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Final Fight – Double Impact: Etwas zu viel Retro

Geschrieben von Sven
Final Fight – Double Impact: Etwas zu viel Retro

Ich gestehe: Ich bin kein großer Retro-Anhänger. Während sich andere im 21. Jahrhundert noch an 8bit-Pixeln erfreuen können, lässt mich die Videospiele-Vergangenheit ziemlich kalt. Ich bin froh, dass ich an meinem aktuellen PC, meiner PS3 oder meine Xbox 360 moderne Spiele genießen kann, wozu soll ich bis zum Lebensende in Nostalgie schwelgen wollen? Aber es gibt sogar für mich Ausnahmen.

Super Mario zum Beispiel. Ich liebe diesen Klempner, aber bitte gefälligst in 2D und ohne große Experimente. Und da ist noch die große Kategorie der, tja…wie nenne ich sie? Straßen-Prügler? Street Fighter im wahrsten Sinne des Wortes, eben klassische Brawler, bei denen ihr von links nach rechts lauft und Gegner vermöbelt. Nach wie vor krame ich aus irgendwelchen Retro-Collections gerne die „Streets of Rage“-Episoden raus, seit Amiga 500 – Zeiten mag ich ebenfalls das ziemlich ähnlich gestrickte „Final Fight“. Und genau dieses damalige Meisterwerk, das ich unverändert schätze, veröffentlichte Capcom kürzlich in einer Neuauflage mit dem Namen „Final Fight: Double Impact“. „Double“ ist das 800MS-Punkte (Xbox 360 / XBLA) bzw. 9,99 Euro (PS3/PSN) günstige Spiel deshalb, weil es als Geschenk den Action-Plattformer „Magic Sword“ als Geschenk enthält. Aber der Reihe nach.

Der Spielautomat wird optisch auf Wunsch simuliert

Der Hauptkaufgrund für mich war ganz klar „Final Fight“. Von einer Neuauflage des Originals war die Rede, die Realität hat mich irgendwie ein wenig enttäuscht. Zwar kann der Titel tatsächlich auf Wunsch hochauflösend erstrahlen, aber es ist mir ein Rätsel, wieso die Entwickler nicht wenigstens die Hintergründe oder gar Animationen etwas auf Vordermann gebracht haben. Klar, dadurch spielt sich „Final Fight: Double Impact“ ganz genauso wie das Original, mir ist das aufgeplusterte Gewand in Full-HD trotzdem nicht genug. Laut Capcom wurde eine hauseigene Grafikengine verwendet, die den Klassiker in „einem neuen HD-Glanz erscheinen“ lässt. Davon merke ich nicht viel, vermutlich stammt die Engine aus dem 1980er Jahren? Und wieso es Arcade-typisch keinen richtigen Pausenmodus gibt und einige unfaire Passagen noch immer vorhanden sind, ist mir ebenso schleierhaft. Für Nostalgiker mag es ja aufregend sein, wenn ein Spielhallen-Gerät samt Röhren-Display simuliert wird, spannend find ich diese billigen Effekte aber nicht. Andere feiern diese rein optischen Features mit einem „awsome“, für mich ist das überflüssiger Quatsch. Ich bedauere es sehr, dass das Original nicht verschönert wurde, dabei ist die Zeit doch nicht stehen geblieben. Oder?

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.
So sieht Final Fight: Double Impact in Bewegung aus!

Glücklicherweise hat das Beibehalten der Optik und des technischen Grundgerüsts einen Vorteil: Zeitlos wunderbar spielt sich „Final Fight“, das Prügeln durch die fünf Stadtbezirke macht einen Heidenspaß, als hätten sich die Ansprüche an Spiele die letzten Jahrzehnte nicht geändert. Mit dem einen Button teilt ihr Schläge aus, mit dem anderen springt ihr. In Kombination werden besondere Moves ermöglicht, zum Beispiel wenn ihr beide Knöpfe gleichzeitig betätigt. Die drei Protagonisten Cody, Guy und Haggar unterscheiden sich von ihrer Kraft, der Geschwindigkeit und den Attacken, sie alle wollen natürlich die holde Dame Jessica retten, die von der Mad Gear Gang entführt wurde. So gesehen ist es immer wieder recht amüsant, dass Haggar nicht nur der Vater des Mädels ist, sondern auch der Bürgermeister der fiktiven Stadt. Welch unrealistisches Szenario. Jedenfalls kann ich als Kenner des Originals (vom SNES und Amiga) nicht über die Umsetzung meckern, vor allem im Zweispieler-Modus an einer Konsole ist „Final Fight“ ein Gaudi. Mit diesem über 20 Jahre alten Spielkonzept könnt ihr sogar eure Freundin einige Stündchen unterhalten. Mehr ist sowieso nicht drin, denn dank unendlich vieler Continues ist „Final Fight“ nach höchstens einer Stunde durchgespielt – im Standard-Arcade-Modus.

Optimiert für HD-Displays. Sieht deshalb aber nicht vieeeel besser aus.

Ein wenig ist bei „Final Fight: Double Impact“ trotzdem passiert. Ich könnt nämlich nicht nur euren Gamerscore erhöhen oder Trophäen abstauben, sondern weitere Belohnungen freischalten. Neue Artworks, Bilder und Hintergründe erhaltet ihr, wenn ihr zum Beispiel mit einem Charakter das Ende erfolgreich übersteht oder eine vorgegebene Anzahl an Wiederholungen nicht überschreitet. Das ist tatsächlich motivierend. Und dies nötigt sogar Solisten dazu, sich den brandneuen Mehrspieler-Modus anzuschauen. Ich favorisiere zwar das ursprüngliche Zocken an einer Daddelkiste, aber erstmals dürft ihr in einem „Final Fight“ online mit Freunden loslegen.  Ihr könnt ein individuelles Spiel erstellen oder spontan in ein laufendes Match einsteigen, Kumpels einladen und so weiter. Das ist nicht innovativ, aber eine klare Bereicherung – auch für Retro-Fanatiker, die Neuerungen in der Regel ablehnen. Erwähnt werden sollte übrigens der neu eingespielte Soundtrack, der zwar auch nicht mehr zeitgemäß klingt, mir aber dank einiger Ohrwürmer gut gefällt. Online-Highscore-Listen runden das Paket ab.

Ganz unter den Tisch möchte ich „Magic Sword“ nicht fallen lassen. Ist schließlich ein hübscher Bonus, den ihr euch ruhig mal anschauen solltet. Ziel ist es, 50 Ebenen eines Turmes zu erstürmen, mit eurem Helden rennt ihr innerhalb eines Zeitlimits zum Ausgang, sammelt nebenbei neue Fähigkeiten und Schlüssel. Zweitgenannte Gadgets öffnen  Räume, in denen sich Zauberer und Kämpfer befinden, die euch gerne zur Seite stehen. Die Side-Scrolling-Action ist nett und irgendwie dank des neuen Belohnungs-Systems sogar recht fordernd. Irgendwann in der 40. Ebene hatte ich es endlich geschafft, ohne von einem Gegner getroffen zu werden, das Ende des Abschnittes zu erreichen. Das war hart, das Erfolgserlebnis bereitete sogar einen Hauch von Freude, obwohl mir „Magic Sword“ auf Dauer zu eintönig ist.

Auch optisch aufpoliert, aber mehr als ein netter Bonus ist Magic Sword nicht!

Insgesamt bin ich mit „Final Fight: Double Impact“ relativ zufrieden. Relativ aus dem Grund, da ich mir vor allem grafisch mehr erhofft hatte. Hübschere Landschaften und bessere Animationen hätten sicher nicht das Gameplay der Vorlage zerstört. Unabhängig davon überrascht es mich ein wenig, dass ich nach wie vor viel Spaß mit „Final Fight“ habe, obwohl das Spiel schon gefühlte fünf Millionen Mal von mir durchgespielt wurde. Die Bezeichnung „zeitloser Klassiker“ trifft auf den Titel definitiv zu, auch jüngere Gamer sollten sich zumindest einmal die Demo zu Gemüte führen. Also unbedingt! „Magic Sword“ ist eine nette Dreingabe und keine großartige Bereicherung für die „Double Impact“-Ausgabe. Da hätte es schon „Final Fight 2“ sein müssen. Ob ich den Kauf bereut habe? Nein, keinesfalls! Und das ist eigentlich kurios: Ich habe freiwillig ein Spiel gekauft, das ich in- und auswendig kenne. Sowas können nur Retro-Freaks verstehen, oder?

Gewinnspiel: Bis zum 19. April 2010 (23.59 Uhr) wird 1x die Vollversion von „Final Fight: Double Impact“ verlost. Einfach Polygamia.de – Fan auf Facebook werden, schon nehmt ihr automatisch an der Verlosung teil. So einfach kann es sein, oder?

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Über Sven

Sven Wernicke ist Gründer von Polygamia.de. Geboren Ende der 1970er Jahre in Halle/Saale (damalige DDR), begann der erste Kontakt mit Computer- und Videospielen kurz nach der Wende....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 16. April 2010

2 Kommentare zu “Final Fight – Double Impact: Etwas zu viel Retro

  1. Danke für den Artikel. Ich hab das Spiel ebenfalls noch im Original, und das genügt, denke ich. Wärs ein wenig moderner hätt ichs mir nochmal angesehn. So aber muss das nicht sein. Oder anders gesagt : Alles ist gut so wie es (war) ist :)

  2. Ich hätte mir lieber gewünscht, dass die beiden Spiele mit komplett überarbeiteter Grafik und neuen Levels verfeinert wären. Nachdem FF und MS, ständig in Arcade-Collection verkauft worden ist, frage ich mich wer das downloaden soll?

    Ich meine das die Spiele für Fans herausgebracht haben. Gerade die haben diese beiden schon bestimmt 10x im Schrank liegen.

    Kehrt Capcom zurück zu ihren alten Tugenden?

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