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District 9: Wenn Filme die besseren Videospiele wären

Geschrieben von Andreas
District 9: Wenn Filme die besseren Videospiele wären

District 9 von Neill Blomkamp (produziert von Peter Jackson) ist ein toller SF-Film, eine spannende Mischung Action, Horror und Sozialdrama. Und wenn es auf einem Videospiel beruhen würde, wäre es die beste Spielverfilmung überhaupt.

Das Geheimrezept: Man nehme als Hauptperson einen Nobody, der aussieht wie ein Nerd, lässt ihn mutieren und mit Alienwaffen herumballern. Stimmt, klingt nach Gordon Freeman, dem Rohrzangenschwinger aus „Half-Life“. Wikus van der Meerwe ist so ein Typ, dem man nichts zutraut und der nur deshalb seinen Job behält, weil der Schwiegervater der Boss ist. Er ist eine Null, die von niemanden ernst genommen und bestenfalls als notwendiges Übel angesehen wird. Genauso wie Klempner Mario (nein, sympathisch ist ermir mit seinem Schnauzbart nicht), irgendein „Held“ aus einem RPG oder eben der nette unscheinbare Videospieler von nebenan. Vielleicht hat der Internet-Hype deshalb so gut funktioniert und Blomkamps Film zum Überraschungshit US-Kinosommer gemacht. Zielgruppenorientiertes Marketing nennt man das wohl.

Bei District 9 fühlt man auch das Mitleid mit den Aliens
Bei District 9 fühlt man auch das Mitleid mit den Aliens

Das Schöne daran: District 9 wirkt nie billig, die Actionszenen sind, anders als in „Transformers 2“, gut choreografiert und irgendwann kommt auch noch das menschliche Drama dazu. Dann fühlt man mit Wikus, weil er merkt, dass er schnell fallengelassen wird, weil er anders ist (eigentlich die logische Konsequenz aus seiner Biografie) und schließlich leidet der Zuschauer auch mit den Aliens.  Spätestens im Finale sind dann die Rollen vertauscht: Die menschliche „Kavallerie“, die genretypisch alle retten muss wird – wie in Heaven’s Gate – zur Killer-Elite. Das gibts nur selten im modernen Actionfilm und es ist eher typisch für die Obrigkeitskritik des New Hollywood in den 60er und 70er Jahren. Das ist eigentlich Kassengift und deshalb mutmaßte Den of Geek schon, dass irgendein Manager, das entsprechende Meeting zum Film verpasst hat. District 9 wäre bei normalen Bedingungen nie ins Kino gekommen.

Ein UFO über der Stadt.
Ein UFO über der Stadt.

Da unterscheidet sich District 9 übrigens von einem Videospiel. Das Publikum verunsichern – das geht eigentlich gar nicht. Anfang und Ende sind schön von der Realität getrennt, Schnittlinien sind verboten und alles wird gut. Dass Spiele Moral, Gesellschaft oder Politik in Frage stellen, gibt es eigentlich kaum – vielleicht „Bioshock“ oder „Fallout“. Deshalb sind sie eben leider nur Spiele. Warum macht eigentlich niemand aus „District 9“ ein Videospiel?

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Über Andreas

Andreas Müller wurde 1968 in Mainz geboren. Schon früh faszinierten ihn die visuellen Medien des 20. Jahrhunderts, nichtsahnend, dass er später einen Film wie Seven zu seinem Lieblingsfilm erheben würde....[weiterlesen]

Veröffentlicht am 9. September 2009