen, der 2000 von Anvil Soft veröffentlicht wurde.Es folgten “Gold”- und “Deluxe”-Versionen, außerhalb Deutschlands wurde der Titel als “Toilet Tycoon” verkauft. Laut Entwickler-Aussagen war die recht humorige Management-Software überaus erfolgreich, eine Fortsetzung sollte also unbedingt umgesetzt werden. Die Ankündigung vom “Klomanager 2″ erfolgte ungefähr am 19. Juni 2001, das schätzt zumindest Matthias Hofmann von Anvil Soft. So richtig genau weiß er das allerdings nicht mehr, zu viel Zeit ist seit der Enthüllung vergangen. Da wundert es wenig, dass zwischenzeitlich die Engine von 8bit-Farben auf ein modernes 32bit-Grundgerüst aufgewertet wurde, aktuelles Bildmaterial möchte man bisher nicht zeigen. Was genau soll der “Klomanager 2″ überhaupt werden? Klar, der Name riecht regelrecht nach Exkrementen, aber hinter der witzigen Bezeichnung verbirgt sich offensichtlich ein ernsthaftes Projekt, in das die Programmierer ihr Herzblut stecken, um irgendwann einmal – vielleicht am 19.06.2011? – die Genreliebhaber mit einem unterhaltsamen Manager-Spiel zu versorgen. Grund genug, einmal bei Anvil nachzufragen, wie die Arbeiten am “Klomanager 2″ vorangehen.

Polygamia.de: Ich habe mir von einer vertrauenswürdigen Quelle sagen lassen, dass Ihr seit dem Jahr 2000 die Toiletten in einer McDonalds-Filiale in Nürnberg schrubbt und mit dem verdienten Geld die Entwicklung des vor Ewigkeiten angekündigten „Klomanager 2“ finanziert. Vermutlich stimmt das nicht ganz, daher: Was macht Ihr eigentlich den ganzen Tag? So lange kann doch die Fertigstellung Eurer Management-Simulation gar nicht dauern?

Matthias Hofmann: Wenn ich wüßte, wie man eine Toilette putzt, dann würde ich als erstes bei mir zuhause zum Schrubber greifen. Mein Badezimmer sieht nämlich langsam aus wie eine Tropfsteinhöhle, ich warte schon darauf, dass das Gesundheitsamt vorbeikommt und ein Biohazard-Warnschild an meine Klotür hängt. Aus diesem Grund bin ich leider gezwungen, meinen Lebensunterhalt mit der Entwicklung alberner Computerspiele zu verdienen. In den vergangenen Jahren haben wir jedoch gelernt, dass sich die Fertigstellung eines Computerspiels ganz schön verzögern kann. Eine zweites „Duke Nukem Forever“ soll der „Klomanager 2“ allerdings nicht werden, auch wenn wir in unserem offiziellen Klomanager-Forum bereits mit diesbezüglichen Vergleichen konfrontiert wurden.

Das Bild ist leider schon unzählige Jahre alt und entspricht nicht mehr dem aktuellen Entwicklungsstand

Polygamia.de: Ist der „Klomanager 2“ eigentlich eine Art Running Gag oder wie weit ist die Entwicklung aktuell?

Matthias Hofmann: Mit Ausnahme der künstlichen Intelligenz sind inzwischen alle wichtigen Funktionen eingebaut, auch die Gewichtung ist bereits abgeschlossen. Das Spiel ist also schon uneingeschränkt spielbar, nur auf die Computergegner muß man wie gesagt noch verzichten. Einige Grafiken müssen vervollständigt oder überarbeitet werden, und es fehlen noch Musik und Soundeffekte. Dazu gibt es eine Liste mit Kleinigkeiten, die natürlich ebenfalls abgearbeitet werden muß.

Polygamia.de: Kannst Du mir sagen, was uns irgendwann einmal erwartet? Wie dürfen sich Neulinge das Konzept vorstellen?

Matthias Hofmann: Zwischen „Klomanager 2“ und dem Vorgänger liegen Welten, aber um mal einige der wichtigsten Neuerungen zu nennen: Das Spiel findet nun auf einer Isometriekarte mit betretbaren Gebäuden statt, in einem Editor kann man auch eigene Karten erstellen. Es gibt etliche Charaktere mit vielen unterschiedlichen Berufen. Einige Features, wie zum Beispiel die Forschung, haben wir  erweitert. Man kann Rohstoffe abbauen, um damit neue Ausrüstungsgegenstände für Toiletten zu produzieren. Das Wirtschaftssystem ist sehr komplex und ermöglicht die Aufnahme von Krediten, eine Börse gehört ebenfalls mit dazu. Außerdem wurde unter anderem eine politische Ebene mit verschiedenen Ämtern eingeführt. Und natürlich wird es auch noch die eine oder andere Überraschung geben, sodass wir jetzt nicht gleich alles verraten möchten… Auf jeden Fall ist der „Klomanager 2“  rein inhaltlich eigentlich schon ein Vollpreisspiel!

Polygamia.de: Von wie vielen Publishern habt Ihr bisher gehört, dass Euer „Klomanager 2“ Scheiße ist? Oder sucht Ihr gar nicht erst nach einem Unternehmen, das das Spiel in den Handel bringen möchte?

Matthias Hofmann: Solange das Projekt noch nicht abgeschlossen ist, konzentrieren wir uns erst mal auf dessen Fertigstellung. Trotzdem bekommen wir zwischendurch immer wieder Anfragen, wann denn der „Klomanager 2“ endlich fertig sei, und zwar sowohl von Konsumenten als auch von Publishern. Es herrscht also bereits eine starke Nachfrage, und die Meinungen sind durch die Bank positiv. Wir machen uns daher  keine großen Gedanken, wie wir das Spiel später in den Handel bringen.

Polygamia.de: Ich habe schon von vielen kleinen Entwicklerstuben erfahren, dass der deutsche Spielemarkt ziemlich schwierig sei. Publisher stellen sich quer, Fördermittel gibt es nur spärlich und das professionelle Arbeiten mit festangestelltem Personal ist nur selten möglich – vor allem für Startups. Welche Erfahrungen habt Ihr hier gemacht?

Bild heimlich von Xing geklaut.

Matthias Hofmann: Als wir unsere Firma vor relativ genau 10 Jahren gegründet haben, war die Marktsituation eine etwas andere. Damals war es noch möglich, mit kleinen Spielen ordentlich Geld zu machen, heutzutage ist das sehr schwierig. In der Tat hat in den vergangenen Jahren eine gewisse Verdrängung kleinerer Hersteller stattgefunden, ähnlich wie in der Filmbranche wollen die meisten Konsumenten nur noch Blockbuster sehen. Da wir unsere Projekte selbst finanzieren, sind wir aber völlig unabhängig von Fördermitteln oder Publishern und genießen bei der Entwicklung unserer Spiele eine enorme Freiheit. Festangestelltes Personal haben auch wir nicht, was weniger am Geld liegt als an der Tatsache, dass das einfach wenig Sinn machen würde. Wenn wir zum Beispiel Musik brauchen, dann beauftragen wir jemanden mit der Komposition einer bestimmten Anzahl von Stücken und kaufen ihm dann die Rechte ab. Wozu sollten wir ihn also bei uns einstellen? Die Positionen innerhalb eines Entwicklerteams, die dauerhaft benötigt werden, besetzen wir selbst, alle anderen werden bei Bedarf ausgelagert.

Polygamia.de: Mit „Klomanager Deluxe“ und „Kartoffelpüree“ habt Ihr bisher zwei Spiele veröffentlicht, die so gesehen viel Wert auf Humor legen. Wie kommt dies bei den Spielern an? Besser als bei potentiellen Geldgebern?

Matthias Hofmann: Die Wirtschaftssimulation „Klomanager Deluxe“ und der Gemüse-Shooter „Kartoffelpüree“ kommen gerade wegen ihres Humors sehr gut bei den Spielern an, was natürlich auch unsere Publisher freut. Zwar sind wir zu Anfang mitunter auf Skepsis gestoßen, jedoch konnte der große Erfolg des ersten Teils unserer Wirtschaftssimulation rund ums stille Örtchen wohl inzwischen auch die  Kritiker überzeugen.

Polygamia.de: Natürlich stellt sich mir die elementare Frage in einem Interview mit Dir: Wie viel Zeit verbringst Du durchschnittlich auf der Toilette? Und fast noch wichtiger: Welche Klolektüre kannst Du allgemein empfehlen?

Matthias Hofmann: Ich bin eigentlich nicht der Typ, der auf der Toilette Zeitung liest. Man muß auch ganz schön unter Verstopfung leiden, um auf dem Klo tatsächlich etwas anderes als an die Wand gekritzelte Sprüche zu lesen. Aus diesem Grund kann ich leider keine diesbezüglichen Empfehlungen aussprechen, und meinen Aufenthalt auf dem Lokus beschränke ich gewöhnlich auf die nötige Mindestdauer. Entgegen einiger Vermutungen entstand die Idee zu „Klomanager“ auch nicht auf der Toilette, sondern in Ronalds Küche. Die ganze Geschichte dazu ist auf der offiziellen Internetseite zu Klomanager zu finden:

Polygamia.de: Welche Toilette, die Du bisher besucht hast, hat Dich am meisten beeindruckt?

Matthias Hofmann: Zu meinen persönlichen Lieblingstoiletten gehören die im Kulturzentrum Z-Bau in Nürnberg. In unserem offiziellen Klomanager-Forum gibt es sogar eine lustige Fotoreportage über meinen dortigen Besuch.

Diese Toilette hat Matthias Hofmann am meisten beeindruckt. Ihn womöglich auch inspiriert?

Polygamia.de: Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche euch noch viel Erfolg mit eurem “Klomanager 2″. Und hoffentlich sagt ihr nicht kurz vor dem Release: “Schöne Scheiße, was haben wir hier verbrochen…?” :)

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 8. April 2010

4 Kommentare zu “Klomanager 2: Vom Ziel, aus Scheiße Gold zu machen

  1. Pingback: Tweets die Klomanager 2: Mit den Entwicklern im Interview | Polygamia erwähnt -- Topsy.com

  2. Kloputzer schrieb am :

    Ich glaube ja ehrlich gesagt nicht, dass dieses Spiel nach fast 9 Jahren Entwicklungszeit noch jemals das Licht der Welt erblicken wird. Auch das Forum scheint ziemlich tot zu sein. In dieser Ewigkeit entwickeln andere kleine Firmen mindestens eine Hand voll guter Spiele…

  3. Pasch schrieb am :

    Ganz ehrlich? Ich bezahl' für solche Scheiße zwar maximal 5€ aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass aus dem Spiel was wird.

    Denn wie könnte man weiter vom Standart abweichen: Wirtschaftssimulation, witzig, Klos und Politik!

    Das nenne ich mal Inventionen.

    Ich drück den Entwicklern die Daumen.^^

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