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Gunblade N.Y. & L.A. Machineguns: Retro auf luftigen Schienen

Geschrieben von Sven

Irgendwie witzig: Schau ich mir meine Wii-Spielesammlung an, entdecke ich ein paar Sportspiele samt dicker Staubschicht und diverse „Mario“-Hüpfereien. Das zweite „Galaxy“ liegt sogar noch eingeschweißt auf dem Stapel ungezockter „MustHave“-Titel. Von „MustPlay“ war halt keine Rede. Und dann tummeln sich noch zig digitale Kreationen im Regal, die mir auf Nintendos Hampel-Konsole am meisten munden: Railshooter. Exklusiventwicklungen wie „House of the Dead Overkill“, „Resident Evil: Umbrella Chronicles“ oder “Dead Space Extraction”, aber auch die Arcade-Umsetzung von “Ghost Squad” (jaja, „House of the Dead 2 & 3“ fehlt mir noch). Zu zweitgenannter Kategorie gesellt sich jetzt die kleine Collection „Gunblade N.Y. & L.A. Machineguns“.

Ob Virtua Cop bei einer Neuprüfung von der USK noch immer indiziert würde?
Ob Virtua Cop bei einer Neuprüfung von der USK noch immer indiziert würde?

Dabei fing meine Begeisterung für die nüchtern betrachtet simplen Ballereien gar nicht dort an, wo sie eigentlich herkommen: aus der Spielhalle. Den ersten Kontakt hatte ich auf Segas Saturn mit der genialen „Virtua Cop“-Serie, die hoffentlich irgendwann für die Wii umgesetzt wird. Bewaffnet mit den hässlich blauen Lichtpistolen ballerte ich vor über zehn Jahren unzählige Gegner ab, später ging es mit „House of the Dead“, dem üblen „Area 51“ und dem – wie die meisten anderen Genrevertreter in Deutschland indizierten – „Die Hard Trilogy“ weiter. Auf der Dreamcast erfreute ich mich an dem echt launigen „Confidential Mission“, der überzeugenden „House of the Dead 2“-Umsetzung und nochmals am zweiten „Virtua Cop“, der Bestandteil des „Sega Smash Pack“ war.  Ich hätte mich wohl den ganzen PS1- und PS2- Lightgun-Shootern widmen können, aber diesen Bereich ignorierte ich gänzlich. Und dann kam ein HDTV-Fernseher ins Haus. Plötzlich war Schluss mit den Lichtpistolen, die bekanntlich nicht mit LCD- und Plasma- Technologie funktionieren.

Ich bin heilfroh, dass Nintendo das Problem erkannt und mit dem Wii Zapper-Aufsatz eine Lösung parat hat, die von einigen Entwicklern gut genutzt wird. Namcos frühe Alternative für die PS3 mit schlimmem Kabelsalat und Sensor-Bar ist nicht gut nutzbar, wie „Time Crisis 4“ samt Guncom 3 verdeutlicht. Aber es steht ja der Nachfolger „Razing Storm“ samt Move-Support an, der womöglich mein Interesse mit Sicherheit steigern wird, denn Railgun-Action in FullHD – das klappt mit der Wii nun einmal nicht.

Gunblade N.Y.: Optisch nicht für die Wii aufpoliert.
Gunblade N.Y.: Optisch nicht für die Wii aufpoliert.

Auf jeden Fall mag ich die Arcade-Schießereien aufgrund des eingängigen und rasanten Gameplays sehr, obwohl ich sicher nur einen Bruchteil von dem kenne, was seit den 1980er Jahren in den Spielhallen und auf Konsolen veröffentlicht wurde. Aber das ist ja gerade das Gute an Kollektionen wie „Gunblade N.Y. & L.A. Machineguns“. Mit denen kann ich schließlich meine Wissenslücken schließen. Von beiden „Klassikern“ hatte ich zuvor nichts gehört, vermutlich weil sie noch nie für eine Konsole portiert wurden. Das könnte gute Gründe haben, schließlich ist vor allem „Gunblade N.Y.“ nicht einmal ein besonders gutes Spiel. Technisch basiert das Original auf dem Arcade-Board „System 2“, das bezogen auf CPU und Arbeitsspeicher eine Ecke schwächer ist als der Sega Saturn. Mit einem Helikopter düst ihr vorgegebene Routen durch New York, um Androiden-Terroristen zu zerlegen. Die Grafik stammt sichtlich aus dem Jahr 1995, für die Wii-Ausgabe wurde nichts aufgehübscht oder dergleichen. Auch spielerisch ist alles sehr simpel: Ihr schießt euch durch die Szenarien, entweder im leichten oder höheren Schwierigkeitsgrad. Abhängig von der Wahl ändern sich die Locations und das Feindaufkommen, Endbosse gibt’s oben drauf. Nach rund 30 Minuten habt ihr „Gunblade N.Y.“ durchgezockt, motivieren können die zwei freischaltbaren Waffen, die lokalen Bestenlisten oder der Zeitmodus eher nicht. Das gilt auch für den obligatorischen Zweispieler-Koop-Modus, der immerhin für ein spontanes Match gut geeignet ist. „Gunblade N.Y.“ ist kurz, knackig und eine nette Reise in die Videospiel-Historie, mehr im Großen und Ganzen nicht. Aber hey – von einem 15 Jahre alten Lightgun-Shooter hätte ich ohnehin nie etwas anderes erwartet.

L.A. Machineguns macht trotz des Alters noch eine gute Figur auf der Wii
L.A. Machineguns macht trotz des Alters noch eine gute Figur auf der Wii

„L.A. Machineguns“ gefällt mir drei Ecken besser. Dies liegt zum einen an der nach wie vor attraktiven Optik auf Dreamcast-Niveau (vermutliche „System 3“-Arcadeplatine) und dem dezent gestiegenen Anspruch. Ihr müsst nämlich nicht nur wild um euch feuern, sondern hin und wieder Zivilisten retten – wie bei „House of the Dead“ auf gewisse Weise. Dazu gibt es sogar so etwas wie eine Story. Immerhin. Dagegen stört mich etwas die im Verhältnis zu „Gunblade N.Y.“ gesunkene Framerate, hin und wieder ruckelt es sogar recht heftig. Schön ist, dass ihr mindestens eine Stunde auf fast schon nostalgische Art und Weise unterhalten werdet, während des Spielens  überlegte ich ernsthaft, meine Dreamcast wieder rauszukramen, um mich an „Confidential Mission“ zu versuchen. Wäre da nicht das Problem mit dem Fernseher…

„L.A. Machineguns“ macht wie sein Vorläufer mit dem Wii Zapper am meisten Spaß, die Anpassung an den Wiimote-Einsatz ist in jedem Fall gelungen. Die unkomplizierte Action funktioniert problemlos, seltsam ist höchstens, dass die Fernbedienung nicht beim Schießen, sondern beim Treffen der Gegner vibriert. Wer andere Railshooter gespielt hat, weiß, dass es häufig anders herum ist. Sei’s drum, alles eine Sache der Gewöhnung.

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Der Announcement-Trailer zum Arcade-Pack.

Insgesamt bin ich mit „Gunblade N.Y. & L.A. Machineguns“ soweit zufrieden. Für knapp 30 Euro erhaltet ihr das, was die Packung verspricht: Arcade-Action in Reinkultur, ohne Schnickschnack und Anspruch. Ein kurzes Vergnügen ist die Sammlung schon, aber für mich als Freund des Genres  absolut ordentliche Unterhaltung. Sicher könnte ich das Fehlen eines visuellen Faceliftings bemängeln, dafür stimmt aber der Preis. Und ganz ehrlich: Wenn sich das Nostalgie-Paket halbwegs verkauft, steigen die Chancen auf eine „Virtua Cop“-Neuauflage. Also Leute: KAUFEN! Dass ihr euch das Geld sparen könnt, wenn ihr Railshooter doof findet, muss ich sicher niemanden sagen, oder?

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 2. September 2010

4 Kommentare zu “Gunblade N.Y. & L.A. Machineguns: Retro auf luftigen Schienen

  1. Daniel schrieb am :

    Für mich war das Doppelpack auch eher Ergänzung als vollwertige Spielesammlung. Zocken werde ich es ab und an – ansonsten kommen andere Lightgunsooter in die Lade der Wii. Resident Evil: Darkside Chronicles anyone?

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