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Killerspiele am Wochenende

Geschrieben von Sven

Es donnerte. Es blitzte. Regen prasselte an die Fenster. Die schönen 20 Grad des Nachmittags waren längst vergessen, jetzt war es stürmisch, kalt und nass. Draußen. Einem erholsamen und gemütlichen Abend stand nichts im Weg. Die Freundin schmökerte in ihren Frauenzeitschriften, ich kramte einige Spiele heraus, die teils eingeschweißt im Regal standen. Endlich mal wieder in Ruhe etwas zocken, die stressige Woche ausklingen lassen.

Ja, das klang gut. Nur was sollte ich in Xbox 360, PS3 oder Wii einlegen? Ich sehnte mich nach Unterhaltung, am besten mit einer netten Story, gepflegter Action und natürlich Spaß.

Ich schaute mir den aufgetürmten Spiele-Stapel an und stellte mit Erschrecken fest: Kein einziger Titel war dabei, der nicht mindestens eine 16er-Freigabe von der USK erhalten hatte. Das eine oder andere Stück Software war sogar hierzulande indiziert oder gar nicht erst veröffentlicht worden. Gewalt, wohin das Auge blickte. Dabei hatte ich mir den Kram zum Großteil selbst gekauft, gewonnen oder als Rezensionsexemplar irgendwann einmal erhalten. Der Clou: So richtig hatte ich gar keine Lust auf brutales Entertainment, auch weil mich meine Freundin freundlichst darauf hinwies, dass ich doch nur „Killerspiele“ zur Auswahl hätte. Eigentlich wollte ich eh nur etwas Nettes zum Abschalten haben, nicht zum Abschlachten.

Einige der Spiele, die zur Auwahl standen. Sonst nehme ich gerne noch Vorschläge entgegen, was ich spielen sollte! Partygames sind übrigens kein Thema, die werden oft in geselliger Runde gespielt.

Jetzt stell ich mir die Fragen: Stimmt etwas mit meinem Konsumverhalten nicht? Greife ich vorzugsweise und instinktiv zu Spielen „ab 18 Jahren“? Mag ich doch mehr Gewalt, als ich vielleicht zugeben möchte? Könnte der Genuss solcher Produkte doch mein Bewusstsein verändern – in eine Richtung, die mir nicht gefällt? Bin ich bereits etwas abgestumpft? Seltsam hierbei ist, dass ich auf nichts aus dem Stapel ernsthaft Lust verspürte. Und auf etwas Altes aus der Sammlung hatte ich auch keinen Bock. Skeptisch hat mich das schon etwas gemacht. Vielleicht bin ich ein Zombie geworden, der nur kauft, weil ihm das Bedürfnis suggeriert wird?

Letztendlich hab ich übrigens zu „Drachenzähmen für Anfänger“ (ab 6 Jahren) gegriffen. Und hatte damit keine Freude. Hätte ich eventuell doch irgendein bluttriefendes Werk zocken sollen, hm?

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 27. März 2010

2 Kommentare zu “Killerspiele am Wochenende

  1. Pasch schrieb am :

    Mir geht es inzwischen auch so. Früher als ich insgesamt weniger Shooter gespielt habe konnte ich stundenlang Aufbauspiele oder Strategiespiele zocken. Aber jetzt merke ich, dass ich lieber Crysis ein drittes Mal durchspiele als eins meiner Strategiegames ein erstes Mal.

    Ich denke aber nicht, dass es an der Gewalt liegt, es liegt viel eher daran, dass in Shootern immer etwas los ist, man muss immer auf der Hut sein, hat immer Action. Die langweiligen Passagen die wir von Aufbauspielen kennen fallen weg.

    Gruß

    Pasch

  2. Robin schrieb am :

    Ich wäre sogar so frei und würde dir Dead Space und Mad World für die Wii abnehmen, falls du mit dieser ganzen unnötigen Brutalität nicht mehr klar kommen solltest :P

    Ansonsten…das letzte Spiel dass ich mir gekauft habe war Final Fantasy XIII mit einer USK 12. Und enttöuscht mich gerade unglaublich. Da bleibe ich nächstes mal doch lieber wieder bei des Spielers Lieblingsbeschäftigung. Blut & Morde. Ganz ohne quietschende Charaktere, denen man bei jedem Wort dank der hohen Tonlage die Fernbedienung vor den Latz knallen möchte :) Zeit für God Of War 3 :/

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