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Kick-Ass: Punk reloaded

Geschrieben von Andreas
Kick-Ass: Punk reloaded

Kick-Ass will Punk sein. Dreckig, frech, unangepasst. Klar, es ist eine Superheldenparodie, aber eine mit einer 11jährigen Killerin. Hit Girl ist alles andere als zimperlich: Mal hackt sie ihren Gegnern die Beine ab und mal zerfetzt sie deren Köpfe mit einem gezielten Schuss. Natürlich ist hier alles gnadenlos übetrieben und die Satire ist deutlich zu erkennen. Erst auf den zweiten Blick merkt man, wie schal und oberflächlich Regisseur Mathew Vaughn und die Drehbuchautorin Jane Johnson die Graphic Novel von Mark Millar und John Romita, Jr. umgestetzt haben. Ist es moralisch gerechtfertigt eine 11jährige als eiskalte Ninja-Killerin zu zeigen? Vielleicht, aber dann müsste man sich wenigstens für das Schicksal des Kindes interessieren.

Gestattten Hit-Girl
Gestattten Hit-Girl

Irgendwo in dieser Actionorgie ist eine tragische Geschichte versteckt: Ein Vater erzieht seine Tochter zu einer Killerin. Das ist normalerweise nichts zum Lachen, sondern eher der Stoff für das Porträt eines Serienkillers. Aber Vaughn und seine Drehbuchautorin streifen das Thema nur in einer Szene. Statt den Mut zu haben und tiefer in die Psyche Hit Girls und ihres Vaters vorzudringen, verstecken sie sich hinter Ironie und Zynismus. Das ist bequem und massentauglich, aber auch ziemlich billig. Gerade in diesem Punkt unterscheiden sich Film und Vorlage. Im Original entpuppt sich Big Daddy nicht als Polizist mit einer Mission, sondern als gelangweilter Angestellter, der seine Existenz als Superheld aufpeppt. Auch bei Millar und Romita folgt dann kein existenzialistisches Drama, aber allein dieser perfide Hintergrund bringt eine verstörende Note in das blutige Treiben.

Do-it-yourself-Held

Der Tabubruch wird im Film zum kalkulierten Gadget. Anders als in beispielsweise Scorseses „Taxi Driver“ in dem auch ein junges Mädchen mit Gewalt und Tod konfrontiert wird, ist der Regisseur nicht an Milieu und Menschen interessiert, sondern nur an den Klischees. Ähnlich wie sein Landsmann Guy Ritchie garniert er seinen Film mit zahlreichen Zitaten und Anspielungen bei denen es eher auf die Masse als auf die Klasse ankommt, pseudointelektuell postmodern. Doch die anvisierte Coolness verliert sich schnell in Wiederholungen und erreicht damit genau das Gegenteil: Statt die Mechanismen des Genres zu parodieren wird Kick-Ass zum Mainstream und erzählt mal wieder die Coming-of-age-Geschichte eines jungen Mannes, der sich durch Hartnäckigkeit aus seinen drögen Lebensumständen befreit. Da steckt Michael Bay und Steven Spielberg drin, aber bestimmt kein Punk. Zum Erwachsenwerden gehört mehr, als nur eine große Klappe zu haben.

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 29. April 2010

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