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Uwe Boll im Interview

Geschrieben von Sven
Uwe Boll im Interview

Uwe Boll, der Drehbuchautor, Regisseur und Filmproduzent allerlei Spiel-Verfilmungen wie „Postal“, „BloodRayne“ oder „House of the Dead“, ist bei Gamern nicht wirklich angesehen. Auch sein öffentliches Auftreten sorgt häufig für Kopfschütteln oder gar Lacher. Dabei scheint Herr Boll eigentlich nur eines im Sinn zu haben: die Vermarktung seiner Filme.

Wir sprachen mit Herrn Boll über seine Werke und sein Verhalten anderen Kollegen gegenüber. Lest exklusiv auf Polygamia.de, warum er das tut, was er tut. Manche unserer Fragen wurden aber offenbar überlesen…

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Polygamia: Unter Fans von Computer- und Videospielen sind Sie nicht sonderlich beliebt. Dies liegt zum einen an ihren Film – Umsetzungen zu den Games „Alone in the Dark“, „Bloodrayne“ oder „House of the Dead“. Aber auch mit Äußerungen zuletzt in einem Blog auf MTV, bei dem Sie sagten, dass „Hardcore-Gamer“ ohnehin nur Filme illegal aus dem Internet laden, machen Sie sich keine Freunde, schließlich sind das schon unfaire Verallgemeinerungen. Ist Ihnen Ihr Ruf bei dem jüngeren Publikum egal?

Uwe Boll: Ne…. trotzdem muss ich doch die Wahrheit sagen, wenn man mich fragt. Ich mache alle Filme in einer Art und Weise, die möglichst vielen und vor allem mir gefallen sollen.

Polygamia: Sie meinten kürzlich, dass Sie Ihren Job an den Nagel hängen, wenn sich eine Million Menschen finden, die bei der „Stop Boll“-Petition ihre Stimme abgeben. Mittlerweile sind über 220.000 Unterschriften eingegangen. Was haben Sie denn wirklich vor, sollte das Ziel erreicht werden? Den ganzen Tag Michael Bay zu terrorisieren, wird sicher auch irgendwann öde?

Uwe Boll: Am 23.5 startet POSTAL in den US Kinos und zwar fast ohne Werbeetat und ohne Unterstützung der Kinoketten. Als einziges Mittel bleibt AUFMERKSAMKEIT über die Presse zu erzeugen, was sehr gut funktioniert und zwar nur mit der HAMMER Methode.

Polygamia: Wir müssen uns also keine Sorgen machen, dass Sie mit Drehen und Produzieren aufhören, sollten tatsächlich 1 Million Stimmen zusammen kommen?

Uwe Boll: Quatsch! Ich lass mir doch die gute Laune nicht vermiesen.

Polygamia: Ich sah vor einigen Tagen „House of the Dead“. Um ehrlich zu sein, war ich doch etwas schockiert, denn trotz einiger wirklich guter Grundelemente hat so vieles nicht gestimmt. Die Schauplätze waren passend, ein paar gute Schauspieler waren dabei, allen voran Jürgen Prochnow, und die Story hätte locker für einen ordentlichen Horrorfilm gereicht. Aber die schauspielerischen Leistungen der Protagonisten waren schlicht unterirdisch, von Dramaturgie war keine Spur und die kurz eingeblendeten Szenen aus dem Sega-Spiel waren mehr als unpassend. Wie sehen Sie denn aus heutiger Sicht ihre älteren Produktionen. Hätten Sie im Nachhinein noch etwas verbessert oder sind sie nach wie vor zufrieden – auch mit „Alone in the Dark“, „Blood Rayne“ oder „Dungeon Siege“?

Uwe Boll: Ich könnte an jedem Film was verbessern. An einigen wie „House of the Dead viel, an anderen wie „Schwerter des Königs“ und „Postal“ sehr wenig. Ich finde die „House of the Dead“ – Charaktere und Dialoge auch Scheiße – aber die Action ist super und der Film ist technisch 1A.

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Eine geschmackvolle Szene aus „House of the Dead“. Zum Glück sterben fast alle Hauptdarsteller!

Polygamia: Lassen Sie sich bei Ihren Filmen auch reinreden bzw. sind Sie auch an Feedback der Zuschauer oder Kritiker interessiert? Ginge man nur nach den Wertungen von IMDB, gäbe es ja keinen Grund mehr, weiter Filme zu produzieren?

Uwe Boll: IMDB – Blogger bewerten meine Filme, bevor sie rauskommen. Ich habe sehr viel Kritik der Fans ernst genommen und das sieht man auch ab „Bloodrayne“ – bessere Drehbücher, Dialoge, Stories.

Polygamia: Oft hat man das Gefühl, als wäre Provokation – egal ob im Film („Postal“) oder auf Youtube, in Blogs bzw. in Interviews – Ihr Lieblings-Element, um auf sich aufmerksam zu machen. Wird dies nicht mit der Zeit etwas langweilig bzw. werden Sie dadurch überhaupt noch ernst genommen – z.B. bei potentiellen Auftraggebern, die gerne einen Film von Ihnen hätten?

Uwe Boll: Ich habe keine Auftraggeber – der Markt ist mein Auftraggeber. Da ist eine Wirklichkeit, die einige Gamefanatiker und „WANNA BE “ – Filmemacher aufbauen, siehe die „Boll Petiton“. Und dann ist da die andere Wirklichkeit und die ist: ich drehe Hollywoodfilme mit Stars, die weltweit laufen. „Schwert des Königs“ ist zum Beispiel jetzt gerade auf DVD in Deutschland und den USA auf Platz 1.

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Uwe Boll mit Darstellern aus „Postal“. Der ohne Hut – das ist Herr Boll

Polygamia: Sie meckern über George Clooney, Harrison Ford, Ben Kinsley, Steven Spielberg und aktuell am liebsten über Michael Bay. Gewiss ist auch ein wenig Spaß dabei, wenn Sie über Kollegen oder Schauspieler herziehen. Aber gibt es auch noch Regisseure, Darsteller, Produzenten, die Sie mögen und schätzen?

Uwe Boll: This is ENTERTAINMENT. Alle oben angegebenen Leute haben tolle Filme und auch Scheiß – Filme gemacht. Und ich muss gegen Ford und Spielberg schiessen, da die am selben Wochenende starten wie „Postal“.

Polygamia: Aber wieso wettern Sie über Michael Bay? Der hat doch gerade keinen Film in Kino?

Uwe Boll: Michael Bay hat für jeden Film 100 bis 200 Millionen zur Verfügung und 80 Millionen für Werbung. Bei Filmen wie Transformers drehen andere teams alle Action- und Special- Effekt – Szenen. Wo ist seine leistung? Seine Stories? „Pearl Harbor“ , „Con Air“ brillieren auch nicht gerade durch super Twists und Dialoge.

Polygamia: Was macht Uwe Boll eigentlich in seiner Freizeit? Sie sagten einmal, dass Sie privat nicht wirklich etwas mit Videospielen anfangen können. Aber Filme schauen Sie doch sicher gerne, oder? Was hat Sie denn zuletzt so richtig begeistert?

Uwe Boll: No Country For Old Men, Before The Devil Know You´re Dead, There Will Be Blood….

Polygamia: 18 Millionen Euro wurden für die Mega-Produktion „Der Rote Baron“ verpulvert, um mit diesem deutschen Film auch international für Aufsehen zu sorgen. Der Film ist eine gewaltige Enttäuschung geworden. Denken Sie, dass es der deutsche Film allgemein überhaupt schaffen kann, z.B. in den USA ein Millionenpublikum zu erreichen? Was halten Sie allgemein von deutschen Produktionen?

Uwe Boll: Das ist doch der Punkt: Vergleicht man meine Produktionen mit 95% der Filme, die jedes Jahr gedreht werden – inklusive TV Filme, europäischen Filme, Direct To DVD Filme – dann sind meine Filme echte Kracher. Und das sieht auch der Zuschauer. Das zeigt doch wie FALSCH die Kritik bei mir liegt. Klar, wenn man „Schwerter des Königs“ mit „Herr der Ringe“ vergleicht, sieht „Schwerter“ alt aus. Aber wie ist es mit dem „Goldenen Kompass“, „Narnia“ etc – war dann „Schwerter“ wirklich schlechter? Ich glaube nicht.

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Uwe Boll ist überzeugt von „Schwerter des Königs – Dungeon Siege“. IMDB-Wertung: 2,6 / 10.

Polygamia: Wenn Geld keine Rolle spielen würde – was wäre Ihr richtiges „Film-Traumprojekt“?

Uwe Boll: Ein Film über den Völkermord im Sudan

Polygamia: Und eine letzte Frage: Ich hätte eine Idee für einen tollen Horrorfilm. Ich bräuchte 1,1 Millionen Euro. 100.000 für die Realisierung und eine Million, um mich nach Hawaii abzusetzen, wenn der Film floppt. Kann ich Ihnen das Drehbuch mal rüberschicken?

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 10. November 2008