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God of War 3: 08/15 + Grafik-Pracht = Spielspaß?

Geschrieben von Sven

Was, wenn jemand „God of War 3“ spielt, der eigentlich kein fanatischer Fan der Serie ist? Es muss zwangsläufig ein Zerriss folgen? Nein, zum Glück nicht. Denn der letzte Teil der Kratos-Saga weiß wie gewohnt zu begeistern, wenn auch vorrangig durch seine visuelle Pracht. Aber…

Ich war nur nie ein frenetischer Anhänger  von „God of War“. Sicher, die ersten beiden Episoden auf der Playstation 2 faszinierten mich durch eine grafische Opulenz, die auch heutzutage kaum an Glanz verloren hat und zum Beispiel in der „God of War Collection“ mit aufgeplusterten HD-Auflösung auf der PS3 noch richtig schick aussieht. Trotzdem empfand ich das eigentliche Spielprinzip nie als besonders herausragend, im Großen und Ganzen beschränkte sich der Verlauf auf wilde Schnetzeleien mit einem Stereotypen, mit dem ich mich nicht identifizieren wollte oder konnte. Kratos war stets ein brutaler, recht unsympathischer und sehr emotionsloser Muskelberg, der nur Rache und Gewalt im Sinn hatte. Das mag der männliche Actionfreund toll finden, mich sprach das nicht so richtig an. Dass sich fast immer alles nur um simple Rätselleien, Kletter-Aktionen, Quick-Time-Events und natürlich die bluttriefenden Kämpfe drehte, machte das Franchise für mich nicht einzigartiger. Viele Stunden verbrachte ich mit der Serie dennoch. Aber: Vor „God of War“ hatte ich sämtliche Elemente schon unzählige Male gesehen und erlebt, abgesehen natürlich von der depressiven Interpretation der griechischen Mythologie.

Wie gewohnt opulent präsentiert

Solltet ihr die Handlungen von „God of War“ und Episode 2 nur in Ansätzen studiert haben, so werdet ihr in „God of War 3“ größere Schwierigkeiten haben, der Geschichte zu folgen. Denn gleich zu Beginn seht ihr euren Vater (huch, das ist ein Spoiler?) Zeus samt seiner Götter-Truppe, und Kratos versucht mit der Hilfe der Titanen, darunter Gaya, den Olymp zu erobern bzw. zu vernichten. Wieso? Weshalb? Warum? Das wird unzureichend im Verlauf aufgeklärt,. Von euch wird genügend Vorwissen abverlangt, immerhin könnt ihr euch dank des Handbuches auf den aktuellen Stand bringen. Bei anderen Spielen hätte es hier definitiv Abwertungen für eine nicht optimal vermittelte Story gehagelt, denn wollt ihr nur „God of War 3“ erleben, fehlen euch die Bezüge zu den Vorgängern. So wird euch ein Protagonist vorgesetzt, der nur aus Wut, Aggressivität und Rachelust zu bestehen scheint und alles daran setzt, die griechischen Götter endgültig zu erledigen und damit sozusagen den gesamten Polytheismus der Antike auszurotten. Das wäre sicher ein mutiges Unterfangen der Entwickler gewesen, würde diese Religion im 21. Jahrhundert noch eine Bedeutung haben.

Alles in allem reduziert sich „God of War 3“ nur auf einen Aspekt, wieso sich Kratos wieder mit den übersinnlichen Wesen Griechenlands anlegt: Rache. Und dabei ist das sogar total banal, da er selbst für sein Handeln in der Vergangenheit verantwortlich ist. Wer hat sich denn zum Töten seiner Familie und zur Abkehr von seinen gottgleichen Fähigkeiten verleiten lassen? Die Schuld trägt er selbst, so gesehen hätte er wohl am besten Selbstmord begehen oder sich nicht von Gaya retten lassen sollen. Aber dann hätten die Entwickler vom Sony-Studio in Santa Monica Schwierigkeiten gehabt, eine Geschichte für Teil 3 zu finden. Außerdem ist sie ja auch nicht schlecht, hätte man sie etwas besser all denjenigen vermittelt, die die Vorgänger nicht gut genug kennen.

Titan Gaya rettete früher Kratos..
Gaya rettete einst Kratos. Jetzt stirbt sie durch seine Hand...

Okay, „God of War 3“ ist sowieso „nur“ ein Hack’n’Slay, das von ganz  anderen Elementen lebt: dem Kämpfen und Abschlachten von Fantasy-Gestalten. In diesem Bereich sehe ich aber nichts mehr, was mich wirklich beeindruckt. Nach wie vor sammelt ihr grüne, blaue und rote Orbs auf, die euren ehemaligen Spartaner Energie spendieren, ihm das Nutzen von Magie bzw. besonderen Waffen ermöglichen und seine vorhandenen Waffen verbessern. Er verfügt über Ikarus-Flügel, mit denen er kurzzeitig schweben kann, und seine angeketteten Klingen verwendet er gerne, um größere Abgründe zu überwinden oder Objekte anzustoßen. Sonst aber trennt er Köpfe vorzugsweise mit seinen Schlachtespielzeugen, eine ordentliche Auswahl suggeriert euch etwas Freiraum. In der Praxis macht es aber nur einen geringen Unterschied, was ihr aktuell verwendet. Außerdem ist das Menü zum Pimpen der Waffen und Talente nicht gerade einladend gestaltet, sodass ihr dort nicht so häufig vorbeischauen wollt.

Metzeln, metzeln, metzeln. Ja, das kann Kratos wirklich ausgesprochen gut. Und für mich ist „God of War 3“ im Bereich der Gewaltdarstellung nahe an der Grenze des guten Geschmacks. Wie schon bei „Dead Space“ oder zuletzt „Dante’s Inferno“ ist es mir ein Rätsel, wie dieser Titel von der USK mit einem guten Gewissen eine reguläre 18er-Freigabe erhalten konnte, bei anderen Titeln aber der Brutalitätsfaktor bemängelt wurde. Tja, vermutlich machen sich die guten Beziehungen zwischen dem BIU-Mitglied Sony und der Unterhaltungsoftware Selbstkontrolle bezahlt (haha, welch Wortspiel!)? Versteht mich nicht falsch: Ich kann sehr wohl einige Hektoliter Lebenssaft ertragen, doch wenn ich einem  menschlichen Gott den Kopf abreißen muss oder aus Sicht des Opfers sehe, wie Kratos auf mich einprügelt, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, wie das Gezeigte mit den deutschen Gesetzen vereinbar ist. Dass ich Gegner regelrecht zerreißen oder Körper aufschlitzen darf, ist ebenfalls verwunderlich und für mich teils wirklich befremdlich abartig. Schlimmer ist, dass ihr zum Töten von unschuldigen Leuten regelrecht aufgefordert werdet, auch ist es grundsätzlich nicht möglich, positive Entscheidungen zu treffen, um womöglich Kreaturen zu befreien oder zu retten (außer der Plot sieht das vor). Ist halt nicht vorgesehen bei „God of War 3“, das lineare Spiel lässt keinen Raum für verschiedene Optionen. Dafür können die nicht vorhandenen Ladezeiten während des Zockens positiv erwähnt werden.

Grafisch überwältigende Gegner
Grafisch überwältigende Gegner

Aufgrund zahlreicher Ähnlichkeiten drängt sich der Vergleich mit „Dante’s Inferno“ auf. Und tatsächlich haben sich die Entwickler von Visceral Games bei ihrem Werk sehr von „God of War“ inspirieren lassen. Interessant ist allerdings, dass die infernale Reise von Dante an vielen Stellen keinesfalls schlechter ist als „God of War 3“. Allein die Darstellung der Hölle, welche bekanntlich auf der Göttlichen Komödie des italienischen Dichters Dante Alighieri basiert, steht beispielsweise der Hades-Welt in „God of War 3“ in kaum etwas nach. Kranke Schauplätze, geschundene Wesen, widerliche Monster – es ist im Grunde eurem Geschmack überlassen, wem ihr mehr zugetan sein. Widerlich sind viele Passagen, Kämpfe und Feinde in beiden Spielen. Faszinierend finde ich bei „Dante’s Inferno“ sowie „God of War“ gleichermaßen die Vorstellung der Hintergründe. Bei „Dante“ kommt häufig eine Art Scherenschnitt zum Einsatz, bei „Kratos“ werden Story-Häppchen u.a. durch zerbrochene Vasen vermittelt. Spielerisch ähneln sich die Titel sowieso, zum Beispiel könnt ihr sowohl im Inferno als auch in der griechischen Welt auf hässlichen Mutanten „reiten“ oder facettenreiche Arten des Mordens ausprobieren. Bei „Dante’s Inferno“ habt ihr sogar die Chance, euch auf gewisse Weise dem Guten zuzuwenden und beispielsweise Seelen zu erlösen. Dadurch ändert ihr eure Fähigkeiten. „God of War 3“ geht hier nicht im Ansatz so weit, Kratos bleibt immer bösartig.

Und wodurch kann sich „God of War 3“ denn nun von „Dante’s Inferno“, das übrigens vielerorts 70er-Wertungen bekommen hat, abheben? Ihr ahnt es sicher schon, es ist einzig und allein die grafische Wucht, die die Produzenten hier an den Tag legen. Wenn ihr schon zu Beginn auf einem Titanen gegen einen toll designten Poseidon vorgeht, dann ist das unglaublich packend und faszinierend. Klar, letztendlich sind die Schlachten gegen die Götter nur Aneinanderreihungen von Quick-Time-Events, aber wie gewohnt machen diese sehr viel Spaß. Erwartet aber keine konstant flüssigen 60 Frames pro Sekunde, so wie sie die Entwickler mal versprochen hatten. Bei so mancher Kamerafahrt ruckelt es ein wenig, störend ist dies glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt. Insgesamt überwiegt die grafische Pracht, ein Highlight jagt das andere. Wahnsinn, was sich die Macher hier einfallen lassen haben. Und ja, da kann ein „Dante’s Inferno“ definitiv nicht mithalten. Höchstens beim laschen Rätseldesign, hier hat ganz klar „Darksiders“ die Nase vorn, dank komplexerer Puzzles und Aufgaben.

Action ohne Ende
Action ohne Ende

Für mich lebt „God of War 3“ etwas zu sehr von der technischen Seite, denn hinter der gelungenen Fassade verbirgt sich dann doch 08/15-Gameplay für den männlichen Klischee-Gamer. Stumpfe Action, die das Wort „Killerspiel“ neu definiert. Dass ihr einige Orte sogar mehrfach besuchen müsst, sei nur nebenbei erwähnt  Als ziemlich tragisch empfinde ich, dass ich bei „God of War 3“ (übrigens genauso wie die Vorgänger und „Dante’s Inferno“ auch) eine regelmäßige Pause einlegen musste. Mehr als eins, zwei Stunden am Stück kann ich Kratos nicht ertragen, viel zu schnell stellen sich Ermüdungserscheinungen ein. Das pausenlose Töten stumpft ab und macht plötzlich keine Laune mehr. Und das liegt nicht nur an den immer ähnlichen FInishing-Moves, sondern am immer gleichen Verlauf: Laufen! Klettern! Metzeln! Laufen! Rätsel lösen! Kämpfen! Und so weiter. Die Auflockerungen wie Verfolgungsjagden oder Flug-Passagen lockern mir das Spiel zu wenig auf.

Abschließend sei betont: „God of War 3“ ist wie gewohnt tolle Kost für Puristen, die genau das wollen, was ich bemängle. Ich selbst bin etwas angeödet – von allem, was mir hier geboten wird. Eine Ausnahme ist nur die Grafik, die einmal mehr die Leistungsfähigkeit der PS3 unter Beweis stellt und verdeutlicht, wie schnell sich Gewalt in ihrer Darstellung die letzten Jahre entwickelt hat. Nämlich in eine bedenkliche Richtung, weil sie mehr verherrlichend als abschreckend ist und vermutlich für so manchen Kritiker eine Aufwertung von „God of War 3“ rechtfertigt.

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Der Trailer mit dem Namen „Chaos will Rise“

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 14. März 2010

15 Kommentare zu “God of War 3: 08/15 + Grafik-Pracht = Spielspaß?

  1. Lutsurugi schrieb am :

    diese bewertung ist ganz klar so schlecht, weil der autor nicht auf das spiel steht. wem's gefällt, dem gefällts eben. und ja, die gewalt ist extrem, der autor wirkt allerdings extrem zimperlich, da es immernoch NUR virtuelle gewalt darstellt, egal wie echt es ausseehn mag.

    ich konnte das spiel an einem pre-gaming event spielen und musste wegen eines stromausfalls zwangsläufig eine kurze pause einlegen. sonst hätte ich die 5 stunden nämlich am stück durchgezogen. es wurde mir nicht ein einziges mal irgendwie langweilig sondern blieb immer sehr spannend. ABER das ist nunmal geschmackssache. wenn sich der autor sowas nicht gewöhnt ist und immerwieder mal eine pause einlegen muss, ist er viellicht nicht fürs zocken gemacht. hier spreche ich die ermüdungserscheinungen des autors an.

    meiner meinung nach ein top spiel, welches man sowieso nur zocken sollte wenn man die vorgänger gespielt hat.

  2. @Lutsurugi: Sicher ist das immer alles Geschmacksache. Aber ich bin sicher nicht zimperlich, dafür hab ich die letzten Jahrzehnte viel zu viel gezockt. Und was die Ermüdungserscheinungen betrifft: Diese beziehen sich nicht auf meine Müdigkeit, sondern auf meine Lust, weiter zu zocken. Es langweilt mich einfach, also nehm ich ne Pause. Danach geht es weiter. Und ja, ich bin nicht der größte Fan von "God of War", was noch längst nicht bedeutet, dass ich die Serie NICHT mag. Das wäre auch gelogen.

  3. alpha_omega schrieb am :

    Mein Gott, um mal ein wenig beim Spieltitel zu bleiben. Was erwartest du eigentlicht? Dass Kratos mit einem Motorrad den Olymp erklimmt? Dass er seine Laserkanone herausholt? Nenn mir mal ein Hack´n Slay, welches nicht unter einer gewissen Eintönigkeit leidet. Egal ob sie nun DMC, Bayonetta oder eben Dante´s Inferno heißen. So ein Spiel lebt nun mal zu 90% von seiner Inszenierung, und da passt bei GoW halt einfach alles. Wer auf ausgebiefte Rätselkost steht, sollte lieber zu einem Adventure oder zu einem Rollenspiel greifen. GoW ist ein herrlich inszenierter virtueller Film, mit brillanten Kamerafahrten, einer mitreißenden Story, klar bleiben da spielerische Momente ein wenig auf der Strecke, aber who care´s. Ein Modern Warfare 2 hat sich bestimmt auch nicht knapp 15 Mio verkauft, weil es mit unglaublich tollen spielerischen Elementen nur so um sich wirft. Aber wie gesagt, jedem seine Meinung.

  4. Martin schrieb am :

    God of War + Fangemeinde = Megahype?

    Sind wir uns doch mal ehrlich, alles was jetzt an God of War-mässigem kommt wird eine hier und da aufgewärmte Endlosschleife. Die Story/Mythologie bei GoW gibt bald nix mehr her.

    Kritisch betrachtet ist es daher vorprogrammiert, dass Wertungen sinken und einstige GOTYs nur noch durchgewunken werden.

    Trotzdem funktioniert das Gemetzel immer noch prächtig und solange wir nicht Teil 8,9,10 spielen sollen gehts ja auch noch. ;)

    In einem Punkt muss ich auch widersprechen: der Gorefaktor und die gnadenlose Brutalität ist meiner Meinung Pflicht bei God of War. Das machte die Serie von Anfang an aus.

    Aber die USK juckts wohl nimmer seit der erste Teil nachträglich doch noch in den DE-Handel kam. Des Anwalts langer Arm sei Dank.

  5. Robin schrieb am :

    Böser, böser, böser Spoiler in der zweiten Bildunterschrift. Da spar ich mir den restlichen Artikel mal bis nächsten Monat (;

  6. @Robin: Ja, ich wurde schon darauf hingewiesen. Und ja, das war pure Absicht. :D

    @Alpha_Omega: Was ich erwarte? Von einem God of War 3? Eine besser inszenierte Story, ein Protagonist, der mehr als nur ein Stereotyp ist? Rätsel, die ich nicht 3 Mio. mal irgendwo anders gesehen habe (ja, da war "Darksiders" in vielerlei Hinsicht cleverer!)? Wie wäre es mal mit überraschenden Momenten? Ein kleiner Kniff, den auch nicht alle Autoren (Story) und Designer (Gameplay) beherrschen. Und natürlich ist Modern Warfare 2 im Vergleich viel schlimmer, letztendlich ist das ein seelenloser Scheiß, von sowas ist GoW3 DEFINITIV Millionen Meilen entfernt. Versteht mein Gemeckere doch nicht als ein Zerriss, sondern auf einem (Achtung Floskel) Meckern auf hohem Niveau. Ich denke, meine genannten Kritikpunkte sind gerechtfertigt, sie dienen eher dazu, auch mal ein wenig weiter zu decken. :) Genau das ist es übrigens, was ich kritisiere: Ja, die spielerischen Aspekte bleiben auf der Strecke, weil sich GoW3 fast ausschließlich auf die Präsentation konzentriert. Sicher, Eyecandy und so..aber mir jedenfalls reicht das nicht.

    Und Martin, also ich denke, der Gewaltfaktor gehört freilich zu einem God of War(3). Aber stellenweise ist es wirklich geschmacklos, speziell die von mir genannten Aspekte. Sowas hat in einem Spiel nichts zu suchen, es sei denn, man legt absichtlich Wert auf Provokation. Und das finde ich ziemlich primitiv.

  7. alpha_omega schrieb am :

    Es ist generell sehr schwer für die Produzenten aus einem bereits fantastischen Spiel etwas noch besseres zu machen. Auch ein Uncharted 2 war meiner Meinung nach nur ein Update des ersten Teils, nur eben etwas spektakulärer und mit anderen Kulissen. Das Spielprinzip, Schießen – Klettern – Schießen – Klettern war ebenfalls wie im Vorgänger recht monoton und trotzdem hat es sämtliche Awards abgeräumt. Ich kenne eigentlich kaum einen Titel, wo der Nachfolger den bereits pompösen Vorgänger noch weit übertroffen hat, das ist nun mal das Schicksals eines Toptitels.

    Dazu kommt erschwerend auch noch hinzu, dass die Spiele in viel zu kurzen Zeitabständen auf den Markt geschmissen werden, man sich, so wie du wahrscheinlich satt gesehen hat und man irgendwann glaubt, dass es sich alles gleich anfühlt. Sicher bin auch ich ein Freund von innovativen Gameplay, aber wenn ich dann auf der anderen Seite dann wieder Tests zu Heavy Rain lesen muss, die das Spiel förmlich zerreißen, frag ich mich doch ernsthaft, was für Ansprüche manche Tester haben.

  8. Ich möcht erstmal betonen, dass ich mich hier auf polygamia nicht als Tester, sondern als Spieler sehe. Und da kritisiere ich eben Dinge, die mich persönlich und somit subjektiv stören. Gewiss spielt da auch mein Wissen eine Rolle. Ich zocke seit 20 Jahren, folglich ist das ein Unterschied zu Leuten, die vielleicht erst seit 2-3 oder von mir aus 10 Jahren spielen. Für mich haben viele Genres schon massive Abnutzungserscheinungen, weil ich so viel schon gesehen und erlebt habe. Aber ganz ehrlich: Polygamia soll jetzt auch nicht unbedingt die 14-jährigen Gamer ansprechen, die vermutlich meine Argumentation gar nicht verstehen würden, weil sie erst mit PS2 und Co. angefangen haben zu spielen. Sie besitzen andere Vorkenntnisse und haben andere Ansprüche an die neuen Spiele. Das ist keinesfalls schlecht, die haben es ja sogar gut. Sie sind noch leichter zu begeistern als ich. :)

    Was Uncharted betrifft: Ich fand Teil 1 schon sehr nett, Teil 2 ist aber ein klarer Fall von Evolution statt Revolution. Die Entwickler haben unglaublich viele Fehler aus Teil 1 entfernt, z.B. was das Storydesign (mehr Überraschung) und das Gameplay (VIEL bessere Balance aus Schießen, Klettern, Rätsel, Abwechslung allgemein) betrifft. Dazu noch ein guter Umfang, ein wirklich gelungener Multiplayer und natürlich eine viel attraktivere Optik..da hat sich innerhalb eines Jahres (von Teil 1 zu 2) sehr viel getan und verbessert. Die sind also konzeptionell nicht stehen geblieben und haben sich weiter entwickelt..viel mehr Schwierigkeiten hätten sie jetzt bei einem Teil 3.

    Und zu Heavy Rain: Als Spieler fand ich HR toll, als Kritiker/Tester hätte ich gewiss auch viel mehr zu kritisieren gehabt. Da aber letztendlich der Spaß massiv überwogen hat, kann HR doch nur ein klasse Spiel sein, oder? Naja, zumindest mein HR-Bericht hier auf poly hatte mehr Lob als Kritik parat – eben auch, weil ich Innovationen mehr schätze als eine herausragende Technik. Wobei…soooo innovativ war HR nach Fahrenheit auch nicht. :)

  9. alpha_omega schrieb am :

    Hab jetzt deinen Bericht zu HR nicht gelesen, von daher kann ich mir diesbezüglich auch kein Urteil erlauben. Ich selber spiel übrigens ebenfalls seit über 20 Jahren, angefangen mit C64, Amiga, die Sega Konsolen PS One usw. Allerdings hatte ich zwischendurch mal ne 4jährige Pause, so gegen Anfang der PS2-Zeit. Dies tat wirklich richtig gut, weil man, aufgrund der Versäumnisse, viele Dinge aufholen konnte, Dinge die vollkommen neu erschienen. Ich finde die gesamte Spielewelt ist im Moment an einen Punkt angekommen, wo sich vieles ausgereizt hat. So viele neue grundlegende Dinge gabs in dieser Gen nicht, naja, vielleicht mal abgesehen vom WiiMote herumgefuchtel, aber wer brauch das schon?

    Nochmal zu UC2, ich fand das Spiel hatte kein einziges echtes Rätsel, ähnlich wie im Vorgänger. Ich meine son bissl Figuren durch die Gegend schieben oder irgendwelche Schalter aktivieren, ist jetzt nicht unbedingt ne Sache, die ich als besonders herausragend abstempeln würde. Vom reinen Rätselanspruch her, fand ich dagegen ein GoW 1 weitaus interessanter. Allein die Dinger mit der Steinschleuder, oder das Kombinieren von Aufzügen und Statuen. Selbst das letzte TR hatte gegenüber UC1 u 2 deutlich bessere Rätselkost zu bieten. Des Weiteren schreibst du "und natürlich eine viel attraktivere Optik..da hat sich innerhalb eines Jahres (von Teil 1 zu 2) sehr viel getan und verbesser", das hat es bei God of War 3, im Gegensatz zu den beiden Vorgängern mit Sicherheit auch ;). Ich sag das jetzt mal so, weil ich den dritten Teil noch nicht gespielt hab :)

    Den MP von UC2 fand ich persönlich jetzt nicht so motivierend, erstens war mir da die Trefferabfrage etwas zu schwammig und zweitens fehlts dem ganzen dann doch an Tempo. Und die Waffenphysik, hm naja, ist halt eben kein Call of Duty. Aber da ich letztgenannteren MP eh über alles liebe, fällts mir eh immer bissl schwer mit anderen Mehrspielertiteln mich anzufreunden.

  10. Alpha, siehste. Im Grunde sehen wir doch die Spielewelt ganz ähnlich. Nur Dich stört die Stagnation z.B. im Fall God of War 3 nicht so sehr wie mich. Sonst stimme ich Dir da absolut zu, viel hat sich in dieser Generation nicht getan, abgesehen vielleicht von den technischen Möglichkeiten. Wii-Quatsch mal ausgenommen, das wurde in meinen Augen bisher kaum spannend für mich umgesetzt und so genutzt, dass ich sagen würde: Wow, was für eine coole Sache. Natal und das Ding für die PS3..naja, da bin ich auch skeptisch.

    Und zu UC2: Okay, den Multiplayer mit CoD zu vergleichen, ist unfair. :) Ich selbst habe den Mehrspieler von Modern Warfare 1 wirklich sehr sehr lange gezockt, bei Teil 2 wiederum hats mich nicht mehr gekickt..war ja sowieso fast alles wie beim Vorgänger. Für ein Action-Adventure ist der Multiplayer von UC2 aber wirklich sehr gut..allein die Grafik und Schauplätze finde ich toll.

    Und da seh ich auch den Unterschied zu God of War: UC2 ist ein Action-Adventure, bei dem es eben auch ums Klettern und "Erleben" geht..God of War ist mir da zu viel Eyecandy und Hack´n´Slay…aber Du weißt ja..alles nur eine Frage des Geschmacks. Mich würde aber mal sehr interessieren, wie Du God of War 3 findest! Wenn Du es Dir kaufst, gerne mal nen Kommentar schreiben!

  11. alpha_omega schrieb am :

    Ja, mit dem Kauf kann noch nen bisschen dauern. Hab zu viele Games hier rumliegen, die erst mal noch abgearbeitet werden müssen. Aber ich geh mal davon aus, dass er mich bei weitem nicht so weghauen wird, wie Teil 1. So ein Spielerlebnis wird man wohl nur einmal haben. Hab mir die E3 Demo mal reingezogen, war jetzt das bewährte Spielprinzip, aber sich deswegen nen genaues Urteil über das gesamte Spiel machen, kann man eben nicht. Bin halt tierisch auf die Story gespannt, in Teil 2 stürmte Kratos ja grade den Olymp, hat mich damals richtig angekotzt, dass das Spiel genau an der Stelle zu Ende war.

    In punkto Modern Warfare geb ich dir vollkommen recht. Find den MP von MW2 dermaßen sinnlos aufgepuscht, durch die ganzen vielen Killstreak-Features, das hätte man sich sparen können. Man kann sich durch die ganzen Heli´s, Predator´s und Luftschlägen kaum noch richtig bewegen, der ganze Spielspaß stockt dadurch gewaltig, ebenso der Quatsch mit den Vorrats- und Notfallkisten. Vier Kisten bei einer Serie von acht Treffern, wie krank ist das denn bitte???

    Ebenso gefällt mir das Map-Design bei den meisten Karten überhaupt nicht. Viel zu verwinkelt, zu viele Etagen, die ideale Brut für Camper (obwohl ich sonst nix gegen Camper habe). Der größte Witz ist diese Highrise Map, also wenn ich über Baunkräne klettern will, dann zock ich lieber Mirrors Edge. Ganz ehrlich, ich fand sogar den MP von World at War klassen besser als MW2. Da fand ich die Spec Ops besser, dumm nur dass der bald erscheinende DLC keine neuen Missionen sondern nur MP-Maps bietet. Derzeit zocke ich MP eigentlich nur noch MW1, und das wird wohl in Sachen Call of Duty noch ne Weile so bleiben.

  12. Pasch schrieb am :

    Zu den "übermäßigen Gewaltdarstellungen": Sicher ist das Beschriebene grenzwertig und doch hat es einen epischen Aspekt. Wer hat noch nicht alte griechische Sagen gelesen? An Prometheus' Leber wurde täglich genagt, Kronos hat Zeus' Brüder lebendig verschlungen, u.s.w.

    Es ist in der Mythologie fast allgegenwärtig, dass nicht Tod, sondern Bestrafung kommt. Und "eigentlich unsterbliche" Wesen, kann man eben nur durch Dinge wie essen oder eben Kopf vom Körper getrennt halten, unter Kontrolle bringen. Also brutal ja. Aber den Sagen und somit Vorlagen des Spiels steht es in keinster Weise nach.

  13. Pasch, natürlich findet man in der griechischen Mythologie und auch in anderen Religionen/Zeitaltern unglaublich viel Gewalt, die damals die Menschen unterhalten hat. Und hält man sich an die Vorlage, mag es schon passend sein, dass man Köpfe abreißen kann, eben z.B. von einem Gott, der nur so getötet werden kann. Aber muss ich jetzt froh sein, dass die Entwickler nicht auch noch Sodomie und Kindesmissbrauch thematisiert haben? Ist der Verzicht auf diese Inhalte dann tabu, aber Gewalt ist schon okay? :)

  14. Hey,

    sagt mal wisst ihr ob God of War 3 der letzte teil dieeser Spiele Reihe sein wird ? Oder wird es noch einen vierten Teil geben ? Inzwischen gibt es zwar schon jede Menge Spiele die in eine änliche Richtung gehen, wie Dantes Inferno, aber an God of War kommt bisher kein anderer Titel ran. Hoffe daher auf einen vierten Part!

  15. Geist Spartas schrieb am :

    Das antike Griechenland war brutal, die Mythenwelt der Griechen noch um einiges mehr. War es doch Kronos der seinem Vater Uranos mit einer Sichel das Gemächt abtrennte. Prometheus wurde tagtäglich die Leber herausgerissen, nur um wieder vollständig nach zu wachsen. Die Gewalt ist für ein solches Spiel ein wichtiges Stilmittel, obwohl es mich auch wundert, dass nach der geringfügigen Zensur im ersten Teil, Teil 3 gänzlich ohne Schnitte auskommt. Wer God of War 3 spielen möchte MUSS die ersten beiden Teile Spielen oder schaut man den dritten Teil einer Trilogie vor den ersten beiden? Für mich zählt God of War zu einer der besten und beständigsten Spielereihen. Weg von dem guten gnädigen Held in der strahlenden Rüstung, ein Stereotyp, der wohl mehr Hack´n Slay Spiele sowie RPGs verschandelt hat als ein kunstvoll in Szene gesetzter Antiheld vom Schlage des Spartaners. Mit God of War war Kratos eine Innovation und mit den folgenden beiden Teilen blieb man den Wurzeln treu, etwas anderes hätte die Spielerschaft nicht akzeptiert. Rachsüchtig, gnadenlos, egoistisch, uneinsichtig und mit brachialer Gewalt ausgestattet habe ich Kratos ins Herz geschlossen und hoffe auf weitere Teile – Vielleicht welche, in denen er die Mythenwelten anderer Völker ausmerzt. Obwohl kaum eine soviel hergeben mag wie die griechische Mythenwelt. Ich finde alle 3 Teile haben ihre Vorzüge: GoW hatte die kniffeligsten Rätsel, dafür war das Kampfsystem noch nicht perfekt. GoW 2 verbesserte das Kampfsystem, brachte mehr Zwischengegner ins Spiel und die Story bekam mehr Tiefgang und zeigte Kratos noch düsterer als zuvor. GoW 3 ist die Krönung. Die Rätsel waren bisher nicht sehr fordernd (spiele seit 3 Tagen), aber das ist alles rein subjektiv. Die Kämpfe sind noch besser geworden und die Gleichgültigkeit Kratos greift direkt auf den Spieler über und die Gewalt gibt einem einen Einblick in die Rage des Spartaners. Natürlich hat jeder seine eigene Meinung und es sei ihm gewährt. Aber God of War 3 ist bisher (derzeit Anfang des Labyrinths) ein wahrer Augenschmaus und ein mitreissendes Erlebnis.

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