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Zu viel Werbung verdirbt die Vorfreude

Geschrieben von Sven

Warum freue ich mich nicht auf „Mass Effect 2“? Nein, das liegt weniger an meinen Genre-Vorlieben, sondern an der Art der Öffentlichkeitsarbeit, die der Publisher EA für seinen aktuellen Top-Titel an den Tag legt. Bei Biowares neuestem Action-Baller-Shooter-Rollenspiel nervt mich die Berichterstattung mittlerweile so sehr, dass ich gar keinen Bock mehr auf den Titel verspüre.

Ist das ein Wunder? In den letzten Monaten wurde ich schließlich regelrecht mit Informationen, Videos, Berichten, Dokumentationen, Exklusiv-Reportagen, Screenshots, News, Gerüchten, Interviews, Entwickler-Aussagen, DLC-Ankündigungen, Details zum dritten Teil und was weiß ich noch bombardiert. Die PR-Abteilung von EA kann zufrieden sein, denn vermutlich hat man das anvisierte Ziel erfüllt. Überall im Internet und in den Zeitschriften liest man etwas von „Mass Effect 2“, die Leute reden darüber und Google spuckt schlappe 122 Millionen Ergebnisse bei dem Suchwort „Mass Effect 2“ aus. Gametrailers.com listet knapp 60 Videos – und das vor dem Release am 28. Januar 2010. Die Flut an Trailern und Ingame-Spots auf Youtube steht uns also noch bevor.

Viel schlimmer empfinde ich da die Äußerungen der Produzenten. Teil 3 bereits in Planung , massig neue und natürlich kostenpflichtige Download-Inhalte, um die Wartezeit der Fans bis zum Abschluss der Trilogie zu verkürzen und trotzdem Kohle in die Kassen der Entwickler zu spülen. Wie soll ich mich auf die zweite Episode freuen, wenn schon wieder von weiteren Dingen die Rede ist, die man mir vorsetzen möchte. Das klingt ja schon so, als sei „Mass Effect 2“ ein interaktiver Cliffhanger, für den ich noch gutes Geld zahlen muss. Aufregend.

Seit ein paar Tagen gibt es erste Tests im Netz, dank Embargos ohne Wertung. Aber ehrlich: Ich besitze sowieso keine Motivation, mir die ewig langen Rezensionen auf Gamona, 4Players oder Looki durchzulesen. Wozu auch? Mir wurde doch schon Millionen Mal vor Augen geführt, wie toll „Mass Effect 2“ ist – in Previews, Entwickler-Videos, Ingame-Szenen und so weiter. Wahrscheinlich weiß ich längst mehr über das Spiel, als hätte ich es selbst gezockt. Und würde ich alle im Web verfügbaren Videos angucken, hätte ich bestimmt schon alles vom Spiel mitbekommen, was ich sehen muss. Überraschungsmomente? Gibts vermutlich nicht mehr.

Es zeigt sich mir im Fall „Mass Effect 2“ deutlich – und das, obwohl die große Marketing-Kampagne von „EA“ noch ansteht – dass zu viel Werbung eben..zu viel ist. Aus Vorfreude wird Gleichgültigkeit, aus Neugierde Ignoranz, aus Interesse Abneigung. Mir ist es Wurscht, ob „Mass Effect 2“ auf meinem Rechner mit 100 Frames pro Sekunde und maximalen Details grandios aussieht und ich meinen Spielstand aus dem ersten Teil übernehmen kann. Ich will nicht wissen, wie die Story von Shephard weiter geht. Zumindest vorerst nicht. Vermutlich werde ich wieder einige Monate warten und dann bei einem Schnäppchen doch noch zu „Mass Effect 2“ greifen. Aber im Großen und Ganzen hat „EA“ das Ziel bei mir verfehlt, es nämlich mit dem Einbrennen in mein Gehirn übertrieben. Somit liegen in meinem Kopf nur die verkohlten Überreste von einem Spiel, das mich sonst mit Sicherheit gereizt hätte.

Interessant ist aber eines: Zu wenig Werbung tut einem Produkt nicht gut. Zu viel offenbar auch nicht.

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 23. Januar 2010

3 Kommentare zu “Zu viel Werbung verdirbt die Vorfreude

  1. Snake schrieb am :

    Guter Kommentar. Ich denke zu viel "Werbung" (in dem Fall PR) kann die Vorfreude manchmal mindern, aber im Endeffekt werden dadurch mehr Leute erreicht, die nicht immer im Internet abhängen, und das vermehrte Aufkommen von Mass Effect 2 in Magazinen und Internet wird EA von großem Nutzen sein. Du gehörst da schon eher zu den Ausnahmen.

  2. oetti-pilsener schrieb am :

    Dann bin ich ja nicht der einzigste dem, daß so geht!

    "Überraschungsmomente? Gibts vermutlich nicht mehr."

    Ein solches Spiel sollte ja auch noch überraschend wirken!

    Zuviel ist wircklich zuviel!

  3. Ich werd's mir auch erst kaufen, wenn ME2 als Weihnachtsdeal bei Steam für 14,99€ verramscht wird. Habe ich beim ersten Teil auch gemacht und den muß ich noch zu Ende spielen.

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